Kurze Uebersicht des Feldzuges im Jahr 1793 zwischen dem Rhein und der Saar.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von einem unpartheiischen Beobachter.

In jenen glänzenden Zeiten Frankreichs, in welchen Liebe zum Ruhm die Könige, und Liebe zum König die Nation beherrschte, in welchen jede Kunst und Wissenschaft, die den Verstand schärft oder aufklärt, die Sinnlichkeit verfeinert, das Volk bereichert und dem Throne Glanz gibt, täglich an Vollkommenheit wuchs, in welchen jeder Gallier sich vor dem andern beeiferte, die Aufmerksamkeit und das Wohlgefallen des Monarchen, durch ausgezeichnete Fortschritte in irgend einem Werke des Genies zu erringen, in diesen glücklichen Zeiten, in welchen ein gerechter National-Stolz und der Ueberrest des alten Rittergeistes den Adel und das Volk belebte, wenn es, für die glänzende Krone Frankreichs zu fechten, ins Feld zog, in diesen Zeiten entwarf auch der französische Krieges-Genius, für alle Grenzen dieses weitläuftigen Staates, Vertheidigungs-Plane, welche schon längst die Bewunderung aufgeklärter Offizire fremder Armeen gewesen sind.

Nach diesen Vertheidigungs-Planen, die das vollkommene Gepräge des mit allen Kenntnissen des Lokals reichlich ausgerüsteten militärischen Genies tragen, verfahren jetzo die sogenannten Generale der sogenannten französischen Republik. Wie wäre es sonst möglich, daß Leute, welche, noch vor wenigen Wochen, den Plan zu einem Frak oder einer Robe ronde ihren Gesellen in Paris zuschnitten, oder den scharfen Hobel eines Moreau führten, sich an die Spitze der Armeen setzen, und durch gar nicht zu verachtende Stellungen und Bewegungen die Grenze ihres Vaterlandes vertheidigen könnten?

Nicht diese Generale, welche der Zufall an die Spitze der Armeen setzt, und die Guillotine wieder in das ewige Nichts zurückwirft, nicht diese Männer des Augenblicks, sondern die Memoires eines Villars, eines Vauban, eines Grand Pré, kommandiren die französischen Armeen. Um französischer General zu seyn, darf man nur lesen können, und zusehen, was für Vorschriften jene große Leute in ihren, in dem Krieges-Bureau niedergelegten und mit großer Sorgfalt aufbewahrten Memoires, für diesen oder jenen Fall gegeben haben. Die jetzigen französischen Generale sind wie gewisse Leute, welche, ohne Medizin studirt zu haben, jede Krankheit nach den Rezepten irgend eines berühmten Arztes kuriren wollen, und auch in der That kuriren, wenn die Fälle nicht verwickelt sind und regelmäßig eintreten.

Man kann daher mit Recht sagen, daß Niemand mehr zum Untergang seiner Urenkel, und der ganzen Nation beygetragen habe, als Ludwig XIV. eben durch jene vortrefliche Vertheidigungs-Anstalten auf den Grenzen Frankreichs. Gerade die Mittel, wodurch er seinen Feinden den Eintritt in Frankreich sperrte, sperren ihn jetzt den Rettern seiner Enkel.

Diesen Vertheidigungs-Entwürfen gemäß, haben die französischen Generale in dem Feldzuge von 1793 auf der Grenze zwischen dem Rhein, der Saar und der Mosel gehandelt. -- Als nemlich die französische Armee bereits zu Ende März durch die kombinirte Bewegungen der Königlich Preußischen Haupt-Armee und des K. K. Corps, unter dem Grafen von Wurmser, genöthigt wurde, das ganze Terrän zwischen dem Rhein und der Nohe zu verlassen; so zog sie sich anfänglich bis hinter die Linien der Queich, -- und bald darauf bis hinter die Linien der Lauter zurück. man muß gestehen, daß auch einem großen Generale, unter solchen Umständen, nichts anders zu thun möglich gewesen wäre: wie könnte man also einem Anfänger in der Kriegskunst -- wie Cüstine -- diesen schnellen Rückzug verdenken? Sobald nämlich die Königlich Preußische Armee, welche anfänglich Mine machte, zwischen Mainz und Oppenheim über den Rhein zu gehen, sich schnell rechts wandte und mit einer unglaublichen Geschwindigkeit diesen großen Strohm bey Bacherach passirt hatte; sobald ein K. K. Corps d'Armee unter Anführung des Königlich Preußischen Generallieutenant Grafen von Kalkreuth von Trier über Oberstein, Baumholder gegen Lautereck vorgedrungen war; sobald ein zweites K. K. Corps, unter dem Grafen von Wurmser, bey Speyer Anstalten zum Uebergang über den Rhein machte; -- sobald blieb auch dem Genievollsten, entschlossensten und unternehmendsten Generals nichts übrig, als bey Zeiten auf eine Reträte zu denken. -- Wer gehen muß, gehe bald, sagt ein altes, sehr bekanntes Husaren-Sprichwort. -- Sollte sich etwa Cüstine länger bey Kreuznach, auf dem hungrigen Wolf, verweilen, um das Glück zu haben, in beyden Flanken umgangen, und mit Sack und Pack gefangen zu werden? Das Schicksal seines Cameraden Neuwinger, der Tages zuvor, bey Weiler, die Ehre hatte, die dreyfarbige Cocarde einem preußischen Husaren abzugeben, -- hatte den General d'Armee gewaltig erschüttert, und er hielt es rathsamer seinen hungrigen Wolf bey Zeiten zu verlassen. *) Nachdem der zur Deckung der Mainzer Belagerung bestimmte Theil der Preußischen Armee, als Observations-Corps bis Türkheim an der Hardt vorgerückt war, und ein kleines Corps bey Kayserslautern detaschirt hatte; so wurde bald von der französischen Armee ein Corps links abgeschickt, welches die, schon durch andere Kriege merkwürdig gewordene Stellung bey Hornbach bezog; eine Stellung, welche in den oben erwähnten Memoiren wahrscheinlich deutlich vorgeschrieben ist, und die doppelte Absicht hat, erstlich Bitsch gegen eine von Zweybrücken und Homburg vordringende Armee, und zweytens die Communication zwischen Elsaß und Lothringen zu decken. Jeder, der diese Stellung kennt, gesteht, daß sie in jeder Rücksicht, vortreflich gewählt ist, nicht nur wegen ihrer eigenen innern Stärke, sondern auch, weil sie jenen großen Entzwecken vollkommen entspricht. Sie steht in der genauesten Verbindung mit der Stellung bey Weißenburg, oder mit den sogenannten Linien hinter der Lauter, weil die Franzosen im Stande sind, auf dem rechten Ufer der Lauter, in dem Voghesischen Gebirge, solche starke Posten zu nehmen, wie zum Beyspiel der bei Bodenthal war. Da sie, zugleich mit der Position bey Hornbach, auch den wichtigsten Punct bey dem Kettericher Hof besetzten, so war nunmehr die linke Flanke der Weißenburger Linie vollkommen gesichert, und es war nicht möglich diese Linien -- mit Hoffnung eines glücklichen Erfolgs -- in der Fronte anzugreifen, wenn man nicht die linke Flanke der Feinde, d. h. die Stellung bey Hornbach zu umgehen suchte. Ich werde in der Folge auf diese Materie zurückkommen, und knüpfe für jezt den Faden der Geschichee wieder an.

*) "So entging er der Gefangenschaft und sparte sich für -- die Guillotine."

