Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Das Fürstenthum Hildesheim.[]

[1]
Das Bisthum oder nunmehrige Erbfürstenthum Hildesheim gränzt an das Fürstenthum Grubenhagen und Calenberg, und gegen Osten an die Fürstenthum Wolfenbüttel, Halberstadt, Grubenhagen und an die Grafschaft Wernigerode. Etwas abgesondert liegt südlich das Amt Hundesrück, von den Fürstenthümern Grubenhagen, Calenberg und Wolfenbüttel eingeschlossen. Es hat eine Größe von ohngefähr 34 Q. Meilen, auf welchen man 8 Städte, 4 Flecken, 16 Aemter und 234 Ortschaften mit 74 landtagsfähigen adlichen Gütern zählt. Die vorzüglichsten Flüsse sind die Leine, Innerste und Ocker. Die Leine strömt besonders im westlichen Theile des Landes, woselbst sie die Ruthe die auf dem Harz entspringende Innerste aufnimmt und bald nachher ins Calenbergsche geht. Die Ocker kommt aus dem Grubenhagenschen, berührt den östlichen Theil des Fürstenthums, namentlich die Aemter Wiedelah, Schladen, woselbst sie die Ecker aufnimmt, und Liebenburg, worauf sie ins Fürstenthum Wolfenbüttel tritt.

Der Boden ist in den mehrsten Gegenden überaus fruchtbar, nur der südliche Theil des Landes ist gebirgig, desto reicher aber an vortrefflichen Waldungen. Hin und wieder findet man ergiebige Salzwerke, und von mineralischen Produkten vorzüglich Thonerden, Mergel, Kalk, Bruchsteine und Eisenerze, auch werden mehrere Eisengruben und Eisenhütten mit Vortheil betrieben. -- Der Ackerbau beschäftiget und nährt einen großen Theil der Einwohner, und nur einzelne Distrikte bedürfen der Zufuhr. Man baut vornehmlich Weizen, Roggen und Gerste, Hopfen und Hanf wird in einigen Gegenden gezogen, und der erstere vorzüglich ins Thüringische, Hannöverische und Braunschweigische ausgeführt. Der Flachsbau macht einen Hauptnahrungszweig der Einwohner aus und beschäftigt viele Menschen. Der Garn- und Linnenhandel ist sehr beträchtlich. In manchen Gegenden spinnen Männer und Weiber, Söhne und Töchter, Knechte und Mägde den ganzen Winter hindurch, und manche Weibspersonen haben darin eine solche Fertigkeit, daß sie in einem Tage 2½ bis 3 Löppe, jedes von 10 Gebind, das Gebind zu 90 Faden über einen 3½ Ellen langen Haspel spinnen können, welches in solchen Gegenden, wo man nicht so sehr ans Spinnen gewöhnt ist, nicht der Fall seyn pflegt *). Die Viehzucht ist im Ganzen genommen gut, wichtig ist vornehmlich die Schweinezucht, weniger schon, wenn gleich nicht unbedeutend, die Schaaf- und Hornviehzucht, am unbeträchtlichsten die Pferdezucht. Man kauft die nöthigen Pferde auf den benachbarten großen Viehmärkten, von welchen 2 im Lande selbst zu Hildesheim und Peina gehalten werden. In einigen Gegenden wird die Bienenzucht nicht ohne Vortheil getrieben.

