Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Uebersicht der Kriegs-Begebenheiten.[]

[1]
Während den wechselseitigen Erklärungen über Krieg oder Frieden zwischen Sr. Majestät dem Kaiser von Frankreich, und den beyden Majestäten, dem Kaiser von Ostreich und Rußland, kam es immer mehr und mehr zur Thätigkeit. Die österreichischen Regimenter zogen sich zusammen, unter dem Vorwande, zu Formirung mehrerer Luftlager. Indessen Se. Majestät der Kaiser von Rußland eine Armee, welche auf hundert tausend Mann geschätzt wurde, nach Gallizien vorrücken ließ welche sich in der Folge mit der österreichischen Armee vereinigen und gegen Baiern marschiren sollte. Ein zweytes russisches Korps segelte nach der Insel Rügen ab, um dort zu landen, und in Gemeinschaft mehrerer Nordischen Mächte ebenfalls gegen Frankreich zu agiren.

In Frankreich war man ebenfalls nicht unthätig. Die beyden Lager zu Boulogne, und Calais wurden aufgehoben, und die Truppen marschirten gegen den Rhein. Ersteres geschah am 2. September, zu gleicher Zeit wurden auch jene Regimenter wiederum ausgeschifft, und nach Maynz zu marschiren beordnet, welche auf die Flotten im Texel, und Helvetslouis bereits eingeschifft waren, und Reichsmarschall Bernadotte verließ in diesem Augenblick mit dem größten Theile seines Korps Hannover, und marschirte durch Kurhessen gegen den Mayn.

In Italien formirte sich zwischen Mantua und Brescia ein französisches Lager unter dem Commando des General Massena, mit welchem nachhin auch jenes Korps sich vereinigte, welches damals aus dem Neapolitanischen zurück zu marschiren Befehl erhalten hatte; beyde zusammen könnten beynahe siebenzig tausend Mann betragen haben.

Das baierische Militair war gezwungen, sein Vaterland zu verlassen, um fremden Truppen Platz zu machen, und besonders großen und bedenklichen Ereignissen auszuweichen.

Selbes zog auf mehreren Wegen aus Baiern, sammelte sich aber nach und nach zwischen Vorchheim und Bamberg, und vereinigte sich zuletzt, aus den im öffentlichen Druck erschienenen Beweggründen, mit dem französischen Armeekorps des Marschalls Bernadotte. Es bestand aus 6 Brigaden, unter dem Commando des General-Lieutenants v. Deroy und Wrede ungefähr aus 25000 Mann, mit Ausschluß der Garnisonen zu Würzburg, Vorchheim und Passau xc.

Indessen gieng der Vortrab der österreichischen Armee unter dem Kommando des Feldmarschall Lieutenant Grafen v. Klenau bey Schärding und Wasserburg über den Inn. Die Hauptarmee, kommandirt durch den Erzherzog Ferdinand, und den General-Quartiermeister von Mack, folgte nach. Sie marschirten geraden Wegs durch Baiern, besetzten die baierische Residenzstadt München, und kamen endlich nach Schwaben, wo sie an dem Illerfluß zwischen Kempten und Ulm eine Stellung nahmen. Eine Abtheilung davon gieng nach Biberach. General Auffenberg postierte sich bey Stockach, und General Wolfskehl bey Waldsee. Von Bregenz aus wurde eine Eskadron Husaren mit 264 Tyroler Schützen, und 8 Compagnien Infanterie nach Ravensburg detachirt.

Das zweyte österreichische Armeekorps stund in Tyrol unter dem Erzherzog Johann bey Innspruck, -- gegen der baierischen Gränze.

Das dritte unter dem Erzherzog Karl in Italien. Der Kaiser von Oesterreich kam am 21. September über München in Landsberg an, vermuthlich seiner Armee die nöthigen Befehle zu geben, reißte aber anderen Tags darauf wiederum nach Wien zurück.

Die französischen Armee stunden nun am Rhein.

Beyderseitige Armeen in ihrer damaligen Stellung werden beynahe 500000 Mann betragen haben.

Von dieser Epoche an gab es nun täglich neue Ereignisse, welche am füglichsten, besonders der kürze wegen, in Form eines Diariums vorgetragen werden dürften. Die verschiedenen Korps der französischen Armee erscheinen auch in separirten Kennzeichen, wie auf der Karte bemerket ist, die österreichischen hingegen behalten nur in ihrer ersten Stellung ihre National Farbe, gelb und Schwarz, alle übrigen Stellungen aber wurden nur darum gelb allein gemacht, weil selbe entweder gefangen wurde, oder retiriren mußte, und dann nur so lang stehen blieben, bis die französischen Colonnen anrückten.


Umgehung der Österreichischen Armee in Ulm durch die grosse Französische Armee unter Kaiser Napoleon I. im Jahre 1805.


Am 24. Sept.

Kam Marschall Bernadotte über Marburg nach Giessen, und die gallobatavische Armee unter General Marmont gieng bey Maynz über den Rhein, und rückte gegen Frankfurt vor.

Am 25. Sept.

Das Korps des Marschall Davoust war in der Gegend von Mannheim.
Der Großadmiral, Prinz Mürat, und Marschall Lannes marschirten bey Kehl über den Rhein, ersterer mit der Cavallerie, besetzte die Pässe des Schwarzwaldes, letzterer aber zog nach Ludwigsburg.

26.

Das französische Korps des Marschall Soult passirte die Brücken, die bey Speyer geschlagen wurden, und marschirten nach Heilbron.
Das Korps des Marschall Ney gieng über die Brücke, die man Durlach gegenüber geschlagen hatte, und zog nach Stuttgardt.
Marschall Davoust gieng bey Mannheim über den Rhein, und marschirte durch Heidelberg nach Nekarelz. Marschall Bernadotte hatte sein Hauptquartier in Hammelburg.
Der Vortrab des Marschall Marmont rückte in der Gegend von Aschaffenburg ein.
Der französische Kaiser kam in Straßburg an.
Das Hauptquartier der österreichischen Armee war damals in Mindelheim, die Vorposten streiften gegen den Schwarzwald, und die Badenschen Gränzen.

28.

Campirte Marschall Bernadotte bey Würzburg mit 40000 Mann, wo er Verstärkung erwartete.
Das Hauptquartier der französischen großen Armee war in Durlach.
Zwey österreichische Regimenter, eines über Waldmünchen aus Böhmen, und das andere von Eichstädt, kamen in Amberg an.

29.

Marschall Ney kam mit seinem Korps in Pforzheim an und am

30.

In und bey Stuttgard, Marschall Davoust aber am 29. schon bey Heilbron.
Das gallobatavische Armeekorps marschirte durch Würzburg, und zog sich am linken Maynufer aufwärts.
Das baierische Armeekorps, 6 Brigaden stark, nahm eine Stellung zwischen Vorchheim und Bamberg. 1. Okt.

1. Okt.

Gieng der französische Kaiser bey Kehl über den Rhein, übernachtete zu Ettlingen und langte am

2.

Am würtembergischen Hofe zu Ludwigsburg an. Marschall Davoust rückte von Nekarelz über Seislingen nach Donauwörth vor.
Marschall Soult von Heilbron über Abtsgmünd nach Aalen und Nördlingen.
Marschall Ney [xxx] von Stuttgardt über Göppingen, Heidenheim und Nattheim.
Marschall Lannes von Ludwigsburg auf der Strasse von Beutelhausen, groß Pladerhausen, Gemünd, ebenfalls nach der Gegend von Aalen und Nördlingen.

am 3. Okt.

befand sich das Hauptquartier der französischen großen Armee zu Pforzheim.
Die österreichischen Streifkommando, welche sich in dieser Gegend aufhielten, zogen sich nach Wayhingen zurück.

4.

Das Hauptquartier des Erzherzogs Ferdinands war in Mindelheim.

5.

Das baierische Armeekorps kampirte auf der Fürter Haide bey Nürnberg.
General Sibein wurde mit einer Brigade nach Nürnberg detaschirt, um die Erfüllung der Requisitionen zu betreiben.
Die Brücke bey Günzburg über die Donau wurde indessen durch die Oesterreicher abgetragen.

6.

Hatte die französische Armee folgende Stellung: die Armeekorps des Marschall Bernadotte, und der Baiern stunden bey Weissenburg, wo sie sich vereinigten, und gegen Eichstädt marschirten.
General Marmont bey Wassertruding.
Marschall Davoust bey Oettingen, links und rechts der Wernitz.
Marschall Soult bey Donauwörth.
Marschall Ney [xxx] bey Katzenstein.
Marschall Lannes bey Neresheim, und
Prinz Mürat mit seinen Dragonern an der Donau, vermuthlich bey Lauingen und Gundelfingen.
Von der österreichischen Armee sind indessen einige Abtheilungen bis an die Pässe des Schwarzwaldes vorgedrungen, so wie General Kienmayr sich gegen Neuburg zurück zog, um das Bernadottische Armeekorps zu beobachten.
Die zweyte Division des Korps des Marschall Soult kam Abends 8 Uhr noch in Donauwörth an, und bemächtigte sich sogleich der Donaubrücke, welche Morgens schon von den Oesterreichern abgetragen, und damals von dem Regiment Colloredo vertheidiget wurde.

am 7. Okt.

Mit Tages Anbruch wurde die Brücke bey Donauwörth wiederum hergestellt. Prinz Mürat kam an den Lech mit der Dragonerdivision des General Walther, bemächtigte sich der Brücke bey Rhain, und warf den zweymal stärkern Feind zurück.
Abends war Prinz Mürat in Rhain.
Marschall Soult manövrirte den ganzen Tag am linken Donauufer. Am

8.

Setzte sich Prinz Mürat mit mehreren Divisionen Dragonern, Carabiniers und Cuirassiers in Marsch, und zog gegen Wertingen.
Daselbst stand der österreichische Feldm. Lieut. von Auffenberg mit 9 Bataillons, und 4 Eskadrons, um das bey Donauwörth über die Donau gegangene französische Korps zu beobachten. Prinz Mürat suchte dieses zu umzingeln, und da mitlerweile auch Marschall Lannes mit der Division Oudinot nachkam, so wurde diese ganz österreichische Division gefangen. Es fiel daher in einem zweystündigen Gefecht Fahnen, Kanonen, Bagage, Offiziers, kurz die ganze Division in französische Hände. Darunter sollen hauptsächlich jene Grenadier-Bataillons gewesen seyn, welche in größter Eile aus Tyrol der Armee in Baiern zu Hilfe kamen.
Marschall Soult gieng indessen mit 2 Divisionen bey Rhain über den Lech, und nahm seine Richtung nach Augsburg, während auch der General Hilaire auf dem linken Lechufer sich dahin begab.
Marschall Davoust kam zu Neuburg an.
Marschall Bernadotte mit dem gallobatavischen und baierischen Korps in und bey Eichstädt.
Der österreichische General Kienmayer aber zog sich nach einem kleinen Gefecht bey Aichach, nach München zurück.

9.

