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Tagbuch des französisch-östreichischen Feldzugs im Jahre 1809. [1] Nachstehende Rubriken der Ereignisse des an Dauer kurzen, an Ausdehnung im Raum weitumfassenden, in den Erfolgen sehr abwechselnden, im endlichen Resultat für den Besiegten minder verderblichen Kriegs, als gewisse Aeußerungen im Anfang erwarten liessen, sind nach der nemlichen Methode bearbeitet, wie die Uebersicht der Feldzüge von 1805, 6 und 7 in den früheren Jahrgängen der Annalen. Außer den in den öffentlichen Blättern erschienen Berichten konnte der Sammler derselben keine Quellen benutzen; inzwischen waren jene zu seiner Absicht hinlänglich, ein nach der Zeitfolge geordnetes Repertorium der militärischen und diplomatischen Vorfälle dieser Periode zu liefern, welche auf gedachten Krieg eine nähere Beziehung haben. Eine entferntere zwar hat die englische Expedition gegen Seeland und Antwerpen, doch durfte sie als eine, wiewohl verspätete und verunglückte, Diversion zu Gunsten Oesterreichs nicht übergangen werden. Die Entwicklung und Darstellung der Ursachen, welche den Gang der Begebenheiten geleitet haben, bleibt dem künftigen Geschichtschreiber aufgehoben; von dem Chronologisten darf nur Ordnung, Pünktlichkeit und Vernünftige Auswahl erwartet werden; er hat sich wenigstens bemüht, diese Erwartungen nicht zu täuschen.


Erster Abschnitt. Vorspiele des Krieges bis zum Uebergang der Oestreicher über den Inn.Bearbeiten


O Navis, referent in mare te novi
Fluctus? Nonne vides, ut
Nudum remigio latus,
Et malus celeri faucius Africo,
Antennaeque gemant?
Horat, I. 14.

Januar.

23

Napoleon, abgereist von Valladolid am 17., kommt nach Paris zurück.

Februar.

2

Cirkular des Fürsten Primas an die Großherzoge von Baden, Hessen, Würzburg und den Herzog von Nassau wegen Bereithaltung der Contingente. "Wahrscheinlich werde der östreichische Hof auf ein System zurückkommen, welches mit der Erhaltung der allgemeinen Ruhe vereinbarlich ist; doch sey es nothwendig, und der Kaiser von Frankreich verlange es, daß die Bundes-Fürsten ihre Contingente marschfertig halten."

8

Das Kürassier-Regiment Hohenzollern, das älteste in der Armee, von Debrezin in Ungarn kommend, hält unter der Anführung des Erzherzogs Carl und des Herzogs Albert seine öffentlichen Einzug in Wien durch die kaiserliche Burg, stellt sich im Hofe derselben Divisionsweise auf, und eröffnet dann seine Werbung auf diesem Platz, vermöge eines uralten Privilegiums aus den Zeiten des dreissigjährigen Kriegs, wo es den von seinen unruhigen Ständen bedrängten Kaiser aus der größten Verlegenheit befreit hatte.

11

Das Corps von Oudinot bricht von Hanau nach Schwaben auf. Auch das des Herzogs von Auerstädt setzt sich in der Mitte des Monats aus dem Baireuthischen, Erfurtischen und Fuldischen nach dem Main, die Divisionen Boudet und Molitor, die bei Hüningen über den Rhein gegangen, nach Oberschwaben, die Divisionen S. Cyr und Legrand theils nach der Iller, theils nach dem Neckar in Bewegung.

17

Von Wien werden 12 Couriere nach verschiedenen Richtungen abgefertigt. Man spricht von der Aufstellung von drei Armeen, wovon die erste von dem Kaiser und dem General-Quartiermeister Chasteller, die zweite von dem Erzherzog Carl und General-Quartiermeister Maier, die dritte von dem Erzherzog Johann und General-Quartiermeister Bach angeführt werden soll, und von fünf zu beziehenden Lagern, bei Saaz unter Bellegarde, bei Pilsen unter Hohenzollern, bei Prag unter Schwarzenberg, bei Piseck unter Rosenberg, bei Collin unter Lichtenstein.

20

Eine Abtheilung der nach Spanien marschirenden königl. westphälischen Division kommt in und bei Frankfurt an, die Division besteht aus 3 Cavallerie-, zwei Infanterie-Regimentern und einem leichten Bataillon unter dem Divisionsgeneral Morio und den Brigade-Commandanten Webern und Börner.

21

Die bisher im Baireuthischen gelegenen franz. Kürassier-Regimenter Nro. 4. 6. 7. und 8. marschieren durch Nürnberg und Anspach in der Richtung nach Augsburg.

22

Das Corps von Oudinot kommt in vier Colonnen (vom 22 -- 27. Febr.) zu Ulm an.
Zu Wien stirbt Ludwig Graf v. Cobenzl, kaiserlicher Staats- und Conferenzminister, der den Frieden zu Campoformio und den von Luneville geschlossen hatte, der Haupturheber des Kriegs von 1805 gewesen war, und nach dem unglücklichen Ausgang desselben seine Entlassung erhielt. "Auf seinem Todbette warnte er den Kaiser in einem starken und pathetischen Schreiben, er solle, zufrieden mit dem Zustand, worein ihn der Presburger Friede gesetzt, sich eines Krieges enthalten, zu dem man ihn nicht gereizt habe, und der den Untergang seines Hauses nach sich ziehen werde. Im ähnlichen Sinn sprachen Manfredini, Thugut, Graf Wallis und der Fürst de Ligne, aber der Groll des Erzherzogs Carl gegen Rußland, sein Aerger über die enge Verbindung dieser Macht mit Frankreich, das Gold der Engländer, womit der Minister Stadion bestochen worden, die falschen Berichten des Ambassadeurs Metternich, die Ränke der Rasumowski, Dalpozzo, Schlegel, Genz und andrer Abentheurer, welche England auf dem festen Lande besoldet, verursachten diesen unsinnigen und verderblichen Krieg."
(Achtes Bulletin der großen Armee.)

26

Die erste Colonne des Corps von Oudinot kommt in Augsburg an.

28

Der französische Bottschafter Andreossy reißt von Wien ab, wo fürs erste der Gesandtschafts-Sekretär Dodun noch zurückbleibt. (Dieser wurde im May von den Oestreichern nach Pesth abgeführt.)

März.

1

Die östreichische Armee wird auf den Kriegsfuß gesetzt.

2

Graf Metternich zeigt dem Minister Champagny an, daß sein Hof für gut gefunden habe, die Truppen auf den Kriegsfuß zu setzen, sein Herr behalte jedoch im Bezug auf Frankreich die friedlichste Stimmung bei. Champagny's Erwiederung: "Ich weiß nicht, wo Ihre Maßregeln Sie hinreissen werden, aber, wenn der Krieg Statt hat, so geschieht es, weil Sie ihn gewollt haben."

3

Der Erzherzog Johann kommt in Gräz und der Feldmarschall-Lieutenant Giulay in Laibach an.

4

Napoleon fordert in einem Schreiben an den Fürsten Primas die älteren Bundesfürsten zweiter Classe auf, ihre Contingente bis zum 20. März nach Würzburg zu stellen.
Der Erzherzog Ferdinand kommt in Cracau an.

5

Schanzarbeiten bei Dresden, um die Stadt gegen den ersten Anlauf eines Streifkorps zu schützen.

9

Fahnen- und Waffen-Weihe der sechs Bataillone der Wiener Landwehr in der Domkirche zu St. Stephan. Dankadresse des Erzherzog Carl an die "edlen Freiwilligen Wiens, die nicht fremden Hohn und fremde Fesseln tragen wollen." Diese sechs Bataillone marschiren am 10. nach Kornneuburg und Klosterneuburg ab. Die ganze Niederöstreichische Landewehr besteht aus 18, die oberöstreichische aus 22 Bataillonen.

11

Anfang des Durchmarsches der Divisionen Molitor und Boudet durch Basel. (s. beim 21. März.)

15

Der östreichische Gesandte Graf Stadion verläßt München.
Schwedisch-Pommern wird von Meklenburgischen und Oldenburgischen Contingents-Truppen besetzt.

17

Die Division Dupas, welche seit dem November in Hamburg und Lübeck gewesen, geht, über die Elbe. Diese Städte erhalten holländ. Garnisonen. (s. beim 7. April.)
Aufbruch des großen Hauptquartiers der französischen Armee unter dem Herzog von Auerstädt von Erfurt und Würzburg.

18

Der Fürst von Pontecorvo reißt von Hamburg nach Dresden ab.

19

Das Oudinotsche Corps feiert das Josephinen-Fest in Augsburg.

21

Der östreichische Gesandte zu Paris, Graf Metternich, gibt dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, dem Kriegsminister und dem russischen Gesandten, Fürsten Kurakin ein großes Diner.
Beendigung des am 11. angefangenen Rheinübergangs der Divisionen Molitor und Boudet bei Hüningen.

22

Ankunft des Fürsten von Pontecorvo in Dresden.

