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Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1806]

[1]
Miscellen.

Die Durchmärsche durch die Gegenden vom Oberrhein dürften diesmahl nicht sehr stark seyn, da die meisten Truppen, die aus dem innern Frankreich nach den Grenzen marschiren, nicht über den Rhein herüber kommen, sondern zu Wasser diesen Strom abwärts fahren. Zu Straßburg wurden sich seit einigen Tagen auf die dort in Requisition gesetzten Schiffe mehrere Truppenabtheilungen eingeschifft. Die Embarkationen geschehen auf der Ill, und die Schiffe sind in kurzer Zeit auf dem Rhein; man sah bereits mehrere derselben mit Linieninfanterie und leichten Truppen den Strom herabfahren. Andere Schiffe werden mit Munition und andern Kriegsbedürfnissen beladen; sie sind ebenfalls nach Mannheim, Maynz u. s. w. bestimmt. Auch soll ein Korps Dragoner zu Fuß eingeschifft werden. Die Cürassier- und andere Cavallerieregimenter ziehen auf der Rheinstrasse abwärts. Auf der entgegengesetzten Rheinseite treffen täglich Depots ein, die zur Armee bestimmt sind. Die Transporte von Munition, Uniformen, Waffen xc. auf der Militairstrasse nach Schwaben, gehen ihren Gang ebenfalls ununterbrochen fort.

Nach Briefen aus Straßburg war der Marschall Kellermann, Chef der Senatorerie des oberrheinischen und niederrheinischen Departements, daselbst eingetroffen. Es hieß, er würde sich in wenigen Tagen nach Maynz begeben. Marschall Mortier kehrt nicht mehr zu seinen Corps zurück, sondern übernimmt den Oberbefehl über eine Abtheilung der Kais. Garde, bey der er bekanntlich angestellt ist. Marschall Lefebvre scheint definitif zum Oberbefehlshaber des bisher vom Marschall Mortier befehligten Armeecorps ernannt zu seyn. In Elsaß, so wie in ganz Frankreich, ist seit dem 23. Sept. das Weggeld abgeschaft, und die Barrieren verschwinden allenthalben. Die Freude darüber ist besonders bey dem Landvolk allgemein.

Zu Frankfurt traf am 28. Sept. die Division Dupont von Cöln ein, und setzte am folgenden Tage ihren Weg über Aschaffenburg nach Franken weiter fort. Am 29. rückten 2 Bataillons von der Kaiserl. Garde ein, die am 30. Morgens weiter marschirten. Auch langten der Großherzog von Berg und der Marschall Augereau an. Am 30. Nachmittags zogen wieder 3000 Mann von der Garde und das 105. Linienregiment ein.

In den Königl. Bayerischen Truppencorps, welches sich unter den Befehlen des Hrn. Generals Freyh. v. Wrede bey Eichstädt zusammenzieht, sind dem Vernehmen nach folgende Regimenter beordert: König Chevauxlegers, Leiningen Chevauxlegers, Taxis Dragoner. Infanterie: Kronprinz, Herzog Carl, Löwenstein. Leichte Infanterie: Zollern, Metzen; nebst einer verhältnißmässigen Anzahl Artillerie zu Pferde und zu Fuß. Unter dem General v. Wrede, commandiren die Generale, Graf Mezzanlli und Graf Minuzzi; Chef des Generalstaabs ist der Oberstl. v. Epplen.

Würzburg, 2. Oct. Das grosse Französische Hauptquartier befindet sich seit einigen Tagen hier. Mit dem Fürsten von Neufchatel sind die Generale Belliarde und andere hier eingetroffen. Vorgestern Abends ist eine Abtheilung vom 17. Jägerregiment hier durch nach Mühlhausen gezogen. Eine Compagnie von der Artillerie ist hier einquartirt worden. Der Reichsmarschall Lefebvre und der General Guyot waren am 27. hierdurch nach Schweinfurt gezogen. Der Artillerie-Park, welcher seit einiger Zeit bey Remlingen stand, ist auf der Sächsischen Strasse abgeführt worden. Vorgestern ist das 10. Regiment von der Linie aus, der hiesigen Gegend nach dem Fuldaischen aufgebrochen. Es gehört zur Brigade des Generals Graind'orge, Division Gazan, 5tes Armeecorps unter dem Marschall Lefebvre, vorher unter dem Marschall Mortier.

Bamberg, 3. Octob. Nachdem die leichte zum ersten Armeecorps gehörige Cavallerie ihre Cantonirungen an der Regnitz verlassen hatte, um gegen die Sächsische Gränze näher vorzurücken, so fieng die Infanterie von dem nehmlichen Corps an, hierdurch zu ziehen. In der Stadt selbst waren die Einquartierungen seit 8 Tagen äusserst stark. Der Prinz von Ponte-Corvo, Marschall Bernadotte, nahm, während sein Armeecorps hier durchzog, sein Hauptquartier in dem Guttenberger-Hofe dahier, von wo er gestern aufbrach. Zu gleicher Zeit traf der Reichsmarschall Davoust, Generaloberst der Kaiserl. Garden und Obercommandant der Grenadiere zu Fuß hier an. Se. Excel. waren mit dem Kaiser Napoleon von Paris abgereist. Das Davoust'sche Armeecorps zieht seit gestern früh ununterbrochen hier durch.

[2]
Miscellen.

Durch Posen marschirte auf seinem Wege zur Armee am 22. Sept. das Hussarenregiment Usedom, und am 23. das Bataillon Borell du Vernay.

[3]
Frankreich.

Von den nördlichen und westlichen Küsten zogen noch immer Truppen nach dem Rheine, und einige davon sollten durch Paris passiren. Auch der Prinz v. Ysenburg wollte von Montpellier, wo sein Regiment steht, zur Armee in Deutschland abgehen.



Mayland, den 22. Dez. [4]

Daß das Verhältniß zwischen Frankreich und Oesterreich durchaus friedlich und freundschaftlich, und gar an keine Feindseligkeiten zwischen beyden Mächten zu denken sey, erhellet daraus, daß jetzt mehrere Regimenter, außer den schon abgegangenen, aus Oberitalien zum Aufbruch nach der Weichsel bestimmt sind, welches gewiß nicht geschehen würde, wenn nur einige Zweifel und Bedenklichkeiten obwalteten.


Quellen.Bearbeiten

  1. Wiener Zeitung. Nro 82. Sonnabend, den 11. October 1806.
  2. Wiener Zeitung. Nro 83. Mittewoche, den 15. October 1806.
  3. Wiener Zeitung. Nro 84. Sonnabend, den 18. October 1806.
  4. Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 1. Donnerstag, den 1. Jan. Anno 1807.
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