Elvas, Stadt in der Provinz Alentejo, in Portugal, auf einem Felsen, nicht fern von der Guadiana, nebst einem Bißthum, unter den Erzbischof von Evora gehörig. Von ihr hat das umliegende Gebiet seinen Namen, welches nebst der Stadt 12,000 Menschen enthält. Die Stadt ist als eine Gränzfestung gegen Spanien wohl verwahrt, und hat ein festes Schloß S. Lucia genannt. Nicht weit davon hat der Graf von der Lippe, als Chef der Portugiesischen Armee, in den Jahren 1763 und 1764 eine vortreffliche Festung, das Fort Lippe genannt, anlegen lassen. Eine sehr große Wasserleitung führt das benöthigte Wasser eine Meile weit in die Hauptcisterne der Stadt. In der Gegend wächst guter Wein, und vorzügliches Oel.


Von Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Friedrich Link

[1798]
Die portugiesische Grenzfestung Elvas liegt nur drey spanische Meilen von Badajoz, und man sieht sie vor den Thoren des letztern Orts auf ihrem Hügel sehr deutlich. Ein kleiner Bach, der Cayo, den man bey trockenem Wetter durchwaten kann, macht die Grenze, die überhaupt an wenigen Stellen von der Natur gezogen ist, desto stärker hat sie die Kunst gezogen. Portugal empfiehlt sich von dieser Seite ungemein. Statt weiten offenen Triften, der entfernten Dörfer, findet man das Land durch einzeln zerstreuete Häuser bevölkert, welches, dem Anscheine nach, eine größere Cultur verspricht. Ehe man nach Elvas kommt, sieht man die ersten Orange-Gärten offen am Wege, ungeachtet man schon eine große Menge dieser Früchte um Badajoz zieht. Die Tracht, selbst der gemeinen Portugiesen, ist besser: ein dunkelbraunes oder schwarzes Camisol und ein Hut sind gewöhnlicher, als die braunen spanischen Jacken und Kappen. Die Weiber sind freundlicher und zutraulicher, als die Bewohnerinnen von Castilien, und den Biscayerinnen ähnlicher, tragen gewöhnlich die Haare bloß, nur mit einem Bande oder einem Tuche leicht gebunden. Die Höflichkeit, das leichte, muntere, freundliche Wesen des gemeinen Volks nimmt sogleich mehr für die portugiesische Nation ein, als für die spanische; und man ändert dieses Urtheil nicht, so lange man in diesem Lande unter den niedrigen Volksklassen bleibt: allein man fällt ein gerade entgegengesetztes Urtheil, so bald man die höhern Stände kennen lernt.
Löfling sagt von dem Ansehen des Landes in seiner Reise gerade das Gegentheil. Spaniens offene Fluren und dichtbebauete Dörfer gefielen ihm mehr, als Portugals Heiden. Er sah diese Heiden im Herbst, als sie verbrannt waren, und fand Spaniens Triften mit blühenden Zwiebelgewächsen bedeckt. So sehr haben Umstände auf das Urtheil der Reisenden Einfluß.
Kaum traten wir über den Cayo, als mir der ungewohnte Ton der portugiesischen Sprache in die Ohren schallte. Die meisten Wörter beyder Sprachen sind einander ähnlich; die Aussprache ist außerordentlich verschieden. Dort volle, tiefe Kehlentöne, hier ein leichtes blasendes Lippengezisch; dort lange zierliche hochtönende Worte, hier ein kurzes, abgebissenes Geschwätz. In Badajoz hört man nie portugiesich, in Elvas nie spanisch reden. Wer das Ohr erst an die verschiedene Aussprache gewöhnt hat, und eine Sprache weiß, versteht leicht die andere, auch ohne sie gelernt zu haben.
Man tritt in das Wirthshaus in Elvas; man findet Zimmer und Hausgeräth wie in beyden Castilien und Estremadura, ja beydes ist hier vielleicht noch schlechter. Die Häuser sind überhaupt in Spanien besser und bequemer. Allein man braucht hier für nichts zu sorgen; man bekommt in jedem portugiesischen Wirthshause zu essen und trinken, ohne daß man nöthig hat, jedes Brot und jedes Glas Wein aus andern Häusern holen zu lassen, oder gar selbst zu holen; man braucht sich nicht mit Vorräthen zu versorgen, wenn man mit den portugiesischen Gerichten zufrieden seyn will. Ein Leckermaul möchte freylich manches dawider einzuwenden haben; aber man glaubt nicht, wie unbequem es ist, nach einer langen Tagereise für jede Kleinigkeit selbst sorgen zu müssen. Wir fanden gute schnelle Aufwartung, nicht übeles Essen, und die hübsche freundliche Wirthin hatte die Lebhaftigkeit, den redenden Blick in ihren schönen Augen, und den wohlgezogenen Anstand, der dieses Völkchen so auffallend auszeichnet. Welch ein Abstand zwischen Badajoz und Elvas in dieser Rücksicht! Ich werde noch oft von dem gemeinen Volke in Portugal reden; ich erinnere mich noch oft der angenehmen Stunden, welche diese freundliche Nation mich genießen ließ, und man wird mein Urtheil von dem Urtheile anderer Reisenden sehr verschieden finden, die entweder nur Lissabon kannten, oder sich nicht einmahl die Mühe gaben, die Landessprache zu reden.