Marschall Soult kam Mittags mit den Divisionen Vandamme, St. Hilaire, und Legrand in Augsburg an.
Marschall Davoust, der bey Neuburg die Donau passirte, mit seinen Dragonern zu Aichach und
General Marmont mit 2 französischen und einer batavischen Division nahm eine Stellung zwischen Aichach und Augsburg.
Marschall Bernadotte stund zwischen Eichstädt und Ingolstadt, das Hauptquartier desselben war in Ingolstadt -- jenes des General-Lieut. Deroy in Feldkirchen.
Treffen bey Günzburg.
Die Oesterreicher bezogen daselbst ein Lager, der rechte Flügel lehnte sich an Limpach, der linke an Reidersburg, die Brücke bey Leipheim war besetzt. General d'Aspre stund mit einem fliegenden Korps am linken Donauufer. Von dem Marschall Ney [xxx] angegriffen, mußte er sich zurückziehen. Es entstund ein heftiges Gefecht bey der Brücke; und nach wiederholten Angriffen erst, wurden die Franzosen Meister derselben, und drangen in Günzburg ein, die Oesterreicher aber retirirten nach Ulm. Nach Angabe der Sieger hätten die Oesterreicher mehr als 2500 Mann verloren, 1200 wurden zu Gefangenen gemacht, und 6 Kanonen erbeutet.
Der Verlust der Franzosen soll 400 Todte und Verwundete gewesen seyn. Gen. d'Aspre war gefangen, und der franz. Oberst Lacue todt.
In der folgenden Nacht kam Prinz Mürat nach Burgau.
Marschall Lannes stund bey Zusmarshausen.

am 10. Okt.

Kam der französische Kaiser in Augsburg an.
Marschall Bernadotte gieng zu Ingolstadt über die Donau, die Armee marschirte noch Pfaffenhofen, allwo es zwischen dort und dem Dörfchen Reisgang kampirte.

11.

Die Division Dupont, unter dem Marschall Ney [xxx] grief den rechten Flügel der österreichischen Armee von Albeck her an, mußte sich aber nach einem Gefechte wiederum zurückziehen. Der Verlust von beyden Seiten war sehr zweydeutig angegeben.
Das österreichische Kürassierregiment Prinz Ferdinand wurde von dem Marschall Soult, welcher eben in Begriff war gegen Landsberg vorzurücken, überfallen. Sie verloren 7 Offiziere, und 8 Gemeine, die übrigen hieben sich durch.
Marschall Davoust rückte bis Dachau vor, seine Vorposten stunden bey Moßach.
Marschall Bernadotte marschirte von Pfaffenhofen gegen München, so daß dessen Avantgarde unter General von Wrede am Abend 2 Stunde von München stund.
Der österreichische General Kienmayer hingegen bivouaquirte vor München am Schleißheimer Kanal, und dem Galgenberg, brach aber Abends 6 Uhr noch auf, und zog sich durch die Stadt über die Isar zurück.
Der Zug dauerte die halbe Nacht. Es war eine fürchterliche Witterung. Schuhtiefer Morast, regen und Kälte verschlimmerte alles vor den Soldaten.

Combat de Landsberg 11 Oct. 1805.


12.

Früh 7 Uhr sprengten einzelne französische Chasseurs und baierische Cheveauxlegers, auch der französische Oberstlieutenant Ameil mit 20 - 30 Mann durch die Stadt München, über die Isar der österreichische Armee, unter General Kienmayr nach. Um 8 Uhr kam die Avantgarde der Bernadott'schen Armee unter dem baierischen General-Lieutenant Baron v. Wrede, welcher sich aber nicht lange aufhielt, sondern der österreichische Armee nacheilte. Bald darauf kam das Hauptkorps nebst dem Marschall Bernadotte selbst. Der Zug von Infanterie, Kavallerie, Artillerie, sowohl Franzosen als Baiern, dauerte den ganzen Tag hindurch. Ein Theil davon wurde in der Stadt einquartiert, viele aber mußten noch vorwärts marschiren, um Posto zu nehmen. Es wurden bey 1500 Gefangene eingebracht; die Witterung war eine der schlimmsten. Menschen und Pferde waren dem größten Ungemach ausgesetzt. Das baierische Leibregiment und Kurprinz marschirten nach Wolfrathshausen und Tölz um die Bewegungen in Tyrol zu beobachten.

Am 13. Okt.

Marschall Soult rückte indessen von Landsberg gegen Memmingen vor, und griff mit Marschall Lannes, Marschall Ney [xxx], und General Marmont die österreichische Armee bey Ulm auf allen Seiten an, worauf letztere gezwungen war sich nach Ulm zurückzuziehen.
Marschall Soult kam in der Nacht bey Memmingen an, und ließ dasselbe ganz umringen.

14.

Die Besatzung von Memmingen kapitulirte. General Vandamme hat sie Stadt berennt und beschossen. 11 Bataillons, 1 General Major, 3 Obersten wurden Kriegsgefangen, und 8 Kanonen erbeutet.
Marschall Ney [xxx] bemächtigte sich der Stellung bey Elchingen, der rechte Flügel der österreichische Armee wurde geschlagen, 20 Bataillons warfen sich nach Ulm.
Zu gleicher Zeit wurden die Feldschanzen am Galgen- Michaels- und Küheberg mit Sturm erobert.
Der französische Kaiser nahm sein Hauptquartier in Elchingen.
Der Erzherzog Ferdinand überzeugt, ganz eingeschlossen, und endlich gefangen zu werden, verließ mit einer Begleitung von Cavallerie Ulm, und flüchtete sich über Gmünd nach Bopfingen, und General Wolfskehl zog sich mit einem österreichischen Korps nach Biberach zurück.

15.

Die Korps des Prinzen Mürat, Lannes und Ney [xxx] rückten gegen die österreichischen Stellungen um Ulm, erstürmten die Schanzungen auf dem Michaelsberg und bey der Ziegelhütte, drängten sich bis an die Wälle vor, und schlossen die Stadt gänzlich ein.
General Mack verboth das Wort Uebergabe hören zu lassen, und erklärte, daß bey steigendem Mangel an Lebensmitteln 3000 Pferde geschlachtet werden könnten.
Er erwartete die Ankunft der russische Armee, und zweifelte nicht, daß die Stadt und dessen Besatzung in einigen tagen entsetzt worden würde, indem die Witterung zu lästig sey, werde sich auch der Feind in die Länge nicht mehr halten können.
Indessen rückten die Vorposten des Bernadott'schen Armeekorps bereits in Haag und Wasserburg ein.

Am 16. Okt.

Der österreichische Gen. F. M. L. v. Kienmayr vereinigte sich mit der 54000 Mann starken russischen Armee unter dem General Kutusow, bey Braunau, welche bereits daselbst angekommen war.
Ein Theil des französischen Armeekorps bey Memmingen rückte gegen Biberach vor.
Die Franzosen bombardirten Ulm, und unternahmen einen Sturm auf das Frauenthor, der aber abgeschlagen wurde.
Zu gleicher Zeit wurde das Werneckische Korps, welche auf die Strassen von Heidenheim nach Aalen detaschirt war, von dem französischen General Klein angegriffen; erstere verlohren viele Todte, und noch mehr Gefangene. unter den Todten war |Gen. Maj. Odonel. Prinz Mürat manövrirte mit seinem rechten Flügel auf Heidenheim, Marschall Lannes über Aalen und Nördlingen, und es kam hierauf

17.

Bey Neresheim zu einem neuen Angriffe, bey welchem die Brigade des Gen. Maj. von Zinzendorf gefangen wurde.
Am nemlichen Tage kapitulirte die Besatzung von Ulm.
Die ganze Besatzung war Kriegsgefangen, die Offiziers aber giengen auf ihr Ehrenwort nach Oesterreich zurück, 27000 Mann, worunter 18 Generäle, 3000 Pferde, 40 Fahnen, und 60 Kanonen, fielen den Siegern in die Hände.
Die Oesterreicher, welche bey Kempten stunden, hatten sich nach Füssen, Immenstadt und Bregenz gezogen.

18.

Mittags rückten französische Truppen in Ulm ein, und besetzten einige Thore, auch mit den österreichern gemeinschaftlich die Hauptwache. Abends kam Marschall Ney [xxx] dahin.
F. M. L. v. Werneck kapitulirte zu Trochtfingen. Die Convention wurde mit dem General Belliard abgeschlossen, die Offiziers blieben Kriegsgefangen auf ihr Ehrenwort, die Gemeinen wurden nach Frankreich transportirt. Da sich die Kavallerie dieses Korps früher entfernt hatte, so konnte die Convention nur in Ansehung des Restes der Infanterie vollzogen werden. Die gefangenen Generäle waren Werneck, Baillet, Latour, Hohenfeld, Sinzendorf und Weber.
General Fauconnet eroberte die aus 500 Wägen bestandene österreichische Haupt-Reserve.
Vermög einer zu Bopfingen, mit dem Major Lokatelli abgeschlossenen Kapitulation, giengen die Offizieren der Eskorte dieser Reserve, gleich den übrigen Offizieren auf Ehrenwort nach Oesterreich, die Gemeinen aber wurden nach Frankreich geführt.
Unterdessen kam Erzherzog Ferdinand mit den Trümmern seiner Armee in Gunzenhausen an.

Am 19. Okt.

Von Ingolstadt aus wurde ein Infanterieregiment mit 6 Kanonen nach Eichstädt detaschiert, um den Marsch der nach Böhmen flüchtenden Oesterreicher zu beobachten. Es kam auch zu einer Aktion, wobey den Oesterreichern die Kanonen und Munitionswägen abgenommen wurden.
Von den auf den Anhöhen bey Ulm gestandenen französischen Truppen gieng ein Theil bey Elchingen über die Brücke, und marschirte Augsburg zu.

20.

Ausmarsch und Waffenauslieferung der zu Ulm gefangenen östreich Armee.

Die 27000 Mann starke Besatzung von Ulm übergab Abends ihre Fahnen, Kanonen, und Waffen. Die französische Armee, ohngefähr 30000 Mann stark, stellte sich außerhalb Ulm in zwey Linien auf, worauf der französische Kaiser, in Begleitung vieler Generäle, selbst erschien. Die österreichische Besatzung defilirte dann mit klingendem Spiele durch selbe, erhielt auch von den Franzosen die Honneurs, so wie sie aber vorbey waren, machten sie eine Schwenkung, und übergaben an die dazu bestimmten französischen Offiziers ihre Fahnen, Waffen, Kanonen, Pferde, Kurz alles, was zur Bewaffnung einer Armee gehörte, worauf jedes Korps einzeln nach Ulm zurück zog.

21.

Treffen zwischen Fürth und Nürnberg.
Erzherzog Ferdinand wurde mit dem Rest seiner Armee durch Prinz Mürat, welcher selben nacheilte, bey Fürth eingeholt und überfallen. Die Franzosen erbeuteten 50 Kanonen, 500 Wägen, und machten 1500 Mann Gefangenen. Der Erzherzog aber hatte sich noch gerettet.
Die Division des Marschall Soult rückte in Augsburg ein. Abends 10 Uhr kam auch der französische Kaiser, welcher während dieser Zeit sein Hauptquartier zu Elchingen hatte, daselbst an.

Am 22.

Die würtembergische Division unter dem G. L. v. Seger, marschirte von Stuttgard aus, um sich an die französische Armee anzuschliessen.

23.

