Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Erlangen.[]


Erlangen,[1] eine Stadt im Königreich Bayern, im Rezatkreise, an der Regnitz gelegen, sonst zu dem Fürstenthum Culmbach gehörig. Sie enthält in 800 Häusern gegen 9000 Einwohner, und gehört wegen ihrer Regelmäßigkeit und Zierlichkeit zu den schönsten Städten in Deutschland. Sie hat eine Universität, welche den Namen Friedrich-Alexander-Universität führt, 1743 angelegt, und sonst 2 bis 300 Studenten zählte. Die Einwohner, welche theils evangelisch, theils reformirt sind, nähren sich von Manufakturen, Brauerei und Ackerbau. Sehr bedeutend waren sonst die hiesigen Kattun- und Hutfabriken; aber sowohl diese als die noch vor kurzem sehr blühenden Handschuhfabriken haben in den neuesten Zeiten überaus gelitten. Die hier fabricirten Preßspäne sind von vorzüglicher Güte; auch bereitet man hier das sogenannte erlanger Blau, eine dem berliner Blau ähnliche Farbe. Erlangen besteht eigentlich aus zwey Städten, der Alt- und Neustadt, welche letztere, von ihrem Erbauer, dem Markgrafen Christian Ernst, auch Christian-Erlangen genannt wird.


Von Reisende.[]

Friedrich Schulz. [2]

[1793]

Endlich zieht sich der Weg herum und nähert sich der linken Seite des Thals und seiner Anhöhen, besonders von Baiersdorf aus, einem ansehnlichen Flecken, der fast ganz von Juden bewohnt wird. Ein tiefer Sand dauert fort bis Erlangen, welches mir, fast bis vor den Thoren, durch Hecken und Alleen versteckt blieb. Die äußere Ansicht dieser Stadt ist nicht unangenehm, weil es ihr nicht an ansehnlichen Gebäuden fehlt, worunter ein Schloß und ein paar gut gebauete Kirchen sind. Das Innere ist wie das von Bayreuth, die Straßen sind gerade, breit und ziemlich lang; die Häuser meist zwey Stock hoch von Sandsteinquadern; die Plätze geräumig und heiter, aber das Pflaster ist weniger gut. Am Schlosse, welches die verwittwete Markgräfin bewohnt, ist ein weitläufiger Garten, der eine große Abwechslung von französischen Heckenstücken, Parterren und Terrassen, besonders aber zwey vorzüglich schöne Alleen aufzuweisen hat. Die Stadt ist übrigens nicht sehr lebhaft und die hiesigen Studenten bemerkt man kaum, weil ihre Anzahl gering, und ihr Wesen weniger rauschend ist, als auf andern Universitäten.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Reise eines Liefländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau, Dresden, Karlsbad, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg, München, Salzburg, Linz, Wien und Klagenfurt, nach Botzen in Tyrol. Berlin, 1795. bei Friedrich Vieweg dem ältern.
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