FANDOM


Kurze Uebersicht der Campagne von 1793.Bearbeiten

Bey den, theils unvollkommenen, theils unrichtigen Nachrichten, welche die öffentlichen Blätter über die Operationen, der gegenwärtig im Felde stehenden königl. Churhannövrischen Truppen, in der eben geendigten Campagne, geliefert haben, darf ich nicht ohne Grund vermuthen, daß eine allgemeine Uebersicht derselben -- wenn gleich nur mit flüchtigen Zügen gezeichnet -- mehreren Lesern nicht ganz unwillkommen seyn wird.

Im Anfange des Jahrs 1793. erhielten die Leibgarde, das 1ste, 2te, 4te, 5te, 7te, 9te und 10te Cavallerie-Regiment; und von der Infanterie, die Garde, das 4te, 5te, 6te, 10te und 11te Regiment; und 7 Compagnien Artillerie Befehl, sich sofort in marschfertigen Stand zu setzen.

Die Cavallerie formirte zusammen 16 Schwadronen; und die Infanterie 3 Grenadier- und 12 Musquetier-Bataillons. Die Grenadiercompagnien der Garde und des 10ten Regiments formiren das 1ste, die des 5ten und 6ten, das 2te, und die vom 4ten und 11ten Regiment, das 3te Grenadier-Bataillon. Zum Dienst leichter Infanterie, wurde das 1ste Grenadierbataillon bestimmt. Die stärke des ganzen Corps, mit Inbegrif der Artillerie, belief sich etwas über 13000 Mann. Sr. Excellenz der Herr Feldmarschall von Freytag commandirte selbiges, und unter ihm standen von der Cavallerie, der Herr General Reichsgraf von Wallmoden Gimborn Excellenz, und die Herrn General-Majors von Minnigerode, von dem Bussche, Graf von Oeynhausen, von Wangenheim, von Dachenhausen, und von Maydel. Von der Infanterie der Herr Generallieutenant v. d. Bussche, und die Herrn Generalmajors von Mutio, von Diepenbroik und von Hammerstein. Die Artillerie stand unter dem Befehl des Herrn Generalmajor vom Trew. Die beyden königl. Prinzen Ernst und Adolph königl. Hoheiten, waren als Obersten, ersterer beim 9ten Cavallerie, und letzterer beim Garderegiment angesetzt.

Am 20sten März trat die Avantgarde unter Commando des Herrn Generallieut. v. d. Bussche ihren Marsch an; sie bestand aus dem 1sten Grenadierbataillon, den 4ten und 10ten Infanterie, und den 1sten, 4ten, 9ten und 10ten Cavallerieregimentern. Bentheim war für selbige der Sammelplatz; das Corps ward hier vom englischen Commissair, Major Gunn übernommen; auch für den englischen Dienst verpflichtet, und marschierte darauf durch einen Theil von Holland, Cleve und den Niederlanden nach Dornick oder Tournay, woselbst es mit dem Schlusse des Aprils ankam.

Sr. Königl. Hoheit der Herzog von York, dem das Generalcommando über die in Flandern sich formirende Armee von Engländern und Hannoveranern übertragen war, befand sich bereits mit den englischen Garden und einigen andern Regimentern zu Tournay; zwey kaiserl. königl. Cavallerieregimenter campirten gleichfalls bei dieser Stadt, und mit diesem Corps vereinigten sich die hannöverischen Truppen. Ein Detaschement vom 1sten Grenadierbataillon lösete den 1sten May die zu Rhume gestandenen Preussen ab; selbiges ward den 2ten vom Feinde attaquirt, der aber mit Verluste von einer Canone glücklich zurückgeschlagen wurde. Vielleicht mag dieser gleich anfangs mislungene Versuch den Feind abgeschreckt haben; denn er unternahm ferner weder auf diesen, noch auf die, gleichfalls von den Hannoveranern besetzten Posten zu Esplectene und Tetaigni, keinen Angriff mehr.

An der, den 8ten May bei St. Amand vorgefallenen sehr blutige Affaire, hatten die Hannoveraner keinen Antheil. Ein Bataillon vom 10ten Infanterieregiment ward zwar zur Unterstützung dahin detaschirt, kam aber zu spät, um Theil an der Affaire nehmen zu können. Die Armee des Herzogs von York königl. Hoheit, die nach und nach durch mehrere englische, sowohl Cavallerie- als Infanterieregimenter, ansehnlich verstärkt war, brach am 20sten May von Tournay auf, welcher Ort wieder von den Holländern besetzt ward, und vereinigte sich am 22sten May mit der bei Seebourg im Lager stehenden kaiserlichen Hauptarmee, unter dem Commando des Prinzen von Coburgs Durchlaucht.

Schon am 21sten stießen mehrere hannöverische Regimenter, die über Wesel und Mons hieher marschiert waren, zur Armee, und der Rest des hannöverischen Corps folgte am 22sten und in der Nacht des 23sten May, nach. An der selbigen Tags vorgefallenen Schlacht, nahm das ganze hannöverische Corps Theil.

Die kleine, aber sehr feste französische Stadt Condé, war schon seit einiger Zeit, von der kaiserlichen Armee eingeschlossen.

Des Prinzen von Coburg Durchlaucht war itzt willens, die Belagerung der an der Schelde liegenden größeren Stadt und Festung Valenciennes vorzunehmen; bevor dies aber geschehen konnte, war eine Schlacht unvermeidlich. Die vormals von Dümouriez commandirte französische Armee, hatte sich auf den vor Valenciennes liegenden Anhöhen, auf eine sehr vortheilhafte Art gelagert. Diese Stellung, die den Namen von dem nahen Dorfe Famars führt, war schon zu der Römer Zeiten, als eine der festesten bekannt; und es war zu erwarten, daß die Franzosen hier einen sehr lebhaften Widerstand thun würden, da sie Zeit genug gehabt hatten, diese von Natur so feste Lage, durch die Kunst noch mehr zu befestigen.

