Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Eroberung der Insel Capri.[]

[1]
Der 4. October 1808.

Murat, welchem während seiner Herrschaft in Neapel die Nachbarschaft einer englischen Besatzung auf Capri sehr lästig seyn musste, beschloss, sich dieser Insel zu bemeistern. General Lamarque segelte zu dieser Expedition am 4. October aus der Bay von Neapel ab, und kam ungehindert von dem englischen Geschwader, das, unter erdichteten Vorwänden, von der Insel, wo es lag, weggelockt wurde, vor Capri an, wo die Besatzung aus 2 Regimentern unter dem Obersten Hudson Lowe, später als Gouverneur von St. Helena bekannt, bestand. Steile, einige hundert Fuss beinahe senkrecht vom Meer aufsteigende Felsen, welche die Insel rings umgeben, deren wenige Landungsplätze befestigt, und deren Forts mit 40 brauchbaren Geschützen versehen waren, boten grosse Hindernisse der Landung. Dennoch gelang sie. Das Fort St. Barbe und Ana Capri wurden eingenommen, nachdem der Commandeur und mehrere Offiziere des Regiments, welches dort seinen Posten hatte, erschossen waren. Nun wurde die Stadt und Citadelle, in der sich der Gouverneur mit der übrigen Garnison befand, eingeschlossen, und mit Beschiessung aus auf dem höchsten Punkt der Insel Monte Solaro -- welchen die Engländer zu befestigen unterliessen -- in der Eile errichteten Batterien bedroht. In kurzer Zeit capitulirte Lowe, und übergab Capri, das Gibraltar von Neapel, mit seinen Forts-Geschützen und reichen Vorräthen an Lamarque.


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

Italien. [2]

Neapel, den 5. Oktober. Die Insel Capri, die der Stadt Neapel gegenüber liegt, und aus der die Engländer während der 2 Jahre, die sie von ihnen besetzt ist, ein furchtbares Bollwerk gemacht hatten, ist so eben von den Französischen und Neapolitanischen Truppen angegriffen und erobert worden. Eine seit der Ankunft des Königs ausgerüstete Division ist mit 2000 Mann unter Kommando des Divisionsgeneral Lamarque, Chef des Generalstabes der Armee, in der Nacht vom 3. auf den 4. dieß von Neapel abgegangen. Morgens 3 Uhr begann der Angriff auf allen Punkten der Insel; um 5 Uhr Abends wurde die Landung bewerkstelligt. Die Englischen Batterien wurden nacheinander genommen, und seit heute Morgens sind wir Meister von der ganzen Insel. Wir haben in den verschiedenen Gefechten 900 Gefangene gemacht, die schon zu Neapel angekommen sind. Der Englische Kommandant hält sich noch in einem der Forts; er wird nachdrücklich angegriffen, und wir erwarten die Nachricht, daß er sich ergeben habe.


Italien. [3]

Aus Italien, den 22. Okt. Die Engländer blockiren Capri schon wieder. Bereits am 8. Okt. fanden sie sich ein, zogen sich aber wegen eines zu befürchtenden Sturms wieder hinweg. Da sich das Meer wieder beruhigte, erschienen sie am 10. Abends nochmals, und ihr Vordertreffen von 8 Kanonierböten fieng mit einigen Französischen Kanonenböten ein Gefecht an, das bis tief in die Nacht dauerte. Da am 11. noch 6 Englische Fregatten, 4 Korvetten, und mehrere Kanonenböte erschienen, so liefen die Französischen Fahrzeuge auf den Strand. Der General Lemarque hat sich unter diesen Umständen auf dem Gebirge verschanzen müssen, um so mehr, als die Forts noch von den Engländern besetzt sind.


Italien. [4]

