Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Ostindische Compagnie.[]

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Ostindische Compagnie, in England, hat ihren ersten Ursprung vom J. 1583 da die K. Elisabeth zwey Kaufleuten, Joh. Newbury und Rudolph Fitsch, ein Empfehlungsschreiben an den damaligen Großmogol Akbar ertheilte, und sie damit nach Indien gehen ließ. Im Jahr 1600 gab sie einer Compagnie, unter dem Namen der Gesellschaft Londonischer Kaufleute in Indien, ein Patent auf 15 Jahre; und ihr Nachfolger, K. Jacob I schickte 1617 Thomas Roe, als Gesandten, zu dem Mogol, um das Handlungsinteresse dieser Kaufleute auf einen sichern Fuß zu setzen. Im J. 1623 stiftete die Gesellschaft ihre erste Factorey in Bengalen, zu Hongly. Im J. 1686 gerieth sie mit den Mogolischen Nabobs in Krieg, woran das üble Betragen Joh. Childs, ihres Gouverneurs in Indien, Ursache war. Sie rüstete, mit Erlaubniß K. Jacobs II eine Flotte aus und stellte Landtruppen in Bengalen ins Feld. Aber dieser Krieg brachte der Compagnie nichts als Schaden und Schande. Er kostete ihr an 400,000 Pf. Sterling, brachte sie um das Zutrauen der Indier, und zwang sie, bey dem Großmogol, Aureng Zeb, um Verzeihung zu bitten. Sie erhielt dadurch die Erlaubniß, in ihre Factoreyen wieder zu kommen. Als im J. 1696 ein Rajah sich wider den Nabob von Bengalen empörte, so benüzten die Engländer diese Gelegenheit, um das Fort William oder Kalkutta anzulegen und sich also zu befestigen.

Unter der Regierung Carls II und Jacobs II war die Englische Handlung in Ostindien nicht von großer Bedeutung; es thaten sich daher verschiedene Kaufleute zusammen, die ungeachtet des Privilegiums der ältern, eine neue Ostindische Compagnie errichteten, welche von K. Wilhelm 1698 privilegirt wurde. Nun entstund ein Wetteifer zwischen beyden, bis sie 1708 miteinander vereiniget wurden. Diese Vereinigte Compagnie Brittischer nach Ostindien handelnder Kaufleute erlangte, für eine Summe Geldes, von der K. Anna ein neues Patent, und durch dasselbe das ausschließende Recht, vom Vorgebirge der guten Hofnung bis zur Magellanischen Meerenge Handlung zu treiben. Aber drey Jahre darauf wurde dieses Recht, bey Errichtung der Südmeergesellschaft, wieder eingeschränkt, und die Ostindische Gesellschaft durfte ihre Geschäfte nicht weiter als vom gedachten Vorgebirg bis Japan ausdehnen.

Im J. 1717 erhielt sie von dem Mogol Furrukysihr, für verschiedene Waaren die Zollfreyheit durch sein ganzes Reich. Sie benuzten einen Einfall der Maratten, um ihre Faktorey zu Kalkutta mehr zu befestigen. Nun kamen aber die Zeiten; in welchen, nach der Niederlage des Großmoguls durch den Perser Kuli Chan 1739, die Suhabs und Nabobs in den einzelnen Provinzen des großen Reichs sich unabhängig zu machen suchten. Sie benuzten dazu die Hülfe der Europäer; die Engländer erhielten also nun einen größern Wirkungskreis in Bengalen, wo sie den Nabob unterstüzten, aber ihm auch bald lästig wurden. Er eroberte Kalkutta 1756 und verfuhr grausam mit den gefangenen Engländern in dem schwarzen Gefängnisse. Bald aber erhielten die Engländer Unterstützung, der Oberst Clive schlug und verglich sich, und schlug sich wieder mit dem Nabob, bis man ihm Bedingungen nach Belieben auflegen konnte. Da nun bald darauf auch der Großmogul Ally Gohar oder Schach Allum aus seinen Staaten vertrieben bey den Engländern Zuflucht nahm, konnten es die Vorsteher der Gesellschaft leicht durchsetzen, daß sie 1763 unter dem Namen der Schatzeinnehmer die ganze Verwaltung von Bengalen erhielten und dem Kaiser so wie dem Nabob nur eine jährliche bestimmte Summe bezahlten, die sie in der Folge nach Belieben verminderten, und endlich zu zahlen ganz aufhörten, auch keinen Nabob weiter ernennen ließen. Seit der Zeit sind sie unumschränkte Besitzer von Bengalen, Behar und einem Theil von Orixa. Der angränzende Nabob von Aude oder Avad, den sie in einigen Kriegen unterstüzten, wurde bald ihr Vasall, bezahlte jährlich eine beträchtliche Summe an die Gesellschaft, und unterhält ihre Garnisonen in seinen eignen Festungen.