Den 23sten May griff die alliirte Armee, mit Anbruch des Tages, das feindliche Lager von Famars in drey Colonnen zu gleicher Zeit an. Es befanden sich bei diesem Angriffe die hannöverischen Truppen theils auf dem linken Flügel, der von dem Herzog von Yorck Königl. Hoheit commandirte wurde, unter dem speciellen Commando des Herrn Feldmarschalls von Freytag Excellenz; theils im Centrum, das der Herr General Ferrary commandirte, unter dem Herrn General Grafen von Wallmoden Excellenz. Auch am rechten Flügel befand sich ein hannöverisches Regiment.

Da diese Bataille hauptsächlich durchs Canonenfeuer entschieden ward, so hatten nur wenige Regimenter Gelegenheit, sich besonders dabei auszuzeichnen. Der Major von Drechsel bemächtigte sich mit einem Bataillon vom 4ten Regiment, in Verbindung mit dem englischen 14ten Infanterieregiment einer Batterie, und zwey französische Cavallerieregimenter, die im Begriff waren, einen Choc auf gedachtes Bataillon zu machen, wurden von der hannöverischen Garde du Corps, nahe bei dem Dorfe Famars, gänzlich über den Haufen geworfen. Nie machte ein Cavallerieregiment wohl einen Choc mit mehrerer Tapferkeit, als gedachtes Leibgarde. Sehr falsch ist die Nachricht, die in einigen deutschen Zeitungen stand, daß das K. K. Husarenregiment von Barco, bei diesem Vorfall die hannöverische Leibgarde gerettet habe, und um so lächerlicher, da die Zahl der in dieser Gegend sich damals befindlichen Husaren, sich nicht über 30 Mann belief.

Die feindliche Armee, die in kurzer Zeit in den Niederlanden mehrere große Niederlagen erlitten hatte, und die durch Dümouriez Entfernung sich aller Vermuthung nach, in großer Unordnung befinden mogte, wartete den Angrif auf ihre Hauptverschanzungen selbst, nicht an; sondern da ihre vordersten Verschanzungen eingenommen waren, zog sie sich in großer Unordnung zurück; ein Theil warf sich in Valenciennes, der größte Theil aber, retirirte sich in die Ebenen von Denain.

Die reitende oder geschwinde Artillerie der Hannoveraner, unter Commando des Major Braun, erst seit kurzer Zeit errichtet, aber in ihrer Einrichtung von ähnlicher in anderen Armeen sehr verschieden, trug durch die Geschwindigkeit, mit welcher sie am linken Flügel des Feindes gleich beim Anfange der Schlacht, eine Batterie desselben zum Schweigen brachte, nicht wenig zu diesem Siege bey, und die Franzosen lernten an diesem Tage, die in der Folge von ihnen so sehr gefürchteten grauen Reuter zum erstenmal kennen.

Die beiden leichten Dragoner-Regimenter verfolgten den fliehenden Feind, und machten eine nicht unbeträchtliche Beute.

Dieser so wichtige Sieg, kostete der alliirten Armee nicht viel. Die hannoverische Infanterie hatte nur wenig verlohren; bei der Cavallerie aber hatte die Leibgarde am meisten gelitten, wiewohl sie doch an Todten nicht mehr als 2 Officiere und 11 Reuter zählte. Mehrere waren verwundet, und in allem belief sich der Verlust an Todten und Bleßirten auf 68 Mann. Von der Artillerie blieb nur 1 Officier. Am folgenden Tage, den 24sten May ward hierauf der Anfang gemacht, Valenciennes näher einzuschließen. Der Herzog von York Königl. Hoheit, unternahm mit den englischen und hannöverischen Truppen, die durch ein beträchtliches Corps Kaiserlicher verstärkt wurden, die Belagerung des Orts selbst, welche der k. k. Herr General Ferrary dirigirte; des Prinzen Coburg Durchl. aber machte mit dem größten Theile der kaiserlichen Armee, wozu die leichten Truppen der Hannoveraner stießen, die Observationsarmee.

Valenciennes, befestigt von dem berühmten Vauban, nur ein einzigesmal, und zwar damals durch die Spanier schlecht vertheidigt, von Ludwig den 14ten eingenommen, ward von Ende Mays bis Ende Julys, mit derjenigen Tapferkeit, Beharrlichkeit und Kunst belagert, die nothwendig angewandt werden mußte, wenn eine Festung zur Uebergabe soll gebracht werden, die einer der größten Feldherrn neuerer Zeit, der Prinz Eugen, vergeblich belagert hatte. In der That sind die verschiedenen Werke, die nothwendig aufgeführt werden mußten, theils um die Communication unter dem Belagerungscorps zu sichern, theils gegen die Ueberschwemmungen sich zu schützen, schon von Seiten der Kunst zu merkwürdig, als daß diese Belagerung in der neueren Kriegsgeschichte nicht Epoche machen sollte.

Ferrand, vormals Platzmajor in der Festung selbst, war Commandant; ein Mann nicht ohne militairische Kenntnisse, wovon er in der vorigjährigen Campagne Beweise abgelegt hatte. Das in der Festung befindliche Artilleriecorps war auserlesen; die Garnison selbst von minderer Güte, aber zahlreich. Die Bürgerschaft schien gleich anfangs die Uebergabe der Stadt zu wünschen; allein zwei in selbiger befindliche Deputirte des Nationalconvents, unterstützt von einigen Compagnien Dragoner, die sich aus den ehemaligen königlichen Marställen beritten gemacht hatten, und schon deshalb merkwürdig waren, weil sie ihren unglücklichen König Ludwig den 16ten zum Schafott begleitet hatten, wußten durch ihre große Wachsamkeit, jeden Versuch der Bürgerschaft, den Commandanten zur Uebergabe zu bewegen, zu vereiteln. Die Schwäche des Belagerungscorps, in Rücksicht des großen Umfangs der Festungswerke, machte den Dienst für die Belagerer äußerst lästig. Vorzüglich hatte die hannoverische Infanterie einen schweren Dienst; und zu mehrerenmalen waren Officiere 9 Nächte ununterbrochen im Dienst.