Das Bisthum Hildesheim stiftete Kaiser Karl der Große im J. 822 zu Elten, aber sein Sohn Ludwig der Fromme verlegte es 5 Jahr nachher nach Hildesheim. Die Bischöfe Bernhard I, Johann I, Siegfried II, Otto II und Heinrich III vermehrten die Besitzungen des Stifts sehr ansehnlich. Der Streit zwischen Johann IV und den Herzogen von Braunschweig trug indeß viel zu ihrer Verminderung bei. Denn die letztern nahmen ihm das ganze Land bis auf 4 Aemter ab, und erst im J. 1643 erhielt der B. Ferdinand den größten Theil desselben durch einen Vergleich wieder, mittelst dessen er doch auf einige Aemter z. B. Lutter am Barenberg Verzicht leisten musste, die bis auf die neuesten Zeiten von Hildesheim zu Lehn gingen. Schon um diese Zeit im J. 1644 kam die Säkularisation des Bisthums in Anregung. Die Krone Schweden suchte dasselbe dem fürstlichen Hause Braunschweig zu verschaffen, fand aber an Kurkölln und Bayern einen so heftigen Widerstand, daß sie endlich diesen Gedanken ganz aufgeben musste. -- Der Bischof hatte bisher auf dem Reichstage seinen Sitz auf der geistlichen Bank zwischen Augsburg und Paderborn, und auf den niedersächsischen Kreistagen seinen Platz zwischen Holstein-Gottorp und Lauenburg. Er wurde vom Domkapitel gewählt, welches 40 bis 42 Mitglieder hat, die sehr beträchtliche, Einkünfte beziehn und den ersten Landstand des Hochstifts ausmachen. Nächst denselben gehören zu Landständen: 7 Stifter, die Ritterschaft und die Städte Hildesheim, Peina, Elze, Alfeld, Gronau und Bockenem. Sie wohnen sämmtlich den Landtagen bei, die gewöhnlich zu Anfang des Jahrs auf dem dazu bestimmten sehr prächtigen Rittersaale zu Hildesheim gehalten, und mit vieler Feierlichkeit eröffnet worden *). Auf denselben wird auch die jährliche Kontribution festgesetzt, die im J. 1781 -- 86,939 Thlr. betrug. Nach dem landschaftlichen Land-Renthey-Register **) betrug im genannten Jahre die Einnahme 259,404 Thlr. 6 Gr. 2 Pf. die Ausgabe hingegen 223,885 Thlr. 19 Gr. folglich blieb Ueberschuß 35,518 Thlr. 11 Gr. 2 Pf. Diese Einkünfte fließen in die Landschaftskasse, aus welcher auf dem jedesmaligen Landtage dem Bischof eine Summe bewilligt wurde, der seine übrigen Einkünfte aus den Domainen und Regalien bezieht.

*) Fabri a. ... O. Heft 10. S. 167. **) Journ. von u. für Deutschland 1784. St. 7. S. 24. 25

Die vorzüglichsten Landeskollegien sind 1) das fürstl. Geheimerathskollegium, in welchem die eigentlichen Regierungssachen zum Vortrag kommen, 2) das Kammerkollegium verwaltet die fürstl. Domainen, 3) zwei weltliche Obergerichte, die Justizkanzlei oder die Regierung und das Hofgericht. Sie haben beide konkurrente Jurisdiktion, außer daß erstere die Kriminal- Lehn- und Policeisachen allen verwaltet; an beide wird von den Untergerichten appellirt; 4) 2 geistl. Obergerichte: das protestantische Landkonsistorium und das bischöfliche Offizialat. Unter dem ersten stehen alle protestantischen Unterthanen, außer der Stadt Hildesheim, welche ihr eignes Konsistorium hat. Der bischöfl. Regierungskanzler wohnt den Sessionen des Konsistoriums bei, hat in demselben die erste Stelle, aber wegen Verschiedenheit der Religion nur eine eingeschränkte Stimme. Das Offizialatgericht verwaltet die geistliche Gerichtsbarkeit über die sämmtlichen katholischen Einwohner. Zur Zeit der obenerwähnten Streitigkeiten des Bischofs Johann mit den Herzogen von Braunschweig-Lüneburg, erklärte sich fast das ganze Land für die evangelische Religion. Im dreißigjährigen Kriege erfuhren die Protestanden viele Bedrückungen, doch wurde ihnen im Westphälischen Frieden die Religionsfreiheit gesichert, und den Katholiken die gemeinschaftliche Uebung des Gottesdienst in den Orten, welche im Normaljahre 1624 ganz evangelisch gewesen waren, ganz untersagt. Durch die Konsistorialrecesse von 1651 und 1711 ist dieß alles noch näher bestimmt. Alle Städte, ein großer Theil des Adels und die mehrsten Dörfer sind protestantisch. Der Bischof, das Domkapitel, die Stifter, ein kleiner Theil des Adels und die geringere Zahl der Unterthanen sind katholisch.

