Der verunglückte Seezug von Brest nach Irlands Küsten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Plane. Umstände. Schicksale. [1]

Wenn es die Würde der Geschichte gestattete, so gäben die Gasconnaden, besonders des officiellen Blattes des Directoriums, bey der Abseeglung der Flotte von Brest, welches Irland erobern sollte, im Contraste mit dem Ausgange dieser Expedition, reichhaltige Stoff zu vielfachem Spotte. Wir enthalten uns deßen, und wollen nicht einmal die Spöttereyen anführen, welche man darüber in den Pariser Journalen liest. Aber unbemerkt können wir nicht laßen, daß niemals ein so kühner Plan, als der einer Landung in Irland war, mit so vieler Unklugheit, mit so wenig zureichenden Mitteln, und unter so abschreckenden Umständen unternommen worden ist. Die Plane selbst waren noch mehr chimärisch als irgend eine der vielen Französischen Luft-Ideen des jetzigen Krieges gewesen ist. Da es nicht möglich gewesen war, Teutschland, Tyrol, Friaul, und Oesterreich im vorigen Feldzug zu erobern, so sollte wenigstens Irland erobert werden. Man rechnete auf die geheimen Verständniße mit den bekannten Anführern in Nord-Irland, den Defenders, aber man fand, wie ein Pariser Journal sagte, anstatt der Defenders, in Irland Defenseurs. Man hatte den Plan, mit Linienschiffen und Kriegs-Fregatten, ohne alle platte Fahrzeuge, an einer gefährlichen, klippenvollen Küste eine Landung zu machen. Man hatte die ganze Flotte schlecht equipirt, und die Landtruppen, 20000 Mann, nur auf 6 Tage mit Proviant versehen. Auf Wind und Wetter hatte man gar nicht gerechnet, und der Seezug wurde in der stürmischen Winterzeit, am 15ten December, unternommen. Wie gleich beym Ausseegeln von Brest ein Linienschiff von 74 Kanonen verloren gieng, und welches Schicksal die Division des Vice-Admirals Bouvet hatte, ist schon oben S. 79 u. ff. erzehlt. Die zwey andern Divisionen waren weit unglücklicher. Ob sie gleich das unmögliche möglich machen, unter heftigen Stürmen, wenigstens in See bleiben, und bey dem ersten günstigen Winde durchaus landen wollten, so konnten sie doch nicht dazu gelangen. Nachdem sie am 2ten Januar die Bantry-Bay verlaßen hatten, und wieder in See gegangen waren, wagten sie es nochmals, ob sie gleich schon viele Schiffe verloren hatten, in die Bantry-Bay einzulaufen. Die Flotte war am 5ten Januar daselbst 26 Seegel stark. Die Truppen, welche einen Mangel, bis zur Hungersnoth, litten, drangen auf eine Landung, allein alle Versuche waren schlechterdings unmöglich auszuführen, und am 6ten Januar verließ die gesammte Flotte die Irländischen Küsten, um nach Brest zurückzukehren. Aber der Rückweg vermehrte das Unglück der ganzen Expedition. Die auf der Fahrt zerstreuten Schiffe wurden von Englischen Schiffen verfolgt, denn endlich war der saumselige Lord Bridport am 8 Januar bey den Irländischen Küsten angekommen, nachdem er vor Brest gewesen, und dort 4 Linienschiffen stationirt hatte. Einige seiner schnell segelnden Schiffe holten noch verschiedne Französische ein. Die beyden Französischen Anführer der Unternehmung, General Hoche, und Admiral Galles, entkamen auf einer Fregatte mit vieler Noth, indem sie alle Kanonen über Bord warfen. Von den 17 Linienschiffen waren nur 5 mit dem Admirale Bouvet, wiewohl sehr beschädigt, in Brest angekommen. Wie viel von den andern Divisionen verloren war, läßt sich in diesem Augenblicke nicht mit Genauigkeit bestimmen. Mit Zuverläßigkeit ist bekannt, daß von der gesammten Brester Flotte bis zum 10ten Januar hin schon 6 Linienschiffe und 8 Fregatten, theils gesunken, theils genommen, theils gescheitert waren, und am 20 Januar kamen in London Nachrichten von noch mehrern genommenen, und vernichteten Französischen Schiffen an. Den Französischen Menschen-Verlust berechnet man schon auf 9400 Mann. -- Wir werden im künftigen Monate, nach den fernern authentischen und umständlichern eingetrofnen Nachrichten, noch einen vollständigern Bericht von diesen Französischen See-Zuge geben.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Post-Aemtern, und in der Hoffmannschen Buchhandlung 1797.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.