Erzherzog Ferdinand kam in Eger an, und übergab das Kommando dem Gen. F. M. v. Collowrath, weil er sogleich nach Wien abreißte. Selber gieng über Baireuth, die Manschaft aber zum Theil über Amberg.
Die vorhin weggeführten Kanonen wurden nun wiederum zurückgebracht, auch das Festungskommando, das Platzpersonal xc. kamen wiederum zurück.
Bey Vilshofen an der Donau stunden österreichische Truppen. In Passau befand sich ein Bataillon derselben.
Die Festung Oberhaus, welche mit einem Hauptmann, 4 Offiziers und 100 Invaliden, nebst 30 Mann vom Linien Inf. Regim. Herzog Pius, besetzt war, wurde zur Uebergabe aufgefordert, welche sich aber unter keiner Bedingung ergeben wollte.

24.

Brachen alle französisch-kaiserliche Garden zu Pferd, nebst dem Mamelucken-Korps auf, und marschirten nach München. Mittags folgten ihnen die Garden zu Fuß, mit den eroberten Fahnen; Morgens 9 Uhr war großer Kriegsrath, worauf der franz. Kaiser Nachmittags 1 Uhr nach München abreiste, allwo selber Abends halb 8 Uhr ankam, und in der königlichen Residenz abstieg.

25.

Die Festung Oberhaus bey Passau, wurde von den Oesterreichern beschossen, und von den Belagerten auch beantwortet; endlich aber mit stürmender Hand eingenommen. Die alten Invaliden wurden nach Passau und von da nach Oesterreich, und endlich nach Ungarn gebracht.

26.

Die österreichischen Truppen zogen sich von Passau zurück, und verließen auch die Tags vorher mit Sturm eingenommene Festung Oberhaus.
Marschall Davoust zog von Freysing ab, und nahm seine Richtung gegen Mühldorf.
Die baierischen Regimenter Leibregiment, und Kurprinz sind von Tölz aufgebrochen, und spät Abends noch in Aibling eingerückt. Kurprinz besetzte die Mangfalbrücke mit Piket, die Vorposten aber kamen am nämlichen Tag noch bey Rosenheim an.
Die Brücken in Neuötting und Mühldorf wurden von den Oesterreichern mit Kanonen gesprengt.
Marschall Augereau kam mit einem 10000 Mann starken Armeekorps zu Freyburg im Breisgau an.

Am 27.

Obgenannte zwey Regimenter marschirten nach Rosenheim. Indessen kam es zwischen den österreichischen Schützen, welche ohngefähr 300 Mann stark waren, und sich nach abgeworfener Brücke, und zusammgehauenen mittleren zwey Jochen am jenseitigen Innufer postirt hatten, und den baierischen Vorposten zum Feuern, wobey letztere nur 32 Mann stark, weichen mußten.
Gegen 9 Uhr rückten zwey Compagnien mit einer Kanone vor, und der Angriff wurde erneuert, die beyden Herrn Offiziere: Oberlieutenant von Grafenstein, welcher die Schützen, und Herr Lieutenant von Hofstetten, der die Kanonen kommandirte, wetteiferten, um ja bald den Uebergang über den Inn zu bewirken.
Jeder Kanonenschuß traf so pünktlich, daß die feindlichen Schützen, welche aus den am jenseitigen Ufer stehenden Häusern feuerten, selbe verlassen, und sich zurückziehen mußten. Herr Oberlieutenant von Grafenstein schiffte indessen mit einigen Schützen über den Inn, und war der erste auf einem Posten, den die baierischen Truppen nach einem zweystündigen Gefechte erobert hatten. Gegen 3 Uhr Abends rückte die Brigade in Rosenheim ein, und nun wurde eiligst an Herstellung der Brücke gearbeitet.
Marschall Davoust kam in Mühldorf an. Die Brücke war zerstört, und man hatte Mühe selbe herzustellen. Die Oesterreicher vertheidigten das rechte Innufer.
Das Bernadott'sche Armeekorps kam zu Wasserburg und Altenmarkt an, wo jeden Orts die Brücken zerstört waren.
Marschall Ney [xxx] zog sich von Ulm nach Landsberg, und es schien, selber wolle eine Richtung nach dem Tyrol nehmen.
Das österreichische Korps des Grafen v. Wolfskehl, welches sich nach der Schlacht bey Ulm nach Biberach und dann nach Bregenz begab, rückte nun wieder zwischen der Iller, und dem Bodensee vor, und breitete sich bis Stockach, Ravenspurg und Leutkirch aus.

Am 28. Okt.

Nachdem die Brücken bey Wasserburg und Altenmarkt schleunigst hergestellt waren, rückte das Bernadott'sche Armeekorps gegen Salzburg vor.
Mittags schon war ein großer Theil des Korps des Marschall Davoust bey Mühldorf über den Inn, und drang den nämlichen Tag noch bis Burghausen vor.
Prinz Mürat ließ die Brücken in Oettingen und Markl herrichten, und passirte mit einem Theile seiner Reserve über den Inn.
Das Korps des Marschall Soult bivouaquirte vorwärts Haag.
General Marmont bey Vilsbiburg,
Marschall Ney [xxx] zu Landsberg, und
Ein Theil des französische Hauptquartiers in München, rückte nach Ebersperg vor.
Der Kaiser selbst gieng nach Haag, und am

29.

Nach Mühldorf.
Marschall Lannes kam vor Braunau an, allwo die Brücke abgetragen war. 60 Mann wurden übergeschifft, und die Oesterreicher verließen die Festung.
Prinz Mürat, welcher bereits den Inn passirt hatte, traf den Nachtrab der Oesterreicher an *), auf der Straße von Mehrenbach. Sie waren 6000 Mann stark, auf den Anhöhen von Ried wurden diese zerstreut, und die Vorposten des Prinz Mürats nahmen Position von Oesterreichisch-Haag.
*) Dieß war vermuthlich die Division des Gr. Schusteck, welcher nach Salzburg vorrücken wollte, zu dessen Deckung Gen. Kienmayr mit einem Grenadier- und einem Chevauxlegers-Regiment über Gmünden] nach Steinerkirchen, und Fürst Hohenlohe mit seiner Division über den Traunfall nach Kremsmünster abgeschickt wurden. Gr. Schusteck wurde gemäß Wiener Nachrichten bis österreichisch-Haag zurückgedrängt.

30.

Passau war nun von französischen Truppen besetzt, und der ganze Innstrom von der österreichischen Armee verlassen. An zwey Orten fanden die Franzosen keine Truppen, und am dritten keinen Widerstand.
Das Korps des Marschall Bernadotte, nebst einigen baierischen Brigaden marschirten in Salzburg ein. Ein Theil derselben zog gegen Hallein, der andere nach Neumarkt und Straßwalchen, ein dritter blieb in Salzburg.
Marschall Bernadotte kam zu Mittag daselbst an. Es wurden dann noch 4 bis 5 Stunden über die Stadt vorwärts gemacht. Die österreichische Besatzung daselbst etwa 6000 Mann stark, retirirte sich nach Kärnthen, und setzte sich hinter den Paß Lueg in der Gebirgsenge von Golling. Der französische General Werle, welcher nach Radstadt detaschirt war, griff selbe an, verjagte sie aus der Verschanzung, und machte 600 Gefangene.
Der französische Kaiser kam nach Braunau.

Am. 31. Okt.

Der baierische Oberst Graf v. Pompeji, rückte mit einer Division vom Leibregiment und Kronprinz in Reichenhall ein.
Gen. Schusteck wurde mit drey Divisionen zu Oesterreichisch Haag mehrmal angegriffen. Zwischen diesem Haag und Lambach stunden zwey russische Bataillons, und zwey andere waren zur Verstärkung beordert; allein sie wurden bis Lambach zurückgedrängt.
Bey diesem Vorfalle wurden in Lambach beträchtliche Salzmagazine erobert.
Diese 4 Bataillons sammt den Oesterreichern zogen sich über die Traun nach Wels zurück, und brannten die Brücke ab.
Marschall Ney [xxx] marschirte von Landsberg in zwey Kolonnen gegen die Scharnitz.

Am 1. Nov.

Gegenwärtig war das Hauptquartier des französischen Kaisers zu Ried im Innviertel.
Marschall Bernadotte in Salzburg,
Prinz Mürat und Marschall Davoust zu Lambach,
Marschall Soult vor Wels,
Marschall Lannes vor Linz,
Marschall Mortier zu Passau,
Baraguay d'Hilliers zwischen Regensburg und Straubing,
Marschall Ney [xxx] an der nördlichen Gränze des Tyrols zwischen Landsberg und der Isar, und
Marschall Augereau zwischen dem Bodensee und Freyburg.
Das russische 54000 Mann starke Armeekorps unter dem Gen. Kutusow stand hinter der Traun. Mit ihm hatte sich das österreichische Korps, das ehevor Kienmayr, und dann Meerfeld kommandirte, und durch 6 Cavallerie und 2 Infanterie-Regimenter aus den Erblanden verstärkt worden war, vereinigt. Es stund zwischen Kremsmünster und den Traunsee. Der General F. M. L. v. Jellachich stund mit 8000 Mann am Bodensee, im Vorarlbergischen, und der Erzherzog Johann behauptete noch das Tyrol. -- In Böhmen sammelte der Erzherzog Ferdinand die Reste seiner Armee.
Der französische General Michau rückte mit der Reserve-Kavallerie des Prinz Mürat in Linz ein.
General Walter besetzte Wels,
General Marmont war auf den Marsch um die Position an der Ens zu tourniren.

Die tapfern Baiern erobern den Pass Lofer.

Die Baiern nahmen die Pässe Melleck und Kniepaß mit Sturm ein, (diese Pässe führen von Reichenhall ins Tyrol). Sie waren nur 5 Kompagnien, und eine Abtheilung von Dragonern stark, von Hrn. Obersten Gr. v. Pompeji, kommandirt. Sie machten 250 Gefangene und eroberten zwey Kanonen. Beyde Theile hatten mehrere Todte. Der baierische Verlust an Todten war nur 10 Mann. Die Oesterreicher und die sie unterstützenden Schützen setzten sich am Fort des Steinpasses neuerdings, und es kostete den Baiern die größte Anstrengung sich dieses Platzes zu bemächtigen. Als nun eine über Fronau gesandte baierische Kompagnie bey dem Bodenbichel, und der Major v. Maillot über Jettenberg am Steinthal herausbrachen, und die dort gestandenen feindlichen Pikete über die Salach geworfen waren, nahm der Feind die Retirade über Lofer nach dem Passe Strub. Das nachgerückte Bataillon Metzen übernahm nun die Vorposten in Lofer, und Oberst Pompeji wurde nach Ankunft der beyden Brigaden Minutzi und Marsigli nach Reichenhall zurückbeordert. Bey dieser Expedition wurden 284 Oesterreicher und einige Tyrolerschützen gefangen genommen, und zwey Kanonen, zwey Munitions- nebst den Armaturwägen erbeutet, 27 Mann von den baiern waren blessiert, und 6 blieben todt, worunter sich auch Lieut. Grünstein vom Leibregiment befand, welcher bald nach dieser Affaire an seinen Wunden starb.
Die österreichische Division Hohenlohe rückte nach Steyer vor, die des General Mondes in die Gegend von Kremsmünster, die Vorposten des Gen. Novitz, an der Traun bis Ebersberg und Wels -- Baron Schusteck zwischen Wels und Traunfall, und Oberst Mesky zwischen Traunfall und dem Traunsee.
Marschall Ney [xxx] mit ohngefähr 13000 Mann kam vor Mittenwald an, wo das österreichische Piquet gefangen wurde.
Die zweyte Division des Augerauischen Armeekorps rückte von Heitersheim und dem obern Breißgau gegen Freyburg vor.