Die feindliche Armee befand sich zu schwach, um einen Versuch zum Entsatz von Valenciennes zu wagen; sie hatte sich in der ohnweit Cambray, gleichfalls aus der Römer Zeiten unter dem Namen Camp de Cäsar bekannte, sehr festen Position zurückgezogen, wo sie sich mit neuen Verschanzungen beschäftigte. Gegen Ende des Julys wurde der bedeckte Weg, so wie die beiden Hornwerke der Festung gestürmt, und glücklich eingenommen, 400 Hannoveraner, unter dem Commando des Oberstlieutenant von Offeney hatten an dieser glücklichen Expedition den größten Antheil. Wenige Tage nachher, sahe sich Ferrand genöthigt, die Stadt, welche an der Seite, wo der Hauptangriff gewesen war, einem Schutthaufen glich, zu übergeben. Es war hohe Zeit, denn die Bresche war schon so groß, daß man in einigen Tagen zum Sturm hätte schreiten können.

Die Garnison erhielt zwar freien Abzug, mußte sich aber verbindlich machen, während dieses Krieges nicht gegen die alliirten Mächte zu dienen.

Des Herzogs von York königl. Hoheit war so gnädig, auf den 1sten August -- als, den, wegen des großen Sieges bei Minden, für die Hannoveraner so merkwürdigen Tag -- der französische Garnison ihren Abzug zu bestimmen.

Der Verlust der Hannoveraner, während der Belagerung, an Todten und Verwunderten, belief sich nicht über 500 Mann. Bei dem, Tag und Nacht mit gleicher Heftigkeit ununterbrochenen anhaltenden und heftigen feindlichen Feuer, ist dieser Verlust sehr unbedeutend. Die öfteren unternommenen Ausfälle, sind dem Feinde immer mißglückt.

Kaum hatten sich die hannoverischen Truppen von den sehr großen Fatiguen der Belagerung erholet, als der Herzog von York Kön. Hoheit mit dem größten Theile derselben, in der Nacht vom 4ten auf den 6ten August von Valenciennes aufbrach, um die in Bois de Boulon und Camp de Cäsar stark verschanzte feindliche Armee im Rücken anzugreifen, während welcher Zeit Prinz Coburg Durchl. und der Herr General Clairfait denselben von vorn attaquirten.

Am 6ten August fiel zwischen den hannoverschen und feindlichen leichten Truppen, nahe bei dem Dorfe Averne le Sec ein sehr lebhaftes Gefecht vor, in welchem letztere zurückgetrieben wurden.

Am folgenden Tage machte die Armee des Herzogs von York, indem sie Cambray umgieng, einen Marsch von 18 Stunden, der während der sehr großen Hitze äusserst beschwerlich war. Ohnerachtet dieses forcirten Marsches kam selbige doch zu spät, um den Feind, der das Camp de Cäsar und Bois de Boulon verlassen hatte, den Rückzug abzuschneiden. Der Feind, der sich nach Arras retirirte, deckte mittelst seiner zahlreichen Cavallerie, seine Rückzug mit vieler Ordnung. Die Cavallerie der Alliirten machte jedoch mehrere Gefangene, und erbeutete eine Canone. Da der Feind aber das Dorf Maquion, das selbige nothwendig passiren mußte, in Brand steckte, so sahe sie sich genöthigt, vom fernern Verfolgen abzustehn.

Nach einem gehabten Rasttage, verließ die Armee diese Gegend wieder, marschirte zwischen den beiden französischen Festungen Bouchain und Douay durch, und vereinigte sich den 12ten August wieder mit dem Reste der hannöverischen Truppen, die gleichfalls den 6ten August Valenciennes verlassen hatten, und bei Orchies unter dem Commando des Herrn General Graf von Wallmoden campirten.

Mehrere kleine Scharmützel fielen in dieser Gegend vor. Am 14ten schien der Feind bey Temple neuf einen förmlichen Angriff wagen zu wollen, er ward aber bis über das Dorf Capelle hinaus, zurückgejagt.

Hier formirte sich die Armee, welche bestimmt war, unter dem Commando des Herzogs von York, Königl. Hoheit, Dunkerquen zu belagern, die aus 16000 Mann Kaiserlicher, und den sämmtlichen englischen, hannöverischen und hessischen Truppen bestand.

Den 15ten August brach die Armee von Orchies nach Dunkerquen auf, und kampirte bereits am 18ten zwischen Ypern und Poperingen, ohne auf dem Marsche vom Feinde beunruhigt zu werden, ausser einigen Scharmützeln, die zu Roubaix und Roncy vorfielen. Indessen hatten sich die englischen Garden bei der Einnahme von Lincelles große Ehre erworben; eine Expedition, die sie während dieses Marsches vortreflich ausführten.

Derjenige Theil der Armee, welcher bestimmt war, unter dem Commando des Herrn Feldmarschall von Freytag, die Observations-Armee zu formiren, trennte sich nun von der Armee des Herzogs von York, Königl. Hoheit, welche die Belagerung von Dunkerquen unternehmen sollte.

Es bestand jene Observations-Armee aus sämmtlichen hannöverischen Truppen, dem Kaiserl. Königl. Infanterieregiment Brentano, einer Division K. K. Husaren und einigen Compagnien des Freycorps Grün-Laudon, nebst 200 hessischen Jägern, wozu nachher noch einige Compagnien neu errichteter englischer Dragoner, und die leichten Compagnien von den in englischen Solde stehenden französischen Emigranten stiessen.