25

Eben derselbe hält Hauptrevüe über sämmtliche bei Dresden versammelte sächsische Truppen. (18000 Mann.)

28

Cantate im Burgtheater zu Wien, wobei Collins Landwehrlieder abgesungen werden.

30

Alle diplomatische Verbindungen zwischen Oestreich und Würtenberg werden abgebrochen. Der östreichische Gesandte, Baron Crumpiyen, reißt ab.

31

Der König von Sachsen kommt von Warschau nach Dresden zurück.
Das dritte Corps der östreichischen Armee zieht durch Linz.

April.

1

Das grosherzoglich-hessische Truppencorps bricht nach erhaltener Ordre des Herzogs von Rivoli von Mergentheim nach Baiern auf.
424 portugiesische Reiter, der Vortrab eines aus Languedoc kommenden und 6000 Mann starken Corps dieser Nation, kommen in Hüningen an, um bei Breisach über den Rhein, und dann nach Baiern zu gehen.

2

Aufbruch der bei Pforzheim kantonnirenden badischen Truppen, unter dem General Harrant, nach Ulm zum Corps des Herzogs von Rivoli.
Das 4te Corps der östreichischen Armee marschirt durch Linz nach Wels.

4

Der Divisionsgeneral Vandamme reißt von Stuttgard nach Heidenheim ab, um über die in der dortigen Gegend kantonnirenden würtenbergischen Truppen das Commando zu übernehmen.
Der Erzherzog Johann kommt mit seinem Generalstab in Laibach an.

5

Der russische Geschäftsträger in Wien, Baron von Anstetten, übergibt dem östreichischen Hofe eine Note, des Inhalts, daß der russische Hof sich mit England in keine Friedensunterhandlungen einlassen werde, so lange das gegenwärtige Ministerium an der Spitze der Geschäfte stehe, und daß der russische Kaiser mit dem französischen für den Frieden und für den Krieg aufs genaueste vereinigt bleibe.

6

Armeebefehl des Generalissimus Erzherzogs Carl an seine Truppen, von Wien datirt.
"Ihr geht in rechtlichen Kampf, sonst stünde ich nicht an eurer Spitze. Wir werden auf den Feldern von Ulm und Marengo, an die uns der Feind so oft prahlend erinnert, die glorreichen Thaten von Würzburg und Ostrach, von Liptingen und Zürich, von Verona, an der Trebia, und von Novi erneuern. Ich werde überall in eurer Mitte seyn, und den ersten Dank des Vaterlandes sollt ihr von eurem Feldherrn auf dem Schlachtfeld erhalten. Bald werden fremde Truppen im innigen Verein mit uns den gemeinschaftlichen Feind bekämpfen."
Der Erzherzog reißt am nemlichen Tage zur Armee ab. Diese ist in 9 Corps und 2 Reserven getheilt, nemlich
I. G. d. C. Graf Bellegarde.
II. FZM. Graf Kollowrat.
III. FML. Fürst von Hohenzollern-Hechingen.
IV. FML. Fürst von Rosenberg.
V. FML. Erzherzog Ludwig.
VI. FML. v. Hiller.
(Nro. I -- VI. unter dem Erzherzog Carl in Teutschland.)
VII. G. d. C. Erzherzog Ferdinand Carl d'Este. (In Gallizien.)
VIII. FML. Marquis v. Chasteller.
IX. FML. Ignaz Graf v. Giulay.
(Nro. VIII. und IX. unter dem G. d. C. Erzherzog Johann, gegen Italien bestimmt.
Reserven unter dem G. d. C. Fürst Johann von Lichtenstein, und dem FML. von Kienmayer, jene 20,000, diese 10,000 M. stark. Jedes der 9 Corps wurde zu 30 -- 40,000 M. berechnet.
Der König von Baiern befiehlt die Errichtung einer Nationalgarde von 6 Bataillons, als Sicherheitsanstalt für das platte Land, während daß die active Armee auf wenigen Puncten koncentrirt steht.

7

Die Division Dupas bricht aus der Gegend von Hannover nach Cassel auf.

8

Abreise des Kaisers Franz aus Wien zur Armee. Alle seine Brüder sind bereits gleichfalls dahin abgegangen, bis auf den Erzherzog Rainer, der die inneren Staatsgeschäfte leitet. Dem Kaiser folgte am 9ten der Minister der auswärtigen Geschäfte, Graf Stadion.
Der Erzherz. Palatin kommt von Wien in Ofen an.

9

Schreiben des Erzherzogs Carl an den Oberbefehlshaber der französischen Armee in Baiern, worin er ihn benachrichtigt, er habe Befehl, mit seinen Truppen vorzurücken, und alle, die sich ihm widersetzen würden, als Feinde zu behandeln.
Der Flügeladjutant des Erzherzogs, Graf Johann Wratislaw überbringt dem König von Baiern von Braunau aus ein Schreiben des Erzherzogs Carl nach München. "Ich hoffe," heißt es darinn, "daß Sie, Sire, das Verlangen Ihres Volks hören werden, welches in uns nur seine Befreier sieht. Es wäre mir sehr schmerzhaft, meine Waffen gegen die Truppen E. M. wenden, und auf Dere Unterthanen die Drangsale des Kriegs werfen zu müssen, der für die allgemeine Freiheit unternommen worden ist, und dessen erster Grundsatz folglich jeden Eroberungsentwurf ausschließt."
(Graf Wratislaw war einer der ersten östreichischen Offizieren, die in französ. Kriegsgefangenschaft fielen.)
General Bellegarde in Eger erklärt dem General Friant in Baireuth den Anfang der Feindseligkeiten.
Erzherzog Johann in Malborghetto kündigt dem Befehlshaber der französischen Vorposten den eingetretenen Kriegszustand an.
Der FML. Chasteller rückt aus Kärnthen über Lienz und das Puster-Thal in Tyrol ein.
Das aus nassauischen, isenburgischen und hohenzollerischen Contingenten in Wisbaden formirte Regiment Nassau marschirt durch Frankfurt nach Würzburg zum Corps des Herzogs von Auerstädt.

10

Ein östreichisches Truppencorps geht bei Braunau, Obernberg und Schärding, eine Abtheilung des sechsten Corps unter FML. Jellachich bei Rosenheim und Wasserburg über den Inn.
(Diesen Tag geben die östreichischen Berichte an, den vorhergehenden die bairische Proklamation und das französische erste Bulletin.)
FML. Dedovich besetzt Passau. Ein bairisches Bataillon wirft sich in die obere Festung.
Bellegarde rückt aus Böhmen über Tischenreuth, Kollowrath über Roßhaupt in die Oberpfalz ein. Sie vereinigen sich bei Wernberg.
Stellung der französischen und verbündeten Truppen zur Zeit des Anfangs der Feindseligkeiten nach dem ersten Bulletin:
Das Corps des Herzogs von Auerstädt zu Regensburg,
-- --von Rivoli zu Ulm,
-- Generals Oudinot zu Augsburg,
Die bairische Division Kronprinz zu München,
--Deroy zu Landshut.
--Wrede zu Straubing.
(Diese drei bairische Divisionen unter dem Herzog von Danzig.)
Die würtembergische Division zu Heidenheim.
Die Sachsen im Lager bei Dresden.
Das Corps des Herzogthums Warschau unter dem Prinzen Poniatowski bei Warschau.
Das große Hauptquartier zu Strasburg.
FML. Chasteller überfällt 700 französische Conscribirte, welche zu ihrem Regiment nach Augsburg giengen, und läßt sie, nachdem die zur Uebergabe gezwungen worden, ermorden. Unter ihnen befanden sich 80 Belgier, mit Chasteller in der nemlichen Stadt geboren. Achtzehnhundert Baiern, welche zu gleicher Zeit gefangen wurden, hatten ein gleiches Schicksal. Chasteller war Zeuge dieser Greuelscene, und man beschuldigt ihn, dazu gelächelt zu haben, weil er hofte, die Tyroler würden nach einem so unverzeihlichen Verbrechen desto fester im Aufruhr beharren. (Für die Richtigkeit dieses Factums und der darinn angegeben Zahlen bürgt das 23. Armeebulletin, ein Gewährsmann, der auch den unglaubigsten Zweifler überzeugen muß.)
Königlich-Preussisches Cabinetsschreiben gegen die vom Herzog von Braunschweig-Oels unternommene Werbung bei Nachod (in Böhmen, an der Grenze der Grafschaft Glaz.)

Zweiter Abschnitt. Vom Uebergang über den Inn bis zum Treffen bei Ebersberg.Bearbeiten


April.

11

Der bairische Obristlieutenant Wrede zieht sich nach einem bei der Labritscher Brücke an der Eisak gelieferten Gefecht, und bei der Annäherung des Corps des FML. Chasteler nach Sterzing zurück.
Die durch das Pusterthal vorgedrungenen Oestreicher besetzen Brixen.
Die königl. bairische Familie reist von München nach Dillingen, die königl. sächsische von Dresden über Leipzig nach Naumburg ab.
Proklamation des Vice-Königs Eugen Napoleon, Oberbefehlshabers der italienischen Armee, aus dem Hauptquartier Campo Formio, worin er den Völkern Italiens den östreichischen Friedensbruch bekannt macht.
Die Insurrection des Oedenburger Comitats kommt zu Oedenburg an.

