Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Bamberg.[]

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Bamberg, eine ehemaliges Hochstift im fränkischen Kreise, zwischen Culmbach, Anspach, Würzburg und Coburg, welches 65 Quadratmeilen mit 180 bis 200,000 Einwohnern enthielt. Vor Alters gehörte das Land meistens den mächtigen Grafen von Babenberg, nach deren Abgang 998 Kaiser Heinrich II. die Grafschaft in ein Bisthum zu verwandeln beschloß, welches auch 1006 geschah. Der Kaiser und seine Gemahlin Kunigunde bereicherten das Hochstift ansehnlich, und der kaiserliche Kanzler Eberhard wurde 1007 der erste Bischof. Ferner verordnete Heinrich II. im J. 1019 den König von Böhmen zum Oberschenken, den Churfürsten von der Pfalz zum Obertruchseß, den Churfürsten von Sachsen zum Obermarschall und den Churfürsten von Brandenburg zum Oberkämmerer des Bisthums, so daß sie diese Aemter von jedem Bischof zu Lehen empfingen. Diese Feierlichkeit geschah jedesmal zu Nürnberg in der St. Egidiencapelle. Jene vier Churfürsten hatten wieder vier ansehnliche Geschlechter in Franken mit den vier Unterämtern belehnt. Auf dem Reichstage hatte der Bischof die vierte Stelle unter den geistlichen Fürsten. Er wurde von dem Domcapitel, welches aus zwanzig Capitularherren und vierzehn Domicellaren bestand, aus dessen Mitte gewählt. Die Einkünfte betrugen 875,000 rhein. Gulden. Im J. 1803 kam dieses beträchtliche Land unter dem Titel eines Fürstenthums als Entschädigung an das Churhaus Pfalz-Bayern; der Bischof ward mit einem Jahrgelde von 50,000 Fl. abgefunden, und das Domcapitel nebst vielen Klöstern eingezogen, wodurch die Landeseinkünfte sich verdoppelten. -- Was die Beschaffenheit des Landes anlangt, so sind die nördlichen und südlichen Theile rauh und waldig; dagegen ist zwischen Forchheim und Bamberg der Boden sehr fruchtbar an Getraide und Obst. Dennoch scheint das Landvolk in keinem Wohlstande zu seyn. Die Manufacturen und Fabriken sind im Ganzen von keiner großen Bedeutung. Die Hauptstadt gleichen Namens liegt zu beiden Seiten der Pegnitz und zählt gegen 20,000 Einwohner. Zu ihren Sehenswürdigkeiten gehört die neue fürstliche Residenz Petersburg, von Bischof Lothar 1702 erbaut, die Domkirche mit ihrem Kirchenschatze und den Grabmälern Heinrichs II. und seiner Gemahlin Cunigunde, Conrads III. und Papst Clemens II., die schöne Universitätskirche u. s. w. Die hiesige Universität wurde im J. 1585 als ein Gymnasium academicum errichtet, 1647 von Bischof Otto in eine Universität verwandelt und 1648 eingeweiht, 1739 von Bischof Friedrich Carl mit der juristischen und medicinischen Facultät vermehrt, und endlich 1803 in ein Lyceum mit vollständigem philosophischen und theologischen Unterricht verwandelt. Auch die medicinisch-chirurgische Lehranstalt am großen Ludwigshospitale wurde beibehalten und neu dotirt. Ferner ist Bamberg seit 1803 der Sitz des Oberappellationsgerichts für alle fränkischen Länder, eines Hofgerichts zur Entscheidung der Prozesse in zweiter Instanz und der Criminalfälle, und einer Landesdirection zur Besorgung der staatsrechtlichen und staatswirthschaftlichen Angelegenheiten, womit auch das geistliche Departement verbunden ist. Berühmt ist die Stadt endlich auch durch die Zahl und Fleiß ihrer Gärtner, die eine große Zunft bilden.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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