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Le Mémorial de Sainte-Hélène.Bearbeiten

III. Napoleon kommt in Nizza an; etwa vom 26 bis 29. März.

Die Schilderung, die ihm Scherer von der Armee machte, war noch schlimmer, als er sich hatte vorstellen können. es fehlte an Brod; seit langer Zeit wurde kein Fleisch mehr ausgetheilt; man konnte kaum zweihundert Maulthiere zu den Transporten zählen, daher war nicht daran zu denken, mehr als 12 Stück Kanonen mit sich zu führen: diese Lage wurde von Tag zu Tag schlimmer. Es war kein Augenblick zu verlieren; die Armee konnte da, wo sie stand, nicht mehr bestehen; man mußte voran oder sich zurückziehen.

Der französische General gab den Befehl, daß man sich in Marsch setzten sollte. Er wollte den Feind gleich beim Anfang des Feldzugs in Verwirrung, und durch auffallende und entscheidende Vortheile aus der Fassung bringen.

Seit dem Anfang des Kriegs war das Hauptquartier beständig in Nizza geblieben; es bekam Befehl, sich nach Albenga zu begeben. Seit langer Zeit hatten sich die Verwaltungen gewöhnt, diese Station als einen festen bleibenden Aufenthalt anzusehen, und kümmerten sich weit mehr um die Annehmlichkeiten des Lebens, als um die Bedürfnisse der Armee. Der französische General musterte die Truppen und sagte ihnen: "Soldaten! Ihr seyd ohne Kleidung, schlecht genährt; man ist uns viele Rückstande schuldig, man kann uns nichts geben. Eure Geduld, der Muth, welchen Ihr hier zwischen diesen Bergfelsen beweist, ist bewunderungswürdig; aber damit erwerbt Ihr keinen Ruhm. Ich will Euch in die fruchtbarsten Ebenen der Welt führen. Reiche Provinzen, große Städte werden wir in unsere Gewalt bekommen, und dort werdet Ihr Reichthümer, Ehre und Ruhm finden. Soldaten Italiens, wird es Euch an Muth fehlen?"

Diese Worte eines Generals von 25 Jahren, in welchen man bereits, wegen der glänzenden Operationen von Toulon, von Saorgio, von Savona, großes Zutrauen hatte, wurden unter dem lebhaftesten Beifall aufgenommen; die Soldaten kannten ihn, er war in den lezten Jahren an ihrer Spitze gestanden.

Da man alle Alpen umgehen und in Italien über die Bergspitze von Cadibonne eindringen wollte, so mußte die ganze Armee sich auf ihres rechten Flügels äußersten Punkte zusammenziehen; diese Operation wäre gefährlich gewesen, wenn damals die Ausgänge Italiens nicht mit Schnee bedeckt gewesen wären. Auch der Uebergang vom Defensivsystem zur Offensivstand ist eine der schwierigsten Operationen. Serrurier mußte sich mit seiner Division in Garezzio aufstellen, um das Lager zu beobachten, worin der General Colli bei Ceva stand. Massena und Augereau mußten in Loano, Finale und bis nach Savona in Reserve bleiben. Laharpe sezte sich in Marsch, um Genua zu bedrohen; sein Vortrab, unter dem Commando von Cervoni, besezte Voltri. In demselbigen Augenblick ließ der Obergeneral den Senat von Genua um den Durchgang bei der Bochetta und um die Schlüssel von Gavi ersuchen, und dabei zu wissen thun, er wollte nach der Lombardei vordringen, und sich mit seinen Operationen an die Stadt Genua anlehnen. Es entstund darüber ein gewaltiger Lärm in Genua, die Räthe berathschlagten unaufhörlich.



> > > IV. Schlacht von Montenotte, am 11ten April. > > >


Quellen.Bearbeiten

  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.
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