Dies alles zusammengenommen, formirte eine Armee von völlig über 16000 Mann. Der Einmarsch des Herrn Feldmarschalls in diesen Theil von französisch Flandern, war sehr siegreich. An der Spitze seiner Avantgarde überfiel er den 21sten August sehr frühe das feste feindliche Lager zu Ost-Capelle, machte viele Gefangene und erbeutete fünf Canonen, und da der Feind sich in Rexpoede wiederum gesetzt hatte, an welchem Orte auch Verschanzungen aufgeworfen waren, so griff der Herr Feldmarschall von Freytag am Nachmittage dieses Tages, diesen Ort gleichfalls mit so glücklichem Erfolge an, daß der Feind mit großem Verluste zurückgetrieben ward. Vier Canonen wurden hier erbeutet, und ausserdem 260 Gefangene gemacht. Der Herr General, Graf von Wallmoden bemächtigte sich zu gleicher Zeit des Städtchens Hondschoten; der Herr Feldmarschall aber rückte am 22sten mit seiner Avantgarde bis Bichar. Während seines Vorrückens läutete man in allen Dörfern die Sturmglocken, zum Zeichen, daß die Bauern sich vertheidigen sollten; in einem Dorfe wollten die Einwohner sich auch würklich ernsthaft widersetzen; nach einem kurzen Gefecht wurden sie aber auseinandergejagt, und man nahm ihnen ihre bey sich geführten vier kleinen Canonen ab; machte auch mehrere Gefangene.

Der Feind war am 23sten sehr eifrig beschäftigt, vor dem Flecken Wormshout Verschanzungen anzulegen, daher der Herr Feldmarschall dem 1sten Grenad. Bataillon den Befehl gab, solches zu verhindern, worauf der an Anzahl weit überlegene Feind, bis weit über Wormshout hinaus, zurückgetrieben wurde, und ausser 2 eroberten Canonen, 70 Gefangene zurücklassen mußte. Hierauf zogen sich die Grenadiere wieder in die vorhergehabte Position bey Bichar zurück.

Das 2te Grenadier-Bataillon bemächtigte sich des Dorfes Esklebeck worin sich gleichfalls die Bauern widersetzten, und legte in das dort befindliche Schloß eine Compagnie zur Besatzung. Am Abend griff der Feind mit großer Uebermacht dies Dorf an, und trieb die gedachte Compagnie heraus; der Lieutenant von Ziegesar behauptete aber mit einem Detaschement von selbiger, den Besitz des Schlosses, bis ihm eine andere Compagnie von gedachtem Bataillon zu Hülfe kam, welche unter dem Befehl des Lieutenants von Behr den Feind zurücktrieb, und eine Canone eroberte.

Das nicht weit von Lille stehende feindliche Lager, und die beyden befestigten Oerter, Bergen und Mont-Cassel, bei welchem letzteren Orte gleichfalls ein feindliches Corps campirte, nöthigte den Herrn Feldmarschall, seine Armee sehr zu zertheilen.

Zu Poperingen blieb der Oberste von Linsingen mit dem 10ten Cavallerie-Regiment, dem 1sten Bataillon Garde, und einem Bataillon vom vierten Infanterie-Regiment zurück.

Der Herr General Graf von Wallmoden, war bis Bergen vorgerückt; selbiger hatte diesen Ort zwar auffordern lassen; allein da sein Corps nicht einmal so stark, als die Besatzung selbst war, so suchte man daher nur den Ort so viel möglich, einzuschliessen. Die häufigen Ausfälle der Garnison gaben indessen zu sehr blutigen Auftritten Veranlassung, bei welchen jedoch der Feind immer mit großem Verluste zurückgetrieben ward.

Wormshout ward am 25sten August nochmals eingenommen, bei welcher Gelegenheit mehrere Gefangene gemacht wurden. Von diesem Tage an ward dieser Ort stark besetzt, und war dies der äußerste Posten gegen das, bei Mont-Cassel stehende feindliche Lager.

Auch zu Crustraaten fiel an diesem Tage eine Affaire zum Vortheil der hannoveraner vor, nach welcher dieser Ort gleichfalls besetzt ward.

Der hessische Herr Oberste von Pruschenck stand mit seinen Jägern zu Bambune, von wo aus man sich des Ortes Herstelle bemächtigte.

Esklebeck ward durch das 2te und 3te Grenadier-Bataillon besetzt gehalten.

Das Hauptquartier ward von Sost, wo es Anfangs war, nach Wilder verlegt. Ausser den schon erwähnten häufigen Ausfällen der Berger Garnison verhielt sich der Feind sehr ruhig. Er benutzte diese Zeit, um das bei Mont-Cassel stehende Lager ansehnlich zu verstärken, und von sehr entfernten Oertern wurden Regimenter auf Wägen nach Mont-Cassel geschickt.

Den 5ten Sept. unternahm der Herr Feldmarschall v Freytag einen Angriff auf die feindlichen Vorposten des Lagers von Mont-Cassel. Der Herr Generalmajor von Diepenbroick bemächtigte sich des Dorfes Anecke, machte Gefangene, und trieb den Feind vollkommen zurück. Das 1ste Grenadier-Bataillon, welches schon gänzlich vom Feinde umgangen war, erlitt hier einen ansehnlichen Verlust, und verdankte seine Rettung nur dem tapfern Entschlusse seines damaligen Commandeurs, des Hauptmann von Bremer, sich mit dem Bajonnet durch die Feinde einen Weg zu bahnen, welches die glückliche Folge hatte, daß es sich mit dem Herrn General von Diepenbroick vereinigen konnte. Leider befand sich das Corps zu schwach, um seine erfochtenen Sieg weiter zu verfolgen, und gieng daher in die vorher gehabte Position zurück.

