Eerste Nationale Vergadering (1. März 1796 - 31. August 1797).


Nauwkeurige afbeelding van de Nationale Vergadering in Den Haag.



Von Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Friedrich Rebmann.

[1]

[1796]

Haag, den 11. Julius 1796..

Der heutige Tag, mein theurer Freund! war von mir zu einem kontemplativen republikanischen Spaziergang bestimmt. Schon längst hatte ich es mir vorgenommen, das holländische National-Konvent zu besuchen, aber immer hielten mich entweder Geschäfte ab, oder ich muste unverrichteter Dinge zurükkehren, weil die Tribünen zu besezt waren, und ich ein grosser Feind von allem bin, was Gedränge heist. Durch die Gefälligkeit eines Mitgliedes des hiesigen diplomatischen Korps erhielt ich endlich heute einen sehr bequemen Plaz. Ich gieng durch den Hof, und betrachtete ehrfurchtsvoll den Plaz, wo Barnwells Haupt fiel. Diesem Freiheitsmärtyrer sollte der batavische Konvent um so mehr ein würdiges Denkmal errichten lassen, da Belebung des Patriotism hier so noth thut, und es wirklich ein Wink der vergeltenden Vorsehung zu sein scheint, daß die Stellvertreter eines freien Volks sich kaum zwanzig Schritte von dem Orte versammeln, wo der Mann blutete, der sich zuerst so kräftig dem Despotismus des Hauses Oranien widersezte. Meine feierliche Stimmung wurde dadurch noch erhöht, daß einige funfzig Mann Soldaten mit der neuen Fahne (ihr Sinnbild ist ein Arm, der sich bewafnet aus einer dunkeln Wolke strekt, und den Freiheitshut hebt) unter einer rauschenden türkischen Musik durch den Konventshof defilirten, als mich plözlich ein grosser Hund in meinen Betrachtungen störte, der mit einem Karren durchging, den Soldaten zwischen die Füße fuhr, und endlich von zwei, vom Kopf bis auf die Füsse schwarzgekleideten, mit lieblichen Stuzperüquen versehenen Holländern aufgefangen wurde. Diese Pferd-Hunde, die langsam auf Schleifen dahergeschleppten Kutschen, und die Stuzperüquen sind mir immer ein höchstwiderlicher Anblik, der mich so ganz an das holländische Phlegma erinnert.

Das in Parenthesi. Ich trat nunmehr in den Versammlungs-Saal der Stellvertreter der batavischen Nation. Dieser Saal hat würklich ein feierliches, ehrwürdiges Ansehen. Er ist licht, geräumig und in einem edlen Style gebaut, und hat, wie man versichert, ein besseres Ansehen, als der ehemalige Pariser Konventssaal, ist übrigens beinahe eben so eingerichtet.

Es waren heute nur etwa 70 bis 80 Repräsentanten in der Versammlung gegenwärtig. Ihr Kostüme ist ganz einfach, eine schwarze Schärpe mit goldner Einfassung, auf welcher das Wort: Repræsentant mit goldnen Lettern gestikt ist. Diese Schärpe wird von der rechten Seite zur linken getragen, ist unten mit einem dreifarbigen Bande zusammengebunden, und mit goldnen Franzen verziert. Die Sizze sind mit grünem Tuche beschlagen. Der Stuhl des Präsidenten steht in der Mitte in Form einer Art von Thron, und ohnweit desselben die Tribüne, die nur etwas zu kanzelmässig aussieht. Die Sekretaire stehen auf beiden Seiten. Gegenüber sind zwei Statuen, die mir nicht übel gearbeitet zu sein schienen, übrigens konnte ich nicht erkennen, was sie eigentlich vorstellen sollte. In dieser Gegend sind auch einige Logen, und auf beiden Seiten die Tribünen.