12

Die Tiroler Insurgenten dringen nach einem Gefecht, das dem bairischen Obersten Dittfurt und dem Oberstlieutenant Spansky das Leben kostete, in Innsbruck ein.
Vorposten-Gefechte der Division Broussier und der Armee des Erzherz. Johann in Italien; der Division von Friant und des vereinigten Bellegarde- und Kollowrathschen Corps bei Hirschau in der Oberpfalz.
Aufbruch des würtembergischen Corps aus der Gegend von Heidenheim nach Dillingen.
Proclamation des Herzogs von Danzig an die bairische Armee (aus München) und des Herzogs von Auerstädt an sein Corps, (aus Hemau, zwischen Nürnberg und Regensburg.)
Ankunft der Reiterei der kaiserlichen Garde zu Strasburg.
Bericht des Ministers Champagny an den Kaiser über die Nothwendigkeit des Kriegs gegen Oestreich.

13

Napoleons Abreise von Paris nach Teutschland.
Die bairischen Truppen, unter dem Kronprinzen, räumen München und ziehen sich auf der Strasse von Freising und Landshut zurück. Das östreichische Hauptquartier ist in Ampfing.
Eine bairische Colonne wird auf dem Rückzug von Brixen nach Stertzing von den Tirolern nach braver Gegenwehr gefangen. Ihre Stärke nach bairischen Berichten: 380 Mann; nach östreichischen: 49 Offiziere, 1677 Mann, 451 Pferde.
Die bei Dresden unter dem Fürsten von Pontecorvo gesammelten sächsischen Truppen marschiren von da über Altenburg und Jena nach Weimar ab. Nach erhaltener späterer Direction giengen sie über Hof nach Wunsiedel. Dieß Corps wurde auf 20,000 Mann angegeben; die Division des GL. v. Polenz, acht Bataillons stark, stand noch in Warschau, Danzig, Thorn und Grosglogau.

15

Der Erzherzog Ferdinand rückt bei Nowemiasko ohne Widerstand über die Pilica in das Herzogthum Warschau ein. Der Fürst Poniatowski begiebt sich mit seinem Generalstab von Warschau zu der bei Raszyn stehenden polnischen Armee. Der Staatsrath beschließt die Organisirung eines allgemeinen Aufgebots.
Einzug des FML. Chasteler in Inspruck.
Zwei böhmische Landwehr Bataillons, welche bei Waldkirchen über die Grenze geführt sollten, verweigern den Gehorsam, und ihre Officiere sind genöthigt, sie nach Bömisch-Röhren zurückzuführen.
Die Avantgarde des Prinzen Eugen Napoleon unter dem General Sahuc wird von den Oestreichern überfallen und 3 Bataillons des 35sten Regiments gefangen.

16

Das 5te östreichische Armee-Corps (Erzherz. Ludwig) erkämpft den von der bairischen Division Deroy streitig gemachten Uebergang über die Isar bei Landshut.
Die Baiern ziehen sich nach Pfaffenhausen zurück.
Das Hauptquartier des Erzherz. Carl kommt nach Landshut.
Jellachich rückt mit den Dragonern von Orelly, den Gränzern und dem Infanterie-Regiment Esterhazy in München ein.
Nachtheiliges Treffen der Armee des Vice-Königs von Italien zwischen Sacile und Pordenone. Verlustangabe in den italienischen Amtsberichten: 1500, nachher vermindert auf 900; in den östreichischen 6000 Gefangene, 16 Kanonen und 3 Adler. Der Vice-König zieht sich über die Lipenza und Piave an die Etsch zurück, nachdem er Besatzungen in Palma nuova, Osopo und Venedig zurückgelassen.

17

Napoleon kommt von Strasburg, wo er am 15ten um 11 Uhr Vormittags abreißte, über Ludwigsburg und Dillingen in Donauwörth an, Morgens 2 Uhr. Proclamation an die Armee:
"Das Bundesgebiet ist verletzt worden, der östreichische Feldherr verlangt, wir sollen beim Anblick seiner Waffen fliehen, und ihm unsre Bundesgenossen preisgeben. Mit Adlersschnelle eile ich herbei. Ihr umgabt mich, Soldaten, als der Beherrscher von Oestreich in Mähren in mein Bivouac kam, ihr seyd Zeugen gewesen, wie er meine Gnade anflehte, mir eine ewige Freundschaft schwur. Wir haben in drei Kriegen triumphirt; alles verdankt Oestreich unsrer Grosmuth, und dreimal hat es sein Wort gebrochen. Die Vortheile der Vergangenheit verbürgen uns den Sieg, der unser wartet; vorwärts! und der Feind wird bei unserm Anblick seine Sieger erkennen."
Proklamation des Königs von Baiern an die Bürger und Krieger Baierns. (Allg. Zeitung Nro. 111.)
Würtembergisches Manifest gegen Oestreich. (Allg. Zeitung Nro. 112.)
Ein Bataillon Prinz Friedrich bricht von Ludwigsburg auf, um Mergentheim zu occupiren, wo es am 20sten einrückte.
Erzherz. Johann fordert aus dem Hauptquartier Conegliano den Herzog von Ragusa, Befehlshaber in Dalmatien, auf, die Waffen niederzulegen.

18

Napoleons Hauptquartier wird nach Ingolstadt, das des Herzogs von Rivoli von Augsburg nach Aichach verlegt. Alle in Augsburg liegende Truppen brechen über die Friedberger Lechbrücke nach Baiern auf.
Die Divisionen Boudet und Molitor, die Baden und Hessen kommen in Augsburg an.

19

Schlacht bei Tann. "Der Herzog von Auerstädt setzte sich am 19ten (von Regensburg) in zwei Colonnen in Marsch. Die Divisionen Morand und Gudin bildeten seinen rechten, die von St. Hilaire und Friant seinen linken Flügel. Die Division St. Hilaire stieß in dem Dorf Peissing (südlich von Abach) auf den Feind, und hier eröffnete sich der Feldzug durch ein für unsre Waffen glorreiches Gefecht. St. Hilaire nahm dem Feind seine Stellung weg, tödtete ihm eine Menge Leute und machte 6 - 700 Gefangene. Auf den linken Flügel stieß der General Morand (seine Division ist oben auf dem rechten aufgestellt) ebenfalls auf eine östreichische Division und griff sie von vorn an, indeß ihr der Herzog von Danzig, der mit einem Corps Baiern von Abendsberg her kam, in den Rücken fiel. Diese Division war bald aus allen ihren Stellungen vertrieben und ließ einige hundert Todte und Gefangene zurück. Gegen Abend bewirkte das Corps des Herzogs von Danzig seine Vereinigung mit dem des Herzogs von Auerstädt."
Gefecht bei Pfaffenhofen. Der General Oudinot traf von Augsburg aus mit Tagesanbruch zu Pfaffenhofen ein, stieß daselbst auf 3 - 4000 Oestreicher, die er angriff und zersprengte, und machte 300 Gefangene. (Erstes französisches Bülletin.)
Der siebende östreichische Tagbericht meldet, der Erzherz. Carl sey nach dem Uebergang über die Isar mit dem 3ten, 4ten und 5ten Armeekorps und dem 1sten Reserve-Corps gegen die Donau in der Richtung nach Kehlheim und Regensburg aufgebrochen, und am 19ten über Eckmühl, Rotenburg und Kloster Rod (Ror) vorgerückt; es habe sich ein lebhaftes Gefecht engagirt, worin die Truppen sich brav verhalten, und mehrere Regimenter alle Stabsoffiziere verloren haben. FML. Lusignan und die beiden Fürsten Moriz und Louis Lichtenstein seyen verwundet. Man habe keine nähere Details über die Affaire, weil der Drang der Geschäfte dem Erzherzog nicht gestattete, einen umständlichen Rapport zu machen.
In den Beobachtungen wichtige Ereignisse aus dem Kriege im J. 1809, welche zu Weimar erschienen sind, befindet sich folgende Darstellung: Um den Franzosen (dem Corps von Auerstädt) die Vereinigung mit den Baiern (bei Abensberg) zu verwehren, zogen die Oestreicher das 3te und 4te Corps und das 1ste Reserve-Corps beim Kloster Rör durch einen forcirten Marsch zusammen, das 5te wurde zur Beobachtung der Baiern bei Siegburg aufgestellt, und das 6te sollte der Armee beim Vorrücken von Moßburg über Au und Mainburg die Flanke decken. Der Kaiser befahl dem Herzog von Auerstädt, von Regensburg sich nach Neustadt zu ziehen, um Ingolstadt näher zu seyn. Als die Division St. Hilaire bei Peising ankam, fand sie daselbst die Oestreicher in beträchtlicher Stärke, man schlug sich den ganzen Tag bei Tann und Ror, beide Theile sagen in ihren Relationen, an diesem Tage das Schlachtfeld behauptet zu haben, und dieß scheint auch der Fall gewesen zu seyn. Die Franzosen behaupteten alle Defileen bei Postsaal und Abach.
Das Hauptquartier Napoleons kommt nach Vohburg, das des Erzherz. Karl ist zu Eglofsheim.
Treffen bei Raszyn (Blonie) zwischen dem polnisch-sächsischen Corps unter dem Fürsten Poniatowski und dem östreichischen des Erzherz. Ferdinand. Jene behaupteten das Schlachtfeld in achtstündigem Kampf, und zogen erst Nachts 11 Uhr gegen Warschau zurück. Polnischer Verlust: 450 Todte, 900 Verwundete, 4 Kanen; Oestreichischer: 71 Todte, 255 Verwundete.

