Politische Verhältnisse zwischen Frankreich und Oesterreich.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]

Schon seit längerer Zeit walteten noch einige Differenzen zwischen den Höfen von Wien und der Tuilerien ob, und es blieben verschiedene Gegenstände zwischen demselben, besonders in Betreff der Italienischen Angelegenheiten, zu erörtern übrig. Seit der Königskrönung zu Mailand, und seit der gescheiterten Sendung des Herrn von Novosiltzoff, sind die beiderseitigen Verhältnisse wieder mehr zur Sprache gekommen. Ein einzelner Vorfall trug auch dazu bei.

Am 9ten Julius wurden nemlich zu Venedig zwei Personen von der dasigen Polizei als verdachtig arretirt, der eine war der Franzos, Herr Prony, Inspector der Brücken und Chausseen, der als Gelehrter bekannt, und Mitglied des Französischen National-Instituts ist, und der andere, der Herr Costanzo, Officier bei dem Italienischen Ingenieur-Corps. Nach der Angabe dieser Personen, reiseten sie blos in wissenschaftlicher Absicht; in Venedig hieß es, sie hätten die Lagunen aufgenommen xc. Der Französische Handels-Commissär daselbst, Herr Roustagny, hatte sich gleich für ihre Freilassung verwandt, aber sie nicht sogleich erhalten können, indem die Polizei die Sache erst näher untersuchen wollte.

Sobald der Bericht von der Arretirung nach Paris gekommen war, wurde daselbst eine Repressalie gebraucht. Zwei Oesterreichische Unterthanen, nebst einem Dritten, nemlich der Graf von Sweers-Spork, der Baron von Neuhaus und Herr von Marsch bekamen Arrest oder Wache auf ihrem Zimmer. Zugleich wurde von Paris ein Courier nach Wien, zur Aufklärung dieses Mißverständnisses, gesandt. Noch ehe derselbe aber zu Wien eintraf, waren die beiden zu Venedig angehaltenen Personen schon wieder in Freiheit gesezt, und die zu Paris arretirten Oesterreichischen Unterthanen bekamen auch sogleich ihre Freiheit wieder. Inzwischen kamen auch die einzelnen, zwischen den beiden freundschaftlichen Mächten noch obwaltenden Differenzen, in einige Erörterungen. Bei dieser Lage der Angelegenheiten herrschten zugleich von beiden Seiten beträchtliche Militär-Bewegungen. Die Französisch-Italienische Armee, die besonders an den Grenzen Italiens concentrirt war, befand sich in einem sehr zahlreichen Zustande, man schäzt ihre Stärke auf 70 - 80,000 Mann. Oesterreichischer Seits sah man sich auch zu ansehnlichen militärischen Vorkehrungen veranlaßt. Nach den Italienischen Grenzen giengen beträchtliche Verstärkungen von Truppen, und viele Transporte von Munition und Artillerie, ab. Die dasige Militär-Situation war nie in einem respectablern Stande gewesen.

Französischer Seits fing man an, sich öffentlich über den Zustand der Sachen zu äußern. "Es wundert uns nicht, (hieß es im officiellen Blatte vom 11ten August) daß die Truppenbewegungen, welche Oesterreich machen läßt, in England den Glauben erregen, daß es sich gegen Frankreich coalisiren wolle. Wir haben indessen eine bessere Meinung von den friedlichen Gesinnungen des Kaisers von Deutschland. Es ist jezt die Frage, welche von beiden Mächten, Preußen oder Oesterreich, sich gegen Frankreich erklären werde. Preußen hat laut declarirt, daß es an dem Haß der Engländer keinen Theil nehme, und die Waffen gegen Frankreich nicht ergreifen werde. Die Meinung des alten Feldmarschalls Möllendorf, dieses Waffengefährten Friedrichs des Großen, geht unter andern dahin, daß Preußen nichts von Frankreich, wol aber von einer andern Seite zu fürchten habe, und daß weit eher 100,000 Preußen zu 100,000 Franzosen stoßen müßten, als daß man sich auf eine andere Seite neigte. Es hängt jezt von dem Wiener-Hofe ab, die Frage zu entscheiden. Friede oder Krieg ist in seinen Händen. Wenn England überzeugt ist, daß Oesterreich so fest bei seinem Friedens-System verharrt, wie Preußen, so wird es selbst die Hand zu einem billigen, guten Frieden bieten. Durch fortdauernde kriegerische Dispositionen würde Oesterreich die Aengstlichkeiten und Unruhen zweier großen Nationen verlängern. Allein die Engländer täuschen sich. Eine solche Politik kann nicht das Betragen eines so offnen und biedern Prinzen leiten, wie Franz II. ist. Hätte er feindliche Absichten, so würde er die Standarte erheben. Er hat eine brave Armee, und eine zahlreiche Population; er ist überzeugt, daß ein heimlicher Krieg seiner und seiner Nation unwürdig ist. Wir zweifeln nicht, daß Oesterreich nicht den Ruhm haben wolle, zur Herstellung des Seefriedens beizutragen. Es hat sein Interesse dabei, weil dieser Augenblick allein die Trennung der Kronen Frankreichs und Italiens bestimmen, und die Russen aus Korfu, und die Engländer von Malta entfernen kann; drei Sachen, die gleich vortheilhaft für Oesterreich sind." So weit der Moniteur.

