FANDOM


[Moldau Armee - Donau Armee.]

1812.

Zwey Tagsberichte.Bearbeiten


Ebenfalls in Wiener und Münchener Blättern liest man Folgendes:[1]

"Der Anführer der russischen, nunmehr sogenannten West- und Donauarmee, Admiral Tschitschagoff, welcher an den Bug dem kombinirten Heere entgegen zog, hat über die mit demselben jüngsthin vorgefallenen, und aus den in dieser Zeitung mitgetheilten Amtsberichten des Fürsten von Schwarzenberg schon bekannten Gefechte, folgende zwey Tagsberichte erlassen:

Von der Donauarmee. Hauptquartier Brzesc-Litewski, am 12ten Oktober 1812.

Wir sind gestern in Brzesc-Litewski eingezogen, das der Feind zu vertheidigen bereit schien, aber in der Nacht vom 10ten auf den 11ten Oktober in der Stille verließ, um sich wahrscheinlich nach der Seite von Bialystock zurückzuziehen. Wir hatten mit seiner Arrieregarde ein Gefecht. Den Herren Warschauern werden wir jetzt auch ein wenig unsre Anwesenheit fühlen lassen. Ein Kourier, der vor zwey Tagen aus dem Hauptquartier des Fürsten Kutusow kam, hat von dort die besten Nachrichten gebracht. Napoleon leidet die größte Noth an Lebensmitteln, und die Desertion reißt stark bey seiner Armee ein. Zwey ächtfranzösische Eskadrons sind aus Mangel an Lebensmitteln zu uns übergegangen. Den französischen Kaiser scheint die Schwierigkeit seiner Lage auf andere Gedanken gebracht zu haben. Mehrere Parlamentärs, die er an den Feldmarschall Kutusow mit Vorschlägen eines Waffenstillstandes gesendet hat, sind von Letzterm, der sie nicht einmal sehen wollte, abgewiesen worden. Die große russische Armee hat eine solche Stellung, daß sie die Kommunikation der französischen abzuschneiden droht. Dort soll schon eine ziemliche Kälte herrschen. Wir haben diese letzten Tage unter andern Gefangenen auch eine Eskadron von Kienmayr Husaren sammt dem Eskadronschef genommen. Diese werden, Officiere und Gemeine, nach ihrer Heimath auf Parole entlassen."


Von der West- und Donauarmee. Brzesc-Litewski, den 22sten Oktober.

Am 11ten Oktober schlug General Tschitschagoff, der das Kommando der unter dem Namen Westarmee vereinigten dritten und Donauarmee übernommen hatte, sein Hauptquartier in Brzesc auf. Da er den zurückgebliebenen Provianttransport erwarten mußte, beschränkte er sich darauf, den Feind durch leichte Truppen verfolgen zu lassen. Letzterer hatte die Straße von Bialystock eingeschlagen. Es fielen einige Scharmützel mit ihm vor, wobey wir ziemlich viele Gefangene machten. Der Oberbefehlshaber hielt es für dienlich, die Stellung, worin er sich befand, dazu zu benutzen, sich der Lebensmittel zu bemächtigen, welche uns die vom Feinde in dem Herzogthume errichteten Magazine darboten, und was nicht fortgeschafft werden konnte, zu vernichten. In dieser Absicht wurde der Adjutant Sr. Kaiserl. Majestät, Oberst Czernitschew, mit einem starken Detaschement leichter Kavallerie und einigen Feldstücken nach Siedlce geschickt, von wo aus er den erhaltenen Befehlen gemäß in die Gegend von Lublin marschiren, nach allen Seiten hin Streifparteyen schicken, und die Magazine, die er auf seinem Marsche anträfe, verbrennen sollte. Er erledigte sich dieses Auftrags zur vollkommenen Zufriedenheit des Oberbefehlshabers. Ein andres Detaschement leichter Kavallerie erfüllte denselben Zweck im nördlichen an den Bug gränzenden Theile des Herzogthums. Der Feind, der durch diese Einfälle, welche er für eine allgemeine Bewegung hielt, beunruhigt wurde, eilte, die Straße von Brzesc nach Warschau zu decken, änderte seine Richtung, ging bey Drohyczyn wieder über den Bug zurück, und General Regnier marschirte auf Biala zu. Ein Theil der russischen Avantgarde war bey Zalesic postirt. Am 19ten Oktober ließ sich General Essen, der sich auf die Vorposten begeben hatte, und den Feind rekognosciren wollte, in ein Gefecht ein, das ernsthafter wurde, als er geglaubt hatte. General Regnier, dessen Truppen denen an Zahl weit überlegen waren, die General etwas zu hitzig, und ohne die Ankunft der zu seiner Unterstützung bestimmten Truppen abzuwarten, in den Kampf verwickelt hatte, nöthige diesen Theil der Avantgarde, sich auf die Stellung, welche sie vor dem Gefechte einnahm, zurückzuziehen. Wir verloren etwa 300 Mann an Todten und Verwundeten, die dem Feinde theuer zu stehn gekommen seyn müssen, und eine Kanone, wovon der Officier getödtet, und die Artilleristen zum Dienst unfähig gemacht worden waren."


