Adler, Fahnen, Sporton.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der Eingang und das Pfortenstück dieser kleinen kriegerischen Bildergallerie sei, was auch oft die Pforten der Zeughaussäle ziert, das Ehrenzeichen der Soldaten, die Fahne.

SLUB Dresden

Sie ist ein Tuch, an einer langen Stange befestigt, von leinenem oder seidenem Zeug, mit dem Wappen des Landes oder dem Namenszuge des Regenten, auch wohl mit Sinnsprüchen gemalt oder gestickt, und wird von einem besonders dazu verordneten Unteroffizier getragen, damit ein jeder Soldat auf dem Marsch und in der Schlacht wisse, wohin er gehört und wobei er sich zu halten habe, und damit er auch sich beständig erinnere an den Eid, den er geschworen, nie von seiner Fahne zu weichen und zu ihrer Beschützung Leib und Leben zu wagen.

Die Stange, an welcher das Fahnentuch befestigt ist, heißt der Fahnenstock. Er gleicht (wie besonders an No. 7. zu sehen ist) einem Spieße; doch ist er gar nicht gemacht, um damit im Streit zu stechen, sondern seine Spitze ist nur eine vergoldete, oder hat wirklich goldene Zierrath.

An den französischen Fahnen ist nicht das Tuch, sondern die Spitze des Stockes das Vornehmste; diese nämlich ist ein vergoldeter französischer Adler (siehe No. 1.).

Oft hängt an der Fahne noch ein anderes Ehrenzeichen (7.), ein Band etwa, von der Hand der Fürstin gestickt, und dem Regiment zur besondern Belohnung einer tapfern That geschenkt, oder, wie an der Fahne der 46. Halbbrigade der Franzosen, in einer goldenen Kapsel, das Herz des Latour d'Auvergne, eines sehr tapferen Mannes, der auf dem Schlachtfelde starb.

Um die Fahne bequemer tragen zu können, hat der Träger von der linken zur rechten Schulter, an einem breiten Riemen (Fig. 3. und 6.), eine Art Scheide oder offenes Futteral hängen, das von starkem Leder gemacht ist und der Fahnenschuh heißt, da stellt er das untere Ende des Stocks hinein und hält so die Fahne mit der Hand.

Weil das Fahnentuch im Wind und Wetter sehr vergänglich ist, so wird bei schmutziger Witterung und auf dem Marsch eine Hülle von Wachsleinwand über die um den Stock gewickelte Fahne gezogen und unten fest zugebunden (Fig. 5.). Diese Hülle heißt die Fahnenkappe, und wenn sie von der Fahne genommen ist, so trägt sie der Träger um die Schulter geknüpft. Trotz dieser Vorsicht ist dich nach wenigen Jahren die Fahne (wie 7) in Fetzen zerschossen oder vom Winde, der sie immer an die Bajonetspitzen der nebengehenden Soldaten treibt, zerrieben worden, so daß endlich, wie bei den meisten französischen Adlern, der Stock mit seinen Zierrathen allein übrig ist.

Der Träger einer Fahne heißt Fahnenjunker und ist bei vielen deutschen Armeen ein kleiner Edelmann von 14 bis 18 Jahren, der zum Offizier heranwachsen soll. Bei der französischen Armee aber ist es ein versuchter Soldat, der diese Stelle zur Belohnung seiner Verdienste erhält.