Den 6ten September griff hierauf der Feind seiner Seits, sämmtliche Posten der Armee, von früh Morgens bis spät in die Nacht, mit vieler Heftigkeit an. Durch die beiden vereinigten Corps, wovon das eine bei St. Magdelene, unweit Lille, und das andere bey Cassel gestanden, hatte er eine große Uebermacht über die Armee des Herrn Feldmarschalls; demohngeachtet ward er fast überall mit großem Verlust zurückgetrieben; und zu Crustraaten nahm ihm das Bataillon vom Garde-Regiment, welches bei Wilder gestanden hatte, eine Canone ab. So ward er auch zu Esklebeck zurückgeschlagen, und zu Wormshout, welches er den ganzen Tag über bombardirte, und woselbst der Herr Feldmarschall selbst zugegen war, hatte er gleiches Schicksal. Inzwischen hatte er sich von Poperingen Meister gemacht, und die daselbst gelegenen Truppen genöthigt, sich nach Ypern zurückzuziehn; auch der Posten zu Herstelle und der zu Bambeck waren von ihm zurückgedrängt worden, und da mit Gewißheit vorauszusehn war, daß der Feind am folgenden Morgen seinen Angriff mit verdoppelter Hartnäckigkeit erneuern, und die Truppen alsdenn der großen Uebermacht vermuthlich nicht würden widerstehen können: so gab der Herr Feldmarschall den Befehl, daß sich die Armee in 2 Colonnen nach Hondschooten zurückziehn sollte. General Houchard, dem der Nationalconvent das Commando der Nordarmee übertragen hatte, war aber nebst 20000 Mann von der Moselarmee, im forcirten Märschen herbeygeeilt, und hatte sich am Nachmittage dieses 6ten Septembers, des Dorfs Rexpoede bemächtigt, und diesen Ort besetzt, ohne daß der Herr Feldmarschall es wissen, ja den Feind einmal in dieser Gegend erwarten konnte. Indem nun gedachter Herr Feldmarschall nebst des Prinzen Adolf Königl. Hoheit, und einigen Herren des Generalstaabes nach Hondschooten vorausgiengen, ohne eine Bedeckung von einiger Stärke bei sich zu haben, und in Rexpoede hineinreiten wollten, ward die schwache Avantgarde plötzlich von der feindlichen Cavallerie zurückgeworfen, der Königl. Prinz und der Herr Feldmarschall wurden blessirt, und letzterer unglücklicherweise gefangen, wozu die Nacht, welche sehr stürmisch, regnigt und finster war, sehr viel beitrug. Des Prinzen Adolf Königl. Hoheit, die, wie bereits erwähnt, gleichfalls eine Wunde am Kopfe erhalten hatten, und im Gedränge vom Pferde kamen, waren der Gefahr, gefangen genommen zu werden, sehr nahe, jedoch retteten Sie sich glücklich, wobey Ihr Adjutant, der Lieutenant von Wangenheim, der muthig in den Feind einhieb, und auch schwer verwundet ward, sich große Verdienste erwarb.

Indem nun der Feind sich in Rexpoede zeigte, ritt der General-Adjutant und Oberste von Spörken eilends zurück, um Truppen zum Angriff des Orts herbeyzuholen, und traf auf die Colonne des Herrn Generals Grafen von Wallmoden, der dem die Tete habenden 2ten Grenadierbataillon bereits den Befehl zum Angrif ertheilt hatte. Der Herr General-Lieutenant von dem Bussche setzte sich selbst an die Spitze dieses Bataillons, und führte die tapfere Mannschaft, so sehr ermüdet sie auch war, mit solchem Muthe an, daß sie nach dem Beyspiele ihres Anführers, und in der Hoffnung, ihren Feldmarschall befreyen zu können, jedes Hinderniß überwand; und da wegen des anhaltenden Regenwetters fast alle Gewehre versagten, so griff sie um so mehr den Feind mit dem Bajonette an, und trieb denselben, ob er ihr gleich vielleicht zehnfach an Zahl überlegen war, glücklich heraus, wobey sie der Herr Generalmajor von Trew durch ein, gute Wirkung thuendes Kartätschenfeuer unterstützte. Glücklicherweise befand sich der Herr Feldmarschall noch in dem Dorfe, und der Feind hatte ihn während seiner Gefangenschaft, die nur sehr kurze Zeit gedauert hatte, sehr gut begegnet.

Am folgenden 7ten September gab sich der Feind alle nur mögliche Mühe, die Vereinigung der verschiedenen Detaschements zu verhindern, mehrere derselben wußten sich durchschlagen, allein an allen Orten wurden die Franzosen zurückgetrieben.

Das in diesen Tagen so merkwürdig gewordene Rexpoede mußte zuletzt noch einmal der Kampfplatz seyn.

Der Feind bemächtigte sich desselben am 7ten noch einmal, in der Absicht, die Arriergarde der letzten Colonne abzuschneiden, allein er erreichte seine Absicht schlecht, denn er ward gezwungen, sich mit Zurücklassung von einer Canone und 200 Gefangenen eilends zurückzuziehn.

Um das nachfolgende verständlich zu machen, müssen vorläufig einige Bemerkungen vorausgeschickt werden.

Von dem Dorfe Quillem gehet ein langer schmaler Damm nach Hondschooten, der, da Bergen unter Wasser gesetzt worden, an vielen Stellen mit überschwemmt war, was denn die Passage sehr beschwerlich machte, Die Franzosen wollten dies benutzen, und griffen abermals an; allein die Arriergarde gieng ihnen muthig entgegen, und nach einen Gefecht von einigen Stunden, nachdem auch die Canonen nebst der Bagage den Damm passirt waren, folgte sie nach, ohne weiter vom Feinde beunruhigt zu werden.

Man hätte erwarten sollen, daß so viele mislungene Versuche den Feind abgeschreckt haben würden, neue zu versuchen, allein am 7ten des Abends, da das ganze Corps sich schon zu Hondschooten vereinigt hatte, wagte er noch einen förmlichen Angrif; der Herr General Graf von Wallmoden, der an der Stelle des, wegen seiner Verwundung nach Brüggen gegangenen Herrn Feldmarschalls, das Commando der Armee übernommen hatte, ertheilte den Befehl, mit dem Bajonnette einzubrechen, welches den erwünschten Erfolg hatte, daß der Feind an diesem Abend eine förmliche Niederlage erlitt, auch viele Gefangene und mehrere Canonen einbüßte.

Die ermüdeten Truppen, die seit 3 Tagen in beständigem Feuer gestanden, blieben die Nacht auf dem Wahlplatze stehen, und da es keinem Zweifel unterworfen zu seyn schien, daß die Franzosen am folgenden Morgen, ohnerachtet der erhaltenen Niederlage, mit ihrer ganzen Macht den Angriff erneuern würden, und es gleichwohl unumgänglich nöthig war, den Feind hier aufzuhalten, um der Belagerungsarmee den Rückzug zu sichern, so war man während des Rests der Nacht nur darauf bedacht, eine so vortheilhafte Stellung als möglich, zu nehmen, um dem Angriffe des Feindes den kräftigsten Widerstand entgegenzusetzen.