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Vom 29sten May.

Der Admiral Tschitschagow soll Oberbefehlshaber der Donauarmee seyn.


Lemberg, den 17ten August.

Ein Schreiben von der Moldauer Gränze vom 9ten August meldet, daß die Russen die Moldau und Wallachey räumen, und in Eilmärschen theils nach Chotym, theils nach Kreuleny marschiren, weshalb in jeder Station 500 Stück Schlachtvieh und eine große Anzahl Wagen in Bereitschaft gehalten werden müssen. Admiral Tschitschagow und der Metropolit Gabriel werden in Jassy erwartet; beyde sollen der Armee folgen.


Von der moldauischen Gränze, den 8ten August.

Die russische Armee ist bereits in vollem und eiligem Rückzuge, und es wurden überall Quartiere angesagt, Ochsen requirirt und Fuhren ausgeschrieben. Für die Ochsen und die Fuhren giebt die russische Armee einstweilen Scheine. Die ganze Armee ist angewiesen, sich jenseit des Pruths zu sammeln. Wir erfahren auch, daß die Russen vor ihrem Abzuge den Versuch einer Truppenaushebung in der Wallachey machen wollten, und in Krajova wirklich Rekrutirungen versucht haben; allein es entstand ein so bedenklicher Aufruhr unter dem Volke, daß sich Besternick Warlan, ein Bojar, den die Russen dazu brauchten, mit Noth in Bauernkleidern flüchten konnte.


Hermannstadt, den 8ten September.

Die ganze russische Donauarmee, die vormals so zahlreich war, besteht jetzt nur aus 20 bis 24,000 Mann. Die Division des Generals Woinow besteht aus 10,000 Mann, die des Generals Essen aus 5 bis 6000 und die des Grafen Langeron aus 6 bis 8000 Mann. Diese von dem General Tschitschagoff kommandirte Armee hat wegen Austreten der Flüsse, besonders des Pruth, täglich nur drey Meilen zurücklegen können.


Vermischte Nachrichten. [2]

Der General Tschitschakoff hat keine Bewegung auf Bialystock oder Grodno gemacht; dagegen sollte der Fürst von Schwarzenberg, nachdem er Verstärkung aus Gallizien an sich gezogen, bey Woldawa wieder über den Bug gehen. Die russische Armee kann bey dieser Stellung der alliirten österreichischen Truppen keine bedeutende Diversion machen, wenn es ihr gleich mit 1500 Mann gelungen ist, in Slonym zwey Schwadronen polnischer Lanziers zu überrumpeln, welche der General Kanopka daselbst formirte.


Berlin, den 21sten November. [3]

Die Armee des Admirals Tschitschagow setzt ihren Rückzug fort; ihre Kolonnen marschirten von Slonim auf Nielwictz (in Nowogrodeck).

Der Fürst von Schwarzenberg und der General Regnier folgen ihm in der Nähe, und der Eine marschirt auf Rozanna, der Andere auf Slonim. Am 10ten war der Fürst zu Zelwa.


Quellen.Bearbeiten

  1. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 286 Donnerstag, den 28. November/10. December 1812.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 261 Mittewoch, den 30. Oktober/11. November 1812.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 278 Dienstag, den 19. November/1. December 1812.


  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 150. Sonnabend, den 22. Juny 1812. ff.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.