20

Schlacht bei Abensberg. Napoleon beschloß, die Corps des Erzherz. Ludwig und des Generals Hiller, zusammen 60,000 Mann stark, zu schlagen. Er begab sich nach Abensberg und befahl dem Herz. von Auerstädt, die Corps von Hohenzollern, Rosenberg und Lichtenstein im Respect zu halten, während Er selbst mit den Divisionen Morand und Gudin (unter dem Herz. von Montebello), den Baiern (unter dem Herz. von Danzig, dem Kronprinzen, Wrede und Deroy) und den Würtenbergern (unter Vandamme und dem GL. Neubronn) die Corps des Erzherz. Ludwig und Hillers von Vorn, und durch den Herz. von Rivoli im Rücken angriffe. Der Kaiser setzte sich an die Spitze der teutschen Bundestruppen, entflammte sie durch eine an ihre um sich her versammelte Offiziere gehaltene Rede, die der Kronprinz von Baiern verteutschte, und gab das Zeichen zum Angriff. Wrede, der an der Brücke von Siegburg aufgestellt war, griff eine ihm gegenüberstehende östreichische Division an und Vandamme überflügelte sie auf ihrer rechten Flanke. Der Herz. von Danzig (mit den Divisionen Kronprinz und Deroy) marschirte gegen Neuhausen, um auf die Hauptstrasse von Abensberg nach Landshut zu gelangen. Montebello überwältigte den äußerste linken Flügel, warf alles, was vor ihm stand, und rückte bis Rohr und Rotenburg vor. Acht Fahnen, zwölf Kanonen, 18,000 Gefangenen waren das Resultat dieses Treffens, das uns nur wenige Leute kostete. (Erstes franz. Bulletin.) Von den Würtembergern haben sich besonders das Jäger-Bataillon König und das leichte Bataillon Wolf ausgezeichnet, und 86 Mann an Todten und Verwundeten verloren.
Oestreichischer Bericht: Am 20sten hat Regensburg kapitulirt. Das 65ste Regiment ergab sich zu Kriegsgefangenen. Am nemlichen Tag wurde das 5te Corps bei Siegburg heftig angegriffen. Der Erzherz. Ludwig zog sich gemeinschaftlich mit dem FML. Hiller zur Deckung von Landshut gegen die Isar. Beide Corps stehen vereint mit dem 2ten Reserve-Corps bei Altötting. Der Verlust an Mannschaft ist nicht bedeutend.
Der italienische General Fontanelli schlägt einen Angriff der östreichischen Linientruppen und der Insurgenten auf Trient ab.

21

Gefecht bei Landshut. Da die Schlacht bei Abensberg die Flanke der östreichischen Armee und alle feindlichen Magazine entblößt hatte, so marschirte der Kaiser am 21sten auf Landshut. Der Herzog von Istrien warf die feindliche Cavallerie auf der Ebene vor dieser Stadt. Der Divisionsgeneral Mouton ließ die Grenadiere, welche die Spitze der Colonne bildeten, im Sturmschritt auf die Brücke vorrücken. Sie stand im Brand, allein dieß hinderte unsere Infanterie nicht, darüber zu gehen, und in die Stadt zu dringen. Der Feind, ohnedieß aus seiner Stellung vertrieben, ward nun vom Herz. von Rivoli angegriffen, der auf dem rechten Ufer herbeikam. Landshut fiel in unsre Gewalt, und mit Landshut nahmen wir 30 Kanonen, 9000 Gefangene, 600 Munitionswagen, 3000 Packwagen, 3 Brücken-Equipagen und die Hospitäler und Magazine, welche die östreichische Armee anzulegen anfieng. (Französ. Bülletin I.)
Der Engpaß bei Landshut an der Isar, wo mehrere Wagen den Weg sperrten, während man sich gegen den andringenden Feind tapfer schlug, hat den Verlust einiger Kanonen und mehrerer Fuhrwerke unvermeidlich gemacht. Der Verlust an Mannschaft ist nicht bedeutend; nur eine Division von Benjowsky, welche die schon brennende Isarbrücke passiren mußte, hatte starken Verlust. (Achter östreichischer Tagbericht.)
Das würtembergische Jäger-Bataillon v. Neuffer und das leichte Bataillon von Wolf wurden kommandirt, das tête de pont bei Landshut anzugreifen. Ehe sie auf Schußdistanz ankamen, erhielten sie den Befehl, sich hinter Landshut aufzustellen. Zwei Compagnien Brüsselle und Neuffer unternehmen allein den Angriff auf die Brücke. Dieser gelang vollkommen, und sie verfolgten den Feind trotz seine Uebermacht weit auf dem rechten Ufer der Isar. (Würtembergischer Hofbericht.)
Die polnische Armee wird kraft einer mit dem Erzherz. Ferdinand getroffenen Convention aus Warschau nach Praga übergeführt und die Schiffbrücke abgetragen.
Aufstand in Hessen unter der Anführung des Befehlshabers der königl. westphälischen Jägergarde Obersten v. Dörnberg.

22

Schlacht bei Eckmühl. Während die Schlacht bei Abensberg und das Gefecht bei Landshut so wichtige Resultate hatten, vereinigte sich der Prinz Karl mit dem böhmischen Corps unter Kollowrath; tausend Mann vom 65sten Regiment, von der östreichischen Armee in Regensburg eingeschlossen, sahen sich genöthigt, sich zu ergeben; der Kaiser schwur, diese Beschimpfung seiner Waffen zu rächen. Am 22sten des Morgens setzte er sich mit den beiden Divisionen des Herzogs von Montebello, dem Corps des Herz. von Rivoli, den Cürassier-Divisionen Nansouty und St. Sulpice und der würtembergischen Division von Landshut in Marsch. Um 2 Uhr Nachmittags kam er Eckmühl gegen über an, wo die vier Corps der östreichischen Armee, 110,000 M. stark, unter dem Erzherz. Carl sich aufgestellt hatten. Der Herz. von Montebello überflügelte den Feind auf der linken Seite mit der Division Gudin. Aufs erste Zeichen debouchirten die Herzoge von Auerstädt und Danzig, (welche die Corps von Hohenzollern, Rosenberg und Lichtenstein im Schach hielten) und die leichte Cavallerie-Division Montbrün. Nun erblickte man eins der schönsten Schauspiele, die je der Krieg dargeboten hat. Einmalhundertzehntausend Feinde wurden auf allen Seiten angegriffen, auf ihrem linken Flügel tournirt und nach und nach aus allen ihren Stellungen vertrieben. Sie verloren den größten Theil ihrer Kanonen und eine große Menge Gefangener. Sie wurden zuletzt auch aus dem Walde getrieben, der Regensburg deckt, in die Ebene geworfen, und durch die Cavallerie abgeschnitten. Die starke und zahlreiche östreichische Cavallerie erschien, um den Rückzug der Infanterie zu decken; die Divisionen St. Sulpice und Nansouty brachten die feindliche Linien von Husaren und Cürassieren in Unordnung, und nahmen über 300 Cürassiere gefangen. Die Nacht brach ein. Unsre Cürassiere setzten ihren Marsch gegen Regensburg fort. Die Division Nansouty macht eine fliehende Colonne von drei ungrischen Bataillonen von 1500 M. zu Gefangenen. Die Division St. Sulpice hieb in ein andres Viereck ein, worin der Prinz Carl beinahe wäre gefangen worden; er verdankte seine Rettung nur der Schnelligkeit seines Pferds. Diese Colonne wurde gleichfalls geworfen und gefangen gemacht. Die Finsterniß zwang uns endlich stille zu halten. Nur die Hälfte der französischen Truppen ist im Gefecht gewesen. Alle Verwundeten der feindlichen Armee, der größte Theil ihrer Artillerie, 15 Fahnen und 20,000 Gefangene fielen in unsre Hände. (Erstes französ. Bülletin.)
Beide Heerführer rückten am 22sten mit gleicher Streitlust einander entgegen. Der Posten Abach, um den man in den vorigen Tagen oft vergebens gekämpft hatte, wurde durch das 2te Armee-Corps angegriffen und überwältigt. Der 3te emportirte Laitpoint; (Laikepoint zwischen Abach und Eckmühl) während der rechte Flügel der östreichischen Armee vordrang, gelang es dem Feinde, Eckmühl an der Laber zu gewinnen. Die Gegenwart des Erzherzogs stellte sogleich die Ordnung wieder her, und so endete das Gefecht, welches fünf Tage lang ununterbrochen gedauert hatte. Der Verlust war auf beiden Seiten stark; wir zählen mehrere Generale und Stabsoffiziere verwundet. (Oestreichischer Tagbericht)
Am 22sten Morgens 4 Uhr kam die würtemb. leichte Brigade von Landshut bei Eberspach (Erbelsbach in der Direction nach Eckmühl) an; das Jäger-Bataillon König drang in die Stadt, und macht 40 Husaren zu Gefangenen; nach dreistündiger Ruhe setzte sich die Brigade, als Avantgarde der Armee, nach der großen Laber in Bewegung. Nachmittags 2 Uhr griff das Bataillon König das Dorf Buchhausen (zwischen Pfaffenberg und Eckmühl) an, nahm dasselbe weg, und machte dadurch der reitenden Artillerie und der königlichen Cavallerie den Durchzug durch den Ort und den Aufmarsch vor demselben möglich. Von beiden Seiten erfolgte ein starkes Artilleriefeuer, wobei die königliche Cavallerie die größte Contenance bewies. Nach einer halbstündigen Kanonade wurde der Feind durch unsre Artillerie in die zweite Position bei Eckmühl zurückgedrängt. Das Jäger-Bataillon König erstürmte ein mit Wallen umgebenes Schloß, worin 300 Gefangene gemacht wurden. In der zweiten Position schien der Feind hartnäckigern Widerstand leisten zu wollen. Die französischen Cürassiere rückten auf den rechten Flügel der Schlachtordnung, die würtembergische Cavallerie bildete das Centrum, und die bairischen Divisionen den linken Flügel. Die Infanterie erstürmte das Dorf Eckmühl, und die königliche Cavallerie trug durch gut gelungene Angriffe nicht wenig zum erfochtenen Siege bei. Der Verlust der Würtemberger in diesen Gefechten beträgt 18 Todte und 89 Blessirte. (Würtembergischer Hofbericht.)
Unter den Getödteten befindet sich der französische Divisionsgeneral Cervoni.