Die nemlichen Auftritte waren an der östlichen Küste der Ostindischen Halbinsel vorgefallen. Die Engländer unterstüzten den Nabob von Arcot, von Golconda; die Franzosen immer die Gegenparthey. Da aber diese in dem unglücklichen Kriege von 1756 - 63 die nöthige Unterstützung nach Ostindien nicht schicken konnten, so wurden die Engländer allein Herren; der Nabob von Arcot ist ihr Vasall, so wie die kleinern Radschahs, welche weiter südlich ihre Besitzungen haben; die nördlichen Circars an der nemlichen Küste mußte ihnen der Subab von Golconda oder Decan abtreten. An der Westküste der Ostindischen Halbinsel besaßen die Engländer schon länger die Stadt Bombay mit einem kleinen Gebiethe. Daselbst konnten sie sich wegen der überlegenen Maratten nicht weiter ausbreiten. Aber im innern Lande der Halbinsel saß der Sultan von Maysur Hyder Ali, der die weitern Fortschritte der Ostind. Compagnie hinderte und ihre Besitzungen öfters angrief. Sein Sohn Tippo Saib sezte das angefangene Werk fort. Gegen ihn vereinigten sich nun auf Betrieb der Engländer alle Nachbarn, und er mußte 1792 einen beträchtlichen Theil seiner Länder abtreten, von denen die Engländer die reichste Portion erhielten. Weil er Anstalten machte, das Verlorne wieder zu gewinnen, und die Franzosen ihn aufreizten, ohne ihn unterstützen zu können, drangen ihm 1799 die Engländer in das Land, und er fiel bey der Eroberung seiner Hauptstadt. Seit dieser Zeit sind die Engländer, welche einen Fürsten von Maysur mit sehr eingeschränkter Macht sezten, Gebieter der südlichen Theile der Halbinsel. Die kleinen noch übrigen Fürsten sind von ihnen abhängig, und die Franzosen, Holländer, Dänen haben blos eingeschränkte Bezirke und Comptoirs. Die Ostind. Compagnie vertheilte ihre weitläufigen Besitzungen, in welchen man jezt gegen 40 Millionen Menschen annehmen darf, in vier Präsidentschaften. Von diesen ist die wichtigste Bengalen; sie trug, ohne den Tribut des Nabobs von Aude, nach Abzug aller Kosten für Militär xc. 1,670,000 Pf. Sterling jährlich, und mußte mit dieser Einnahme lange die übrigen Präsidentschaften unterstützen. Die zweyte ist Madras auf den Küste Koromandel. Die jährliche Einnahme ist 1,070,000 Pf. Sterling, von welchen aber nach Abzug des nöthigen Aufwands nur 85,000 übrig bleiben. Die dritte ist Bombay. Da hier der wichtigste Theil der Flotte liegt, so fordert sie einen jährlichen Zuschuß von 300,000 Pfund Sterling. Aber diese Berechnungen wurden gemacht vor der Schmälerung u. Zerstückelung des Reichs Maysur. Gegenwärtig müssen die Einkünfte der beyden leztern Präsidentschaften, vorzüglich von Madras, sehr zugenommen haben. Die vierte Präsidentschaft ist zu Benkulen, auf der Insel Sumatra. Sie darf mit den übrigen nicht verglichen werden, und fordert einen jährlichen Zuschuß von 50,000 Pf. Im Jahr 1801 betrugen die sämmtlichen Einnahmen von den Ostindischen Besitzungen der Compagnie 11,202,000 Pf. Sterling; die Ausgaben 10,326,000 Pf. Sterl.; die Schulden 18 Millionen Pf. Sterl. Bey dieser leztern Berechnung ist ohne Zweifel auf die Vermehrung der Einkünfte Rücksicht genommen worden; denn die Compagnie bemächtigte sich nicht nur des größern Theils von Maysur, sondern zogen auch 1801 Karnatik oder Arcot und Aude, wo sie den Nabob auf Pension sezten, mittelbar unter ihre Regierung. Die neuen Besitzungen auf der Halbinsel Indiens sind zur Präsidentschaft Madras geschlagen worden, welche also jezt sehr ausgebreitete Besitzungen hat. Im J. 1802 - 1803 betrug die sämmtliche Einnahme nach der dem Parlemente vorgelegten Berechnung 12,693,033 Pf. Sterl.; die Unkosten 9,998,147 Pf. Sterl. Nichtsdestoweniger hatten sich die Schulden der Compagnie in Indien mit 2,291,000 Pf. Sterl. vermehrt. Durch den Frieden von Amiens 1802 mußten die Holländer auch die wichtige Insel Ceylan an die Engländer abtreten, welche sich seit dieser Zeit in Kriege mit dem König von Candy verwickelt haben, deren Erfolg bisher ungünstig für sie gewesen ist, demungeachtet aber, bey mehrerer Muse, wahrscheinlich mit der Eroberung des ganzen Landes endigen wird. Denn 1803 beschäftigte die Engländer ein neuer Krieg gegen die Beherrscher des östlichen und westlichen Maratten-Reichs. Dem erstern nahmen sie durch den bald erfolgten Frieden die Provinz Cattak weg, und machten dadurch ihre Besitzungen längst der ganzen Ostküste bis nach Bengalen zusammenhängend; der leztere mußte die Striche um Bombay abtreten, um dadurch den Besitzungen an der Westküste mehrere Ausdehnungen zu geben.

