Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Officielle Nachricht von den Ereignissen in Spanien.[]

[1]
Der General Dupont [xxx], der zu Ende des Mais von Madrid aufgebrochen war, hatte sich gegen Andalusien in Marsch gesetzt. In den ersten Tagen des Juni war er durch die Sierra Morena marschirt und hatte seinen Weg nach dem Guadalquivir genommen. Bei seiner Ankunft zu Andujar erfuhr er, daß sich zu Sevilla eine Insurgentenjunta gebildet habe, daß sie die Provinzen Cordova, Grenada, Sevilla und einen Theil von Jean in Bewegung setze, und daß sich in der Gegend von Cordova zahlreiche Insurgentencorps zusammen ziehen sollten. Er setzte sich daher sogleich in Marsch. Den 6. Juni nahm er Montoro, Carpio und Bugalence ein, ohne daß er die Insurgenten angetroffen hätte, er erhielt aber bei einer Recognoscirung, die er nach Alcolea hin, nicht weit von Cordova vorgenommen hatte, die Nachricht, daß sie daselbst in Menge wären, und daß sie ihm den Uebergang über den Guadalquivir streitig machen zu wollen schienen.

Die Brücke von Alcolea ist sehr lang, und man kann ihr nur mit Mühe nähern; sie wurde durch einen Brückenkopf, durch Batterien auf einer Anhöhe und durch Infanterie vertheidigt, die von einem Ufer auf das andere ein sehr lebhaftes Kleingewehrfeuer unterhielt. Den ersten Angriff machte man den 7. mit Tagesanbruch. Man sah, daß die Brücke nicht durchlöchert sey, und sogleich erfolgte der Befehl zum Angriff der Verschanzungen, die sehr tiefe Graben hatten. In sehr kurzer Zeit wurde der Brückenkopf und das Dorf Alcolea eingenommen. Die Insurgenten flohen in der größten Unordnung und ließen ihre Canonen und eine große Menge Todter und Verwundeter zurück.

Alles, was sich aus dem Gefechte bei Alcolea rettete, zog sich nach Cordova zurück, ohne daß dasselbe wagte, sich in dem Lager festzusetzen, das die Insurgenten vorwärts der Stadt hatten, wo man sehr sonderbare und ungewöhnliche Waffen, Piken und englische Flinten fand.

Als das Hauptcorps vor Cordova anlangte, ließ der General den Corregidor zu sich kommen, und schickte den Prior eines Klosters an die Einwohner, mit der Ermahnung, keinen Widerstand zu leisten und die angebotene Gnade anzunehmen. Da diese Maaßregeln nichts fruchteten, und die Insurgenten, die aus 15,000 ausgehobenen Insurrections- und aus 2000 regulären Truppen bestanden, auf allen Seiten Feuer gaben, so schoß man Breche; die Thore wurden eingehauen und die Stadt wurde mit Sturm eingenommen.

Der Sieg war an diesem Tage vollständig; der feind verlor viel Leute, und die Ruhe war in der Stadt hergestellt.

Den 19. wurde der Capitän Baste mit einer Colonne von 900 Mann Infanterie und 100 Mann Cavallerie und Artillerie ausgeschickt, um zu Jaen Lebensmittel zu holen. Er sandte zwei Parlementaire voraus, auf welche die Insurgenten Feuer gaben. Den Tag darauf um 6 Uhr Morgens griff er das verschanzte Lager, das feste Schloß und die Stadt an. Der Angriff war lebhaft; alle Stellungen wurden genommen. Die Insurgenten verloren 200 Mann an Todten und 500 an Verwundeten. Die Colonne hatte bloß 5 Verwundete *).

*) Bei dieser Gelegenheit haben vier Officiere höhere Beförderungen erhalten.

Unterdessen waren zwei Divisionen Schleichhändler, die ungefähr 3000 Mann ausmachten, nach der Sierra Morena vorgerückt und hatten die Communication mit Madrid abgeschnitten. Der Herzog von Rovigo (Savary), der nach der Abreise des Großherzogs von Berg das Commando übernommen hatte, setzte den General Vedel mit seiner Division und mit der Division Gobert im Marsch. Den 26. Juni langte der General Vedel [xx] bei den engen Pässen von Penna-Pennon an. Den Feind zu Gesicht bekommen, ihn angreifen, und ihn in Unordnung bringen, war das Werk eines Augenblicks. Die Insurgenten verloren 900 Mann, ihre Artillerie, ihren Mundvorrath und ihre Munition. Wir hatten 2 Todte und 10 Verwundete. Die Verbindung des General Vedel [xx] mit dem General Dupont [xxx] ward auf diese Art bewirkt.