Gegen Ende des Aprils rückte ein großer Theil der K. Pr. Armee in die Stellung bey Edighofen, das Corps des Erbprinzen von Hohenlohe aber in dem Posten bey Kayserslautern, um im Stande zu seyn, alle Bewegungen des Feindes, welche er, -- zum Entsatz von Maynz -- über Schöneberg, Kussel gegen Lautereck und Meissenheim machen könnte, desto leichter beobachten zu können. So bald diese Bewegung von Königl. Preußischer Seits erfolgte, bezog der Feind ein kleines Lager hinter der Bließ bey Limbach, und besetzte auch Neunkirchen mit einem Detaschement. Man muß billig und gerecht seyn, und diesem Betragen des Feindes das gebührende Lob geben. In eben dem Grade, in welchem die Preußen sich rechts zogen, marschirte der Feind beständig links, um dadurch die linke Flanke seiner Hornbacher Stellung, und seine Communication mit der Saar desto besser decken zu können. Aus allen diesen zweckmäßigen Bewegungen leuchtet das Genie und die Sachkenntniß der Männer hervor, welche die obgemeldete Memoires schrieben und deren Kommando, nun nach langen Jahren, Cüstine und Houchard gehorchten.

Um in Stande zu seyn, alle feindlichen Bewegungen hinter der Erbach und Bließ desto gewisser und zuverläßiger erfahren und beurtheilen zu können; entschloß sich der Erbprinz von Hohenlohe, mit einem Theil seines Corps d'Armee von Kayserslautern bis auf den Carlsberg vorzugehen; keinesweges in der Absicht: daselbst den Feind zu erwarten, sondern bloß in der Absicht: die Vorposten weiter zu poußiren zu können, und eine Unterstützung für dieselbe in Bereitschaft zu haben. Diese Bewegung geschah den 14ten May.

Der Prinz hatte keinesweges den Plan: dem Feinde auf dem Carlsberge eine Schlacht zu liefern, weil diese, in der damaligen Lage der Dinge, keinen Zweck gehabt hätte, sondern sein Entschluß war, bey dem Vorrücken eines starken feindlichen Corps, sich in die bereits präparirte Stellung auf dem Kaisersberge bey Kayserslautern zurückzuziehen, und den Feind dort zu einem Angriff zu erwarten.

Wenige Tage nachher drang der Feind würklich über Neunkirchen und Limbach mit einer starken Macht vor, und trieb die Vorposten aus Ober- und Nieder-Bettschbach zurück. Anfänglich wurden diese bey Altstadt unterstützt. Da aber die feindliche Truppen bis zu einer Armee anwuchsen, so zog sich der Erbprinz, -- seinem Plane getreu, -- auf Kayserslautern zurück, versammelte daselbst sein ganzes Corps, und erwartete nun den Angriff des Feindes, der noch schlau genug war, ein so bedenkliches Gefecht zu vermeiden. Der König von Preußen war Selbst mit einer ansehnlichen Verstärkung von Guntersblum herbeygeeilt, um dieses Treffen desto zuverläßiger zu Seinem Vortheile zu entscheiden.

Dies ist jene retrograde Bewegung, über welche sich die militärischen Kannen-Gießer so viele unnütze Worte erlaubt haben, und die keine andere Absicht hatte, als den Feind in ein Netz zu locken, in welchem er vermuthlich seinen Untergang gefunden haben würde. -- Es giebt eine gewisse dürftige Kritik, die nur immer den Erfolg militärischer und politischer Unternehmungen zur Boußole ihrer Urtheile nimmt, und nach dem mehreren oder mindern Zeitungsgeräusch über die Begebenheiten spricht. Der große Haufen hat freylich keine andere Notionen; aber wenn Männer, die den Gang und die Verkettung der Dinge zu beobachten Gelegenheit haben, nicht tiefer sehen, sondern mit jenen Haufen mitschreyen; was soll man dazu denken? Jener Haufen und die dazu gehörige Leute, auf den seidenen Sophas, in den tapezirten Zimmern glauben: man habe, beym Schlagen, keine andere Absicht, als sich zu schlagen und zu raufen -- wie ehemals die Jenenser Studenten -- und es behagt ihnen vortrefflich, bey einer Tasse Caffee oder bey einem splendiden Soupee von fürchterlichen Canonaden und Mordgeschichten in den Zeitungen zu lesen. -- Man verzeihe diesen Ausfall: die Geduld ist eine schwere und oft zwecklose Tugend.

Einige Zeit nach dem erwähnten Vorfalle nahm die Belagerung von Mainz ihren Anfang, und gieng -- ihren Gang. Mit Recht vermuthete man, daß die Feinde zum Entsatz von Mainz etwas unternehmen, und dazu den Zeitpunkt wählen würden, wenn man auf dem Felde fouragiren konnte. Um dieses Zeit wurde das Corps bey Kayserslautern sehr beträchtlich verstärkt, um den Feinde überall die Spitze bieten zu können. Wenn der Feind Mainz entsetzen wollte, so mußte er in drey Haupt-Corps agiren; er mußte nämlich mit einem Corps die Stellung zwischen Edighofen und Germersheim, mit einem zweiten die Stellung bey Kayserslautern angreifen, und mit dem dritten über Kreuznach vorzudringen suchen.

Auf alle diese Fälle war gerechnet. Es stand nemlich die K. K. Armee, combinirt mit einem königlich Preußischen Corps, in der Stellung bey Edighofen, zwischen dem Gebirge und dem Rhein; ein zweites Corps unter den unmittelbaren Befehlen des Herzogs von Braunschweig, hatte den überaus wichtigen Posten bey Kayserslautern besetzt; und das dritte, unter der Anführung des Erbprinzen von Hohenlohe, stand in dem Lager bey Ramstein, keinesweges in der Absicht: diesen Posten zu vertheidigen, ohngeachtet -- zum Scheine -- große Vertheidigungs-Anstalten gemacht wurden, sondern um die feindlichen Bewegungen abzuwarten. Wäre nemlich der Feind bloß von Saarlouis über Lebach, Tholey vorgedrungen; so konnte ihm das Corps des Erbprinzen über Schöneberg und Kussel entgegen gehen, und die hohe Straße von Baumholder eher gewinnen, als der Feind. Drangen die Franzosen aber von Neunkirchen über Jägersburg, Waldmohr, Schöneberg, gegen Kussel vor; so gieng der Erbprinz -- wie dies würklich der Fall ward, -- in zwey kleinen Märschen bis Lautereck und Meißenheim; kam ihnen in Besetzung dieser unangreifbaren Positionen zuvor, und sperrte ihnen die Glaunstraße. -- Alle diese Bewegungen waren bereits vorher überdacht, genau kalkulirt, und alle präparatorische Anstalten -- in der Stille -- gemacht worden. -- Bey solchen Maaßregeln war es dem Feinde unmöglich, irgend wo ganz durchzudringen. Es glückte ihm einigermaaßen auf dem rechten Flügel des Edighofer Postens: dafür wurde er aber im Gebirge, unweit Leimen, von dem tapfern und einsichtsvollen Obristlieutenant von Sanitz mit sehr blutigen Köpfen zurück gewiesen.

Houchard ging wirklich bis Kussel vor, und schien die Absicht zu haben, den Erbprinzen bey Lautereck anzugreifen. -- Aber, in diesem Augenblick fiel Mainz, und Houchard gieng zurück. Auch wurde ein längeres Verweilen bey Kussel ihn in die größte Gefahr gestürzt haben, weil er von Homburg und Neunkirchen abgeschnitten, und in die schlechten Wege über St. Wendel und Tholey geworfen werden konnte. -- Beschämt über seine fehlgeschlagene Unternehmung, begeht darauf der rachsüchtige Wütherich die Schandthat, den Karlsberg zu verbrennen.