Am 3. Nov.

General Deroy wird bey dem Angriff auf den Tirolerpass Strub verwundet.

Wurde der salzburgische Strubpaß gestürmet und genommen, und denselben Abend am tyrolischen Strubpaß der General Deroy blessirt.
Wurde der Sturm fortgesetzt. Diese Aktion war äußerst hitzig; die Baiern erkletterten verschiedene Anhöhen, warfen die zerstreutversteckten Tyrolerschützen bey den Füssen über die Felsen hinunter, erschossen, und verwundeten von oben herab eine Menge Oesterreicher und Tyrolerschützen im Fort, und würden auch den zweyten (Tyroler) Strubpaß behauptet haben, wenn nicht den 3. Nov. Vormittags der ausdrückliche Befehl des Marschall Bernadotte angekommen wäre, die Attaque auf dieser Stelle nicht mehr fortzusetzen, sondern nur diese Route zu beobachten, und zu allarmiren, die Hauptattaque auf Kufstein aber über Marquartstein zu machen.
Zu dieser Expedition wurde sonach die bisher unter dem Kommando des Generalmajors Graf v. Marsigli gestandene Brigade, unter Anführung des Gen. Maj Graf v. Mezzanelli detaschirt.
General v. Minucci übernahm das Korpskommando nach der Verwundung des Generallieutenant v. Deroy. Oberst Graf v. Pompeji blieb in der Stellung von Melleck und den Pässen, die übrigen Truppen marschirten nach Salzburg zurück.
Die Baiern bezeigten bey dieser Gelegenheit den höchsten Grad von Muth. Sie überwältigten alle gemauerten Forts, und verloren bey Eroberung dieser Pässe an Todten und Blessirten 13 Offiziers und ungefähr 400 Gemeine.
Nachdem die Avantgarde des Prinz Mürat bey Ebersberg über die Traun gesetzt hatte, stieß die Brigade des Gen. Millot auf die Oesterreicher, schlug sie, und machte 2000 Gefangene, worunter sich 50 Russen befanden.
Kaiser Napoleon hatte sein Hauptquartier in Lambach.
Marschall Lannes rückte vollends in Linz ein.
Marschall Davoust schickte seine Vorposten bis Steyer. Der Feind machte Miene sich vertheidigen zu wollen, und wurden selben 200 Mann zu Gefangenen gemacht, und die Stadt besetzt.
Marschall Bernadotte, und mit ihm Gen. Lieut. v. Wrede mit 2 Brigaden baierischer Truppen marschirten aus dem Salzburgischen ab, und nahm seine Richtung auf der Strasse gegen Oesterreich, nämlich über Vöglabruck, Kremsmünster, Steyer, Waidhofen, St. Pölten bis Mautern, wo sie über eine neu geschlagene Schiffbrücke die Donau passirten, und dann über Znaim, Mährisch Budwitz, Iglau, bey Deutschbrod ankammen. Die baierische Brigade unter General Graf Minucci rückte in Salzburg ein.
Bey Regensburg kamen 5500 Franzosen von Ingolstadt an, vermuthlich war es Gen. Baraguai d'Hillier.

4. Nov.

Prinz Mürat gieng über die Ens.
Der österreichische Rittmeister Scheibler überfiel in der Nacht die Linz gegenüber stationirten Franzosen, zwey Offizier und 30 Gemeine wurden von letztern getödtet, und zwey Kommissärs, 3 Offiziers 46 Gemeine, und 28 Pferde gefangen. Er wurde dafür zum Major gemacht.
Wurde der zwey Stunde von Mittenwald entfernte österreichische Paß Scharnitz von den Franzosen von vorne attaquirt; während dem eine andere Kolonne unter Sr. Loitach vordrang. Nach 5 Stunden kapitulirte die Besatzung dieser Schanze, und die Franzosen etwa 2500 Mann stark, marschirten sogleich nach Seefeld, um der Feste Scharnitz in den Rücken zu kommen.
Dieser Besatzung hielt sich den ganzen Tag, und schlug einen Sturm ab. Durch die von den Tyrolern herabgewälzten Steine verloren die Franzosen viele Leute.

5.

Morgens 3 Uhr drangen die Franzosen wiederum gegen die Feste Scharnitz vor, fanden selbe aber von ihrer Besatzung verlassen, welche sich gegen Seefeld zurückzog. Da selbe nun auf die daselbst gestandenen Franzosen stießen, so kam es zu einem Gefechte. Die Oesterreicher wurden gefangen, und 12 Kanonen erbeutet. Indessen ist auch das ganze Armeekorps des M. Ney nachgekommen, welches am nämlichen Tage noch unter beständigem Scharmuziren in Innsbruck ankam; ein Theil dieses Korps marschirte an dem Inn abwärts, um der Festung Kufstein in den Rücken zu kommen, ein zweytes rückte gegen Botzen, dem sogenannten Brennerberge zu, um das daselbst verschanzte osterreichische Korps von der Armee des Erzherzogs Karl, welches die Retirade dieser Armee nach dem Pusterthale decken mußte, zu beunruhigen, und ein dritter blieb in Innsbruck und selbiger Gegend.
Der Ueberfall der Franzosen in Innsbruck war so unerwartet, daß der ganze Münzschatz, nebst den Geldkassen (welche zwar auf der Flucht waren) in französische Hände fiel. Auch wurde der vorhanden große Salzvorrath in Beschlag genommen.
Die Russen hatten eine Stellung auf den Anhöhen von Amstetten. Prinz Mürat griff sie an, und trotz dem hartnäckigen Widerstande, den selbe leisteten, wurden sie doch zurückgeworfen. Selbe hinterließen 400 Todte, und 1500 Gefangene, und zogen sich über Kemlbach nach Mölk zurück. Prinz Mürat verfolgte sie bis dahin.
Marschall Mortier manövrirte auf dem linken Donauufer. Es wurde bis an die böhmische Gränze rekognoszirt.
In Freystadt und Matthausen wurden beträchtliche Magazine erobert.

Am 6. Nov.

General Ney [xxx] rückte in Innsbruck ein.
Marschall Augereau rückte von Freyburg gegen den Bodensee vor, dessen Korps reichte an der Donau bis Geisingen und Imerdingen, und im Hegau bis Engen in der Richtung gegen den Bodensee. Dieses Korps bestand größtentheils aus Infanterie, jedoch hatte selbes eine starke Artillerie.
Marschall Ney [xxx] gieng nach Donaueschingen.
Die Div. des F. G. Baraguai d'Hillier marschirte von Straubing über Viechtach, Kötzting und Furt, mit der Artillerie aber über Kamm, um das schon lang um und in Waldmünchen gestandene österreichische Detachement, welches aus dem Infanterie-Regiment Gemmingen, Hohenlohe Dragoner, und eine Abtheilung Uhlanen bestand, und bis Stadtamhof Streifpatrouillen machte, zu überfallen. Dieses aber, davon benachrichtet, säumte nicht, trotz ihrer so theuer angelegten Verschanzungen, diesen Posten zu verlassen, und retirirte sich nach Böhmen. Die Franzosen verfolgten es bis Pilsen. Zu Dausen wurde ein Offizier und 12 Gemeine von den Oesterreichern zu Gefangenen gemacht, und ein ansehnliches Magazin erobert.

7.

Durch die klugen und ernstlichen Maaßregeln, welche der baierische Obristlieutenant von Zollern und v. Jordan bey Ober- und Unter-Audorf, dann bey Müllbach und Fischbach getroffen haben, hat das Landgericht Kufstein und die untere Festung daselbst in ihre Hände kapitulirt.
Der französische Divisionsgeneral der Artillerie Francois Faultrier starb zu Nördlingen nicht ganz 40 Jahre alt, er war einer der geschicktesten Generäle in seinem Fache, ein auch sonst sehr gelehrter Mann und Napoleons Waffengenoß in Egypten.


Das Korps des Marschall Davoust breitete sich von Lohstein über Waidhofen, Mariazell und Lilienfeld aus, der linke Flügel der österreichischen Armee wurde dadurch außer Fassung gebracht.
General Heudelet, Kommandant der Avantgarde von M. Davoust, griff das Merfeldische Korps bey Mariazell an, verfolgte selbes 5 Stunden lang, eroberte 3 Fahnen und 16 Kanonen, und machte 4000 Gefangene, worunter zwey Obersten, und fünf Majors sich befanden. Die entkommenen Oesterreicher schlugen den Weg über eine große Fahrstrasse nach Wien ein, hauptsächlich nach Wienerisch-Neustadt, um Wien zu decken.

8. Nov.

Das Hauptquartier des Prinz Mürat war in Mölk, und seine Vorposten bereits über St. Pölten hinaus.
Marschall Marmont ist nach Leoben aufgebrochen, zu Weyer kam es zu einem Gefecht, wobey die Franzosen siegten.
Alle Kolonnen der großen Armee waren an diesem Tag in Bewegung.
Der Hof zu Wien zog nach Olmütz.
Prinz Rohan, welcher mit seinem Korps den Paß bey Reuti, und der berühmten Ehrenberger Klause vertheidigen sollte, zog sich auf die Nachricht von der Ankunft der Franzosen in Innspruck, eiligst, und durch die unwegsamsten Wege nach dem Passe Finstermünz an der graubündter Gränze zurück.

9.

Napoleons Hauptquartier war zu Mölk, Prinz Mürat zu St. Pölten, die Brigade des Gen. Sebastiani rückte gegen Wien vor.
Die russische Armee, welche bey Stein über die Donau gieng, bewegte sich auf der linken Seite der Donau gegen Krems. Sie mag wohl befürchtet haben, daß Marschall Mortier, der ebenfalls auf dem linken Donauufer vordrang, ihr den Rückzug nach Mähren abschneiden möchte.
Marschall Augereau nahm sein Hauptquartier zu Stockach, sein Korps aber stand zwischen Mößkirch und den Bodensee.

10.

Die Festung Kufstein kapitulirte. Die Garnison erhielt freyen Abzug. Die Kapitulation ward von baierischer Seite von dem Gen. Mezzanelli, Oberst Bieringer und dem Artillerie-Hauptmann Witzigmann, dann den dabey anwesenden Adjutanten des Marsch. Bernadotte dem Chef d'Eskadron Chalappin; von Seite der Oesterreichs aber, von dem Major Grafen von Kinsky und dem Kommandanten, Major Uihazi, unterzeichnet.
Das österreichische Korps unter General Hiller 15000 Mann stark kam nach Brixen. So wie sich die italienische Armee des Erzherzog Karl zurückzog, eben so retirirte dieses Korps von Trient nach Brixen, ohne von den Franzosen verfolgt zu werden. Erzherzog Johann hielt sich indessen so lang auf dem Brennerberg, bis das Hillerische Korps das Pusterthal erreicht hatte, worauf er ebenfalls abzog. Er stund bereits bis Schönberg hinunter.
Die russische Armee unter Kutusow und Meerfeld soll bey Krems über die Donau gegangen seyn, um sich mit dem Erzherzog Ferdinand und Gen. Buxhöfden zu vereinigen.