Diese Compagnie ist auf ein Darlehn an die Krone gegründet, das in 32,000 Actien, jede zu 100 Pf. Sterl. eingetheilt ist, und der Indische Stock oder Fond genennet wird. Dagegen hat sie ihre Gelder zur Handlung, als ein Darlehn, von andern aufgenommen. Sie hat, Souverainetätsrechte, u. triebt ihren Handel vom rothen Meer an durch ganz Ostindien bis nach China. Sie hat Factoreyen zu Mocca; an der Küste von Arabien, und zu Gamron, im Persischen Meerbusen.


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

Großbrittanien. [2]

Plymouth den 21. May. Die Ostindische Kompagnie hat den offiziellen Etat ihres Zustandes bis zum 1. May 1808 bekannt gemacht. Die Interessen ihrer Schulden be aufen sich auf 9,122,624 Pf. Sterl. Rechnet man aber alles das, was ihr die Regierung schuldig ist, so wie die vorräthigen Waaren in den Magazinen, so steht die Bilanz sehr zu Gunsten der Kompagnie.


[1812]

London, den 18ten März. [3]

Die ersten Kaufleute und Manufakturisten zu Birmingham haben eine Versammlung gehalten, worin sie beschlossen, die Regierung in einer Bothschaft zu ersuchen, daß man die Artikel des Freyheitsbriefes der ostindischen Kompagnie aufhebe, wodurch die andern brittischen Unterthanen von dem ostindischen Handel ausgeschlossen werden.