Erst die Nachwelt wird den Schleyer von dem Geheimnisse wegnehmen, warum die Armeen von Mainz Uebergabe an, bis zu Ende September stille standen; warum man die schönste Jahreszeit ungenutzt verstreichen ließ. Zwar hatten die verschiedenen Corps der Königl. Preußischen Armee, während dieses ganzen Zeitraums, beständig und gewiß nicht unbeträchtliche Successe. Zwar schlug der Erbprinz von Hohenlohe den 13ten August ein beträchtliches Corps bey Altstadt und Limbach auf das Haupt. Zwar zogen bey allen Vorfällen die Feinde gegen den Grafen von Kalkstein bey Neunkirchen den Kürzern; zwar nahm ihnen der Herzog von Braunschweig den wichtigen Posten auf dem Ketterich, und bedrohete dadurch nicht nur die rechte Flanke der Hornbacher Stellung, sondern selbst Bitsch; zwar erfocht er den 14ten September durch sein Genie, und die große Manövrir-Fähigkeit der Preußischen Truppen bey Pirmasens einen der herrlichsten Siege; aber alle diese Thaten trugen zu dem großen Zweck, den man in diesem Feldzuge erreichen konnte, wenig bey. Es waren einzelne Stöße, die nicht auf den rechten Punkt würkten, und die zu langsam auf einander folgten, um das feindliche Vertheidigungs-Gebäude zu erschüttern, oder übern Haufen zu werfen. Die Schuld der Feldherrn, die Schuld der Armeen war dies nicht. Politische Verwickelungen müssen den Faden des Operationsplans unglücklicherweise zerschnitten haben. Daher dieser sonst unbegreifliche Ruhestand der Armeen zu einer Zeit, wo sie am thätigsten hätten wirken, und wo man große entscheidende Schläge hätte thun können.

Zu Ende Septembers begab sich der König von Preußen von Edighofen zu der Armee, die damals an der Erbach und Bließ stand. Alles wurde von Neuem belebt, und man schien die Absicht zu haben, die beynahe verlornen gegangene zweyte Hälfte des Feldzuges noch mit einer glänzenden Operation zu beschließen, und dazu wählte man die Einnahme der Weißenburger Linie.

Den Größten Theil des Sommers stand zwar die K. K. Armee, unter dem Grafen von Wurmser, vor der Fronte dieser Linien, und es wurden mehrere Versuche darauf gemacht, welche aber alle fruchtlos abliefen, und fruchtlos ablaufen mußten, ohnerachtet die K. K. Truppen, und das Corps des Prinzen von Conde, bey allen diesen verschiedenen Gefechten die größte Tapferkeit bewiesen hatten. Nicht in der Fronte dieser Linien, auch nicht bey Bondenthal, sondern bey St. Imbrecht, auf der Straße von Homburg oder Neunkirchen nach Saarbrück, mußte man den Schlüssel zu diesen Linien suchen, und da ist er auch würklich gefunden worden. So paradox dieser Satz scheint, so mathematisch richtig ist er. Ich will ihn beweisen, und hoffe, daß Männer, die Lokalkenntnisse besitzen, meinen Beweise Gerechtigkeit werden wiederfahren lassen. wenn man auch Meister von Pirmasens, wenn man auch Meister von Ketterich ist, so kann man dennoch keine solide keine dauernde Operation in das Gebirge zwischen Bitsch und Weißenburg machen, wenn man den Feind nicht vorher aus seiner starken Stellung bey Hornbach vertrieben hat. denn man läuft immer Gefahr, bey diesem Turniren, wieder turnirt zu werden, und das Tornar e ritornar des Italieners ist im Kriege eine schlimme Sache. Thatsachen bestätigen die Wahrheit meiner Meinung. Dem selbst, nachdem der K. K. General Piatzewitz das Glück gehabt hatte, die Feinde aus dem Posten bey Bondenthal zu vertreiben, hatte er dadurch noch nichts gewonnen, weil er nunmehr den weit stärkern Posten hinter Lembach, und endlich noch die unangreifbare Scheerhöhle bey Weißenburg, -- den sogenannten Pigeonier der Franzosen, auch hätte angreifen müssen. Wollte er dieses, so verwickelte er sich in ein mit so großen Chikanen angefülltes Terrän, daß er für nichts geringeres, als für Flanken und Rücken die größte Besorgniß haben mußte, d. h, er würde bey seinem Turniren wieder turnirt, von aller Communikation abgeschnitten, und unausbleiblich gefangen worden seyn. Wer das Terrän kennt, wird mir beypflichten, daß die Franzosen sehr galante Leute waren, den Löwen -- denn diesen Nahmen verdient dieser tapfere Mann -- aus dem Netze entwischen zu lassen, in welches er sich gestürzt hatte.

Die Unternehmung auf das Bondenthaler Lager scheint daher -- mit Bescheidenheit sey es gesagt, -- nicht nach richtigen militärischen Grundsätzen berechnet worden zu seyn. Sie mißglückte und mußte mißglücken *) hätte auch der General Piatzewitz nicht das fehlerhafte Lager bey Bondenthal genommen, in welchem er keine Stüzzen für die Flanke hatte, weil die Feinde das Nothweiler- und Rümbacher-Thal in ihrer Gewalt hatten; hätte er auch das vortrefliche Lager beim Fladenstein genommen; so mußte die Unternehmung dennoch ohne Erfolg seyn, weil die linke Flanke der Weißenburger Linien dadurch noch keinesweges umgangen war.

*) "Das K. Pr. Corps, welches um diese Zeit bey Pirmasens stand, konnte -- wenn es auch bey Zeiten von dem ganzen Vorhaben unterrichtet gewesen wäre, wie es solchen nicht war, zu dieser Unternehmung höchstens nur zwey oder drey Bataillons mitwirken lassen, weil es die ganze feindliche Macht bey Hornbach gegen sich stehen und an dem Tage des Gefechts bey Bondenthal das Treffen bey Pirmasens zu liefern hatte. Auch war man zu Pirmasens viel zu spät von jener Unternehmung benachrichtiget worden. Die zu Hülfe geschickten preußischen Bataillons thaten in der größten Hitze einen äußerst forcirten Marsch, und es war ihre Schuld nicht, wenn sie zu spät ankamen."

Um diese und mithin die Posten bey Lembach und den Pigeonier vollkommen zu umgehen, mußte man den Marsch machen, den der Herzog von Braunschweig aus seinen Stellungen bey Pirmasens und dem Ketterich über Ranschbronn, Eppelbronn, Ober- und Nieder-Steinbach, Düseldorf, die Glaßhütte nach Matschthal ( auf der Caßinischen Carte Malenthal) machte, einen Marsch, welcher in den Jahrbüchern der Welt umständlich aufbewahrt zu werden verdient, weil er in der That ein militärisches Meisterstück ist. -- Zu der Möglichkeit dieses Marsches, d. h. zur Sicherstellung seiner rechten Flanke, trug der Erbprinz von Hohenlohe ungemein viel durch seinen eben so kühnen, als nach richtigen Grundsätzen berechneten von Bitsch-Eschweiler, Reyersweiler rechts, -- Bitsch aber links lassend, gegen die Egelshardt nach der Herzogs-Hand, unternommenen Marsch, und den glücklichen Ausgang des dasigen Gefechtes, bey.

Um aber diese entscheidende Märsche machen zu können, mußte man Meister von der Hornbacher Stellung seyn. Sie gehörten sonst in das Reich der Unmöglichkeiten, wie der flüchtigste Blick auf die Caßinische -- oder jede andere Carte, beweist.