11. Nov.

Treffen bey Dürnstein.
Marschall Mortier, in der Meynung, die russische Ariergarde anzugreifen, stieß mit 4000 Mann auf ein Heer von 25 bis 30000 Feinden. Das Treffen dauerte von 6 Uhr Morgens, bis 4 Uhr Nachmittags. Dieser Tag war ein Tag der Massakre. Hügel von Leichen bedeckten das enge Schlachtfeld. Die Russen hatten 3 bis 4000 Todte, und verlohren mehrere Fahnen und Kanonen, und 1300 Gefangene. Unter den Todten war der österreichische Gen. Schmidt. Die Russen verließen am andern Tag Krems, und die Donau. Durch die Ungleichheit der Machtverhältnisse, und des ungeachtet günstigen Resultats ist dieser Tag einer der glänzendsten in der französischen Kriegsgeschichte.

12.

Die Avantgarde des Marschall Augereau kam nach Ravensburg und Markdorf. Sie rückte bis Tettwang, Wangen, und Leutkirch vor.
General Wolfskehl entfernte sich mit seiner Kavallerie über Leutkirch gegen Biberach.
General Jellachich aber zog sich mit der Infanterie in das Vorarlbergische bis Feldkirch zurück.

13.

Prinz Mürat, Marschall Lannes, und die Kavallerie-Reserve, mit ihren Armeekorps zogen in Wien ein, bemächtigten sich der Donaubrücke, setzten sogleich darüber, und verfolgten die russische Armee.
Man fand in Wien soviel Munition, als man für 4 Feldzüge nöthig hat, und beynahe alles, was die österreichische Monarchien an Artillerie besaß, stund in der Gewalt der Franzosen. Es waren nämlich 1406 Kanonen, 473 Mörser, 200 Wägen mit Provision und Bespannung, 61292 Gewehre, 25000 Karabiner, 23000 Pistolen, 26000 Schäfte zu Karabinern und Pistolen, 350 Lavetten, 75000 Schaufeln, Pickeln xc., 8000 Kürasse, 160000 Bomben, 50000 Haubitzen, 600,000 Kugeln, 600,000 Zentner Pulver, 6 Millionen Patronen, 2126 Zentner Bley, 1800 Zentner Stangen-Eisen.
General Michaux drückte die russich-österreichische Armee bis Wolkersdorf zurück, wobey selber einen angespannten Artilleriepark von 40 Kanonen eroberte.
General Marmont stund zu Leoben an der Muhr.
Baiern bekam 15000 Gewehre aus dem Arsenale zu Wien, und alle Kanonen zurück, die Oesterreich bey verschiedenen Anlässen den baierischen Staaten abgenommen hatte.

14. Nov.

Marschall Soult und Davoust marschirten durch Wien, letzterer hatte das Meerfeldische Korps beynahe ganz aufgerieben. Dieser Graf rettete sich noch mit hundert Husaren.
Marschall Lannes erbeutete große Magazine in Stockerau.
General Vialannes rückte in Presburg ein.
Der französische Kaiser nahm sein Hauptquartier in Schönbrunn.
Marschall Augereau rückte rasch über Bregenz und Dornbirn gegen Hohenems vor; Gen. Jellachich stund zwischen Hochenems und Feldkirch, beynahe mit 4500 Mann, er sah sich abgeschnitten, und kapitulirte. Die Kavallerie unter Oberst Kinsky und Wartensleben hatte sich ehevor entfernt, und kam auch über Heidenheim und Nürnberg glücklich nach Böhmen. Die Kapitulation wurde zu Dornbirn von Marsch. Augereau und Gen. Wolfskehl unterzeichnet.
Marschall Ney ist mit dem größten Theile seiner Armee nach Brixen aufgebrochen.
Der baierische Gen. v. Karg rückte mit seiner Brigade, die vonWürzburg später ausmarschirt war, in Salzburg ein, gegenwärtig stunden 18 Bat. Infanterie, und zwey Regimenter Kavallerie von dem baierischen Armeekorps im Salzburgischen.
Auch wurde mit Schleifung der Festungswerke in der Scharnitz, unter der Leitung eines französischen Ingenieurs, der Anfang gemacht.

15.

Eine Division, 3 bis 4000 Mann stark, von dem Korps des Marschall Ney rückte in Brixen ein. Eine Abtheilung davon gieng nach dem Pusterthale, eine andere nach Botzen, und die dritte blieb in Brixen.
Prinz Mürat und M. Lannes stießen mit einer Division Kavallerie auf die Russen bey Hollabrunn, es kam zu einem Gefecht zwischen der Kavallerie. Die Russen verließen das Feld, und 100 angespannte Wägen mit Gepäcke.
Der Divisionsgeneral Beillard, und der russische Generaladjutant Baron von Winzingerode, und zwar auf Verlangen des Letztern, hatten hierauf zu Hollabrunn einen Vertrag abgeschlossen, kraft welchen die Franzosen ihren Marsch nach Mähren einstellen würden, wenn die Russen Deutschland verlassen, und sogleich sich in den Rückmarsch setzen würden. Der französische Kaiser aber ratifizirte diesen nicht, weil ihm Winzingerode nicht hinlänglich bevollmächtigt zu seyn schien; versicherte aber doch die Ratifikation dessen, wenn auch der russische Kaiser selbe gäbe.
Der österreichische Stadtkommandant in Preßburg, Graf von Palfy, erklärte in einem Schreiben an den M. Davoust, daß den französischen Truppen in Ungarn kein Widerstand geschehen werde, und daß der Militair-Kordon auf der westlichen Küste des Königreichs bloß die Absicht habe, die Marodeurs von der österreichischen Armee abzuhalten, auf welches der französische Kaiser die Neutralität der ungarischen Nation anerkannte.
Palfy legte diese Antwort dem Erzherzog Palatin vor, und zeigte hierauf an, daß Ungarn die nothwendigen Lebensmittel für die Stadt Wien liefern wolle.
Der Kaiser von Oesterreich erklärte in eine Proklamation zu Brünn: daß er, trotz den erlittenen Unglücksfällen, keinen auf demüthigende Bedingungen gebauten Frieden annehmen, sondern im Vertrauen auf die noch vorhandenen Kräfte, und auf die Treue seiner Völker das Aeußerste wagen werde. Zugleich gab er darin die Zuversicht zu erkennen, die er auf Rußland und Preußen setzte.
Kaiser Napoleon bestimmte in einem Dekrete die Administration von Oesterreich.

Am 16. Nov.

Der Erzherzog Johann verließ das Tyrol, um sich im ehemaligen venetianischen Gebiethe mit der Armee des Erzherzogs Karl zu vereinigen. Die Armee des Marschall Ney und Marmonts verfolgten ihn.
Die Franzosen rückten in Botzen ein, und folgten dem Korps des Erzherzog Johann in Eilmärschen.
Der Gen. Baraguay d'Hilliers kam von seinem Streifzuge nach Böhmen wieder in die Gegend von Straubing zurück.
Treffen bey Guntersdorf.
Prinz Murat griff die russische Armee bey Znaim an, welches zu den Treffen bey Guntersdorf Anlaß gab, wobey ein Theil dieser Armee, welcher die Avantgarde ausmachte, ganz geschlagen wurde. M. Lannes ließ den Feind von der Fronte angreifen, und während ihm die Brigade der Grenadiers unter Gen. Dupas auf der linken Seite umgieng, tournirte ihn M. Soult von der rechten. Die Russen verloren 2000 Todte und viel Gefangene, 12 Kanonen, und 100 Bagagewägen. Gen. Sebastiani verfolgte sie.
Gen. Marmont rückte in Gräz ein.

Am 17. Nov.

Der französische Kaiser nahm sein Hauptquartier in Znaim.

18.

Prinz Mürat zog Abends in Brünn ein, der Feind räumte Stadt und Festung. Die Festung von Brünn (eigentlich Spielberg) ist vortrefflich gebaut, und im Stande eine regelmäßige Belagerung auszuhalten. Es wurden hierin 60 Kanonen, 3000 Zentner Pulver, eine große Menge Korn, Mehl, und beträchtliche Montour-Magazine gefunden.
M. Soult stand zu Mesertisch, und M. Lannes über Bohorlitz hinaus. Bohorlitz war zum Hauptquartier des Kaisers Napoleon bestimmt.
Das russische Armeekorps des Gen. Buxhöfden ist in Ohlmütz angekommen, das Michelson'sche folgte ihm nach, und beyde vereinigten sich mit Kutusow in ein Ganzes. Die Petersburger Zeitung vom 10. Dez. sagt: die Retirade des General Kutusow wird den berühmtesten Heldenthaten an die Seite gestellt werden, die uns durch die Annalen bekannt ist. Von Braunau bis Brünn, d. h. über 50 Meilen, unter der Verfolgung von 100000 Mann sieggewöhnter Krieger, die von Napoleon selbst angeführt wurden, zu retiriren, ohne eine Niderlage zu leiden, und ohne vollkommen abgeschnitten zu werden, ist eine große That.
Major Baron v. Rechberg, vom zweyten baierischen Cheveauxlegers-Regiment, überfiel mit 100 Cheveauxlegers die Stadt Iglau, machte 4 Offiziers 134 Gemeine und 89 Dienstpferde zu Gefangenen, und erbeutete ein beträchtliches Magazin von Früchten, Mehl, Haber und Holz.

19.

Prinz Rohan kam mit einem österreichischen Korps von Vintschgau bey Botzen an. Der Landsturm wurde aufgebothen, die Franzosen in der Stadt angegriffen, und bis Klausen zurückgedrängt, wobey einige Hundert getödtet worden sind. Die Franzosen wurden dadurch aufgebracht, und droheten, die Stadt anzuzünden, wenn die Bauern nicht ruhig blieben.

Am 20. Nov.

Zog sich Prinz Rohan mit seinem Korps nach Neumarkt, und die Franzosen rückten wiederum in Botzen ein.
Der französische Kaiser nahm sein Hauptquartier in Brün.
Die Russen versammelten ihre ganze Kavallerie von ohngefehr 6000 Mann, und wollten die Vereinigung der Strassen von Brün und Ohlmütz vertheidigen. Der ranzösische Gen. Walter beschäftigte selbe den ganzen Tag, und zwang sie endlich das Terrain zu verlassen.
Prinz Mürat ließ die Kürassierdivision des Gen. d'Hautpoult, und 4 Eskadron von der Garde vorrücken.

21.

Erzherzog Johann kam in Klagenfurt an.
Brach die baierische Brigade des Gen. Baron v. Karg in Salzburg auf und marschirte zur französischen Armee nach Mähren.

24.