Die Zeitungen aus Neapel vom 18. Oktober enthalten folgenden offiziellen Bericht: "Gestern Abends hat der königl. Großbrittannische Kommandant der Insel Capri, Law, mit seiner Garnison kapitulirt. Die Wiedereroberung dieser Insel ist nicht allein für die Hauptstadt, sondern auch für das ganze Königreich Neapel von der höchsten Wichtigkeit. Sie war gleichsam ein militärischer Vorposten des Feindes; von dort aus unterhielt er eine zeitlang den Aufstand in unsern Provinzen, und beunruhigte mit seinen Streifschiffen unsern Golf dergestalt, daß die Schiffe weder bey Tag noch bey Nacht ohne Gefahr in denselben einlaufen konnten. Se. Maj. der König Joachim dachte gleich nach seiner Ankunft darauf, den Engländern eine so wichtige Besitzung wieder zu entreissen. In dem Ende wurden in der Nacht auf den 4. Oktober 1500 Mann Franzosen und Neapolitaner, sämmtlich Scharfschützen oder Grenadiers, und darunter auch eine starke Abtheilung der königl. Garde, in größter Stille auf 60 Transportfahrzeugen eingeschifft. Zu ihnen stiessen auf der See noch 400 Mann aus Salerno. Dieses Korps kommandirte der Divisionsgeneral und Chef des königl. Generalstabs, Lamarque; unter ihm stunden die Brigadegenerale Monseras, Detrees und Prinz Pignatelli, so wie die Adjuntans-Kommandans, Chevardes und Thomas. Eine Fregatte, eine Korvette und 26 Kanonierschaluppen dienten den Transportschiffen zur Bedeckung. Die Ueberfahrt war kurz und glücklich. Die Engländer waren zum Widerstand vollkommen vorbereitet; allein sie setzten in ihre aufgeführten Befestigungen so viel Zutrauen, daß sie einen Angriff für unmöglich, und folglich für unglaublich hielten. Am 4. Oktober Nachmittags um 3 Uhr erfolgte der Angriff auf der südöstlichen Seite der Insel auf einem Punkt, wo sie die Landung des steilen Ufers wegen am wenigsten vermuthet hatten, indem dort die Brandung sehr heftig war. Nach einem lebhaften und anhaltenden Feuer waren 500 unserer Leute gelandet, und zwar betraten die königl. Grenadiers und die korsischen Jäger, vom Adjutant-Kommandant Thomas angeführt, zuerst die Insel. Die Landung geschah unter dem unvermeidlichen Feuer einer feindlichen Batterie mittelst Leitern mit Hacken. Bey Sonnenuntergang befanden sich schon 800 Franzosen und Neapolitaner auf der Küste; aber nun verdoppelte sich erst die Gefahr und die Schwierigkeiten. Die Höhe von Anacapri, welche die ganze Insel und die untern Forts beherrscht, mußte erstiegen werden. Der schmale, steile Fußpfad, der dahin führt, war von Strecke zu Strecke durch Gräben, und durch 2 Bataillons vom königl. Regiment Malta vertheidigt, die aber am folgenden Tage, 800 Mann stark, als Kriegsgefangene in Neapel ankamen. Sobald wir Meister von Anacapri waren, zog der Englische Kommandant den übrigen Theil seiner Mannschaft in den befestigten Posten St. Michael, St. Costanzo, und in dem grössern Fort zusammen, und erwartete von der Seeseite, die für ihn noch ganz frey war. Sukkurs, der wir fast unmöglich hätten abhalten können. Dieser Umstand machte es äusserst dringend, den niedrigen Theil der Insel ohne Zeitverlust zu besetzen. Nur fragte es sich, wie man über 512 in den Felsen gehauene Stufen, auf denen nur Ein Mensch nach dem andern steigen konnte, hinabzukommen im Stande sey. Ueberdies wurde diese Treppe aus dem Fort St. Michael durch Sechs und dreyssig pfünder unaufhörlich mit Kartätschen bestrichen. Wo der Muth unnütz war, kam die Klugheit zu Hilfe. Mit unglaublicher Anstrengung errichtete man Batterien, gegen das Fort, schwächte dadurch dessen Feuer, und unter Begünstigung der Nacht stiegen die Soldaten von dem Berge auf die niedrige Hälfte der Insel hinab. Im nehmlichen Augenblick, am 7. erschien der erwartete feindliche Sukkurs; er bestand aus 4 Fregatten, 2 Kuttern, 3 Br_ggs, 4 Bombardiergaliotten, 14 Kanonierbarken und 9 Transportschiffen. Diese Schiffe umgaben sogleich die ganze Insel, in der Hoffnung, daß Mangel an Kriegs- und Mundvorräthen unsere Unternehmung fruchtlos machen würde. Allein die Regierung hatte für Beydes auf zwey Monate gesorgt. Der König selbst begab sich nach dem der Insel gegenüber liegenden Vorgebirge Campanella, und da er bemerkte, daß ein starker Landwind die feindlichen Schiffe nöthigte, das hohe Meer zu suchen, so befahl er seinen Kanonierbarken, die feindlichen anzugreifen. Diese liefen sogleich in Massa aus, und griffen den Feind an. Der König war Augenzeuge des Gefechtes, das unter dem Feuer der Strandbatterien so glücklich ausfiel, daß 40 Transportschiffe vor den Augen der Englischen Fregatten und Kutter Lebensmittel und Munizion auf Capri ausschiffen konnten. Inzwischen waren unsere Batterien fertig geworden, und zerstörten einen Theil der Forts dergestalt, daß der Kommandant am 16. Oktober eine Kapitulazion begehrte. Kraft derselben ist die Garnison kriegsgefangen, wird zwar nach England abgeführt, darf aber bis zur Auswechslung weder gegen den Kaiser Napoleon und dessen Alliirte, noch gegen Neapel fechten. Kaum war die Kapitulazion unterzeichnet, als das Regiment Watteville aus Sizilien zum Sukkurs abkam; es war aber blos Zeuge der Uebergabe.


Quellen.[]

  1. Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  2. Wiener-Zeitung Nro 88. Mittwoch, den 2. November 1808.
  3. Wiener-Zeitung. Nro 90. Mittwoch, den 9. November 1808.
  4. Wiener-Zeitung. Nro 92. Mittwoch, den 16. November 1808.
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