Allerdings wünscht Oesterreich sehr die Herstellung des allgemeinen Friedens. Von jeher ging sein Bestreben dahin, diesen auf alle dienliche Art zu befördern.

Ein neuer Beweis hiervon ist der merkwürdige Schritt, den der Allerhöchste Hof zu Wien gethan hat. Bald nach dem Abbrechen der Novosiltzoffschen Mission, hat er eine Declaration an die Cabinette von Petersburg und St. Cloud gesandt, und auch den Höfen von Berlin, London und Mailand mittheilen lassen, worin das Verlangen zu erkennen gegeben wird, daß das heilsame Werk des Friedens von neuem eingeleitet werden möchte, welches man Oesterreichischer Seits um so mehr wünscht, da es schon früher mit Frankreich festgesezt worden, daß die Gegenstände, die wegen der Lombardei und wegen Italien zu erörtern sind, nach dem allgemeinen Frieden sollen ausgeglichen und fest bestimmt werden.


Oesterreichs Beitritt zu der Verbindung zwischen England und Rußland.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Declarationen des Grafen von Stadion.

Nach obigen Actenstücken folgen in der dem Parlamente vorgelegten diplomatischen Sammlung 5 Erklärungen und Gegenerklärungen, die zwischen dem Grafen von Stadion, dem Lord Gower, und dem Fürsten Czartorysky zu St. Petersburg ausgewechselt worden. Das erste ist eine Declaration des Grafen von Stadion an den Lord Gower datirt den 19. August 1805, wodurch Oesterreich dem obigen Concert-Tractat zwischen England und Rußland beitritt. Für das Jahr 1805 verlangt Oesterreich von England eine Subsidie von 3 Millionen Pf. St., wovon die Hälfte als premiere mise en campagne zu bezahlen und an Oesterreich zu lassen sey, wenn auch die Demonstrationen nicht zum würklichen Kriege führen sollten. Fürs Jahr 1806 und die folgenden Jahre sey die Subsidie auf 4 Millionen Pf. St. zu erhöhen.

Eine zweite Declaration des Grafen von Stadion an den Fürsten Czartorysky vom 9ten August enthält die wiederholte Versicherung, daß der Oesterreichische Kaiser dem zu Petersburg und London geschlossenen Concert beitrete, und er sich verpflichte unverzüglich die am 16ten Julius zu Wien entworfenen militärischen Arrangements zu vollziehen und keinen Waffenstillstand noch Frieden zu schließen, wenn der Krieg einmal ausgebrochen sey, ohne Einstimmung seiner Alliirten.

Hierauf folgt eine Declaration des Fürsten Czartorysky an den Grafen von Stadion, vom 9ten Aug. in welcher er anzeigt, daß der Russische Kaiser die obigen Declarationen annehme und verspreche, die Militär-Arrangements zu erfüllen, welche am 16. Julius zwischen dem General von Winzingerode einer, und dem Fürsten von Schwarzenberg und dem General Mack andrer Seits zu Wien entworfen wären.

Eine andre Declaration des Fürsten Czartorysky an Lord Gower, welche vom 9ten August zu St. Petersburg datirt ist, enthält die Anzeige, daß obige Declarationen mit dem Oesterreichischen Minister gewechselt wären und das Ansuchen an den Englischen Ambassadeur, dem Inhalte derselben beizutreten; worauf der Englische Ambassadeur noch unterm nämlichen Datum eine Declaration ertheilte, des Inhalts: daß Se. Brittische Majestät die vom Wiener Hofe gemachten Vorschläge in Hinsicht der Anordnung der Angelegenheiten auf dem festen Lande annehme, allein was die grössern Geldforderungen des Wiener Hofes anbetreffe, so könnte er in dieselben nicht eingehen; er verpflichte sich aber im Namen seines Souveräns, daß die im Concert-Tractate festgesetzten Monatlichen Subsidien, vom 1sten October 1805 angerechnet, bezahlt werden sollten, und auch die 5 monatliche Sudsidie als premiere mise en campagne, und daß diese für die 320000 Mann welche Oesterreich stellen wollte, nach der im Concert-Tractat festgesetzten Berechnung bezahlt werden solle.


Eröffnung des Großbrittannischen Parlaments.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]

Schreiben aus London v. 21. Jan. 1806.

In der Rede, womit heute das ReichsParlament, durch eine Commission, eröffnet ward (indem der König an Augenschwäche leidet) kam unter andern folgende Erklärung vor: "Obgleich der Deutsche Kaiser genöthigt worden, sich aus dem Kampf zurückzuziehen, so erhalten Se. Majestät doch von Ihrem erhabenen Alliirten, dem Kaiser von Rußland, fortdauernd die stärksten Versicherungen von unerschütterter Anhänglichkeit an jene edle und erleuchtete Politik, die Ihn bisher geleitet hat. Mit diesem Souverän ist fortdauernd die genaueste Verbindung zu erhalten, und das Brittische Reich unbesiegbar im Innern und furchtbar von außen zu machen xc"


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1805.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
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