Wer die Hornbacher-Stellung kennt, weiß, daß sie in der Fronte nicht anzugreifen ist; es mußten also andere Maaßregeln ergriffen werden, und diese bestanden darin, den äußersten linken Flügel des Feinde bey St. Imbert zu umgehen, und ihnen ihre Communication mit der Saar zu benehmen. Dies war leicht, weil die Preußen die Bildstöcker Anhöhe bereits in ihrer Gewalt hatten, und weil die Stellung bey St. Imbert, die einen Morast im Rücken hat, für den Feind äußerst nachtheilig ist. Eine einzige nachdrucksvolle Bewegung der Preußen von der Bildstöcker Anhöhe gegen Duttweiler mußte den Feind nöthigen, St. Imbert zu verlassen, weil diese Bewegung ihm seine Communication mit der Saar benahm. Fiel St. Imbert; so fiel Bliescastel; so fiel das Lager bey Hornbach; so fielen die feindlichen Posten im Gebirge und -- die Weißenburger Linien, eins nach dem andern -- wie eine Reihe Kartenblätter -- sobald man sie nur anstieß. Thatsachen bestätigen das gesagte, und dieses ward gesagt, ehe der Erfolg eintrat, wie schriftliche Deposita *) beweisen, so, daß man hier also nicht im Falle der Rathsherren ist, die vom Rathhause kommen.

*) "Der eigentliche Verfasser dieses Aufsatzes, der auf dem Titel genannte Englische Offizir macht nämlich in seinem Tagebuche Betrachtungen sowohl über die Begebenheiten, die vorgefallen sind, als auch über die, die noch wahrscheinlich vorfallen können. Er ist also gewissermaaßen Prophet; doch nicht für das Publikum, sondern für sich und seine Freunde."

Zwar griffen die Preußen zuerst das Bliescastler Lager, und dann erst St. Imbert an. Die anfänglich, reiflich überdachte Disposition war aber so, wie eben entwickelt worden. Daß die Preußen das Bliescastler Lager so wohlfeil bekamen, daran ist der glückliche Umstand Schuld, daß die Feinde wegen des Marsches eines beträchtlichen Corps nach Nieder-Auerbach und Contwig, und wegen gewisser sehr richtig kalkulirten Demonstrationen, die man auf ihrer rechten Flanke bey dem Kirschaschbacher Hof machte, bewogen wurden, sich bey Bliescastel bis auf 2000 oder 2500 Mann zu schwächen.

So denke ich also erwiesen zu haben, daß bey St. Imbert, -- nicht bey Lauterburg, nicht bey der Bienen-Waldmühle, nicht bey Dörrenbach, nicht bey Bondenthal -- der Schlüssel zu den Weißenburger Linien liegt. Kühn und ruhig berufe ich mich auf das Zeugniß der Terrän-Kenner, und derjenigen Männer von Geist und Genie, welche große Operationen der Armeen beurtheilen und lenken können. Dem Urtheile des unparteiischen Publikums würde ich vorgreifen, wenn ich entscheiden wollte, welche von den beyden Alliirten Armeen eigentlich das meiste zur Bezwingung der Linien beygetragen hat. Die kombinirten Operationen beider Armeen gehörten freilich dazu, um diesen großen Zweck zu erreichen, und der Uebergang des Prinzen von Waldeck über den Rhein ist unstreitig eine kühne, edle That, die den Nahmen dieses Helden aufs neue der Unsterblichkeit übergibt. -- Es ist nur die Frage, welche von beyden Armeen die schwerste Rolle *), sowohl wegen des Bodens, auf dem sie agirte, und der großen Entfernung ihrer Magazine, als auch wegen des zu erreichenden Endzwecks, übernommen hatte. Die Entscheidung dieser Frage überlasse ich den kalten, philosophischen Köpfen meines Vaterlandes. Vielleicht sind diese so glücklich, vorgefaßte Meinungen umzustimmen, und klar und deutlich zu beweisen, daß die Preußen alle ihre Pflichten als Alliirten, treu und ehrlich, wie es biedern deutschen Männern zukommt, erfüllt haben. Der Charakter ihres Königs ist deutscher Sinn, deutsche Biederkeit, und dieser Charakter zeigt sich in seinem Privatleben, wie in seinen öffentlichen Verhandlungen.

*) "Um sich noch mehr zu überzeugen, daß die Preußen in der That die schwerste Rolle übernommen hatten, darf man nur bedenken, daß der rechte Flügel des Preußischen Cordons, während der Belagerung von Mainz, in er Gegend von Birkenfeld anfieng, wo er mit dem K. K. Cordon, der von Saarburg nach Neunkirchen gieng, in Verbindung stand, sodann über Baumholder, Kussel, Ramstein, Kayserslautern, Trippstadt hinlief, und sich bis jenseits Edighofen erstreckte. Dieß ist eine Entfernung von beynahe 30 Stunden und darüber. Der Cordon der K. K. Armee unter dem Grafen von Wurmser gieng von dem linken Flügel der Preußen bis an den Rhein; das Corps abgerechnet, welches auf dem rechten Ufer dieses großen Strohms stand."

Nachdem sich solchergestalt Meister von den Linien gemacht hatte, gehörte wenig prophetischer Geist dazu, um sich überzeugt zu halten, daß Fortlouis bald fallen würde, wie es denn auch fiel.

Während die Preußen im Lager bey Bitsch-Eschweiler standen, bekamen sie Gelegenheit, sich geheime Verständnisse sowohl in der Stadt Bitsch, als auch in dem Schlosse zu verschaffen. Darauf gründete man die Hoffnung, sich dieser wichtigen Bergfestung durch einen Coup de main zu bemächtigen. Es wurden 1500 Mann kommandirt, welche in der Nacht vom 16ten -- 17ten November diese wichtige Unternehmung ausführen sollten. Sie mißglückte, wie fast alle Unternehmungen dieser Art. Mißverständnisse, -- Mangel an genauen Lokalkenntnissen, -- zu frühzeitiger Tod derjenigen, welche Kolonnen führen sollten, -- allzugroße Bravour der Truppen, die mit großem Geschrey anrückten, als sie sahen, daß die vordersten bereits einige Vortheile erfochten hatten u. s. w. vereitelten dabey die wahrscheinlichsten Hoffnungen. -- Der Verlust der Preußen war beträchtlich, sowohl an Offiziren, als Gemeinen, und die Armee, und das Vaterland betrauret mit Recht einige vorzügliche Offizire, und eine große Menge gedienter und tapferer Leute. Warum sollten sie dies nicht gestehen? Warum ein Geheimniß aus einer Sache machen, die Jedermann vermuthet? -- Vielleicht war der Sturm der Gyganten nicht um sehr viel gefährlicher, als dieser Sturm auf das Bergschloß Bitsch; und Jupiters Donnerkeile nicht viel schädlicher, als die Steine und Balken, welche die Vertheidiger jenes Schlosses von den Wällen herunter wälzten.

Gleich nach dieser Unternehmung, die, wegen der weisen Disposition, und wegen der heldenmüthigen Tapferkeit der Truppen verdient hätte, mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt zu werden, trat die Zeit ein, in welcher man, -- schon mehrere Monathe zuvor, beschlossen hatte, die ersten Cantonnirungs-Quartiere zu beziehen, welche längst der Erbach und Blies genommen werden sollten. Täglich wurde die Witterung schlimmer; täglich nahm der Mangel an Lebensmitteln zu; täglich wurden die Wege, auf welchen die Bedürfnisse herbey geschaft werden mußten, unbrauchbarer und grundloser; Fortlouis war bereits in den Händen der Alliirten, und, -- vernünftigerweise -- konnte an keine Operation, -- selbst an keine Expedition mehr gedacht werden. -- Die Corps der Generale von Knobelsdorf und Kalkreuth, welche beyde am rechten Ufer der Saar, standen, mußten die ersten retrograden Bewegungen machen; das erste ging am 17ten November bis in die Stellung auf der Bildstocker Anhöhe und bey St. Imbert zurück, das zweite aber bis Bisingen, bey Bliescastel. Der Feind folgte dem Corps des Grafen von Kalkreuth auf der Fuße nach, und es fiel den 17ten November jenes merkwürdige Gefecht auf der Höhe von Bisingen vor, wovon das Publicum bereits durch die Zeitungen benachrichtiget ist. -- Der Feind wurde mit Verlust zurück gewiesen, und beyde Corps setzten am folgenden Tage den Marsch in die Cantonnirungs-Quartiere längs der Blies und Erbach fort. An eben diesem Tage brach des bisher bey Schweigen und Eschweiler gestandene Corps auf, und marschirte in die Cantonnirungs-Quartiere bey Zweybrücken, hinter die Erbach.