Der österreichische General, Prinz Rohan, kam mit seinen Korps bey Passano an. Ein französisches Armee-Korps gieng von Stra ab; General Regnier begab sich nach Piambino, um diesen österreichischen Korps, welches sich nach Venedig zu werfen vorhabens war, den Weg nach Mestre abzuschneiden. Das polnische Infanterie-Korps, welches zu Campo San Pietro lag, nahm seine Richtung nach Kastel Franko, und faßte den Feind in der Flanke, wodurch selber sich gezwungen sah, zurück zu ziehen. Alle Bemühungen waren vergebens, das Vorhaben, Venedig zu erreichen, auszuführen. Daher Gen. Rohan genöthiget war zu kapituliren, welches zu Villa Franka geschah. Nach dem Berichte des Divisionsgeneral Lechi waren ohngefähr 8000 Gefangene, 1700 Pferde, 12 Kannonen, 16 Fahnen, und eine Estandarte die Früchte dieses Tages.

27.

Ein französisches Korps von ungefähr 9000 Mann rückte neuerdings von Neudorf in Presburg ein.

28.

Die vereinigte russisch-österreichische Armee, die den Franzosen entgegen gerückt war, hatte ihre Hauptmacht bey Wischau, der linke Flügel stand bey Kremsier, der Vortrab gegen Hadrisch, die beyden Kaiser von Rußland und Oesterreich waren zu Wischau.
Kaiser Napoleon legte 100 Millionen Franks auf die besetzten österreichischen Staaten.

Am 29. Nov.

Marschall Bernadotte mit seinen unterhabenden Divisionen Kellermann, Rivaud und Drouet marschirte von Iglau zur großen Armee nach Brün ab. In Böhmen blieb unter den Befehlen des Gen. Lieut. Baron v. Wrede ein baierisches Korps, welches aus dem 3, 7, 8 und 12. Linien-Infanterie-Regiment, den 2, und 4 leichten Infant. Bataillon, im ganzen 10 Batal. mit 6 Kanonen, dann aus Abtheilungen vom 1, 2 und 3 Cheveauxleger-Regiment bestand, bey Deutschbrod an der Zasawa stehen.
Erzherzog Ferdinand, welcher mit 17 Bataillon Infanterie, 2000 Mann Kavallerie, und der beträchtlichen Artillerie-Reserve von 40 Kanonen bey Czaslau stand, hatte kaum den Abmarsch des M. Bernadotte erfahren, so passirte selber schon die Zasawa, und manöverirte zugleich über Lipnitz so lebhaft in die linke Flanke des baierischen Korps, daß er demselben den einzigen möglichen Rückzug gegen Iglau abzuschneiden bedrohte.
In dieser Rücksicht, und um sich den zur Unterstützung von der Donau anrückenden baierischen Brigaden Mezzanelli und Karg zu nähern, zugleich aber auch, um seine Verbindung mit der großen Armee zu sichern, zog sich Gen. Lieut. v. Wrede in der Nacht vom 30. Nov. auf den 1. Dez. auf der großen Strasse gegen Iglau militärisch zurück.

Am 1. Dez.

Vereinigte sich eine Abtheilung des ersten Cheveauxleger-Leibregiments mit diesem Korps, auch zeigten sich Abends die österreichischen Vorposten bey Stecken.
Das Armeekorps des M. Ney marschirte von Tyrol gegen Salzburg ab, dagegen besetzten baierische Truppen unter Gen. Sibein dieses Land.
Das Hauptquartier der beyden Kaiser von Rußland und Oesterreich war zu Krzanowitz eine Meile von Austerlitz.

2.

Hauptschlacht bey Austerlitz.

Napoleon giebt das Signal zur Schlacht bei Austerlitz.

Diese began mit Anbruch des Tages, und nachmittags ein Uhr war sie schon entschieden.
M. Lannes kommandirte den linken, und M. Soult den rechten Flügel, M. Bernadotte das Centrum, die ganze Kavallerie Prinz Mürat, M. Davoust mußte sich nach Kloster Raygern begeben, um den Feind in Schranken zu halten, damit derselbe, im gegebenen Zeitpunkt ganz eingeschlossen wäre. Der linke Flügel lehnte sich an St. Anton, einen treflichen Posten, welcher befestiget, und mit 19 Kanonen versehen war; um 1 Uhr Fruh stieg der Kaiser schon zu Pferd, um seine Posten zu besuchen. Eine Division von Gen. Legrand wurde nach dem Dorf Sokolnitz detaschirt, um die Wege zwischen diesem, und dem Dorf Felnitz, dann den Teichen zu bewachen. Die Division des Gen. Gudin mußte frühesten Morgen von Nikolsburg aufbrechen, um das feindliche Korps, das allenfals den rechten Flügel hätte umgehen können, aufzuhalten.
Kaiser Napoleon, und sein ganzer Generalstaab mit 10 Bataillon von der kaiserlichen Garde, und 10 Batail. Grenadier von Gen. Audinot bildeten die Reserve. Diese waren in zwey Linien, in Kolonnen Bataillonsweis, und in solcher Entfernung aufgestellt, daß Raum zum Deploiren blieb. In den Zwischenräumen befanden sich 40 Kanonen, die von den Artilleristen der Garde bedient wurden. Sie hatten die Bestimmung sich mit Schnelligkeit dahin zu wenden, wo ihre Gegenwart nothwendig ist. Der Tag brach an. Der Kaiser Napoleon gab die Befehle, und jeder Marschall sprengte zu seinen Korps.
Der Ruf, es lebe der Kaiser! war das Signal zur allgemeinen Schlacht, und in dem Augenblicke erhob sich die Kanonade von dem äußersten Ende des rechten Flügels, den die russische Avantgarde schon umgangen hatte. Als diese aber ganz unvermuthet auf dem M. Davoust stieß, machte sie halt, und sogleich fieng das Treffen an.
Die Schlacht dauerte kaum eine Stunde, als schon der ganze linke Flügel der Russen abgeschnitten war. Um 1 Uhr Nachmittags war der Sieg bereits für die Franzosen entschieden. Die vereinigte Armee war 105000 Man stark. Die Franzosen waren etwas schwächer. Man fand auf dem Schlachtfeld 18000 Todte Russen, 600 Oesterreicher, und 900 Franzosen. Der russische Obergeneral Buxhöfden, und der franz. Gen. Roger Valhubert starben als Opfer dieses Tages. 3000 Franzosen und 7000 Russen waren verwundet. Uebrigens waren 18000 Russen gefangen, 40 Fahnen und 120 Kanonen erobert. Unter den Gefangenen befanden sich 14 russische Generäle.
Indessen hielt M. Davoust den Ueberrest der russischen Armee nebst ihren Kaiser Alexander bey Ohlmütz eingeschlossen.
Treffen bey Iglau.
Am nämlichen Tag wurde das baierische Armeekorps, welches sich zwischen den 30. Nov. und 1. Dez. bis Iglau zurückgezogen hatte, von dem Erzherzog Ferdinand neuerdings attaquirt. Mit Tages Anbruch wurde das auf Vorposten gestandene leichte Infanterie-Batail. von 4 Batail. des Regiments Gemingen mit Ungestüm angegriffen, und zurückgedrängt. Dieses rückte aber sogleich wieder vor, warf den Feind, und nahm die alte Stellung wieder ein.
In der Nacht vom ersten bis zum dritten fuhr der Erzherzog fort, die linke Flanke des baierischen Korps über Windisch-Jenikau gegen Pilgram, und die rechte über Polna umgehen zu lassen. Die Brigade Mezzanelli, die bereits in Znaim eingetroffen war, wurde von dem M. Bernadotte zur großen Armee nach Austerlitz beordert, und jene des Gen. Karg war noch zu entfernt. In dieser krittischen Lage bedroht durch die dreymal stärkere Macht des Feindes umrungen zu werden, faßte Gen. Lieut. v. Wrede, auf die Tapferkeit seiner Baiern zählend, den kühnen Entschluß, das österreichische Korps im Centrum anzugreifen, in der Hoffnung selbes dadurch zu zwingen seine überflügelten Korps zurückzuziehen.

Am 3. Dez.

Wurde vorwärts marschirt, und mit einem sehr geringen Verlust durch eine sehr schön geführte Attaque, wobey die Batail. mit klingenden Spiele, wie auf dem Exerzirplatze manövrirten, der Feind bis auf eine halbe Stunde hinter Stecken zurückgeworfen, obschon derselbe um sehr viel stärker, als das dieseitige Korps war.
Das Hauptkorps der Oesterreicher marschirte auf den Höhen von Deutschbrod auf. Während der Nacht zog sich sein rechter Flügel, welcher den linken der Baiern bedrohte, auf dasselbe.
Indessen wurde zu Austerlitz ein Waffenstillstand geschlossen, und unterzeichnet von dem M. Berthier, und Gen. Lieut. Prinz Johann v. Lichtenstein. Es wurde darin die Stellungs-Linie der französischen Armee bestimmt, und eine sechzentägige Aufkündigungszeit festgesetzt; auch räumte, vermög derselben, die russische Armee sämmtlich österreichische Staaten in einer bestimmten Zeit. Der französische Minister Taillerand begab sich nach Nikolsburg, um daselbst den Frieden zu schliessen. Dahin kamen auch die bevollmächtigten österreichischen Abgeordneten, der Fürst von Lichtenstein, und Graf v. Giulai.

4.