Die Debatten sind, wie man es von Holländern nicht anders erwarten kann, sehr ruhig und bedächtlich, welches im Grunde auch recht und billig ist. Der Präsident war heute ein gewisser de Beveron. Ein einziges Mitglied schien etwas warm zu werden, unglüklicher Weise verstand ich aber, aus Unkunde der Sprache, nichts von seinem Vortrage, als daß der Name Bournonville öfters genannt wurde. So wie ich aus dem Tagblatte der Verhandlungen des Konvents ersahe, so behaupteten die eifrigen Patrioten, daß der General Bournonville zu viel Umgang mit Orangisten habe. So eben lese ich folgenden Ausfall des Bürgers von Hamelsveld: "das Vaterland ist in Gefahr, nicht durch Oraniens Anhänger, die überwunden sind, und denen man die brüderliche Hand reichen mus, um das Beispiel des Generals Bournonville nachzuahmen, der gar oft zu Uetrecht die Tafel der Glieder und Anhänger der alten Regierung besuchte, während er, so wie sein ganzer Staab, auch täglich der sogenannten Oranischen Gesellschaft beiwohnte." Vermuthlich war etwas ähnliches wieder auf dem Tapet. Uebrigens kam eben eine Depesche des Ministers Noel zum Vorlesen, welche Nachricht gab, daß der General Moreau den Aardhertog Kaarel genoodzackt habe, sich zurükzuziehen. Der Antheil der Mitglieder an dieser Siegesnachricht schien unverstellt froh zu sein. Allgemeines Klatschen füllte den Saal, hauptsächlich gefiel mir ein Frießländischer Bauer, der zwischen einigen hochfrisirten Repräsentanten sas, und auf dessen Angesichte der Ausdruk des Wohlbehagens bei dieser Vorlesung nicht zu verkennen war. Einige dieser Repräsentanten trugen zu meinem grösten Aerger auch die wohlbekannten schwarzen Stuzperukken, wahre bêtes d'aversion für mich, die ein so jüdisches Ansehen geben, daß ich immer meine Taschen zuhalten möchte.

Wenn etwas dekretirt ist, so giebt der Präsident das Zeichen mit einem hölzernen Hammer. Ich glaube durch diese Bemerkung unsern Eudämonisten einen Gefallen zu erzeugen, welche daraus den Zusammenhang des batavischen Konvents mit dem Freimäurer- und Illuminatenwesen in ihrem nächsten Stükke gar überzeigend darzuthun hoffentlich nicht ermangeln werden.

Ich weis nicht, ob in dem gegenwärtigen batavischen National-Konvente eben Männer von grossen rednerischen Talenten anzutreffen sind. Nach dem Tagblatt zu urtheilen, zeichnen sich die Bürger Hahn, Bicker, Vreede, Valkenaer und Lestevenon aus. Die beiden leztern sind gegenwärtig nicht hier. Der erste, das Haupt der batavischen sogenannten jakobinischen Parthei ist gegenwärtig nach Spanien als Gesandter der batavischen Republik abgegangen, und der zweite in Paris.

Den Bürger Hahn, der allgemein als ein Mann von vielen Talenten und von reinem Patriotismus gerühmt wird, habe ich mir nächstens zu besuchen vorgenommen. Zu meiner Freude höre ich, daß er vollkommen der deutschen Sprache mächtig ist, und ehedem in Göttingen studiert hat. Mir den eigentlich eingefleischten Holländern stimme ich nicht recht zusammen.

Bei den Verhandlungen des Konvents wird übrigens die nöthige Würde und Stille beobachtet. Alle Zeichen des Beifalls oder Misfallens der Tribünen sind durch einen Anschlag verboten, und es ist überall starke Wache angestellt, um allem Unfug zuvorzukommen. Das kann denn niemand anders, als recht und billig finden, der sich an die sogenannten Furien der Guillotine in Paris, und an die dem Konvente durch Klatschen und Murren der Tribünen abgedrungenen Dekrete erinnert.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Holland und Frankreich, in Briefen geschrieben auf einer Reise von der Niederelbe nach Paris im Jahr 1796 und dem fünften der französischen Republik von Georg Friedrich Rebmann. Paris und Kölln.
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