Aus allen Bewegungen des Feindes, aus allen eingezogenen Nachrichten konnte man schliessen, daß er die Absicht habe, die Preußen anzugreifen, und eine Schlacht zu liefern. -- Landau ou la mort, war der despotische Befehl, welchen der Nationalconvent an die Freiheitsmänner an der Saar und am Rhein hatte ausfertigen lassen.

Es entsteht daher die Frage, ob es der Vortheil der Alliirten Armee war, an den Ufern der Erbach und Blies eine Schlacht anzunehmen? --Wenn man diese gewiß nicht unwichtige Frage treffend beantworten will, muß man untersuchen, welche Absicht die Preußen -- zu Ende dieses Feldzuges, -- noch zu erreichen gedachten, gewiß keine andere, als die Deckung der Blokade von Landau. Jede andere Absicht gehört in die Sphäre der unausführbaren militärischen Grillen, an welche nur militärische Jünglinge glauben können, nicht in die Sphäre kluger Operationsplane. -- Die Blokade von Landau war und blieb mithin die Boußole der Operationen beyder Alliirten Armeen am Ende dieses Feldzuges. -- Konnten die Preußen diese Absicht erreichen, wenn sie an den Ufern der Blies und Erbach eine Schlacht lieferten? --

Am 20sten November griffen die Franzosen den Erbprinzen von, Hohenlohe auf der Bubenhäuserhöhe, -- mit einer sehr überlegenen Anzahl Geschützes an, -- und es entstand eine der heftigsten Canonaden dieses Canonadenreichen Krieges. Sie kostete den Preußen indeß nichts, als einige Artilleriepferde, und endigte sich mit dem Rückzuge des Feindes, aus ihrer Schußweite. -- Während der Feind dem Erbprinzen hier ein Corps entgegensetzte, marschirte er mit dem übrigen Theil der Armee beständig rechts, Böckweiler rechts lassend, den Reickweiler Hof gegen Neuhornbach, aus welche, letztern Orte, der sehr tief liegt, er die preußische leichte Truppen heraustrieb, und sodann die Hornbacher Stellung bezog. Damit noch nicht zufrieden, blieb die Avantgarde in dem Grunde von Mauschbach, Diedrichingen und Waldhausen beständig im Marsche, indessen ein anderes Corps, von Neu-Hornbach aus, -- die Preußen aus dem Schmalscheidt zu vertreiben suchte. -- Bey dieser Direction des Marsches konnten die Feinde keine andere Absicht haben, als sich des Postens bey der Bärenziegelhütte zu bemächtigen, und die Preußen solchergestalt von Pirmasens, und von dem Anweiler Thale abzuschneiden. Glückte ihnen dieses, -- und wie leicht konnte es ihnen glücken, da die Preußischen Corps auf der Bubenhäuser und Nonnenbuscher Anhöhe, -- in einer durch die Erbach getrennten Stellung, -- standen; glückte ihnen diese Bewegung, so waren sie Meister von Pirmasens, Meister von dem Anweiler Thale, Meister von der über Trippstadt führenden Illmensteiner Straße; aufgehoben mußte die Blokade von Landau werden, verschwunden waren die schönen Aussichten am Ziele des Feldzuges; und durch fremde Hände wurden dem Grafen von Wurmser die Lorbeeren entrissen, welche sich dieser Mann so mühsam gesammlet hatte.

Diejenigen, welche das ganze Kriegstheater und besonders das Terrän, von welchem hier die Rede ist, genau kennen; und mit dieser Kenntniß eine gesunde Beurtheilung kriegerischer Ereignisse verbinden, rufe ich öffentlich auf, zu erklären, ob nicht alle Umstände sich so zugetragen haben, wie sie hier, der genausten historischen Wahrheit gemäß, erzählt worden sind, und ob es, unter diesen Umständen, rathsam war, das zwecklose Schießen, auf dem Bubenhauser Berge, die folgenden Tage fortzusetzen, und sich durch einen listigen Feind -- von der Hauptsache ablenken zu lassen. Dieser Berg, der das beträchtliche Defilee der Erbach im Rücken hat, ist eigentlich eine Halbinsel, welche nur auf der Königsstraße mit der Bökweiler und Medelsheimer Anhöhe zusammen hängt, vermöge der vielen Gründen in beyden Flanken umgangen werden kann, und daher für deutsche Armeen niemals eine gute Position abgiebt. Auch diente sie in diesem Augenblick nur zu einem Tete de Pont an der Erbach, (hinter welcher die Preußische Kantonnirungen lagen,) und so lange es thunlich, zur Deckung von Zweybrücken. Aber dies erhob sie noch keinesweges zum Range einer Position, in welcher eine Schlacht anzunehmen war, die nicht nur das Schicksal von Landau, sondern auch die wichtige Frage entscheiden sollte, auf welchem Ufer des Rheins die Alliirten Armeen die Winterquartiere beziehen würden? Freylich haben oft Generale, unter solchen Umständen, Schlachten geliefert, weil sie keine Kraft in sich fühlten, über die Begebenheiten zu herrschen, und sie nach ihren Absichten zu formen, und daher aus Schwäche und Trägheit, sich und das Ganze dem Ungefähr Preiß gaben. -- Männer von großem Geiste aber, gebieten über die Begebenheiten, über das Ungefähr, selbst über den Willen des Feindes, und schlagen wann und wo sie wollen.

Aus guten Gründen also, verließ der Herzog von Braunschweig die Blies und Erbach, *) und zog den Feind mit sich an die Lauter, um ihn dort zu schlagen und den Feldzug zu krönen. Nach dem Urtheile des aufgeklärten Soldaten, der die großen Bewegungen der Armeen mit einem philosophischen Auge betrachtet, und an eine gewisse Philosophie des Krieges glaubt, ist mithin die Bewegung des Herzogs von der Blies und Erbach an die Lauter ein Meisterstück der Kriegskunst, der Triumph der Taktik.

