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Berühmt wie der Name der bereits erwähnten schlesischen Heldinn ist auch der Name der brandenburgischen Jungfrau Marie Christiane Eleonore Prochaska.

Ihr Vater, früher Gardegrenadier unter Friedrich dem Großen, nachher aber Musiklehrer in Potsdam, hatte, so viel in seinen Kräften stand, auf die Bildung dieser Tochter, so wie seiner beyden anderen Kinder verwendet. Besonders war in ihr durch seine Erzählungen von Heldenthaten, welche die Frauen Spaniens und Tirols in der neuesten Zeit vollbrachten, ein wahrer Heldengeist erweckt worden.

Daher verkaufte sie in dem verhängnißvollen Jahre 1813 ihre besten Habseligkeiten, schaffte sich dafür eine männliche Kleidung nebst Büchse, Hirschfänger und Tschako an, und trat unter die Jäger des ersten Battaillons der Lützowischen Freyschaar, indem sie sich selbst den Namen August Renz beylegte. Bald darauf schrieb sie an ihren Bruder mit der Bitte, sie wegen ihres Schrittes den sie ohne Vorwissen der Ihrigen gethan hatte, bey ihrem Vater zu entschuldigen, wobey sie das heilige Versprechen gab, niemals der Tugend untreu zu werden.

Neben ihren übrigen edeln Eigenschaften, zeichnete sie sich durch hohe Tapferkeit aus, aber schon nach wenigen Monaten ward ihr Leben ein Opfer des Krieges.

Den 16. September 1813 wurde unter Wallmodens Anführung das blutige Treffen an der Görde, einem Walde ohnweit Dannenberg im Hanövrischen geliefert. Hier mußte eine Anhöhe erstürmt werden, welche mit französischen Batterien geschützt war. Die deutsche Heldin rückte gleich ihren Waffengenossen muthig gegen den gefährlichen Hügel. Bald wurde sie durch einen Schuß leicht verwundet, aber sie wich nicht zurück. Immer weiter vorwärts dringend wurde ihr in dem Augenblicke, als sie einem schwer verwundeten Jäger zu Hülfe eilen wollte, durch eine zweyte Kugel das Bein zerschmettert, so daß sie neben ihm ohnmächtig niedersank.

Hülflos lag sie eine zeitlang in ihrem eigenen Blute, während der Verwundete neben ihr verschied. Einem Offizier, den sie zuerst erblickte, entdeckte sie das Geheimniß ihres Geschlechts, und wurde hierauf nach Dannenberg zurückgetragen. Noch lebte sie einige Tage, unter den heftigsten Schmerzen, trug aber mit der standhaftesten Geduld ihr Schicksal bis zu dem Augenblicke ihres Todes. Die Verzögerung des Verbandes hatte den Brand verursacht. -- Doch wurde ihr noch der Trost gewährt, daß jener blutige Tag, der das Leben so vieler Tapfern kostete, mit der völligen Niederlage des französischen Corps unter Pecheux sich geendigt hatte, und ihr und ihrer Waffengefährten Blut furchtbar gerächt worden war.

Diese Siegesbotschaft war die tröstlichste Nachricht für die sterbende Heldin, welcher das Wohl ihres Vaterlands so sehr am Herzen lag, daß sie noch in der letzten Stunde ihres Lebens ihre Wünsche für Deutschlands Sieg äußerte.

Merkwürdig ist es, daß sie schon am Abend vor dem blutigen Treffen ein gefühlvolles Schreiben aufgesetzt hatte, worinn sie von den Ihrigen aufs rührendste Abschied nahm, und also damals schon von der Ahndung ihres nahen Todes ergriffen war.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Züge teutschen Muthes und Hochsinns nebst einigen Gedichten verschiedenen Inhalts. Gesammelt und zur Ausführung eines wohlthätigen Zweckes herausgegeben von C. V. Sommerlatt. Zweiter Theil. Basel, 1821. gedruckt in der Schweighauserschen Buchdruckerey.
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