23

Gefecht bei Regensburg. Mit Anbruch des Tags rückte man gegen Regensburg vor. Die feindliche Cavallerie, welche die Stadt decken wollte, wird in drei Angriffen geworfen, mit grossem Verlust zieht sie sich über die Donau zurück. In die mit einer schlechten Mauer, einem schlechten Graben, und einer schlechten Contrescarpe umgebende Stadt hatte der Feind sechs Regimenter gelegt. Man bemerkte einen Eingang, durch den man mittelst einer Leiter in den Graben hinabkommen, und sodann durch eine in der Mauer gemachte Bresche wieder hinauf steigen konnte. Der Herzog von Montebello schickte durch diese Oeffnung ein Bataillon, welches hierauf eine verborgene Thüre erreichte und sie aufschlug. So drang man in die Stadt. Die Zahl der Gefangenen überstieg 8000. Der Feind hatte nicht Zeit, die Brücke abzubrechen, und die Franzosen drangen zugleich mit ihm aufs linke Ufer über. Auf diese Art schlug der Kaiser in der Schlacht bei Abensberg die beiden abgesonderten Corps des Erzherz. Ludwig und des Generals Hiller. Durch das Gefecht bei Landshut bemächtigte er sich das Centrums der Communikationen des Feinds und des General-Depots, seiner Magazine und seiner Artillerie. Endlich bei Eckmühl wurden die vier Corps Hohenzollern, Rosenberg, Kollowrath und Lichtenstein geschlagen. Das Corps des Generals Bellegarde kam erst am Tage nach der Schlacht an, und konnte daher nur Zuschauer bei der Einnahme von Regensburg seyn. Es flüchtete sich nach Böhmen. Unser Verlust in allen diesen Treffen kann sich auf 1200 Todte und 4000 Verwundete belaufen. Unter jenen die General Cervoni und Hervo, unter diesen St. Sulpice und Schramm. Die 220,000 Mann aus denen die östreichische Armee bestand, waren insgesamt im Gefecht, außer die 20,000 Mann, welche Bellegarde kommandirte. Von der französischen Armee hingegen hat fast die Hälfte keinen Schuß gethan. Der Feind wurde durch schnelle und vorher von ihm nicht berechnete Manövres betäubt, und an die Stelle des wahnsinnigen Stolzes trat eine an Verzweiflung grenzende Niedergeschlagenheit. (Erstes französisches Bülletin.)
Die Nachrichten von der Schlacht am 22sten hatten zu den besten Hoffnungen berechtigt. Der Ausgang war unerwartet. Eine große Ueberzahl an Cavallerie hat am Abend des Tags ungünstig für unsre Waffen entschieden. Der linke Flügel war gezwungen, zu weichen. Die große Armee hat die Donau bei Regensburg passirt und sich auf der Strasse nach Waldmünchen aufgestellt. Wir sind für diesen Augenblick aus der Offensive in die Defensive versetzt. (Oestreich. Tagsbericht Nr. 11.) Der Uebergang über die Donau geschah am 24sten bei hellem Tage, im Angesicht des Feindes unter dem Schutz unsrer Artillerie und Cavallerie, die 4 Stunden lang die feindlichen Angriffe abhielten. Wir haben einige Batterien verloren, von welchen die Bedienung und die Pferde todtgeschossen waren. (Nro. 14.)
Vor Regensburg war es, daß dem keine Gefahr scheuenden Kaiser zum erstenmal in seinem Leben eine matte Flintenkugel leicht den Stiefel streifte, ohne auch nur die Haut zu beschädigen.
Bei dem durch die Beschiessung der Stadt entstandenen Brand sind 134 Gebäude von den Flammen ganz oder größtentheils verzehrt worden, in Stadt am Hof 79.
Jellachich räumt München.
Erzherzog Ferdinand zieht in Warschau ein.
Viertausend Oestreicher greifen Malghera, südlich von Mestre, der Stadt Venedig gegenüber, vergeblich an.
Oberst Dörnberg mit den Insurgenten der Gemeine Wolfshagen wird auf dem Marsch gegen Cassel, drei Stunden davon, durch die königlichen Truppen angegriffen und sein Haufen zerstreut.

24

Tagsbefehl aus dem kaiserlichen Hauptquartier Regensburg: .....
Gefecht bei Neumarkt an der Rott (zwischen Landshut und Mühldorf.) Die Divisionen Molitor und Wrede waren unter dem Herzog von Istrien gegen den Inn abgeschikt worden, um die beiden bei Abensberg und Landshut geschlagenen östreichischen Corps zu verfolgen. Diese zogen jenseits Neumarkt ein vom Inn kommendes Reservecorps an sich, worauf FML. Hiller die Division Wrede nöthigte sich nach Vilsbiburg zurükzuziehen und hinter der Molitorschen aufzustellen.
Das Hauptquartier des Vicekönigs wird nach Verona verlegt. Die italienischen Gensdarmes nehmen den Generalintendanten der östreichischen Armee, den Grafen Goes, bei Padua gefangen.
Convention zwischen dem Grafen Neipperg (im Namens des EH. Ferdinand) und dem Polnischen Commandanten Hornowski in Praga. Praga soll nicht von Warschau her angegriffen werden und gegenseitig.
Kaiserliches Decret (zu Regensburg) wodurch der Teutsche Orden in allen Staaten des rheinischen Bundes aufgehoben, die Güter desselben den Domänen der Fürsten, in deren Staaten sie liegen, Mergentheim aber, und alle mit dem Teutschmeisterthum verbundenen Rechte und Einkünfte der Krone Württemberg einverleibt werden.
Kriegserklärung des Königs von Sachsen gegen Oestreich (zu Leipzig.)
Königl. Westphälische Proclamation, wodurch die Unterthanen vor Empörung gewarnt werden. Der König erhält von den Offizieren seiner Garde den erneuerten Schwur der Treue bis in den Tod.

25

Der König von Baiern, von 14 Dragonern begleitet, kommt nach München zurük. (wieder abgereist nach Augsburg den 26)
Das Corps des EH. Ludwig, und die von Hiller und Kienmayer ziehen sich nach Altötting. (d. 26 über Burghausen und Braunau nach Altheim.) Jellachich steht bei Rosenheim und Wasserburg. Der EH. Carl mit dem Corps von Bellegarde, Hohenzollern, Collowrath, Rosenberg und Lichtenstein bei Cham.
Vorrüken der polnischen Armee auf dem rechten Ufer der Weichsel nach Radzimin, Okoniew und Karczew.
Aufbruch des Herzog von Ragusa von Ostrovizza nach Croatien.