Elvas ist eine Stadt, auf Portugiesisch cidade, spanisch ciudad (sprich ßiuda'). . . . . Den Titel Stadt bekam Elvas zuerst unter dem Könige Don Manuel, ob sie gleich eine alte Stadt seyn soll, und vom Könige Don Sancho dem Zweyten wieder aufgebauet wurde, von welchem sich auch ihr foral herschreibt. *) Sie hat vier Pfarrkirchen, sechs Klöster, ein Capuciner Kloster vor dem Thore ausgenommen, und es befinden sich noch jetzt in der Stadt und dem umliegenden Gebiete (termo) etwa 12000 Menschen. Die Gassen sind enge, unregelmäßig angelegt, und so voll Koth, daß man selbst bey trocknem Wetter darin waten muß. Die spanischen Städte sind größtentheils, auch Badajoz, viel reinlicher und netter. Die Gegend ist angenehm, der Hügel, worauf die Stadt liegt, ist mit Oehlbäumen bedeckt, und in der Nähe sieht man viele Kraut- und Orangegärten. Die Wasserleitung, ein vorzügliches Werk, eine portugiesische Meile (legoa) lang, besteht in der Nähe des Hügels von Elvas, wo sie durch ein Thal geleitete wird, aus vier Reihen von Bergen über einander von beträchtlicher Höhe. Sie heißt os arcos de Amoreira, weil sie in einer Gegend von einem Maulbeerbaum (amoreira) anfängt.
*) Foral sind nach der Definition eines portugiesischen Rechtsgelehrten as leis ou titulos da creação e das condiçoês, com que os povoadores acceitarão as terras; also die Rechte und Bedingungen, unter welchen die ersten Einwohner das Land erhielten.
Elvas ist der Sitz eines Corregedor, Provedor, und Juiz de Fora, als Hauptstadt eines Corrégimento. . . . .
Elvas ist die erste und wichtigste Festung im Lande. Die Stadt selbst ist stark befestigt, und wird durch zwey Citadellen auf nahgelegenen Hügeln vertheidigt. Die eine heißt o forte de S. Luzia, die eine wurde durch den Grafen von der Lippe-Bückeburg angelegt, und heißt noch nach ihm o forte de Nossa Senhora de Graça de Lippe. Der Prinz von Waldeck, den man als einen Kenner solcher Gegenstände anführen kann, hat behauptet, das letztere Fort sey ein Meisterstück der Kriegsbaukunst, und übertreffe alles, was er in dieser Art gesehen habe. Einem fremden erlaubt man nur auf den Fall, daß er in portugiesischen Dienste wäre, den Eintritt. In der Stadt war, so viel man sehen konnte und mochte, im Frühjahre 1798 alles in guter Ordnung; die Festung war stark besetzt, und es wurde an neuen Werken gearbeitet. In Badajoz schien alles ziemlich leer und verlassen; man sah, daß Portugal sich fürchtete, aber Spanien nicht. Die Truppen in Elvas, vorzüglich die Offiziere, hatten ein wahrhaft martialisches Ansehen, und ein preußischer Offizier würde sie an der Hauptwache für Collegen erkannt haben. Die spanischen Truppen in Badajoz hätte er vielleicht, dem Ansehen nach, verkannt.
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. . . . . Der Hügel, worauf Elvas steht, ist ein Granithügel, dessen Granit aus weißem Quarz, Feldspat und Glimmer zusammengesetzt ist, zuweilen auch Speckstein hält. Dieser Granit ist an dem Abhange mit einem weißgrauen blättrigen Kalksteine bedeckt, der Schwefelkies und Fahlerz eingesprengt enthält. Die Vegetation war hier, wie in Spanien; überall wuchs das schöne, zuerst in Lamarks Encyclopädie beschriebene Antirrhinum amethystinum, und die ebenfalls schöne schon bey Badajoz gefundene, Iris alata.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  • Bemerkungen auf einer Reise durch Frankreich, Spanien, und vorzüglich Portugal, von D. Heinrich Friedrich Link, Professor zu Rostock, und verschiedener Gelehrten-Gesellschaften Mitgliede. Kiel, in der neuen Academischen Buchhandlung, in Commission Helmstädt und Braunschweig, bey C. G. Fleckeisen. 1801.
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