Der General Dupont postirte den General Vedel [xx] nach Baylen, und den General Gobert [xx] nach Carolina. Er besetzte mit seiner ersten Division Andujar am Guadalquivir, wo er einen Brückenkopf errichtete. ein anderer Brückenkopf wurde im Dorfe Monjibar auf dem Wege von Jaen nach Baylen angelegt.

Die Behauptung des Posten Jaen war von Wichtigkeit, weil derselbe näher an der Communicationslinie lag als Andujar und diese letztere Stellung nicht mehr haltbar war, sobald der Feind Jaen besetzt hatte. Der Brigadegeneral Cassagne wurde nach Jaen geschickt. In den ersten Tagen des |Juli hatte er mehrere Vorpostengefechte, wo er jedesmal siegte.

Die Lage des General Dupont [xxx], die anfänglich Besorgnisse verursacht hatte, durfte nunmehro keine mehr erregen, weil der Verstärkung erhalten hatte und in einem Tage es dahin bringen konnte, daß sich die engen Pässe der Sierra Morena zwischen ihm und dem Feind befanden. Er hatte mehr Truppen, als er brauchte, wenn auch nicht die Provinz zu unterwerfen, doch um gegen jedes unangenehme Ereigniß gesichert zu seyn.

Dies war die Lage der Sachen gegen den 20. Juli, als der König nach Spanien kam. Allenthalben waren die Insurgenten zerstreuet, entwaffnet, zum Gehorsam gebracht oder im Zaume erhalten. Nirgends hatte sie einen bedeutenden Widerstand geleistet.

. . . . .

Alle diese Siege nebst der Ankunft des Königs zu Madrid ließen auf einen glücklichen und schnellen Ausgang der Angelegenheiten in Spanien schließen, als General Dupont nach einer Reihe von Ereignissen, die wir nicht beschreiben können, weil sie der Gegenstand von Untersuchungen, Berichten und Verhören seyn müssen, den dreifachen Fehler beging, daß er sich seine Communication mit Madrid abschneiden, und, was noch schlimmer ist, sich von zwei Dritttheilen seines Corps trennen ließ, die sechs Stunden von seiner Communicationslinie standen, und sich endlich den 19. Juli mit dem übrigen Dritttheile seiner Macht in einer nachtheiligen Stellung nach einem forcirten Nachtmarsche schlug, ohne daß es Zeit zum Ausruhen gehabt hatte.

Man findet wenig Beispiele eines solchen Betragens, das so gegen alle Grundsätze der Kriegskunst ist. Dieser General, der seine Armee nicht zu leiten gewußt, hat hierauf bei den Unterhandlungen noch weniger Entschlossenheit und Geschicklichkeit bewiesen. Wie Sabinus Titurius ließ er sich durch einen Schwindelgeist ins Verderben stürzen und sich durch die List und das Ansinnen eines zweiten Ambiorix hintergehen; die römischen Soldaten aber waren glücklicher als die Unsrigen, sie starben sämmtlich mit den Waffen in der Hand.


Spanische Nachrichten.[]

[2]
Valenza am 5. Julius 1808.

Hauptquartier zu Carmona am 15. Junius.

So wie Dupont in Cordova eingerückt war, überließen sich seine Truppen gleich dem Plündern und Vollsaufen. Mitunter brachten sie einige Einwohner um, um den übrigen den Muth zu nehmen; doch die meisten waren schon früher entflohen.

Der Bischof warf sich über die Stadtmauer hinab, und rettete sich übel zugerichtet nach Pennaflor (Pennhjaflor). Die Domkirche hat sehr gelitten; die Franzosen verübten dort Entheiligungen aller Art. Das sind Katholiken von neuem Schlage. Die Vertheidigung der Brücken von Alcolea war hartnäckig; wider Willen zog man sich zurück. Die Cavallerie konnte nicht zum Schlagen kommen; ohne diesen Umstand hätten wir es nicht verschieben müssen, den Feind aufzureiben. Unser Verlust reicht nahe an 400 Mann.