26

Die erste bairische Division, von dem Kronprinzen angeführt, zieht mit 12 eroberten Kanonen durch München.
Der Herzog von Rivoli kommt von Regensburg über Straubing in Passau an, läßt das Bataillon du Po über den Inn gehen, macht 600 Gefangene und befreit die von drei östreichischen Landwehrbataillons blokirte Citadelle. (Schloß Oberhaus] Ein Theil der Division Legrand beschießt Schärding, und stekt einige Häuser in Brand. FML. Dedovich zieht sich von Schärding nach Taufkirchen, nach dem er die Magazine und dadurch die Hälfte der Stadt verbrannt hatte.
Die erste Abtheilung der kaiserlichen Garden kommt in Landshut an, (wo sich Napoleon heute befindet) und lößt das würtembergische Chevauxlegersregiment Herzog Heinrich ab, welches bisher den Dienst als Wache des Kaisers versehen hatte.
2000 Tyroler Insurgenten besezen Füssen.
Die Oestreicher gehen über die Zermagna und fangen die Feindseligkeiten in Dalmatien an.
Franzosische, Bergische und Primatische Truppen marschiren von Mainz und Frankfurt zur Dämpfung der Unruhen in Westphalen ab.
Das Hauptquartier des Generals Wattenwyl, Befehlshaber des schweizerischen Neutralitätscordon, kommt nach Zürich.

27

Napoleons Hauptquartier kommt von Landshut nach Mühldorf. Die Avantgarde des Generals Wrede geht auf der wiederhergestellten Mühldorfer Brüke Morgens 6 Uhr über den Inn. Ihr folgt das von Regensburg kommende Corps des Herzogs von Montebello. Der H. von Danzig kommt in Wasserburg an.
Der Herzog von Ragusa vereinigt seine Armee bei Knin. Es erfolgen hierauf mehrere für die Franzosen vortheilhafte Gefechte bei Obrovaz, Bender und an der obern Zermagna.
Russisch Kaiserlicher Befehl an den Fürsten Sergej Galliczin mit den vier in der Gegend von Brzesc und Bialystock stehenden Divisionen Doctorow, Suworow, Lewis und Gortschakow ins Herzogthum Warschau und nach Gallizien gegen die Oestreicher vorzurüken.

28

Napoleon und die Herzoge von Istrien und Montebello kommen zu Burghausen, der H. von Danzig zu Altenmarkt, General von Wrede zu Laufen an der Salza an, wo er der feindlichen Arrieregarde ihr Gepäk nimmt. General Bertrand macht Anstalten zur Wiederherstellung der vom Feind verbrannten Burghauser Brüke.
Der Eskadronschef Margaron mit 50 Jägern zu Pferd zwingt 1000 Mann von der Landwehr, die in einem dichten, für die Cavallerie unzugänglichen Walde bei Dittmaning standen, zur Uebergabe. Diese schlecht bewaffnete, noch schlechter gekleidete, von alten Artillerie-Offizieren angeführten Milizen flößten Mitleiden ein. (Drittes franz. Bulletin.)
Ein hessisches, ein badisches Infanterieregiment und ein Theil der portugiesischen Cavallerie kommen in München an.
Der preussische Major v. Schill führt das von ihm befehligte Husarenregiment (das 2te brandenburgische) und einige Jäger zu Pferd, zusammen 500 Mann, ohne Vorwissen des Gouverneurs und der Regierung vom Exercierplaz zu Berlin aus der Stadt, m in die Staaten des Königs von Westphalen einzufallen. Ihm folgten in der Nacht des 1sten May 280 M. leichte Infanterie; der Rest wurde durch die Klugheit des Generals Tauenzien bewogen da zu bleiben.

29

Die Division Wrede dringt stürmend in Salzburg ein, fangt 500 Oestreicher, und befreit viele bairische und französische Gefangene, welche die Tyroler nach Salzburg geliefert hatten. Das Corps von Jellachich wird zerstreut und flüchtet theils gegen Kärnthen, theils in die Wälder.
Kaiser Franz kommt zu Strengberg (zwischen Ens und Yps) an. Er hatte sich beim Anfang des Feldzugs von Wien nach Schärding begeben, und gerade diesen Ort gewählt, um nirgends zu seyn, weder in seiner Hauptstadt, um seine Staaten zu regieren, noch im Lager, wo er nur eine unnüze Beschwerde verursacht hätte. Auf die Nachricht von den Folgen der Schlacht bey Eckmühl verließ er die Ufer des Inns, und kehrte ins Innere seiner Staaten zurük. (Dritttes franz. Bulletin.)
Das Hauptquartier des Fürsten von Pontecorvo ist in Plauen.
Treffen auf der ganzen Linie zwischen der östreichischen und italienischen Armee, wodurch der Rükzug der ersteren entschieden wird. Diese stand am Alpone, und wurde durch die italienische Garde und das 1ste Linienregiment unter den Generalen Sorbier, Lecchi und Bonfanti aus Cassano und Bastia vertrieben. Die Division Serras macht 500 Gefangene. Verlust der italienischen Armee: 300 Mann.

30

Die Herzoge von Istrien und Montebello gehen bei Burghausen auf der wiederhergestellten Brüke über den Inn. Der Kronprinz von Baiern und Herzog von Danzig kommen in Salzburg an. Die Division Kronprinz steht in der ersten Hälfte des May in der Stadt und Bergfestung Salzburg, im Paß Lueg, zu St. Gilgen und Hirschberg, um das bei Radstadt stehende Corps von Jellachich zu beobachten.
Der Würtembergische Lieutenant Heyd der mit 8 Mann des Jägerregiment König (zu Pferd) auf einem Kahn über den Inn geschifft war, dringt in Braunau ein, rükt eine halbe Stunde weiter vor, stößt auf ein östreichisches Detaschement, und bringt 3 Offiziere und 314 Mann nebst 300 Fourage Wagen gefangen nach Braunau zurük. Er wird für diese That vom König als Freyherr von Heydenschwert geadelt. (Würtembergischer Amtsbericht.)
General Sorbier, Aide de Camp des Vicekönigs von Italien, wird bei einem Vorpostengefecht getödtet, die Oestreicher sind in vollem Rükzug von der Etsch über Vicenza. Das italienische Hauptquartier geht von Caldiero nach Montebello vorwärts.
Proclamation des Erzherzogs Rainer zu Wien, worinn die französischen Siege verkleinert, und aus der Stellung des EH. Carl und der Tyroler Insurgenten, aus den Fortschritten der Armee in Italien, aus der Annäherung der mährischen und der Bewaffnung der ungrischen Insurrection dem Volke zu einer baldigen Wendung des Kriegsglüks Hoffnung gemacht wird.
Der russische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Graf Romanzow, erklärt dem östreichischen Botschafter, daß man ihn von Seiten des russischen Hofes nicht ferner in dieser Eigenschaft anerkennen, noch sich irgend eine diplomatische Verhandlung mit ihm einlassen werde.

May.

1

Ankunft des Herzogs von Rivoli in Schärding.
Gefangennehmung von 500 Oestreichern durch die Avantgarde der Division St. Cyr, aus würtembergischen Chevauxlegers, badischen Dragonern und 3 Compagnien französischer Infanterie bestehend, zwischen Riedau und Neumark. (in der Richtung von Schärding nach Wels) Nach andern Angaben waren es 700 Mann vom Regiment Jordis, welche von der badischen Dragonern das Gewehr strekten.
Der Herzog von Danzig fordert von Salzburg aus die Tyroler zu schneller Ergebung auf.
Major von Schill geht mit 600 Pferden zu Wittenberg über die Elbe nach Dessau, da die schwache Besazung unter dem sächsischen Hauptmann Wittern es nicht wehren konnte, und macht einen Streifzug nach Bernburg und Köthen.

2

Die Herzoge von Istrien und Montebello und der General Oudinot kommen in Wels an.
Oestreichisches Arrieregardengefecht gegen die badischen Dragoner bei Efferding.
Napoleon kommt über Ried in Lambach an. Die vom Feind abgebrochene Brüke über die Traun wird am nemlichen Tag hergestellt. Erbeutung ansehnlicher Magazine und zweier Batereien in Ried und Wels.

3

Treffen bey Ebersberg.

Dritter Abschnitt. Vom Treffen bei Ebersberg bis zur Schlacht bei Essling.Bearbeiten


May.

4

Napoleons Hauptquartier kommt nach Enns, das des Vicekönigs von Italien nach Treviso.
Die Kaiserinn von Oestreich flüchtet von Wien nach Ungarn.