Das fürstliche Militär bestand aus einer Leibgarde zu Pferde, und einer zu Peina in Garnison liegenden Kompagnie zu Fuß. Die Stadt Hildesheim unterhielt 3 Kompagnien Stadtsoldaten, deren Chef zugleich Kommandant war.

Uebrigens theilt sich das ganze Fürstenthum in das große und kleine Stift, und besteht aus folgenden 15 Aemtern: 1) Ruthe, 2) Poppenburg, 3) Gronau, 4) Hundesrück, 5) Winzenburg, 6) Marienburg, 7) Steuerwald, 8) Woldenberg, 9) Binderlah, 10) Peina, 11) Steinbrück, 12) Liebenburg, 13) Schladen, 14) Vienenburg, 15) Wiedelah. Zu diesen pflegt man 16) die Domprobstei zu rechnen, welche einen beträchtlichen Landstrich ausmacht, zu welchem 9 unter der Gerichtsbarkeit des Domprobstes stehende Dörfer gehören.


Die Hauptstadt Hildesheim in einem ebenen Thale an der Innerste, wird in die Alt- und Neustadt und in die Domfreiheit getheilt. Sie hat an 12000 Einwohner und zwischen 2 und 3000 Häuser, und liegt in einer gesegneten und fruchtbaren Gegend. Man zählt hier 8 protestantische und 19 katholische Kirchen, unter welchen letztern die Domkirche vorzüglich sehenswürdig ist. In diesem alten gothischen Gebäude, das viele prächtige Gemälde und einen kostbaren Kirchenschmuck hat, verdient vorzüglich die Irmensäule Erwähnung, welche ohngefähr 10 Fuß hoch aus grünlichem Marmor besteht, statt des Götzenbildes ein Marienbild mit dem Kinde und Scepter führt, und jetzt zur Erleuchtung des hohen Chors dient. Unter den Schulen der Stadt ist das Andreas-Gymnasium die vorzüglichste. Garn- und Linnenhandel, Brauerei, der Aufenthalt des Bischöflichen Hofes, die reichen Stifter und die Landeskollegien gaben der Stadt viel Nahrung und machten sie sehr lebhaft. Hannover hatte bisher die Erbschutzgerechtigkeit über Hildesheim, und hatte deswegen hier beständig ein Bataillon Soldaten zur Besatzung. Die Stadt erkannte den Bischof zwar für ihren Landesherrn, huldigte ihm aber nicht. Nur die Neustadt huldigte dem jedesmaligen Domprobst, und erkannte ihn für ihren Oberherrn. -- Nächst Hildesheim ist Peina unstreitig die bedeutendste Stadt des Landes. Sie liegt an der Fuhse, in einer morastigen Gegend, und ist wegen ihrer ansehnlichen Vieh- besonders Pferdemärkte vorzüglich bekannt. -- Ruhte und Liebenburg, zwei fürstliche Lustschlösser. Söder, ein Schloß des Herrn v. Brabeck, welches wegen seiner geschmackvollen Anlage und noch mehr wegen der vortrefflichen Bildergallerie sehenswürdig ist *). Salzliebenhall oder Salzgitter mit einem beträchtlichen Salzwerke, an welchem Hannover und Braunschweig Antheil haben.

*) Söder von Roland, aus dem Franz. ins Deutsch. übers. von K. G. Horstig, mit zwei malerischen Ansichten von Söder, nebst dem Bildnisse des Freiherrn von Brabeck. Lpz. 1799. Fol. (6 Thlr.)
Ströbeck. G. Vieweg.


Fürstenthum Hildesheim.[]