Mehrere Regimenter Infanterie und Cavallerie kommen hier an. Der Marquis von Cupigni, Oberster der Niederländischen Garde, ist zum General der Infanterie, und Don Tomaso de Serrain zum General der Kavallerie ernannt worden. Herr Saavedra uns mehrere andere Personen vom Range sind seit drey Tagen angekommen. Es werden sehr kraftvolle Maaßregeln genommen.

Die Franzosen vernahmen, daß sie angegriffen werden sollen, und zogen sich zurück; ein unzweydeutiger Beweis von dem hohen Muthe des General Dupont. Fühwahr, wir können diese Kriegshaufen für keine Armee, noch für Soldaten, sondern nur für eine Horde irrender Tartaren oder Beduinen betrachten, welche daher eilen, um Raub und Plünderung auszuüben, und sich eben so schnell wieder in ihre Höhlen zurückziehen.

Am 11. wurde Ecchavaria hier durchgebracht; er wird nach Utrera geführt, um vor einem Kriegsgericht gestellt zu werden. Man versichert, er entschuldige sich damit, daß er seine Unerfahrenheit in der Kriegskunst bekannt, und erklärt habe, als man ihm das Commando vom Cordova übertrug.

Man sagt, daß die Gräfin del'Aquila des Hochverraths angeklagt sey, und ihr der Proceß bey der höchsten Junta gemacht werde.

In Portugall ist großer Mangel an Lebensmitteln, und in Frankreich zeigen sich Spuren von Revolution.

Es ist dafür gesorgt, daß der Marsch des General Dupont durch die Sierra Morena nicht so ruhig für sich gehen soll, als er es wünscht.


Malaga am 18. Junius 1808.

Wir haben von daher eine gedruckte Nachricht, die wir von Wort zu Wort mittheilen:

In einem Brief aus Andujar vom 9. May liest man folgendes:

Heute ist unsere Stadt aufgestanden und hat Ferdinand den Siebenten als ihren rechtmäßigen König ausgerufen. Alle französische Soldaten, mit ihren Commandanten wurden gefangen genommen, und die sich widersetzten, ermordet. Dieß geschah heute Nachts um 1 Uhr.

Um 6 Uhr Morgens kam ein französischer Bothe mit Briefen vom Herzog von Berg. Man verhaftete den Bothen, öffnete die Briefe, und las sie öffentlich; man fand: daß die Franzosen Succurs an Truppen und Munition verlangen, sich in übler Lage befinden, und bereits die erste und zweyte Division, und einen Theil der dritten verloren haben.

Vor zwey Tagen wurden den Franzosen in Porto-Ré ihre Lebensmittel und Munition abgenommen. Sieben von ihnen mit einem Generalen, einem Adjutanten und einem Obersten sind dabey umgekommen. 34 worunter mehrere Officiere, wurden gefangen genommen; der Rest entfloh, mußte aber in Valdepennas bis auf 400 über die Klinge springen.

Schon sind 5000 Mann in Porto-Ré versammelt, um jeden Rückzug abzuschneiden.

Truxilo mpr.

Diese Nachricht wurde auf Befehl des Interims-Gouverneurs in Malaga öffentlich angeschlagen.

Johann Bapt. Pardo, Secretär.


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

[3]

Spanien.

Die Madrider Zeitung giebt folgende Nachricht über die Unruhen in Andalusien. General Dupont erhielt am 24. May zu Andujar die Nachricht, daß ein Theil der Einwohner von Niederandalusien in Aufruhr sey. Die Aufrührer hatten sich vieler Waffen bemächtigt, hatten die Kontrebandisten mit sich vereinigt, und die Gefängnisse geöffnet. General Dupont vereinigte auf diese Nachricht seine zerstreut marschirenden Kolonnen. Am 7. Jun. 2 Uhr Morgens kamen die Französischen Truppen bey der Brücke von Alcolean an, warfen sich auf 2 Artilleriestücke, die sie vertheidigten, verfolgten den Feind bis an die Lancha, und eroberten die übrige Artillerie. Das Verfolgen der Aufrührer ward bis gegen Mittag bis an die Thore von Cordova fortgesetzt. Um 3 Uhr Nachmittags zogen die Franzosen in diese Stadt.


Quellen.[]

  1. Sammlung der Actenstücke über die spanische Thronveränderung. Germanien, 1808.
  2. Sammlung der Actenstücke über die spanische Thronveränderung. Germanien, 1808.
  3. Wiener-Zeitung. Nro 59. Sonnabend den 23. July 1808.
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