War das baierische Korps durch eine Abtheilung des zweyten Dragoner-Regiments verstärkt, und bestand nun aus nicht ganz 6000 streitbaren Soldaten.
Der Erzherzog, dem die Schwäche der Baiern nicht verborgen bleiben konnte; sammelte in der Nacht von 4ten auf den 5ten seine ganze Armee, zog nach 6 Batail. böhmischer Schützen an sich, und griff mehr wie 20000 Man stark den 5ten Nachmittags zwey Uhr auf allen Seiten an.
Der Erzherzog hatte alles aufgeboten um seine Truppen vorwerts zu bringen. Ohne andere Lebensmittel hatte er zwey Tag nacheinander nur Brandwein unter die Truppen vertheilen lassen. Die Gefangenen, welche man machte, waren alle stark berauscht, und es war Befehl gegeben, die Infanterie, welche nicht Stand halten, sondern zurückweichen wollte, mit Kartätschen vorwärts zu treiben.
Der Rückzug geschah Schritt vor Schritt, obwohl der Feind die Flügel immer zu turniren suchte. Das mörderische Kanonen- und Kleingewehr-Feuer dauerte bis in die tiefe Nacht fort.
Endlich zog sich die gesammte Infanterie aus den Waldungen, und setzte sich hinter Iglau. Die Kavallerie setzte sich bey den Sandhöfen in drey Treffen auf, um den Rückzug zu decken.
Die österreichische Kavallerie folgte, auf selbe die Infanterie. Muthig stürzte die baierische Kavallerie auf sie los, die Oesterreicher wurden geworfen, viele Uhlanen zusammengehauen. Der Feind sammelte seine Kavallerie wieder, und durch die Helle des Mondlichts begünstiget, eröfnete selber eine neue Kanonade.
Die ersten zwey Treffen der Kavallerie der Baiern attaquirten abermals, und nach einem Gefecht, welches mit der heftigsten, wechselseitigen Erbitterung geführt wurde, und in ein allgemeines Gemetzel übergieng, ward die österreichische Kavallerie widerholt geworfen, die Infanterie zerstreut, und zusammengehauen. Von diesem Augenblick an ließ der Feind vom Verfolgen ab; nicht eine Patrouille wagte es, den Rückzug des baierischen Korps zu beunruhigen.
Es war 9 Uhr Abends, als die Affaire endigte, welche wegen des sehr hellen Mondscheines so lange fortgesetzt werden konnte.
Bereits früher waren die Reserve-Artillerie, alle Pagage, und alles zur dieseitigen Armee gehörigen, ohne irgend einen Verlust, zurückgeschaft, und alle Anstalten zur Sicherheit getroffen worden.
In Erwägung, daß durch einen längern Widerstand noch mehr brave Soldaten die ohnehin durch die hartnäkigen Gefechte und vielen Bewegungen bis zur Erschöpfung ihrer Kräfte ermüdet waren, fruchtlos geopfert würden, hauptsächlich aber, da der Zweck, den Erzherzog Ferdinand bis zum Ausgang der großen Schlacht bey Austerlitz aufzuhalten, erreicht war, zog sich Gen. v. Wrede nach Budwitz zurück. Nach Angab der Oesterreicher verloren sie 156 Todte und Blessirte, mehrere Offiziers, und 600 Gemeine wurden gefangen. Ein österreichischer Oberst hingegen gab selbst bey seinen Bataillon allein den Verlust auf 13 Todte, 62 Blessierte, und 46 Vermißte an. Von Seite Baierns bestand der Verlust in Todten, Verwundeten, Gefangenen und Vermißten, ungefähr in 500 Mann und 16 Offiziers, worunter sich Major v. Rechberg von Kurfürst Cheveauxlegers blessirt und gefangen, und Major v. Hepp von Herzog Pius gefangen befand.
Den 6. Dez. Morgens 6 Uhr traf ein baierischer Kourier von Brün mit der Nachricht des am 3. Dez. abgeschlossenen Waffenstillstandes ein. Seine Ankunft war dadurch verspätet worden, daß er zuerst nach Iglau fahren wollte, und dann erst, als er unterwegs den Rückzug der Baiern erfuhr, wiederum umwenden, und über Znaim nach Budweis den Weg nehmen mußte.
Man zweifelt nicht, daß der Erzherzog Ferdinand bereits Kenntniß davon erhalten habe, erwartete als das weitere, und es wurde nur dem die Vorposten kommandirenden Obersten v. Seydewitz aufgetragen, im Falle eines jenseitigen Angriffes, sich auf den Waffenstillstand zu berufen.
Den 7. Morgens schickte der Erzherzog selbst seinen Flügeladjutanten, Major Hörwath in das dießeitige Hauptquartier, um den Waffenstillstand anzukünden, und über einige Punkte übereinzukommen, da die nähere Bedingungen des Waffenstillstandes selbst beyden Kommandirenden noch unbekannt waren.
Man vereinigte sich auf die einsweilige Beybehaltung der damaligen beyderseitigen Stellungen, und daß vor 48 Stunden nach der Aufkündigung keine Feindseligkeit anfangen solle.
Dem Verlangen aber, daß die Gefangenen von der letzten Affaire, als nach dem Waffenstillstand genommen, alsogleich herausgegeben werden sollen, entsprach der Erzherzog eben so wenig, als der Reklamation, daß die in Iglau im Spital und etlichen Bürgerhäusern zurückgebliebenen Kranken und Blessirte von früheren Affairen nicht als Gefangene behandelt werden sollten.
Hierüber waren die gegenseitigen Abordnungen wie die Korrespondenzen fruchtlos.
Der französische Kaiser und M. Bernadotte, welche voraussetzten, daß die Nachricht vom Waffenstillstand dem Erzherzog den 5ten Dezemb. Mittags schon habe bekannt seyn müssen, waren über dessen Angriff sehr aufgebracht, und ertheilten dem G. L. v. Wreden die Ordre, denselben, wenn er nicht in seine vorige Position zurück gehen, und die Gefangenen nicht herausgeben würde, alsbald anzugreifen, und zurückzuwerfen.
Die Brigade Karg war inzwischen eingetroffen, die Brigade Mezzanelli nach Trelitsch marschirt, und der Marschall hatte sich mit seinem ganzen Korps gegen Iglau in Marsch gesetzt.
Gen. Lieut. v. Wrede mußte jedoch seine eingegangene Verbindlichkeit erfüllen, und konnte die Feindseligkeiten nicht früher, als nach Verfluß von 48 Stunden wiederum anfangen.
Er hatte den 8ten Morgens um 6 Uhr den Waffenstillstand aufgekündet, und eröfnet, daß er den 10ten um dieselbe Zeit den Erzherzog angreifen würde, wenn er sich nicht in seine Position zurückgezogen, und die Gefangenen herausgegeben hätte. Zugleich schickte man die dießseits in der letzten Affaire gemachten Gefangenen zurück. Sie wurden aber nicht angenommen, und Gen. Lieut. v. Wrede sah sohin die Kommunikation als unterbrochen an, obschon von dem Erzherzog den 9ten noch ein weiteres Schreiben eintraf, worinn er anzeigte, daß er den F. M. L. Fürst Hohenzollern an den Marschall abgeordnet habe, um ihm zu betheuern, daß er vor und während der Affaire noch gar keine Nachricht vom Waffenstillstande hatte.
Das ganze diesseitige Korps setzte sich daher den 10ten Dezember Morgens 6 Uhr in Schlachtordnung in den Marsch gegen Iglau.
Die österreichischen Vorposten hatten sich indessen zurückgezogen, und unterwegs kam ein Kurier mit der Nachricht vom Marschall Bernadotte an, daß der Erzherzog sich dem Verlangen gefügt habe, und die beyden Punkte erfüllen wolle. Er ertheilte dahero die Ordre, zwar nach Iglau fortzumarschieren, aber keine Feindseligkeiten mehr gegen die österreichischen Truppen zu begehen. Zugleich wurde eine Abschrift der Waffenstillstands-Konvention vom 3. Dez. mitgetheilt.
G. L. v. Wrede traf mit einer kleinen Abtheilung von Kavallerie an der Spitze der Avantgarde Mittags 2 Uhr in Iglau ein, von wo sich eben die letzten österreichischen Truppen weggezogen hatten. Nach der Disposition der Waffenstillstands-Konvention wurden die Vorposten an der Iglauer Brücke als Gränze von Mähren und Böhmen ausgestellt, und über die weitere Dislocirung in die Kantonements mit dem M. Bernadotte das Benehmen gepflogen, welcher am 10. Dez. 10 Uhr Nachmittags, jedoch nur von seinen Garden begleitet, ebenfalls nach Iglau kam.
General Marmont marschirt aus Gräz nach Obersteuermark ab.

Am 8. Dez.

Die russische Armee setzte sich in 3 Kolonnen in Marsch, um in ihr Heimath zurückzukehren. An der Spitze der ersten Kolonne reißte der Kaiser Alexander mit seinem Bruder, dem Großfürst Konstantin ab.

12.

Kaiser Napoleon kam nach Wien zurück, und nahm sein Hauptquartier wiederum in Schönbrunn.

16.

Das Korps des Marschalls Augereau brach in der Gegend von Ulm auf, und marschirte über Heidelberg gegen Frankfurt.

26.

Wurde der Friede zwischen Oesterreich und Frankreich zu Preßburg unterzeichnet. *)
*) Wegen den damals in Mähren geherrschten Seuchen haben sich die Unterhändler des Friedens von Nikolsburg nach Preßburg begeben.

28.

Frühe 4 Uhr reißte Kaiser Napoleon von Wien ab, um sich wiederum in sein Reich zurückzubegeben.


Depesche von Arthur Paget.[]

[2]
Die merkwürdigste Depesche Paget's, die, so wie alle, an den Brittischen Minister des auswärtigen Departements gerichtet war, wurde am 24sten October geschrieben. Ihr Inhalt ist voll treffender Bemerkungen, und ist zugleich eine kurze historische Uebersicht dieses, eigentlich gar nicht wunderbaren, wohl aber wunderlichen, Feldzugs; daher man solche hier ganz mittheilt.

v. A.

"Mylord!"

"Wenn die ersten Operationen des Feldzugs mit Verlust und Unglück begleitet waren, welches nach der gegenwärtigen Lage der Dinge nicht zu läugnen ist: so können wir den übeln Erfolg, neben andern Ursachen, den folgenden zuschreiben."

"Der erste und Hauptfehler, den man begieng war, daß man mit einer zu geringen Macht ins Feld zog. Seit dem ersten Anschein eines Bruchs mit Frankreich war es so zu sagen, bis zur Evidenz erwiesen, daß das Kriegstheater in Deutschland seyn würde. Bonaparte selbst verkündigte es öffentlich in der ersten, von seinem Geschäftsträger zu Regensburg überreichten, Note, und es war überhaupt leicht auszurechnen, daß seine ganze Armee eher nach Strasburg, als nach Verona marschieren würde. Massena kann nicht über 70,000 Mann unter seinem Commando gehabt haben, dagegen die Armeen unter Bonaparte's unmittelbarer Anführung wenigstens 140,000 Mann betrugen. Dessen unerachtet eröffnete man den Feldzug in Deutschland mit 80,000 Oesterreichern, während der Erzherzog Carl, um Massena anzugreifen, oder dessen Angriffe abzuweisen -- welches aber beydes bisher nicht geschehen ist -- nicht weniger als 100,000 bis 130,000 Mann hatte."

"Ich kann diese sonderbare und fehlerhafte Vertheilung der Macht nur auf zweyerley Art erklären: 1) Wahrscheinlich wollte General Mack, der die Eifersucht, oder vielleicht den entschiedenen Haß des Erzherzogs gegen sich kannte, dessen Empfindlichkeit nicht gern dadurch noch mehr reizen, daß er vorgeschlagen hätte, aus Italien eine beträchtliche Anzahl von den Truppen abzurufen, die man bey Anfang der Kriegsrüstungen dort unter Sr. K. H. Commando zu setzen für gut gefunden hätte."

"Dieser falschen, über angewandten, Delicatesse wäre also ein großer Theil der gegenwärtigen Unfälle zuzuschreiben. Ich finde würklich nichts Unwahrscheinliches in dieser Voraussetzung; den erst bey der äußersten Noth wurden 30 Bataillons aus Italien zu Verstärkung des Erzherzogs Ferdinands Armee beordert, und wir wissen, daß selbst diese Maasregel den Erzherzog Carl sehr unzufrieden gemacht hat. 2) Mußte man bey Festsetzung des Plans zum Feldzuge darauf gerechnet haben, daß bey dessen Eröffnung die Russen zugegen seyn würden. Hierauf verließ man sich auch wirklich, so sonderbar und irrig sich auch jetzt die Berechnung zeigt. Worauf sie sich gründete, kann ich nicht genau angeben."

