Blankenburg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Blankenburg, Fürstenthum im niedersächsischen Kreise, am Unterharze, welches gegen Osten mit dem Halberstädtischen und Anhaltischen, gegen Süden mit dem Stollbergischen und Hohensteinischen, gegen Westen mit dem Fürstenthum Grubenhagen, der Grafschaft Wernigeroda und dem Oberharz, und gegen Norden abermal mit dem Halberstädtischen gränzet. Der nördliche ebenere Theil des Landes hat guten Ackerbau, der südliche im Harz große Waldungen, Viehzucht und beträchtliche Eisenwerke. Das Ganze enthält nach der Zählung im Jahr 1800, auf etwas mehr als 8 Quadratmeilen 14,967 Seelen, wobey aber das Stiftsamt Walkenried mitgerechnet ist. Ohne dasselbe hatte es auf 6 und einer halben Quadratmeile 11,614 Einwohner, 2 Städte, 3 Flecken 15 Dörfer und mehrere zerstreute Güter. Es hat seine eigene von dem Fürstenth. Wolfenbüttel unabhängige Regierung, Kammer und Konsistorium, und obgleich Landstände vorhanden sind, so ist doch der Fürst fast unumschrankter Herr, weil er selbst mehrere Güter besitzt auf welchen die Landstandschaft ruht, und weil der größte Theil des Landes fürstl. Domäne ist. Die Einkünfte von denselben von den wichtigen Eisenbergwerken, Forsten und Marmorbrüchen sind also sehr erheblich. Von den Bergwerken berechnet man reinen Gewinn auf 150,000 Thlr. die einfache Kontribution auf 5904 Thlr. sie wird jährlich 33½ mal eingefordert; die Branntwein- Bier- und Taback Accise auf 3636 Thlr. Vor diesem war es eine Grafschaft, welche 1590. als heimgefallenes Lehn an Braunschweig kam, und 1690. von Herzog Anton Ulrich von Braunschweigwolfenbüttel, seinem Prinzen, Ludwig Rudolph, eingeräumt wurde. Im J. 1707. ward sie vom Kaiser Joseph in ein Reichsfürstenthum, unter dem Namen Braunschweigblankenburg, erhoben, und sollte das grubenhagische Votum dem Herzoge Ludwig Rudolphen unter gewissen Bedingungen von Hannover überlassen werden. Es verzögerte sich aber mit der wirklichen Introduction, und endlich gelangte gedachter Herzog 1731. zur Succession der gesammten Braunschweigwolfenbüttelischen Lande, da denn die Sache auf einmal in einem andern Stand versetzet wurde. Im Jahr 1803. hat aber der Herzog von Braunschweig Sitz und Stimme auf dem Reichstag für dieses Fürstenthum erhalten.


In diesem Fürstenthum ist Blankenburg, die Hauptstadt, 2 Meilen von Halberstadt gelegen. Das Residenzschloß liegt auf einem Felsenberge, und kann für eines der geräumigsten Bergschlösser in Deutschland gelten. Die Stadt liegt am Fuße des Schloßberges, und ausserhalb derselben der Bezirk, welcher 38 Feuerstellen enthält. Das Ganze hatte bey der Zählung im J. 1803 395 Feuerstellen, ohne die öffentlichen Gebäude und 2,635 Einwohner. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnet sich das Rathhaus, die beyden Kirchen, die lateinische Schule von 4 Klassen und das St. Georgenhospital aus. In der Faktorey liegen Vorrathe von Eisen, Marmor und Farbenerde. Die Stadt ist der Sitz der Landeskollegien und einer Superintendentur.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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