Es ist hier vorzüglich der Ort, für die, welche diese Gegend nicht kennen, folgendes bemerklich zu machen.

Ganz Flandern ist mit vielen Gräben, Büschen und Hecken durchschnitten, besonders auch bey Hondschooten, woselbst das Terrain so coupirt ist, daß kaum zum Aufmarsch eines Regiments sich eine hinreichende Plaine findet.

Dies hatte für die alliirte Armee die Folge, daß sie von ihrer bey sich habenden zahlreichen Cavallerie keinen Gebrauch machen konnte; auch war nur ein einziger Weg, auf welchem im Fall eines Rückzuges das schwere Geschütz zurückgebracht werden konnte, und dieser war wegen des häufig gefallenen Regens und der vielen Bagage, die selbigen passirt war, sehr kothig und ausgefahren, welches die zweyte unangenehme Folge hatte, daß man sich des schweren Geschützes nicht bedienen durfte, da man bey dem mit Gewißheit vorauszusehenden Rückzuge, befürchten mußte, eine großen Theil desselben zu verlieren.

Es blieb daher nur die Infanterie übrig, die, ohnerachtet der, von des Herzogs von York Königl. Hoheit zur Verstärkung geschickten zwey hessischen Bataillons, unter dem Herrn General von Kochenhausen, nicht über 9000 Mann stark war, welche nebst ihren Regimentscanonen, und den Batterien der geschwinden Artillerie, nebst einigen 6pfündern ihre Position so vortheilhaft als möglich erhielten.

Der Feind gab sich, die ganze Nacht über Signale, man hörte ihn in der Ferne Batterien aufwerfen, und den folgenden 8ten September früh um 7 Uhr begann er seinen Angriff auf dem rechten Flügel. Deserteurs und Gefangene gaben die Stärke der, an diesem Tage bey Hondschooten versammelten feindlichen Armee, selbst auf einige 70000 Mann an, und daß sie mit einer zahlreichen Artillerie versehen sey, zeugte der Augenschein.

Houchard hatte seine Armee in mehrere Linien hintereinander vertheilt, und ließ, wenn die erstere Linie zu viel gelitten, selbige sofort durch die folgende ablösen.

Nach 8 Uhr ward der Angriff allgemein. Der Feind suchte seine Uebermacht dahin zu benutzen, daß er uns überflügeln wollte; mehrere Regimenter waren daher genöthigt, sich in ein Glied zu stellen, um eine größere Fronte zu gewinnen, vorzüglich war dies auf dem linken Flügel, da der Herr Generalmajor von Hammerstein commandirte, der Fall. In den Waffen grau gewordene Krieger, die mehrern blutigen Schlachten beygewohnt, erinnern sich nicht, je ein heftigeres und anhaltenderes Feuer erlebt zu haben, und mehrere kaiserliche Officiere versichern, daß das kleine Gewehrfeuer dasjenige in der bekannten Schlacht von Yemappe oder Mons im October des vorigen Jahrs weit übertroffen habe.

Die Franzosen fochten wie Rasende, woran das starke Getränk vielleicht nicht wenig Theil haben mogte. Am Ende des oben erwähnten schmalen Dammes, der von Quillem nach Hondschooten führt, waren 2 Canonen aufgepflanzt, die auf den herandringenden Feind beständig mit Kartätschen feuerten, und ungeheure Verwüstungen anrichteten. Demohngeachtet drangen sie an diesem Orte durch. Um 1 Uhr Nachmittags brach der rechte Flügel mit dem Bajonnet auf die Franzosen ein, welche Gewehre und Fahnen von sich warfen, und in großer Unordnung davon liefen. 5 Canonen befanden sich schon in den Händen der Hannoveraner. Der Lieutenant Wedemeyer hieb mit 50 Reutern vom 4ten Cavallerie Regiment ein ganzes Bataillon Caramagnols nieder; allein eine zweyte Linie des Feindes, die jetzt mit vieler Ordnung vormarschirte, nöthigte diese braver Krieger, sich zurückzuziehen, ohne von den, von ihnen erhaltenen Vortheilen, Gebrauch machen zu können.

Die Regimenter hatten ihre bei sich führende Munition verschossen; sie war einigemal wieder ersetzt und wieder verschossen worden, und man hatte weiter keinen Vorrath davon in der Nähe. Unterdessen drang der Feind mit vieler Heftigkeit auf das Centrum der Armee ein, und es war zu fürchten, daß er es forciren würde; daher sich denn der Herr General Graf Wallmoden genöthigt sah, um 2 Uhr Nachmittags den Befehl zum Rückzuge zu ertheilen. Der Herr Generalmajor von Diepenbroik commandirte die Arriergarde; und der Feind machte Mine, als wenn er selbige verfolgen wollte; allein der, auch als militairischer Schriftsteller so bekannte Hauptmann Scharnhorst, der mit einigen Canonen den Rückzug deckte, wußte ihn so in Respect zu erhalten, daß er bald von seinem Vorsatz abstand.

Der Verlust der Hannoveraner in den blutigen Tagen vom 5ten bis zum 8ten Sept., war unbedeutend, wenn man ihn mit dem des Feindes verglich, und Rücksicht auf die, in jenen Tagen fast ununterbrochenen Gefechte aller Art, nimmt. Indeß ist nicht zu leugnen, daß der Abgang und Verlust der Officiere verhältnißmäßig größer, als je in andern Affairen gewesen ist. Die Cavallerie aber hatte äußerst wenig verloren, weil sie des Terrains wegen nicht hatte agiren können.