5

Der Herzog von Montebello, der am 4. bei Steyer über die Enns gegangen, kommt zu Amstetten an, wo der Brigade-General Colbert 500 Uhlanen zu Gefangenen macht.
Der würtembergische Obrist von Neuffer geht bei Linz mit einer Compagnie seines Bataillons zu Schiff über die Donau nach Urfar, und nimmt den östreichischen General-Major von Richter mit 178 Mann gefangen.
Französischer Tagbefehl aus dem Hauptquartier Enns: "Ein gewisser Chasteler, der sich östreichischer General nennt, soll als Anstifter der Insurrection in Tyrol und Urheber der an gefangenen Franzosen und Baiern begangenen Mordthaten, sobald man seiner habhaft wird, vor eine Militärcommission geführt, und in den ersten 24 Stunden als Räuber erschossen werden."
Tausend Tyroler Bauern, unter dem östreichischen Major Teimer, verbunden mit 20 Dragonern des Regiments Hohenzollern bringen in Kaufbeuren ein, entwaffnen das Bürgermilitär, erpressen Geld, Getraide, Tuch und Leinwand, und ziehen in der Nacht mit ihrem Raub nach Füssen ab.
Der Erzherzog Carl setzt sich mit seiner Armee von Budweis nach der Donau in Marsch.
Proclamation des Erzh. Maximilian an die Wiener, worin er seinen Entschluß bekannt macht, die Residenz gegen den Feind vertheidigen zu wollen, und die Einwohner zu kraftvoller Mitwirkung auffordert.
Gefecht der Majors Schill gegen 8 westphälische und 2 französische Compagnien von der Magdeburger Besatzung bei Dodendorf, eine Meile von dieser Festung. Schill verliert 15 Todte und 18 Gefangene, macht aber 200 Westphalen zu Gefangenen (die erst in Dömiz wieder befreit wurden). Der westphälische Obrist Vautier wird tödlich verwundet.
Königl. Westphälisches Decret, wodurch die Summe von 10,000 Franken auf Schills Kopf gesetzt wird.
Die Armee des Vicekönigs geht über die Brenta. Bei Bassano werden 600, bei Postuma 400 Oestreicher gefangen.

6

Montebello kommt in Mölk, Rivoli in Amstetten, Auerstädt in Linz, Pontecorvo in Retz (nordöstlich von Regensburg) der Vizekönig an den Ufern der Piave an. Die östreichische Armee zieht sich in der Nacht vom 6 zum 7ten über diesen Fluß nach Sacile und Pordenone zurück.

7

Napoleons Hauptquartier kommt nach Mölk. Die Reste der Corps von Erzh. Ludwig und Hiller verlassen St. Pölten. Zwei Drittheile davon gehen bei Crems über die Donau, ein Drittel zieht sich nach Wien.

8

Napoleons Hauptquartier kommt nach St. Pölten.
Die Tyroler Insurgenten unter dem Major von Teimer besetzen Kempten.
Die französisch-italienische Armee geht im Angesicht des Feindes über die Piave; die Oestreicher verlieren 16 Kanonen, 4 - 5000 Gefangene (darunter den GM. Hager von Altensteig, und 58 Offiziere), 8000 Verwundete; der Befehlshaber der östreichischen Cavallerie, Baron Wolfskehl wird getödtet.
Die polnische Armee geht über den Fluß Wieprz, (der nordwestlich von Lublin in die Weichsel fällt). In dem hiebei vorgefallenen Gefecht bei Kok, wird der polnische Escadronschef Berkow, jüdischer Nation, getödtet, der seit 16 Jahren die Feldzüge in Italien, Teutschland und Spanien mitgemacht hatte.
Bekanntmachung eines königl. preußischen Parolebefehls zu Berlin, wodurch die Entweichung des Majors von Schill höchstens gemißbilligt und dem Militär die unbedingte Verpflichtung auferlegt wird, sich ruhig zu verhalten.

9

Napoleons Hauptquartier kommt nach Sieghardkirchen. Ankunft des Marschalls Herzog von Valmy in Mainz.

10

Napoleon kommt mit dem Corps von Montebello vor Wien an. Der Major-General Fürst von Neufchatel fodert den Erzh. Maximilian, der sich mit 20 Bataillons, halb Linientruppen und halb Landwehr, in der Stadt befindet, auf, den Kaiser nicht in die Nothwendigkeit zu versetzen, daß er diese Stadt vernichten müßte, deren Rettung er sich zur Ehre gerechnet haben würde.

11

Wien wird durch 4 französische Batterien, aus 20 Haubitzen Abends halb zehn bis Morgens halb fünf Uhr beschossen, und mehrere Häuser in Brand gesteckt, worauf der Erzh. Maximilian sich mit der Besatzung über die Taborbrücke zurückzieht, und diese hinter sich in Brand steckt.
Die Baiern unter GL von Wrede erobern den von östreichischer Linieninfanterie und Tyroler Rebellen besetzten Loser- und Strub-Paß.
1500 Tyroler rücken in Memmingen ein, entwaffnen die Bürgerwache, und nehmen die königl. Cassen und Vorräthe in Beschlag.
Ein bairisches Depot von großem Werth, das von 150 Mann escortirt war, und von Sermadingen am Bodensee nach Tutlingen, auf 220 Wagen gebracht werden sollte, wird durch 900 Insurgenten, unter dem Sonnenwirth Riedmüller von Pludenz, jenseits Mößkirch weggenommen.
Da die Insurgenten um diese Zeit auch die würtembergischen Grenzorte Issny und Trauchburg besetzten, so ließ der König von Würtemberg den hinter der Schussen von Hofen über Buchhorn und Ravensburg bis Altdorf und Weingarten gezogenen Cordon des GM von Koseriz, durch 1 Bataillon Prinz Friedrich, 100 Fußjäger, 2 Esk. Garde zu Pferd, und eine halbe reitende Batterie, die nach Biberach abgesendet wurden, verstärken.
Die französisch-italienische Armee geht über den Tagliamento, und vertreibt das Corps von Giulay, das die Höhen von S. Daniele besetzt hatte, um den Rückzug des Erzh. Johann zu decken. 600 Oestreicher wurden getödtet oder verwundet, 1,500 gefangen; die Sieger verlieren 200 Mann.

12

Capitulation von Wien. Um 9 Uhr Vormittags bemeisterte sich der Herzog von Rivoli der Leopoldstadt, und Abends kam die Capitulation zu Stande, welche im Namen des östreichischen Commandanten FML Oreilly, der FML. de Vaux und der Obrist Belloute, französischer Seite der Divisions-General Andreossy zu Mariahilf unterzeichneten. Kraft derselben wird das Kärnthner Thor am 13. Morgens sechs Uhr den Franzosen übergeben, und um 9 Uhr zieht die Besatzung (wozu 16 Generale, 30 Obersten, Obristlieutenants und Majors, 440 Hauptleute und Lieutenants, 3000 Unteroffiziere und Gemeine gehörten) aus, und wird kriegsgefangen.
Kaiserlicher Tagsbefehl an die französische Armee aus dem Hauptquartier Schönbrunn:
"Einem Monat nach dem Uebergang des Feindes über den Inn, sind wir in Wien eingerückt. Seine Landwehr, durch die unmächtige Wuth der Prinzen vom Hause Lothringen aufgestellt, hat euren Blick nicht ertragen. Jene Prinzen haben ihre Hauptstadt verlassen, nicht wie Krieger von Ehre, die den Umständen und den Unfällen des Kriegs nachgeben, sondern wie Menschen, die von ihren eigenen Gewissensbissen verfolgt werden. Sie flohen, und ihr Abschied an die Bewohner Wiens war Mord und Brand. Wie Medea, haben sie mit eigenen Händen ihre Kinder geschlachtet. Ich nehme die guten Bewohner Wiens unter meinen besondern Schutz. An den unruhigen Köpfen werde ich ein Exempel statuiren. Soldaten! laßt uns gegen die armen Landleute, und gegen das gute Volk, das so viel Ansprüche auf unsere Achtung hat, liebreich handeln. Unser Glück mache uns nicht stolz, es sey uns nur ein Beweis der göttlichen Gerechtigkeit, welche den Undank und die Eidbrüchigkeit bestraft."
Der italienische Obrist Giffenga nimmt 800 Oestreicher bei Gemona, und der General Desaix (ungefähr um die nehmliche Zeit) 300 bei Venzone gefangen. Grouchy jagt den Feind über den Isonzo, und erbeutet grosse Magazine in Udine.
Der bairische GL Deroy, der von Rosenheim vorgedrungen war, und die Tyroler aus dem Verhau am Kieferbach getrieben hatte, erscheint bei Kuffstein und entsetzt diese seit dem 12ten April durch den Obristlieutenant von Aigner mit 590 Mann gegen die Angriffe der Oestreicher und Tyroler vertheidigte Festung.

13

Einmarsch der Franzosen in Wien, nachdem die Grenadiere von Oudinot um 6 Uhr Morgens vom Kärnthner Thor Besitz genommen. Graf Andreossy wird Gouverneur, der Brigade-General Razout Commandant der Stadt.
Sieg des Herzogs von Danzig und des GL. Wrede, über das verbundene östreichisch-tyrolische Corps des Generals Chasteler, aus den Infanterieregimentern Lusignan und Hohenlohe Bartenstein, dem Chev. Leg. Regiment Hohenzollern, 2 Bat. Landwehr und einer großen Anzahl Insurgenten bestehend, bei Söll, Egerdorf und Wörgel, auf der Strasse von Salzburg nach Rattenberg. Die Baiern erobern 12 Canonen und Haubitzen, und nehmen 2000 Mann, darunter 36 Offiziere, gefangen.