Der Gebrauch der Fahnen ist sehr alt und bei vielen Völkern, wiewohl nicht immer auf dieselbe Art, eingeführt gewesen. Den Römern, in ihrer ersten rohen Heldenzeit, diente eine Hand voll Heu oder Stroh, an eine Stange befestigt, zur Fahne. Dazu wäre es noch jetzt mehr als hinreichend; aber es steht vernünftigen Wesen wohl an, daß, was sie sich als Zeichen einer wichtigen Sache besonders heilig machen, auch durch ihre beste Geschicklichkeit zu verschönern. Es blieb auch unter den Römern nicht lange bei dem Heubündel; wie sie mächtiger und prächtiger wurden, ließen sie sich Wölfe, Pferde, wilde Schweine, Adler und dergleichen mehr aus Holz schnitzen, ja endlich gossen sie sich diese Thiere aus Metall und zuletzt gar aus Silber. Besonders liebten sie die Abbildung eines Adlers, machten den zum hauptsächlichsten Zeichen ihrer Legionen, und waren dadurch Ursache, daß der ehemalige römisch-deutsche Kaiser, so wie der jetztlebende französische, den Adler zu ihrem Wappen wählten, und der letztere ihn wieder, als ausgeschnitztes Bild, seinen Soldaten zum Feldzeichen gab.

Jedes Bataillon unter der europäischen regelmäßigen Infanterie hat jetzt eine Fahne und folglich jedes Regiment so viel Fahnen als es Bataillone hat. Die Fahne des ersten Bataillons heißt die Leibfahne. Die Grenadiere, die Scharfschützen und Jäger zu Fuß aber haben gar keine: denn diese Truppen fechten einzeln, oder an Orten, wo es mehr Unheil als Nutzen bringen würde, sich zu einer Fahne zu halten und sich um ihre Vertheidigung zu bekümmern. Doch ist es vorzugsweise der Grenadiere Geschäft, zur Parade, zum Marsch und zur Schlacht die Fahne von dem Orte, wo sie aufbewahrt wird, abzuholen und zum Regiment zu bringen.

Der General oder Kommandant des Regiments hat die Ehre, die Fahnen in seiner Wohnung zu verwahren. Wo er auf dem Marsche sich einquartirt, dahin bringt, sobald das Regiment ins Nachtlager gerückt ist, eine Abtheilung Grenadiere mit der Musik die Fahnen und holt sie des Morgens vor dem Ausrücken wieder ab. Dabei wird allemal die Fahne durch Präsentiren des Gewehrs und durch Rühren der Trommel begrüßt.

Wenn ein neuer Soldat (ein Rekrut) den Eid schwört, seinem Vaterlande und dessen Regenten treu mit Blut und Leben zu dienen, so hält der Fahnenjunker allemal dazu die Fahne: ja, in einigen Ländern legt der Schwörende die Hand an den Fahnenstock.

Die Fahnen, die man dem Feinde entrissen hat, sind die höchsten Siegeszeichen, womit man bei der Zurückkunft aus dem Kriege prangt. Sie werden zum ewigen Gedächtniß und Ehrenschmuck in die Garnisonkirchen oder in die Zeughäuser aufgehangen, und der Soldat, welcher eine in der Schlacht erobert, wird Fähndrich, oder erhält sonst eine ehrende Belohnung.

Sonst gab man in der Schlacht gewisse Zeichen mit den Fahnen. Wenn es dahin kam, daß der eine Theil den Sieg zu erhalten schien, so senkten seine Fahnenträger die goldnen Spitzen gegen den weichenden Feind; zum Zeichen, daß die Schlacht so gut als gewonnen sei und daß die Streiter, den Sieg vollkommen zu machen, frischer drauf los gehen sollten. Wenn im Gegentheil das Heer zu wanken begann, so wurden die Kriegeszeichen in die Höhe gehoben und geschüttelt, um die Soldaten zum neuen Versuch, zur doppelten Anstrengung aller Kräfte aufzumuntern, sich nicht übermannen zu lassen. Einigemal, als bei den Römern sich in der Schlacht alles zum Verlust neigte, warfen die Fahnenträger ihre Kriegeszeichen selbst unter die Feinde und reizten so die Soldaten, das Aeußerste zu wagen, sie wieder zu erobern und dadurch das wankende Glück auf ihre Seite zu ziehen.