Dies war denn der glänzende Sieg, den Houchard dem Nationalconvent, als einen der größten, der zu erfechten war, ankündigte. Ob die Franzosen Ursache haben, stolz darauf zu seyn, daß sie während jener vier Tage, ohngeachtet ihrer großen Uebermacht, fast immer geschlagen wurden, und endlich nach würklich erlangten Vortheil, den sie theuer erkaufen mußten, sich nicht einmal getraueten, den Feind zu verfolgen, entscheide jeder selbst; was aber der Nationalconvent darüber dachte, das zeigte sich gar bald, denn Houchard verlor wie verlor wie bekannt, bald darauf den Kopf.

Die Armee zog sich nach Boulskamp nahe bei Furnes zurück, und vereinigte sich daselbst mit dem Herzog von York Königl. Hoheit, der in der Nacht vom 7ten auf den 8ten die Belagerung von Dunkerquen aufgehoben hatte.

Von da brach die Armee den 11ten Sept. auf, und lagerte sich bei Dixmuiden.

In dieser Zeit machten die Franzosen einen Versuch auf Ypern, welches erst in diesem Sommer etwas befestigt wurde, und worin außer einem K. K. Infanterieregiment, auch der Oberste von Bothmer mit denen, in Poperingen gestandenen 2 hannoverischen Bataillons in Garnison lag. Sie bombardirten den Ort, da sie aber fanden, daß er so leicht wie sie sich's vermuthlich gedacht, nicht einzunehmen sey: so zogen sie unverrichteter Sache wieder ab.

Glücklicher waren sie in ihren Unternehmungen gegen die Holländer. Sie bemächtigten sich aller, von den Holländern besetzt gehaltenen Oerter, auch Menin fiel in ihre Hände, und die holländische Armee zog sich nach Gent zurück.

Da jetzt die linke Flanke der Armee bedrohet ward, so brach der Herzog von York Königl. Hoheit mit dem größten Theile seiner Armee von Dixmuiden auf, und marschirte am 14ten September gegen Menin, welchen Ort er aber vom Feinde bereits wieder verlassen fand.

Die Jahrszeit war zu weit vorgerückt, um noch große Unternehmungen zu verstatten; des Herzogs Königl. Hoheit beschränkte daher seinen diesjährigen Feldzug darauf, Flandern, das heißt, den ganzen Theil der Niederlande, von Ostende bis Tournay zu decken.

Diese Gegend war seit mehrern Jahrhunderten oftmals der Schauplatz des Krieges. Die große Fruchtbarkeit des Landes, die vielen wohlhabenden und zum Theil reichen Bewohner desselben, die großen Städte, umgeben von wohlhabenden Dörfern, alles dieses war für die Franzosen immer ein großer Reiz bey ihren Kriegen mit dem Oesterreichischen Hause, in diese schöne Provinz einzufallen. -- Wurden sie zurückgejagt, so riskirten sie nichts; ihre vielen Festungen, und namentlich Lille, das nur drey Stunden von der Gränze entfernt liegt, gab ihnen immer eine sichere Retirade.

Triftiger wie je, waren aber die Gründe bey diesem Kriege, zu Einfallen in Flandern, da alle Expeditionen gewöhnlich nur Plünderungen bezielten, und sie, seit der Kayser Joseph alle Festungen in Flandern hat schleifen lassen, nur an irgend einem Ort, durch den sich ihnen entgegensetzenden Cordon, durchzubrechen hatten, um nach Gefallen rauben und plündern zu können.

Von allen Arten Krieg zu führen, ist der Vertheidigungskrieg der unangenehmste. Da man zur Beschützung des Landes genöthigt ist, seine Truppen auf einen langen Cordon zu vertheilen, so muß man gewöhnlich nach der hartnäckigsten Gegenwehr unterliegen, indem der Feind gewiß nur einen Theil desselben, aber diesen auch mit aller seiner Macht angreifen wird.

Die vielen kleinen unbefestigten Oerter, geben zu öfteren Postengefechten Veranlassung, und es herrschte daher in diesen Gegenden während des ganzen Feldzugs eine große Lebhaftigkeit. Die holländische Armee, die bisher immer in den Gegenden von Courtray, Menin und Ypern gestanden hatte, hat in diesen Postengefechten viele Menschen verlohren, ohne sich wegen der Nähe von Lille, in den Besitz der, zum Theil mehr als einmal eroberten Oerter, Cinselles, Tourcoin, Lannoi, Roubain, Commines u. s. f. behaupten zu können.

Die alliirte Armee besetzte zwar nicht alle diese Oerter, indessen mußte sie sich doch in mehrere Theile zertheilen, um sich dem Eindringen des Feindes aller Orten widersetzen zu können.

Des Herzogs von York Königl Hoheit nahm in Menin sein Hauptquartier. Sämtliche Hessen wurden nach Furnes detaschirt. Von Poperingen bis Werwick ward eine Vorposten-Kette gezogen, wozu vorzüglich die hannöverischen leichten Truppen gebraucht wurden. Imgleichen wurden Werwick und Halluin besetzt.

Der Herr General Graf von Wallmoden gieng mit einem Corps, worunter viele Hannoveraner waren, nach Cisoing, und übernahm die, von den preussischen Truppen, welche zu ihrer Hauptarmee am Rhein gegangen waren, besetzt gehaltene Posten.

Der Herr General-Lieutenant von dem Bussche aber, schlug mit einem Theil der Hannöverischen Truppen zu Moucron sein Lager auf.

Der Feind attaquirte bald dieses, bald jenes Corps, ward aber immer mit Verlust zurückgewiesen.

In der Mitte des Octobers marschirte der Herzog von York mit einem großen Theile seiner Armee, worunter auch einige hannöverische Regimenter waren, nach Valenciennes, um des Prinzen von Coburg Durchl. bey der Belagerung von Maubeuge zu unterstützen, nach deren Aufhebung er nach Tournay zurückgieng, und daselbst sein Hauptquartier nahm. Den 21sten October macht der Feind hierauf einen General-Angriff auf den ganzen Vorposten-Cordon von Poperingen bis Halluin, ward aber an diesem Tage fast überall zurückgeschlagen, und verlohr bey Werwick eine Canone. Aber bey seinem am folgenden Tage mit verdoppelter Macht wiederholtem Angriff, glückte es ihm, den Cordon nach der tapfersten Gegenwehr zurückzutreiben, und er bemächtigte sich der Oerter Poperingen und Werwick. Auch das Dorf Halluin, wo das zweyte und dritte Grenadierbataillon stand, ward von ihm eingenommen.