14

Kaiserlich-französischer Tagsbefehl im Hauptquartier Schönbrunn. Die Landwehr wird aufgelößt; Generalpardon für alle Mitglieder derselben, die sich binnen vierzehn Tagen, nach Einrücken der französischen Truppen in die Ortschaften, wohin sie gehören, nach Hause begeben. Die Häuser der Offiziere der Landwehr, welche sich in der bestimmten Frist nicht einfinden, sollen verbrannt, und ihr Eigenthum confiscirt werden.
1800 Mann französische und Bairische Truppen unter dem Brigade-General Picard, rücken in Memmingen ein. Der würtembergische GM. v. Koseritz erhält von dem Divisions-General Beaumont Befehl, von der Schussen nach Kempten vorzurücken, und sich dort mit Picard zu vereinigen.
Poniatowsky rückt in Lublin ein.
Angriff der Oestreicher auf Thorn; die polnische Besatzung verläßt den Brückenkopf, verbrennt einen Theil der Brücke und setzt sich auf der Insel fest.

15

Napoleons Aufruf an die Ungarn, aus dem Hauptquartier Schönbrunn.
Wrede schlägt die Insurgenten bei Brixlegg (Rattenberg) und erobert Schwaz mit Sturm, wobei der größte Theil dieser Stadt in Flammen aufgeht.
Macdonald, der Tags zuvor über den Isonzo gegangen war, rückt bis jenseits Görz vor.
Der Vortrab des Erzh. Karl kommt bei Stockerau und das Hillersche Corps zu Spiz an der Taborbrücke an.
Der größte Theil der badischen Truppenkorps unter dem französischen General Lauriston, bricht aus den Vorstädten von Wien auf, reinigt in den folgenden Tagen, nach mehrern sehr beschwerlichen Märschen und glücklichen Gefechten, die Gebirge des Unter-Wiener-Walds von den Insurgenten und besetzt den Sömmeringberg, über welchen die Vereinigung der teutschen mit der italienischen Armee (den 26.) zu Stande kam.
Einmarsch der Baiern in Kempten.

16

Das Hauptquartier des Erzh. Karl kommt nach Ebersdorf an der Brünner Chaussee. Nachdem er am 23. April bei Regensburg über die Donau gegangen war, und sich mit Bellegarde vereinigt hatte, bezog er die Stellung bei Cham hinter der Regen, und führte die Armee nach Budweis (3. Mai). Hiller gieng nach dem Treffen bei Ebersberg bei Stein über die Donau. Da hierdurch die Absicht des Erzherzogs, sich bei Linz mit Hiller zu vereinigen, vereitelt wurde, gieng er über Zwertel, Neupölln und Horn nach Weikersdorf, erhielt zu Mold, zwischen Horn und Meissau, die Nachricht von der Einnahme von Wien, und setzte dann seinen Marsch fort, in der Absicht, seine Armee am Fuß des Bisamberges (östlich von Korneuburg) zu sammeln, und ihr einige Ruhetage zu gönnen. Die Cavallerie wurde längs der Rußbach verlegt, die Avantgarden rückten an die Donau, die Vorpostenkette wurde von Crems bis an die March gezogen, Crems und Presburg mit einigen Bataillonen besetzt, und das Hauptquartier nach Ebersdorf verlegt.
Der Herzog von Ragusa vertreibt die Oestreicher aus ihrer Stellung am Berge Kitta in Croatien, mit Verlust von 300 Todten, 700 Verwundeten und 500 Gefangenen, unter welchen letzten sich der kommandirende General Stoichewich befand. Das nochmals bei Graschatz und Gospich geschlagene Corps verließ Ottoschatz freiwillig, und der Herzog von Ragusa kam am 26. zu Zeng, und am 28. zu Fiume an. Sein Corps hatte fast täglich einen Marsch von 14 Stunden gemacht. Der österreichische Totalverlust auf dieser Seite ist 6000, der französische 400 Mann. Ragusa erhielt bei Graschatz eine leichte Schußwunde an der Brust.

17

Treffen bei Urfar. (Linz) Die Würtemberger, von den Sachsen unter Pontecorvo unterstützt, schlagen den Angriff des Generals Kollowrath ab, und behaupten ihre Stellung auf dem linken Donau-Ufer. 4 östreichische Kanonen werden erobert, 22 Offiziere, 800 bis 1000 Mann gefangen. Nach französischen Berichten 2000 Oestreicher todt und verwundet, 1500 gefangen, 16 Kanonen erobert. Jene Angabe enthält vermuthlich nur die würtembergischen Trophäen allein, diese die würtembergischen und sächsischen zusammen. Die sächsische Cavalleriebrigade wurde von dem 65jährigen General Zezschwitz angeführt. Die Würtemberger von Vandamme, Neubronn und Wöllwarth. Würtembergischer Verlust: 6 Offiziere, 20 Mann todt, 8 Offiziere, 211 Mann verwundet.
Zwei französische Chasseurs-Regimenter, welche Kittsee, Ungrisch-Altenburg und Jandorf besetzt hatten, schickten ihre Vorposten bis gegen Preßburg vor.
GM. Koseriz, von Altdorf kommend, vereinigt sich mit Picard zu Kempten.
Die italienische Armee erobert Malborghetto mit Sturm, nachdem sie das Corps der Generale Giulay und Frimont bei Tarvis mit Verlust von 3000 Gefangenen und 17 Kanonen geschlagen hatte. Sie rückt hierauf über Villach, Klagenfurt, St. Veit, Friesach, Unzmarkt bis Knittelfeld vor (19 - 24).
General Damas in Hamburg macht Anstalten gegen den Major Schill, der mit 1500 Mann zu Dömiz angekommen war.
Der polnische Oberste Stuart nöthigte die Oestreicher durch einen Ausfall, die seit drei Wochen gedauerte Belagerung von Czenstochow aufzuheben.
Der König und die Königin von Baiern, von Augsburg zurückkommend, ziehen feierlich in München ein.

18

Der würtembergische GM. v. Scheeler, kommt mit 2 Escadronen und 9 Compagnien zu Fuß, in der Nähe des Bodensees an.
General Chasteler entflieht über den Brenner nach Steinach.
General Schilt rückt in Triest ein.
General Hofmeister, mit dem östreichischen Regiment Beaulieu, besetzt Preßburg. Zwei Regimenter der ungrischen Insurrection marschieren durch diese Stadt nach Marcheck und Schloßhof.
Das schweizerische Hauptquartier des Generals v. Wattenwyl, wird von Zürich nach St. Gallen verlegt.

19

Napoleons Hauptquartier kommt von Schönbrunn nach Ebersdorf (Kaiser-Ebersdorf). Die Garde, die Corps von Rivoli, Montebello und Oudinot, sind bei Wien, das von Auerstädt zwischen St. Pölten und Wien, das von Pontecorvo in Linz, der Herzog von Danzig in Salzburg und Tyrol.
Die Divisionen Wrede und Deroy kommen in und bei Inspruck an.
Das Hauptquartier des Vicekönigs von Italien ist in Villach.
Der polnische General Sokolnicky zwingt die östreichische Besatzung in Sandomir zur Uebergabe.
Der holländische Obrist-Lieutenant v. Rancke, Commandant in Bremen, macht Vertheidigungsanstalten gegen das Schillsche Corps.

20

Die Besatzung der Forts von Prewald (zwischen Triest und Laibach in Inner-Krain) 2000 Mann stark mit 15 Kanonen, ergiebt sich als kriegsgefangen an den General Broussier.
Der Fürst Poniatowsky läßt Zamosc in Gallizien, durch den General Pelletier mit Sturm einnehmen, wobei 3000 Oestreicher getödtet oder gefangen, und 40 Kanonen erobert worden.
Der östreichische General Mohr verläßt die Brückenschanze bei Thorn am linken Weichselufer, und zieht sich nach Radziewo zurück. Bei einem der Angriffe auf Thorn, war der Adjutant des Erzh. Ferdinand, Obrist Brusch, getödtet worden.
Der italienische Kriegs- und See-Minister Graf Caffarelli, kommt in Triest an.

21 und 22

Zweitägige Schlacht bei Gros-Aspern und Essling.


> > > Französischer Bericht aus dem zehenden Bulletin. < < <


> > > Oesterreichischer Amtsbericht. < < <.

21

Die Insurgenten räumen Füessen und Lindau.
Schill kommt mit 2000 Mann in Wismar an; die in Nachod geworbene schwarze Legion des Herzogs von Braunschweig-Oels in Zittau.
Der Herzog von Ragusa schlägt die Oestreicher bei Gospich in Croatien mit Verlust von 1000 Gefangenen. Der französische General Soyez und Oberst Launay werden schwer verwundet.
Das Corps von Jellachich, das bei Radstadt gestanden war, räumt das Salzburgische.
Der Divisionsgeneral Beaumont fordert von Augsburg aus die Vorarlberger zur Unterwerfung auf.
Die General Broussier und Lamarque zwingen die Forts von Laybach zur Uebergabe. Ein östreichischer General, 1 Oberst, 3 Majors, 131 Offiziere, 4000 M. werden gefangen, 65 Kanonen, 8000 Gewehre und beträchtliche Magazine erobert.
Die französisch-italienische Armee rückt (am 22., 23. und 24.) bis Friesach, Unzmarkt und Knittelfeld vor.
Die Fortsetzung folgt.)


Quellen.Bearbeiten

  1. Europäische Annalen Jahrgang 1810. Tübingen in der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1810.
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