*) "Von drey Dingen konnte der Herzog von Braunschweig nur eines thun; entweder in der Position auf dem Bubenhauser Berg stehen bleiben, und am 21sten die Bataille annehmen, oder die Feinde an diesem Tage selbst angreifen, oder sich zurück ziehen. Nahm er die Schlacht an; so schlug er sich auf einem Boden, wo der Feind allen Vortheil des Terräns, er -- alle Nachtheile hatte. Selbst, wenn er die Schlacht gewonnen, würde ihm die Nachwelt nie den Fehler vergeben haben, in einem solchen Terrän eine Schlacht geliefert zu haben. Und hätte er sie verlohren, so sind die Folgen nicht zu berechnen. Sollte der Herzog am 21sten November selbst angreifen, so mußte er also die Hornbacher-Bliescastler Stellung in der Fronte angreifen, und ich überlasse einem jeden, der diese Stellungen kennt, zu beurtheilen, ob man sich von diesen direkten Angriffen einen glücklichen Erfolg zu versprechen hatte. Sollten sie glücken: so mußte ein Corps aufs neue über Neunkirchen vorgehen, und sich der Bildstöcker Anhöhe, und Tages darauf der Stellung bey St. Imbert bemächtigen, d. h. es konnte am 21sten November keine Schlacht geliefert werden, sondern es mußten die Operationen, die am 23sten Sept. verabredet wurden, aufs neue angefangen werden. Man hätte also am 21sten Nov. eine neue Campagne eröffnen müssen. Demnach blieb nichts anderes übrig, als die Ufer der Erbach und Blies zu verlassen, und sich hinter die Glan und Lauter zu setzen. Nahm man eine unmittelbar hinter der Erbach auf der Nonnenbuscher Anhöhe und auf dem Kreuzberg; so erinnere man sich doch, daß diese Stellung vom Feinde umgangen werden kann, wenn nicht ein starkes Corps auf den Höhen von Schöneberg steht. Die Armee wurde alsdann aufs neue vereinzelt, und man war nirgends stark genug, um den Feind recht nachdrucksvoll empfangen zu können, weil zwey starke Corps nach dem Gebirge unter dem Erbprinzen von Hohenlohe und dem General Courbiere detaschirt werden mußten. Und -- welches Schicksal würde Zweybrücken gehabt haben, wenn es zwischen beyden Armeen am Tage der Schlacht gelegen hätte. Die zügellose Wuth der französischen Wütheriche würde diese Stadt gewiß in einen Aschenhaufen verwandelt haben. Man überlege mithin die Sache von allen Seiten, und man wird finden, daß die Parthie, welche der Herzog von Braunschweig ergriffen, die weiseste war, die unter diesen Umständen ergriffen werden konnte."

In der Nacht vom 20sten zum 21sten November ertheilte er den Befehl, daß die Corps der Generale von Knobelsdorf und Kalkreuth nach Ramstein und Landstuhl, das Corps des Erbprinzen von Hohenlohe aber, über die Bärenziegelhütte nach Pirmasens marschiren sollte; er selbst machte mit 9 Bataillons und 10 Escadrons die Arrieregarde, blieb bis Tagesanbruch auf der Höhe bey Wallerscheidt stehen, und marschirte an diesem Tage bis Maßweiler, und den 22sten bis Landstuhl. Den 23sten bezogen die Truppen, welche bey Ramstein und Landstuhl gestanden, Cantonnirungsquartiere hinter der Glan und Lauter. Zum Sammelplatz wurde dem Corps des Herzogs sowohl, als den unter den Generalen Kalkreuth und Knobelsdorf stehenden Truppen die Position auf Kaysersberg hinter Kayserslautern angewiesen. -- Das Corps des Erbprinzen von Hohenlohe bezog eine Stellung, durch welche es das Anweiler- und Lauter-Thal deckte, und bereits einige Tage zuvor war der Generallieutenant von Courbiere mit seiner Division nach dem Gebirge, um solches zu decken, und die genaueste Verbindung mit dem rechten Flügel der K. K. Armee zu unterhalten, detaschirt worden. -- Der Oberste von Götz hatte mit seiner Brigade die Scheerhöhle, oder den Pigeonier der Franzosen besetzt, und zur Verbindung des Herzogs mit dem Erbprinzen von Hohenlohe stand eine Brigade Infanterie und 10 Eskadrons in der Gegend von Trippstadt.

In diesen starken Stellungen erwartete der Herzog die ferneren Bewegungen des Feindes; und war fest entschlossen, nunmehr die Entscheidung dieses wichtigen Angelegenheit, auf welche Deutschland, ganz Europa, die Augen geheftet hatte, dem Ausgang einer Schlacht zu überlassen, weil er nunmehr im Stande war, diese Begebenheit so zu lenken, wie nur immer der menschliche Verstand Begebenheiten lenken kann. -- Der Sieg hat die Weisheit seiner Anstalten gerechtfertigt und Europa beruhigt. Ich verschweige die Umstände dieses Sieges, weil ich zu wenig Talente in mir fühle, der Lobredner eines solchen Mannes zu seyn, und mir keine andere Pflicht aufgelegt habe, als die: das Publikum in den wahren Gesichtspunkt zu setzen, aus welchem der Gang des diesjährigen Feldzuges beurtheilt werden muß. -- Der Herzog von Braunschweig ist gegen das Lob und gegen den Tadel seiner Zeitgenossen ziemlich gleichgültig; und kein großer Mann hat sich noch durch den Beyfall verkündigenden Jubel, oder das Getobe und Geschrey, womit die Menge ihr Mißfallen bezeugt, in seinem festen Gange irre machen lassen. Er ist dem Dreymaster gleich, der auf dem weiten Ozean, trotz aller Stürme und Wellen, ruhig dem magnetischen Strahle folgt. Die Nachwelt, die parteilose, unbestechbare Nachwelt wird ihn, wie so viele große Leute, richten, und ihre Stimme allein ist ihm nur hörbar. Dieser Richter hat ein Dokument in Händen, das unverfälschbar, und unvergänglich ist, nämlich -- das Terrän, worauf sich die Begebenheiten zutrugen. Dies bleibt im Ganzen unverändert, und dadurch wird man nach Jahrhunderten noch im Stande seyn, einzusehen, daß es unter den erwähnten Umständen, keineswegs der Klugheit gemäß gewesen seyn würde, in einer höchst nachtheiligen Position an der Erbach und Blies, eine Schlacht zu liefern, in einem Lande, in welchem man allenfalls im Sommer agiren und seine Bedürfnisse aus weiter Ferne auf der Asche nachführen konnte, das aber wegen des Mangels an Lebensmitteln, und wegen der wenigen und schlechten Dörfern im Winter schlechterdings nicht zu halten war, wenn man nicht eine Armee ohne allen Zweck aufopfern wollte *).

*) "Auch scheint es schon im August reiflich überdachter, fester Entschluß gewesen zu seyn, das unhaltbare Zweybrückische den Winter über nicht zu halten (weil die Operation nach Saarlouis nicht statt fand,) sondern sich in die Gegend zurückzuziehen, in welcher gegenwärtig die Preußische Armee steht, weil diese, den Regeln des Krieges zufolge, einer wahren Defension fähig ist, und dem großen Endzwecke entspricht, welchen man nunmehr zu errichten hat.

Wenn man die Operationen der Armeen, während eines Feldzuges, beurtheilen will, so muß man -- unter andern Dingen, -- auch auf die Operationslinie sehen, auf welcher die Armeen ihre Fortschritte machten, d. h. man muß wissen, wo ihre Hauptmagazine angelegt waren, und welche Mittel sie in ihrer Gewalt hatten, aus diesen Hauptmagazinen ihre Depots zu füllen. So muß demjenigen, welcher die Operation der Preußischen Armee, in dem vergangenen Feldzuge, beurtheilen will, bekannt seyn, daß die Hauptmagazine dieser Armee in Bingen und Frankenthal angelegt waren, und nirgends anders angelegt werden konnten; es muß ihm, -- aus Büschings Geographie -- bekannt seyn, daß von Bitsch über Kayserslautern oder über Kreuznach kein schiffbarer Fluß läuft, daß mithin alle Bedürfnisse für die Armee, vom Rhein nach Bitsch auf der Axe fortgeschleppt werden mußten. -- Kenner werden daher urtheilen, mit welcher Geschwindigkeit eine Armee, auf einer solchen Operationslinie -- vorrücken könne, und Leute, die keine Kenner sind, mögen immerhin von einem Generale fordern, daß er mit einer Armee sich so schnell bewegen soll, wie Blanchard mit seinem Luftballon; er wird lächeln. Die Fortschritte einer Armee, die auf den höchsten Rücken einer Gebirgskette agirt, und ihre Bedürfnisse aus 40 Stunden rückwärts liegenden Magazinen zur Axe sich nachfahren lassen muß, müssen daher ganz anders beurtheilt werden, als die Fortschritte einer Armee, deren Operationslinie längs einem großen, schiffbaren Strome hinläuft. Wenn man nun verlangt, daß zwey so verschieden angestellte Armeen nicht nur mit einander gleichen Tritt halten sollen, sondern auch, daß die erstere, die auf den Gebirgsrücken liegenden Festungen mit eben der Schnelligkeit wegnehmen soll, mit welcher etwa eine schlecht ausgesetzte Husaren-Feldwacht aufgehoben wird; so macht man Foderungen, die eben so ungerecht, ungereimt, als unmöglich sind.