Menin, vormals eine starke Festung, ist seitdem es geschleifet worden, durchaus nicht zu vertheidigen, da es von dem gegenüberliegenden Halluin, überall beschossen werden kann. Da nun dieser Ort vom Feinde besetzt war, so sahe der Herr Oberste von Bothmer, der sich mit dem Garde-Regiment in Menin befand, genöthigt, diese Stadt zu verlassen. Er zog sich nach Courtray zurück, woselbst sich die übrigen, auf Vorposten gestandenen Truppen gleichfalls versammelten, welche zusammen ein Corps von etwa 4000 Mann, größtentheils Hannoveranern, ausmachten. Nach dem Abmarsch des Herzogs von York, Königl Hoheit, bekam der Herr Generalmajor Graf von Oeynhausen das Commando über die Hannoveraner, die sich in und um Menin befanden, bis hierauf der Herr General Graf von Wallmoden es übernahm, worauf am 25sten, 26sten und 27sten October, nahe bey dem Dorfe Wevellghen sehr lebhafte Affairen vorfielen, in deren letzteren die Franzosen bis unter die Canonen von Menin zurückgejagt wurden.

Den Angriff auf Menin selbst, warteten sie nicht ab; sondern fanden für gut, in der Nacht des 27sten und 28sten Octobers Menin, Werwick und alle diese eroberten Oerter zu verlassen, welche darauf von unsern Truppen wieder besetzt wurden. Ypern ward gleichfalls wieder beschossen. Die darin liegende Garnison that aber lebhafte Ausfälle, und nahm in einem derselben, wobey sich auch ein Detaschement des 5ten Regiments befand, dem Feinde etliche Canonen, und bald darauf wurden hier, und einige Zeit nachher auch aus Poperingen die Feinde zurückgejagt, bey welcher Gelegenheit sie beträchtlichen Verlust erlitten.

Eben so unglücklich lief ihr Versuch auf Nieuport ab, das die Hessen sehr muthig vertheidigten.

Im November brach hierauf das, bey Moucron im Lager gestandene Corps auf, und sämmtliche hannöverische Truppen cantonnirten in den Städten Courtray, Menin und den umliegenden Gegenden.

Werwick war in diesem Kriege oftmals der Schauplatz sehr blutiger Auftritte, und ist noch fast täglich der Tummelplatz der Vorposten und leichten Truppen. Der kleine Fluß, die Lyß, der die Gränze zwischen den französischen und kaiserlichen Staaten macht, war auch die Scheidung der beiderseitigen Vorposten. Am 30sten November, da die Franzosen abermals den größten Theil des Cordons beunruhigten, wagten sie es sogar, mittelst einiger Böte, Truppen an das diesseitige Ufer der Lyß zu setzen, und über 200 Mann hatten hier schon Posto gefaßt, als es der Major von Linsingen gewahr ward, der selbige sogleich vom 1sten Grenadierbataillon mit dem Bajonnet angreifen ließ. Ohnerachtet des starken Kartätschenfeuers, das der Feind aus den, am andern Ufer stehenden 4 Canonen macht; welches seine Infanterie sehr gut unterstützte, war doch in wenigen Minuten, alles, was sich vom Feinde am diesseitigen Ufer befand, entweder niedergemacht oder in die Lyß gejagt, denn nur wenige erhielten Pardon.

Besonders merkwürdige Auftritte fielen hiernächst nicht vor, und erst in der Mitte des Decembers fingen die Truppen an, die Winterquartiere zu beziehen, wozu ihnen Brüggen und die umliegende Gegend angewiesen ward.

Hier enden sich meine sehr unvollkomnen Nachrichten, eines der blutigsten und beschwerlichsten Campagnen, denen die churhannöverischen Truppen vielleicht beygewohnt haben mögen. Mein Plan -- nur eine allgemeine Uebersicht derselben zu liefern -- verstattete mir's nicht, mich bey den vielen schönen und braven Handlungen, wodurch sich nicht nur Officiere, sondern selbst mehrere Unterofficiers und Gemeine jener Truppen, in diesem Feldzuge ausgezeichnet haben, zu verweilen, so gern ich auch meinen Landsleuten das Andenken der vielen braven Männer, die ihre ruhmvolle Laufbahn in diesem Kriege endigten, ins Gedächtniß zurückführen mögte. kein Corps, das den Feldzug mitmachte, verlohr nach Verhältniß so viele Officiere, wie das hannöverische. Unter diesen waren mehrere, die die Muße eines langen Friedens benutzt hatten, um neben militairischen Kenntnissen ihren Geist durch Wissenschaften jeglicher Art auszubilden.

Ein unersetzlicher Verlust fürs Vaterland! Ihr Andenken wird ewig in unserm Herzen leben, und ihr Beyspiel uns, in Gefahren der Schlacht wie in ruhigeren Tagen zur Nacheiferung auffordern. Nie waren bey einer Armee Desertionsfälle seltener, als bey dieser. Wenn entschlossener Muth, kaltblütige Verachtung des Todes, die sich nicht auf Berauschung gründet; wenn geduldige Ertragung unzähliger Widerwärtigkeiten als Krieges, selbst beym, oft nicht abzuändernden Mangel nöthiger Bedürfnisse; wenn dieses Eigenschaften sind, die den Helden characterisiren: so darf der Hannoveraner sich jedem Krieger eines andern Volks, an die Seite stellen. Ohne Murren ertrug er jedes Ungemach, und mit einem selbst vom Feinde anerkannten Muthe, gieng er dem Tode tapfer entgegen.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Kurze Uebersicht der Campagne von 1793, vorzüglich in Rücksicht des im Felde gestandenen Corps Königl. Chur-Hannöverischer Truppen. Von einem Officier derselben. Hannover, bey den Gebrüdern Hahn. 1794.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.