"Der Anblick der unermeßlichen Rüstungen, womit man sich hier beschäfftigte, die um die Mitte des Julius angekündigte Rückkehr des Hrn. von Nowosiltzof, und die Kenntnisse, welche um diese Zeit Bonaparte mehr oder minder von den Unterhandlungen zwischen Sr. Grosbrittan. Maj. und den beyden Kayserhöfen haben müßte, ließen nicht hoffen, daß die Täuschung über den Monat August hinausdauern würde; und in der That hörte sie auch zu dieser Zeit auf. Von der andern Seite konnte man gewiß wissen, und wuste es, daß die Französischen Truppen in den ersten Tagen des Septembers die Küste verlassen würden: man konnte auch berechnen, daß, bey der außerordentlichen Schnelligkeit ihrer Bewegungen, und der unglaublichen Thätigkeit ihrer Anführer, sie gegen Ende dieses Monats ihren Bestimmungs-Ort erreichen würden. Eben so gut konnte man wissen, daß die ersten Rußische Armee nicht vor der Mitte des Octobers am Inn eintreffen würde. Es fällt daher in die Augen, daß die Oesterreicher, wenn die den Feldzug in der Nachbarschaft des Rheins eröffneten, freywillig und mit offenen Augen sich vornahmen, die Feindseligkeiten allein und ohne Beyhülfe gegen die Franzosen anzufangen."

"Wenn dieser Satz wahr ist -- und ich halte ihn für unwiderlegbar -- so setzt er den General Mack in folgendes Dilemma: Entweder hatten die Oesterreicher eine hinlängliche Macht, um allein gegen die Franzosen zu fechten, oder sie hatten sie nicht. Im ersten Falle, warum wählte er an der Iller eine Stellung, und wollte sie durchaus nicht verlassen? Im zweyten, warum wagte man so weit vorwärts eine Bewegung? -- Wenn indessen General Mack, unter den vorerwähnten Umständen, bey der Wahl seiner Stellung an der Iller, das Zutrauen hegen konnte, solche bis zur Ankunft der Russen zu behaupten: so ist es wohl natürlich, daß er sie, in der Absicht dem Eindringen des Feindes in das Reich Schranken zu setzen, jeder rückwärts liegenden vorzog. Es läßt sich nicht voraussetzen, daß er andre Gründe gehabt haben sollte; aber wir haben die Kränkung gehabt, deren Irrigkeit zu empfinden."

"Es war unstreitig etwas Blendendes in der Idee, den Feldzug lieber in Schwaben und Würtemberg, als in Bayern zu eröffnen; aber glaublicher Weise wären aus der Wahl des letztbenannten Landes zum ersten Kriegsschauplatz mehrere Vortheile hervorgegangen. Erstens: wären die Oesterreicher nur bis an den Inn, oder die Iser, oder selbst an den Lech vorgerückt: so hätten die Franzosen acht bis zehn Tage mehr nöthig gehabt, um sie zu erreichen, und die Russen so viele Tage weniger, um zu ihnen stoßen. So wäre denn des Erzherzogs Ferdinand Armee von 80,000 Mann, und die Russen nebst einem Corps Oesterreichischer Cavallerie, die zusammen auch 60,000 Mann ausmachten, vereinigt, und auf das erste Zeichen zu agiren bereit gewesen. Zweytens wäre durch diesen Plan, vorausgesetzt, daß die Oesterreicher ihre erste Stellung am Inn nahmen, möglicher Weise des Churfürsten von Bayern Abfall verhütet worden. in seiner Lage zwischen zwey mächtigen Armeen hätte er vielleicht seine Neutralität bis zum Augenblick des Ausbruchs behauptet. Siegten die Oesterreicher, so wäre er ihren Armeen eine leichte Beute geworden; in jedem Fall wäre das viele Uebel, das seine Armee und seine Unterthanen seit Anfang der Feindseligkeiten in Deutschland gestiftet haben, vermieden worden. Drittens wären freylich die Länder Baden, Würtemberg und ein Theil von Bayern, den Verwüstungen der Franzosen ausgesetzt gewesen. Allein dieser Nachtheil war nur dadurch zu vermeiden, daß die Oesterreicher das ganz südliche Deutschland in Besitz nahmen, und das Betragen der genannten Fürsten erregt wenig Bedauern für die erlittene Bedrückung."

"Doch dem sey wie ihm wolle, die Stellung an der Iller ward gewählt, und der Feldzug gegen Ende Septembers eröffnet. Die Generale Bernadotte und Marmont begannen die Operationen, und nahmen ihren Marsch gegen Würzburg, von da in die Markgrafschaft Ansbach, und nachdem sie auf ihrem Wege alle Bayern die sie finden konnten, an sich gezogen hatten, passirten sie die Donau bey Ingolstadt und Neuburg, trieben das kleine Corps des General Kienmayer vor sich her, und drangen mit 60,000 bis 70,000 Mann in Bayern ein. Hier fiengen die Unfälle des Feldzugs an."

"Die Frage bleibt noch aufzuklären: ob General Mach die Stärke dieser Armee zu niedrig schätzte? oder ob er über ihre Bestimmung gar keine, oder falsche Nachrichten hatte? indem er vielleicht meynte, sie ziehe, um eine Diversion zu machen, nach Böhmen. So viel ist gewiß, daß anstatt dem gemäß seine eigne Stellung zu ändern, er sich begnügte, ein beträchtliches Corps unter General Kienmayer zu ihrer Beobachtung abzusenden. Während dieser Zeit gieng die Französische Armee unter Bonaparte, nach der genauesten Berechnung 80,000 Mann stark, über den Rhein. Das Churdfürstenthum Würtemberg, die Ebenen von Nördlingen xc. wurden mit beyspielloser Schnelligkeit durchzogen. Am 6ten und 7ten October setzte der gröste Theil der Französischen Armee bey Donauwerth über die Donau, nahm eine Stellung zwischen diesem Fluß und Augsburg, setzte sich durch diese Bewegung mit Bernadotte's Armee in Verbindung, und auch in den Rücken der Oesterreicher."

"von nun an begann die Art von Krieg, wodurch sich die Franzosen in den vorigen Feldzügen so furchtbar machten. Ich hatte brreits die Ehre, Ew. Herrlichkeit die officiellen Berichte über die Vorfälle am 8ten, 9ten und 11ten d. M. zu übersenden. Bey denen, die leicht sanguinische Hoffnungen fassen, hatte der Erfolg des Treffens am 11ten einige Aussichten auf Glück erregt; aber sie waren nur Täuschung."

"General Ney *) machte ruhig seinen Rückzug zur Französischen Haupt-Armee, die noch zwischen der Donau und Augsburg stand, und die Communication zwischen den Oesterreichern und Russen war nun völlig abgeschnitten. In Folge dieser Bewegung theilte General Mack -- ich, weiß nicht ob von freyen Stücken, oder aus Noth -- seine Armee, und detaschirte den General Jellachich, ich glaube mit 15 oder 16 Bataillons, gegen Tyrol. Zugleich schickte man der Besatzung von Memmingen, die aus 11 Bataillons bestand, Ordre zu, diesen Platz zu räumen, und zu Jellachich zu stoßen. Ob dieser Befehl zu spät ankam, oder falsch ausgerichtet wurde, bin ich außer Stande zu entscheiden, aber die Besatzung capitulirte mit den Franzosen unter General Davoust, nachdem die Stadt beynahe in die Asche gelegt war. Es ist zu bemerken, daß die für die Festungswerke bestimmte Artillerie sich noch außer der Stadt befand. Bey dieser Gelegenheit wurde eine große Menge Bayerischer Bauern, die sich zu den Franzosen geschlagen hatten, und gedachte Artillerie wegnehmen wollten, von den Oesterreichischen Husaren niedergehauen, und das Ganze, oder der größte Theil der Artillerie davon geführt. *)"

*) Es war nicht Ney, sondern General Dupont, der im Treffen am 11ten commandirte.
*) Dies Gefecht mit Bayerschen Bauern, so wie auch die oben angeführte Verbrennung der Stadt Memmingen, waren falsche, allgemein verbreitete Nachrichten, deren Ungrund jedoch der Ritter Paget bey Abfassung seiner Depesche noch nicht wuste. Anm. d. Uebers.

"Ich muß leider sagen, daß hier, wenigstens im Publicum, eine allgemeine Unruhe und Bestürzung zu herrschen anfangen. Vielleicht hilft die Gegenwart des Rußischen Kaysers, der gegen den 5ten November erwartet wird, diese Traurigkeit verbannen; besonders wenn in der Zwischenzeit die Sachen eine beßre Wendung nehmen. In der That scheinen sie im gegenwärtigen Augenblick zwar beunruhigend, aber doch nicht hoffnungslos. Man hat noch eine Reserve-Armee von 50,000 Mann; eben so viel Russen sind auf den Marsch; einige Verstärkungen können aus Italien gezogen werden, und hoffentlich wird man von den jetzt in Deutschland fechtenden Oesterreichischen und Russischen Armeen 50,000 bis 60,000 Mann retten; so daß wir in drey bis vier Wochen, im Fall letztere Armeen sodann nicht völlig und buchstäblich vernichtet sind, weit über 100,000 Mann kampffertig haben werden."

"Hätten die Feindseligkeiten in Italien zu rechter Zeit angefangen, so wären wir höchst wahrscheinlich jetzt im Besitz von Mayland. Am 16ten October, wo der Erzherzog Carl nach der Berechnung über die Etsch gehen sollte, eröffneten die Franzosen bey Verona eine Canonade auf die von den Oesterreichern errichteten Werke, und die Oesterreicher beantworteten sie. Dies ist die einzige bis heut in Italien erfolgte Feindseligkeit. Ich habe die Ehre u. s. w."

(Unterz.) "Arthur Paget."


HauptUrsachen des Oesterreichischen WaffenUnglücks.[]

[3]
Als HauptUrsachen des Oesterreichischen WaffenUnglücks in Deutschland darf man angeben: 1) den fehlerhaften Plan und die Hartnäckigkeit von Mack; 2) Die besondre Unfähigkeit von 2 unter ihm gestandenen Generalen; 3) Den Mangel der Armee an Baarschaften; 4) Die Uebermacht der Franzosen an Zahl, und ihre Ueberlegenheit im Kriegsplan; 5) Den Ungehorsam des Fürsten Auersberg, die Donaubrücken nicht abzubrechen; 6) Den Tod des Generals Schmidt -- 7) Den Ungehorsam der Generale Jellachich und Prinz Rohan gegen die Befehle des Erzherzogs Johann, deren Befolgung beide Corps, selbst nach dem Zeugnisse der Französischen Generalität gerettet haben würde. Der treue Geschichtsforscher muß dergleichen Data offenherzig angeben.

Die Oesterreichischen Prinzen, die Erzherzöge Carl, Johann und Ferdinand, welche alle so meisterhafte Rückzüge gemacht, haben sich bekanntlich auch im Unglück mit Ruhm bedeckt.


Quellen.[]

  1. Uebersicht der Kriegs-Begebenheiten welche während einem Zeitraume von zwey Monaten, zu Ende des Jahres 1805, zwischen den Armeen Sr. Maj. dem Kaiser der Franzosen und Könige von Italien, und Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich, und deren Alliirten, in Deutschland und Italien vorgefallen sind. Nebst einer Karte worauf die Hauptstellungen sämmtlicher Armeen, nebst ihren Märschen, und so auch die Hauptplätze der wichtigsten Schlachten angezeigt sind. München, geduckt mit Hübschmann'schen Schriften 1806.
  2. Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz. vormals Hauptmann in Königl. Preußischen Diensten. 1806. Im Verlage des Herausgebers und in Commission bey B. G. Hoffmann in Hamburg.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
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