[2]
Hildesheim, Fürstenthum in Niedersachsen, auf der Nordseite des Harzes, hat von Osten nach Westen etwa 10, und von Süden nach Norden 8 Meilen in die Länge und Breite. Ein für den Ackerbau vortreffliches Land; Viehzucht wurde von jeher nicht so gut, als es wohl hätte geschehen können, getrieben. Die Berge im südlichen Theile des Landes: der Solling, die Siebenberge, der Sundern u. s. w. sind meist mit trefflichen Eichen, Buchen, Eschen und Birken bewachsen, und die wenigen kahlen Berge haben ergiebige Steinbrüche und Eisengestein. Des Landes Hauptflüsse sind: die Leine, Ocker, Innerste und Fuse. Das ehemalige Bisthum enthielt 8 Städte, 4 Flecken, 75 adelige Güter und 248 Dörfer. Zu den Landständen gehörten: das Domkapitel, 7 Stifter, die Ritterschaft und die Städte Hildesheim, Peina, Elze und Alfeld. Zur evangelischen oder protestantischen Kirche bekannten sie alle Städte, der größte Theil des Adels und die meisten Dörfer; zur katholischen vorzugsweise der Landesherr, das Domkapitel, die Klöster, ein Theil des Adels und alle bischöfliche Bediente. Die protestantische Religionsfreiheit war durch den Receß von 1711 bestätigt. Im J. 822 hatte Carl der Große das Bisthum gestiftet. Sein ursprünglicher Bestand vermehrte sich unter verschiedenen Bischöfen. Bernhard I. brachte Winzenburg, Johann I, Peina, Siegfried II. Dassel, Otto II. Woldenberg und Heinrich III. Schladen und Stift. Als aber Johann IV. im Jahr 1519 die berühmte Hildesheimische Stiftsfehde mit Heinrich dem Jüngern von Braunschweig begann, lief diese, weil Heinrich Kaiser Carls des Fünften Liebling geworden, so unglücklich ab, daß der in die Acht erklärte Bischof nichts als die Domprobstei, nebst den Aemtern Steuerwald, Marienburg und Peina behielt. Im Laufe des 30jährigen Krieges änderte sich die Lage der Dinge; Bischof Ferdinand bekam durch einen 1643 mit den Herzogen von Braunschweig-Lüneburg geschlossenen Vergleich des sogenannte große Stift, bis auf die Aemter Lutter und Baremberge, Dachtmissen, Coldingen und Westerhofen zurück. So blieb sie Sache bis zur großen Theilung des geistlichen Guts, welche durch die geheime Convent zu Berlin zwischen Preußen und der Französischen Republik bereits im August 1796 vorbereitet, nach dem siebenten Artikel des Lüneviller Friedens im Jahre 1802 ausgeführt wurde. Der König von Preußen erklärte in einem Patent vom 6. Juni 1802, daß er nun Hildesheim und Goslar sich zueignen werde, und die Besitznahme geschah wirklich am 30. Juni desselben Jahres. Der letzte Fürstbischof, Franz Egon von Fürstenberg, wurde pensionirt, und Hildesheim ward eine Preußische Provinz, bis durch Napoleons Dekret vom 18 August 1807 Hildesheim ausdrücklich zum integrirenden Theil des neuen Königreichs Westphalen erklärt ward. Nach den Ereignissen des Jahres 1814 fiel auch Hildesheim wieder an Preußen zurück, welche aber dasselbe, vermöge des 27. Art. des Wiener Congreßinstrumentes, an Hannover abgetreten hat.


Die Stadt Hildesheim, die 2500 Häuser und 12000 Einwohner hat, deren Hauptgewerbe in Garn- und Leinwandhandel besteht, liegt an der Innerste auf einem abhängigen Boden, besteht aus der Alt- und Neustadt, deren jede sonst ihren eigenen Magistrat hatte, und ist sehr altmodisch und unregelmäßig erbaut. In der Domkirche zeigte man sonst einen schönen geistlichen Schmuck, und vor dem hohen Chor die uralte Irmensul, ein bekanntes Götzenbild der Sachsen.


Zeitungsnachrichten.[]

[1807]

[3]

Staatsbegebenheiten.

Hildesheim. Am 30. Jul. traf der Oberste Monro, Generaladjutant des Königs von Westfalen, hier ein, um im Namen Sr. Majestät von dem Fürstenthum Hildesheim Besitz zu nehmen; worauf denn am 2. Aug. die hiesigen Beamten für den König von Westfalen in Eid und Pflicht genommen wurden.


Quellen.[]

  1. Gemeinnützige Unterhaltungen für 1803 Eine Wochenschrift zum Besten der Armen Herausgegeben von der Literarischen Gesellschaft zu Halberstadt. Halberstadt, gedruckt bei Heinrich Matthias und Delius Erben.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. National-Zeitung der Deutschen. 33tes Stück, den 13ten August 1807.
Advertisement