London, den 31sten März.

In den Unterhandlungen, die zwischen der Regierung und den Direktoren der ostindischen Kompagnie statt gefunden, ist beschlossen worden, daß die Kompagnie fortdauernd die Regierung der Angelegenheiten in Ostindien haben, und im Besitz der in Asien erworbenen Länder bleiben soll.


London, den 15ten May.

Gestern haben wir die angenehme Nachricht erhalten, daß zwey reich beladene Flotten aus China und Bengalen glücklich angekommen sind; die erstere bringt ungefähr 3 Millionen Pf. St. in Piastern. Sir George Staunton, Sekretär der Kommittee der indischen Kompagnie in Kanton, ist mitgekommen. Beym Absegeln der Flotte herrschte das beste Verständniß zwischen der chinesischen Regierung und den Agenten der indischen Kompagnie. Der Vicekönig von Kanton hat dem englischen Kommodore auf seinem Schiffe einen Besuch gemacht, und ist mit allen Ehren seines Ranges empfangen worden.


London, den 20sten Juny. [4]

Nach Briefen aus Bengalen vom 4ten Januar hat das Haus Harrington und Kompagnie zu Madras ein beträchtliches Falliment gemacht. Die bengalischen Papiere, die geraume Zeit al Pari standen, fielen hierauf plötzlich um 9 Procent Diskonto.


London, den 4ten August. [5]

Kaufleute die nach New-South-Wales handeln, hatten die Regierung in einer Denkschrift um Erlaubniß gebeten, eine beträchtliche Anzahl in der Nähe der Insel Otaheiti gefischter Perlen in England einzuführen. Die Regierung verwies diese Denkschrift an die Handelskammer der ostindischen Kompagnie. Diese verweigerte die begehrte Erlaubniß, in sofern die Perlen nicht auf den Kompagnieschiffen eingeführt würden, die aus England nach Jaksonsbay, und von da nach China gehen, um mit Theeladungen nach England zurückzukehren.


London, den 14ten August. [6]

Alle über die Angelegenheiten der ostindischen Kompagnie im Parlament gehaltenen Reden beweisen, daß seit der großen Ausdehnung, welche das Gebiet der Kompagnie durch Lord Wellesley's Eroberungen gewonnen hat, das Dificit in den Finanzen nur desto drückender geworden ist. Die Ausgaben können nicht anders, als durch jährliche Anlehne, wozu die Regierung ihre Einwilligung giebt, bestritten werden. Diese im Jahr 1807 begonnenen Anlehne erstrecken sich 1811 auf mehr als 10 Millionen Pfd. Sterl., und durch das diesjährige Budget kamen noch 2 Millionen hinzu. Nur mittelst dieser Anlehne ist die Kompagnie im Stande, ihren Handel fortzusetzen; allein ausser den zu entrichtenden Zinsen verliert sie auch noch jährlich 200,000 Pfd. Sterl. auf die aus Indien eingeführten Waaren, und die Lokalverwaltungskosten in Hindostan betragen beständig 100 bis 200,000 Pfd. Sterl. über den Etat. Bey dieser Lage der Dinge kann die Kompagnie unmöglich mehr ihr weites Gebiet mit Vortheil benutzen, sondern sie sollte nach Lord Wellesley's Meinung jedem Engländer erlauben, Handel nach Hindostan zu treiben, und, besonders gegen eine leichte Abgabe an die Kompagnie, englische Waaren daselbst einzuführen.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Wiener-Zeitung. Nro. 53. Sonnabend, den 2. July 1808.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 81. Mittewoch, den 3. April 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 199. Montag, den 19/31. August 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 226. Donnerstag, den 19. September/1. Oktober 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 231. Mittewoch, den 25. September/7. Oktober. 1812.
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