Zum Beschluß noch ein Wort über die Gegenwärtige Stellungen der Alliirten Armeen in diesen Gegenden. Ein Blick auf die Landkarte beweist, daß die Königl. Preußische Armee drey Hauptstraßen deckt, welche aus dem Innern Frankreichs direkte nach Landau führen, nämlich die große Straße von Saarbrück, auf Kayserslautern nach Türkheim und Neustadt; das Anweiler Thal, und endlich die von Dahn, Fischbach, und den beyden Steinbach kommende Straße. Ohne diese Stellung würde es nicht möglich seyn, Landau blokirt zu halten, würde es nicht möglich seyn, daß die K. K. Armee so weit vorwärts bey Hagenau, d. h. hinter der Motter stehen bleiben konnte; ohngeachtet die Stellung der Kayserlichen Armee an einigen Punkten, wie z. B. bei Freschweiler sehr fehlerhaft ist, und die Alliirte Armee in das größte Verderben stürzen muß, wenn die Feinde Scharfsicht genug besitzen, diese fehlerhafte Punkte zu benutzen. Wollte des Graf von Wurmser bey Zeiten seinen rechten Flügel auf den Liebenfrauenberg ohnweit Werdt setzen; so würden alle unsere bange Besorgnisse gehoben werden. Geschieht ein Unglück; so geschieht es hier.

Jeder unparteiische und Sachkundige Mann wird die Wichtigkeit und Nothwendigkeit dieser Stellungen *) der Preußischen Armee eingestehen müssen, und es bedarf auch für Jünglinge, die noch nie militärische Positions gesehen haben, keiner großen Anstrengung, um sich von einer Wahrheit zu überzeugen, die sich so aufdringt. Daher fällt es um so mehr auf, wenn Leute, die im Dienste grau geworden sind, das Urtheil fällen können: die K. K. Armee mache die Vorposten-Chaine vor der Preußischen Armee! Herrscht denn die Galle mancher Menschen so despotisch über ihre Vernunft, und bleiben gewisse Personen in dem fünften und sechsten Decenium ihres Lebens noch immer Jünglinge?

*) "Die Preußische Armee deckt durch ihre Stellung das ganze Land von Meißenheim und Lautereck bis Weißenburg, so daß Meißenheim als ihr rechter, Weißenburg aber als ihr linker Flügel zu betrachten ist. Diese Fronte beträgt wenigstens 24 Stunden. -- Es scheint daher, daß die Preußen in der Kunst, große Terräns durch Besetzung gewisser richtig gewählter Puncte zu decken, nicht ganz schlechte Meister seyn müssen. Ohngeachtet also die Preußen den größten Strich Landes zu decken haben; so ist dennoch ein besonderes Corps von ihnen, noch zur Blockade von Landau bestimmt. -- Der rechte Flügel der K. K. Armee, unter dem Grafen von Wurmser, steht bey Lembach ohnweit Weißenburg, der linke am Rhein. Es ist zwar wahr, daß zwischen diesem linken Flügel und Basel noch ein K. K. Corps d'Armee befindlich ist, und befindlich seyn muß. -- Indessen scheint es doch, daß die Barriere, welche der Rhein gewährt, dem Feinde eine Operation auf dieser Seite unmöglich machen müsse."
Geschrieben in einem Cantonnirungs-Quartiere in dem Voghesischen Gebirge zu Anfange Decembers 1793.


