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Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1807]

Feyerlichkeiten.

Karlsruhe. Am 8. Jun., als dem 22. Geburtstage unsers Erb-Großherzogs, wurde hier der Grundstein zu einer neuen evangelischen Stadtkirche gelegt. Diese Feyerlichkeit begann um 10 Uhr Vormittags durch die letzte Gottesverehrung, in der bisherigen, seit 1722 gestandenen, Stadtkirche, wohin sich der Großherzog, die großherzogl. Familie und Gefolge, die sämmtlichen Dikasterien xc. mitten durch Spaliere von Bürgermilitär und Leibgarden in Prozession begeben hatten. Der Kirchenrah und Spezialsuperintendent Volz hielt daselbst die Abschiedsrede, und schilderte darin mit eindringender Kraft die Empfindungen des Dankes, der Reue und der Hoffnung, mit denen er sammt seiner Gemeinde sich von der bisherigen Stadtkirche trenne. Als nun der Gottesdienst hier geendigt war, gieng der neue Zug, wozu sich auch der Stadtmagistrat, das Bauamt und die Stadtgeistlichkeit gesellte, unter dem Geläute der Glocken auf der reformirten Kirche, nach dem neuen Kirchenplatz. So wie Se. königl. Hoheit der Großherzog diesen betrat, ertönte die auf einer Erhöhung aufgestellte Musik; nach dieser wurde ein Lied gesungen, worauf der Kirchenrath und Stadtpfarrer Gockel in einer gefühlvollen Rede die Frage behandelte: "wie fühlt der Christ die Nähe Gottes im Tempel?" Nach gehaltener Rede übergab der Baudirektor Weinbrenner, unter dessen Leitung die neue Kirche erbaut wird, dem Großherzog Hammer und Kölle. Se. königl. Hoheit begab sich nun zum Grundstein, in welchen zwey Platten mit Inschriften, zwey goldene und 15 neue silberne Münzen, auch 2 Flaschen Wein gelegt wurden, und so wie Höchstdieselben den ersten Schlag auf den Grundstein gethan hatten, wurde eine Salve von 50 Kanonenschüsse gegeben. Alsdann wurde der Grundstein geschlossen, ein Gebet vorgelesen, der Segen gesprochen, und Gesang und Musik ertönte, worauf eine Deputation Sr. königl. Hoheit für die Begründung der neuen Kirche ihren unterthänigsten Dank abstattete, während wiederum eine Salve von 50 Kanonenschüssen gegeben wurde. Zuletzt trug die Geistlichkeit unter dem Geläute der Glocken die heil. Gefäße in die reformirte Kirche, die einstweilen auch den Lutheranern mit eingeräumt ist. Dieß gab dem Kirchenrath und Prediger der reformirten Gemeinde, Herrn Kühlenthal, Gelegenheit, bey diesem feyerlichen Einzug einige herzliche Worte über die nähere Verbindung der Reformirten und Lutheraner zu sprechen, womit diese Feyerlichkeit ihr Ende hatte.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • National-Zeitung der Deutschen. 27tes Stück, den 2ten July 1807.
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