Philipp August, König von Frankreich, wurde in der Schlacht von Bowines im Jahre 1214 vom Feinde umringt. Während er selbst sich ritterlich durchzuschlagen strebte, gab ein Offizier durch ein wiederholtes Zeichen mit der Fahne dem Heere der Franzosen die Gefahr zu erkennen, in welcher der König schwebe, und alles stürzte herbei und rang ihn aus dem dicken Feindeshaufen heraus.

Solche Zeichen waren möglich, so lange man noch kein Feuergewehr hatte und nur Staub des Kampfgewühles die Luft verdunkelte; aber jetzt, wo immer dicke Dampfwolken das Schlachtfeld bedecken, kann man sich ihrer nicht mehr bedienen.


Fahne.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Fahne war ursprünglich ein Zeichen, das auf eine Stange, einen Spieß oder Balken aus verschiedenen Absichten aufgesteckt wurde. Unter den Hebräern waren die Fahnen schon zu Moses Zeiten bekannt; sie waren schon damals mit Sinnbildern geschmückt. S. Oriflamme. Ephraim führte einen Stier, Benjamin einen Wolf u. s. w. Ein gleiches finden wir bei den Griechen; die Athenienser hatten eine Eule die Thebaner eine Sphinx auf ihrer Fahne, durch deren Emporheben oder Senken sie das Zeichen zum Angriff oder Rückzug gaben. Die Fahne des Romulus war ein Heubündel, welches an eine Stange gebunden war. An die Stelle desselben trat später eine Hand, und dann ein Adler. Die wirklichen Fahnen kamen erst unter den Kaisern auf; sie behielten den Adler bei. Außerdem aber hatten die Fahnen auch Drachen und silberne Kugeln zum Zeichen; die Fahnen der römischen Reiterei bestanden aus einem viereckigen purpurfarbenen, mit Gold gezierten Tuche, worauf man in der Folge noch das Bild eines Drachen anbrachte. Die Deutschen knüpften ein Band an eine Lanze, welche der Herzog vor dem Heere hertrug. Von diesem Bande soll das Wort Fahne entstanden seyn, indem aus Band Ban, Fan, Fahne geworden sey; man führt an, daß bandum und banderium (bandiera, Banner, Panier) eine Fahne und banderesius ein Fähndrich heißt. In der Folge wurde aus diesem Bande ein großes Tuch, das mit Emblemen und Inschriften geziert wurde. Die neuen französischen Heere erhielten zu ihren Fahnen, nach Art der römischen, Adler, nur von etwas verschiedener Gestalt.


Fahnen-[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]
Fahneneid heißt der Soldateneid, weil die Soldaten auf die Fahne schwören müssen.

Fahnenlehen, ein kaiserliches Lehen, weil es ehemals mit Ueberreichung einer Fahne verliehen ward, welches in der Folge vermittelst eines Schwertes geschah, dessen Knopf der auf dem Throne sitzende Kaiser den Vasallen nach abgelegtem Lehnseide küssen ließ.

Fahnenschmid, ein Feldschmid bei einer Fahne der Reiterei.

Fahnenschuh ist die lederne Scheide, worin das Untertheil der Fahnenstange gesteckt wird.

Fahnenschwung war die feierliche Ehrlichmachung eines durch ein Verbrechen oder eine Verschimpfung unehrlich gewordenen Soldaten, die mit verschiedenen Ceremonien geschieht.

Fahnenwache ist die Wache vor der ersten Linie des Lagers, welche gemeiniglich aus einem Fähndrich, einem Unteroffizier, dreißig Mann und einem Tambour besteht.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Zeughaus. Eine Abbildung und Beschreibung aller Waffen, Instrumente und Geräthschaften, welche im Kriege gebraucht und im Zeughause aufbewahrt werden. Ein Bilderbuch für die Jugend, die sich einen Begriff von den Kriegsgeräthschaften machen will. Pirna bei Carl August Friese.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. id.
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