Aus dem Hauptquartier des regier. Herzog von Braunschweig, d. d. Kayserslautern d. 24. Nov.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem wir allhier die Nachricht von der Uebergabe von Fort-Louis erhalten, und zugleich vernommen, daß der General von Wurmser beschlossen, einen Versuch auf das feste Schloß Lichtenberg zu machen: so wurde auch unsrer Seits resolviret, einen ebenmäßigen Angriff auf das Bergschloß zu Bitsch zu wagen. Se. Durchl. der Herzog gründeten die Wahrscheinlichkeit, diesen festen Ort durch einen Coup de main zu nehmen, auf verschiedene erhaltene Nachrichten von dem Zustande der Garnison, und der eigentlichen Beschaffenheit der Festungswerke, und wollten bei dieser Gelegenheit zugleich aus der Stadt Bitsch die Municipalität als Geißeln aufheben lassen, um dagegen die Geißeln zurückzufordern, die aus den Zweibrückschen Landen von den Franzosen im vorigen Sommer weggeführt wurden. Zu dessen Expedition ward die Nacht vom 16. zum 17ten gewählet, sie geschahe durch 1600 Freiwillige aus allen Regimentern. Die Stadt wurde sogleich eingenommen, die Geißeln ausgehoben, und etliche 50 Mann Linientruppen, die darin zur Besatzung standen, zu Kriegsgefangenen gemacht; allein der Versuch auf das Bergschloß mißlang. Die Königl. Truppen überstiegen die größten Hindernisse mit der äußerste Bravour, und waren bereits schon weit eingedrungen, als sie unvermuthete, nicht vorauszusehende Schwierigkeiten fanden, die den Obristen Grafen von Wartensleben, der die Expedition kommandirte, nöthigten, sich vor Anbruch des Tages wieder zurückzuziehen. Der Verlust an Todten, Blessirten und Vermißten war ansehnlich, zusammen 24 Officiers und gegen 500 Unterofficiers und Gemeine; unter den Verwundeten befindet sich der Obristlieuten. von Hirschfeld, Adjutant Sr. Durchl. des Herzogs. In eben dieser Nacht wurde das Geschütz aus den Positions der Generale von Knobelsdorff und von Kalkstein an der Saar abgezogen, und beide Korps setzten sich in Marsch, um die Kantonnirungen in der Gegend von Homburg und Kebelburg zu beziehen, welches in zwei Märschen geschehen sollte. Die Korps des Herzogs und des Prinzen v. Hohenlohe aber blieben stehen, um den ersten Tag diesen Rückzug zu decken, den zweiten Tag aber sollten sie ebenfalls in die Kantonnirungen bei Zweybrück und Pirmasens zurückgehen.
Den 17. des Nachm ttags erschien der Feind mit 25000 Mann in verschiedenen Kolonnen gegen den Gen. Lieut. Gr. v. Kalckreuth, theils bei Biesingen, theils bei Blieskastell. Eine Kolonne Infanterie marschirte gegen das Regim. v. Viettinghoff auf, daß sich so eben postirt hatte; nach einer heftigen Kanonade avancirten die Franzosen unter beständig m kleinen Gewehrfeuer, das Regim. v. Viettinghoff aber ging ihnen mit gefälltem Bajonet entgegen und warf Sie glücklich zurück.
Verschiedene kleine Attaquen der Franzosen, theils in den Büschen, theils in den Gründen des dort äußerst coupirten Terrains mißlangen ihnen ebenfalls, der ernstlichste Angriff aber geschahe auf das Regim. v. Crousaz. Die feindliche Kavallerie marschirte gegen das Regim. auf und durch eine Salve zurückgeworfen, die feindliche Kavallerie formirte sich wieder, attaquirte zum zweitenmal, und mußte auf gleicher Art zurückkehren. Bei einer dritten Attaque gelang es dem Feinde, in den Intervallen durchzudringen. Die beiden Flügel der neben einander stehenden Bataillons aber, warfen sich mit der größten Contenance zurück, und feuerten auf die durchgebrochene Kavallerie mit solcher Wirkung, daß nachdem viele Menschen und Pferde von derselben auf der Stelle niedergeschossen worden, die andern wieder zurück mußten, und alles von den Franzosen in der großten Verwirrung zurückfloh. Das coupirte Terrain hinderte am Verfolgen derselben, doch wurde der General Lombard, ein Obrister und 12 andere Officiers nebst einigen 30 Gemeinen gefangen genommen Der Verlust des Feindes wird gegen 100 Mann gerechnet. Unsrer seits hatten wir 8 Todte und einige 70 Blessirte. Unter den Todten war der brave Major von Stranz vom Regim von Cronsatz. Der Gen. Lieut. Gr. v. Kalckreuth blieb die Nacht über auf dem Champ de Bataille stehen, und setzte den andern Morgen seinen Marsch ungehindert fort.
Der General Lieut. von Knobelsdorff war unterdessen durch ein andres Korps, jedoch nicht mit solchem Nachdruck angegriffen worden, und hatte den Feind gleichfalls zurückgeschlagen. Den 18ten brachen auch die Korps des Herzogs und des Pr. v. Hohenlohe auf u. bezogen ihre ersten Kantonnirungsquartiere. Kaum war der Pr. v. Hohenlohe bei Zweibruck eingerückt, als sich auch gegen ihn ein starkes feindliches Korps zeigte. Se. Durchl. der Herzog eilten mit 7 Bataillons zum Soutien und nahmen eine Position hinter Zweibrücken auf dem Kreuzberge. Den 19ten war der Feind ruhig, bivouacquirte aber überall gegen uns über und schien sich immer mehr zu verstärken. Den 20. kam die Nachricht, daß der Feind auch von Saarlouis debouchirt, den kaiserl. General Merkantin angegriffen und zum Zurückzuge nach Trier gezwungen habe, daß er nun mit einem Korps auf St. Wendel in Anmarsch sey, wodurch er den Generallieutenant von Knobelsdorff in seiner rechten Flanke zu tourniren suche.
Ob nun gleich dadurch die Communikation mit Trier unterbrochen wurde, so sicherte doch die Stellung des Generallieutenants von Knobelsdorff bei Kebelsburg mehrentheils gegen ein solches Unternehmen.
Den 20sten des Morgens bemerkte man von der Stellung des Erbpr. von Hohenlohe auf der Bubenhauser Höhe eine Bewegung in der feindlichen Armee; ein Theil derselben marschirte rechts ab, passirte die Bließ, die Pickenalb u. die Hornbach. Dies veranlaßte den Herzog, den Posten auf dem Schmalscheid gegen Alt-Hornbach zu verstärken, und der Obr. Gr. v. Wartensleben marschirte mit 2 Grenad. Bataillon. zur Unterstützung dahin. Hierauf attaquirten die Franzosen Neu-Hornbach mit Uebermacht, delogirten unsere Vorposten daraus, formirten sich daselbst, und besetzten den vor dem Posten liegenden kleinen Wald. Hierauf gingen die beiden Füsel. Bat. v. Legat und v. Ernest vor, und schnitten den Feind wieder aus dem Walde und in Neu-Hornbach hinein, den Wald aber hielten sie besetzt. Kaum war diese Attaque zurückgeschlagen, als Nachmittags um 2 Uhr der gegen den Erbpr. von Hohenlohe stehen gebliebene Feind durch Blieskastell, Webenheim und Mirmebach debouchirte, Batterien aufführte, und uns auf den Bubenhäuser Höhen in einer großen Entfernung zu canoniren anfieng. Diese Kanonade dauerte von beiden Seiten einige Zeit fort, bis mit einemmale die feindlichen Kolonnen sich in Marsch setzten, und sich zu formiren versuchten. Hierauf fingen alle unsere Batterien auf den Bubenhäuser Höhen eine heftige Kanonade mit so gutem Erfolg an, daß die feindlichen Kolonnen in Unordnung kamen, und in größter Confusion zurückliefen. Als es Nacht ward, hörte das Schießen völlig auf, indessen schickten des Herzogs Durchl. noch drei Bataillonen von der Position auf dem Kreutzberge zum Soutien auf dem Schmalscheid und Wallerscheid.
Unterdeß war die Nachricht eingelaufen, daß auch bei Bitsch der Feind ein Korps zusammen gezogen hatte und mit demselben in einem Marsch Pir asens erreichen könne. Dieses sowohl, als der von dem General Merkantin erlittene Echecq, und da die Nähe des Feindes nicht erlaubte, die Truppen einige Tage in den ersten Kantonnirungen ausruhen zu lassen, um hernach die Winterquartiere zu beziehen, vermogte den Herzog den Marsch fortzusetzen, um solche Quartiere zu okkupiren, in welchen den Truppen einige Ruhe verschafft werden könne, der sie sehr nach dem beständigen Bivoacquiren bedurften. Die Bagage ward daher vorausgeschickt, und um 4 Uhr Morgens setzte sich alles in Marsch. Der Abmarsch geschah ganz ungestört, und wir erreichten überall die bereits bestimmten Winterpositionen, ohne vom Feinde im mindesten verfolgt zu werden.
Jetzt steht die Armee in folgenden Quartieren: Das Korps, welches bisher der Generallieutenants v. Knobelsdorf ( der nunmehr das Kommando der Blokade von Landau übernommen) kommandirt hat, hinter der Glan bei Wolstein, Lautereck und Meisenheim. Der Obr. v. Blücher bei Alt Glan. Kussel ist besetzt; der feind hat sich von St. Wendel zurückgezogen, wohin unsere Patrouillen wieder gehen.
Der Generallieut. Graf v. Kalkreuth steht in der Verlängerung an der Lauter bis gegen Kaiserslautern, wo noch das Korps des Herzogs ist. Auf der Vogelwehe vor Kaiserslautern .... ein verschanzter Posten. Landstuhl ist mit einer Jäger-Kompagnie besetzt, Ramstein mit dem Füsilierbataillon von Legat; das erste Bataill. von Eden Husaren steht in Steinweiler, Ramstein, Queitersbach und Baun.
Der Obrist v. Szekely steht bei Martinshöhe und hat seine Vorposten bis gegen Karlsberg vor Homburg. Tripstadt ist mit 200 Mann und 2 Jägerkompagnieen besetzt. In Leimen steht eine Jäg rkompagnie. Der Obr. v. Malachowsky kantonnirt mit dem 2ten Bataill. v. Eben in Burgalben, Orbach, Hermersberg, Donzetters und Clausen. in Clausen steht das Füsilierbataill. v. Ernst. Der Obrist v. Malachowsky, der dieses Korps kommandirt, poussirt seine Patrouillen bis Pirmasens und bis gegen Contwig bei Zweibrücken.
Der Generallieut. v. Courbiere steht mit 7 Bat. in den Kantonnements bei Bontenthal und Bobenthal. Der Erbprinz von Hohenlohe hat seine Quartiere theils im Gebirge in Ober-Schlettenbach, Wilgerswiesen, theils bei Bergzabern, Klingen, Klingenmünster und dortiger Gegend.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurze Uebersicht des Feldzuges im Jahr 1793 zwischen dem Rhein und der Saar von einem unpartheiischen Beobachter. Aus dem Tagebuch eines bey der Alliirten Armee befindlichen Englischen Officiers frey übersetzt. Frankfurt und Leipzig 1793.
  • Königl. privilegirte Berlinische Zeitung. Von Staats- und gelehrten Sachen. Im Verlage der Vossischen Buchhandlung. 147sten Stück. Sonnabends, den 7ten December 1793.
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