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Graf von Wintzingerode.Bearbeiten


Wintzingerode, (Graf von),[1] aus dem Würtembergischen gebürtig, russischer Generaladjutant und Kammerherr des russischen Kaiser Alexander, wurde im Juny 1805 als ausserordentlicher Bothschafter nach Berlin gesandt, um den König von Preußen zum Beytritt zu der Coalition gegen Frankreich zu bewegen; ging von da an den Wiener Hof, um an den mit diesem Hofe geschlossenen Allianztractat die letzte Hand zu legen, begleitete, bey dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten, im September 1805 den Kaiser Alexander auf seiner Reise durch Deutschland und sollte die militärischen Operationen der russischen Truppen in diesem Lande leiten. Nach der Schlacht von Hollabrunn im November unterhandelte er für das Korps des Generals Kutusow einen Waffenstillstand, der aber nicht zu Stande kam. Er begleitete allenthalben den Kaiser Alexander, und befand sich bey der Schlacht von Austerlitz.


1812.Bearbeiten


PortretBaronWinzingerode240

Baron v. Winzingerode. Kaiserl. Russischer Generallieutenant und Generaladjutant.

Der General Winzingerode war,[2] sobald Fürst Schwarzenberg in Paris das Bündniß abgeschlossen hatte, aus östreichischem Dienst in den russischen getreten, worin er früher mit großer Ehre gestanden war; sein teutsches Herz und redlicher Haß gegen Bonaparte und die Franzosen trieb ihn immer hin, wo gegen diese gestritten ward. Als er auf eine bübische und französische Weise in Moskau gefangen worden, ward er in der Stadt Wereja unweit Mojaisk vor Bonaparten geführt. Dieser sah ihn wüthend an, und fuhr unkaiserlich und in der Stellung und Gebehrde eines gemeinen Knechts mit mehreren wilden Worten heraus, und sagte endlich: Ich finde Euch allenthalben; man wird Euch thun, wie Ihr verdient -- Freilich, antwortete Winzingerode kalt und stolz, ich habe meine Laufbahn mit dem Kriege gegen die Franzosen begonnen und seit zwanzig Jahren ihre Kugeln um mich pfeifen hören; ich bin lange auf den Tod gerüstet. -- Ihr seyd ein Unterthan des Königs von Westfalen, und der wird euch strafen. -- Ich bin als ein freier Rittersmann des freien teutschen Reichs gebohren und habe keinen andern Herrn verehrt, als Teutschlands Kaiser; einen König von Westfalen kenne ich nicht, der ist jünger als meine Anwesenheit an der Stätte meiner Geburt; als ich dort lebte, war an ein Königreich Westfalen und einen König von Westfalen noch nicht gedacht. -- Wüthend brach Bonaparte nun wieder aus, und sprach endlich die letzten Worte: Euer Schicksal ist voll, man führe ihn ab! -- Winzingerode sah es der Stellung und Miene mehrerer umstehender Marschälle und Befehlshaber an, daß sie den Wütherich an Mäßigung und bei so vielen in Rußland gefangenen Generalen an die Vergeltung erinnern wollten; aber die Furcht, ja das Schrecken hielt sie stumm, bleich gleich einer Kalkwand standen die Knechte um ihn, und zitterten. Bei der Abführung ließen mehrere von ihnen Winzingerode nicht undeutlich merken, der sogenannte König Hieronymus werde ihn gleich nach seiner Ankunft hinrichten lassen; schon sey jemand vorausgeschickt, damit ein neues Gesetz gegeben würde, kraft dessen er erschossen und die Schändlichkeit entschuldigt und bemäntelt werden könnte. Gott wollte den tapfern teutschen Mann erhalten.

Schon waren die Gefangenen (Winzingerode und Prinz Narischkin sein Adjutant) bis Minsk gekommen und verzweifelten an jeder Möglichkeit von Befreiung. Siehe da ersieht Winzingerode, den nur drei Gensdarmen begleiten, eines Morgens früh in der Ferne einen Kosacken, bedenkt sich keinen Augenblick, und schreit überlaut aus seinem Wagen heraus. Der Kosack sprengt mit gefällter Lanze heran, bald zwei andere aus dem Walde, dann noch acht. Die gefangenen sind befreit, die drei Franzosen flehen um ihr Leben, Winzingerode rettet es ihnen.

Auch hier ist Gottes Finger, der in diesem Kriege sich so viel und so sichtlich gewiesen hat. Dies war das erste Mal, daß der Wagen, worin Winzingerode und seine Gefährte geführt wurden, hinter dreißig, vierzig Wagen, mit welchen er sonst zusammen auf der Straße zog, durch den Durst und die Sorglosigkeit der Gensdarmen zurückblieb. -- Die elf Kosacken gehörten zu dem fliegenden Häuflein des Generaladjutanten Obersten Czernicheff, der sich durch Wald, Sumpf, und Ströme so weit vorgedrängt und hinabgesenkt hatte, damit er zwischen den beiden Heeren von Tschitschagoff und Wittgenstein eine nähere Gemeinschaft und Verbindung der Märsche und Pläne stiftete. Auf der Straße von Minsk war mehrere Tage patrullirt, immer umsonst, man hatte nichts gefunden noch erbeutet. Schon war Czernicheff in vollem Abzug aus dieser Gegend, er ermahnte die Kosacken noch zu einer letzten Patrulle, sie hatten dazu auch nicht die geringste Lust; zornig befahl er endlich die letzte Nacht einem Aeltesten mit zehn Mann aufzusitzen und diese befreieten Winzingerode. --


Officielle Nachrichten von den Armeen.Bearbeiten

[1812]

St. Petersburg, den 18. Oktober. [3]

Der Generalmajor Ilowaiskji 4 berichtet Sr. Kaiserlichen Majestät, daß der Generaladjutant Baron Winzingerode am 10ten dieses Oktobers der Avantgarde seines Korps den Befehl gegeben, unter seinem, des Ilowaiskji, Kommando aus dem Kirchdorfe Nikolskoje auf Moskwa sich in Marsch zu setzen; das ganze Korps folgte hinten nach unter dem Kommando des Generalmajors Benkendorf. Der Generaladjutant Baron Winzingerode attakirte die feindliche, in der Stadt selbst aufgestellten Vorposten mit reissender Schnelligkeit, zwang sie nach einem Gewehrfeuer zum Rückzuge und sprengte selbst bei der Verfolgung des Feindes nach dem Kreml, ohne auf die fallenden Schüsse zu achten, von seinem Detaschement vorwärts, um den feindlichen Befehlshaber zu bewegen, das Feuer, als vollkommen unnütz, einzustellen, da es doch das russische Korps nicht hindern könne, Moskwa zu nehmen. Diese kühne Unerschrockenheit hatte verderbliche Folgen für diesen tapfern und würdigen General, denn ein feindliches Detaschement, welches ihn in Begleitung blos des Rittmeisters Naryschkin vom isumschen Husarenregiment ganz nahe kommen ließ, ergriff sie beide, ohne auf die weißen Tücher zu achten, mit denen gewöhnlich die Parlementairs bezeichnet werden, und führte sie auf solche Art gefangen mit sich fort. Der Generalmajor Ilowaiskji 4, der die Verfügung vollkommen befolgte, die von dem Generaladjutanten Baron Winzingerode getroffen worden war, nahm den Kreml in Besitz und reinigte die ganze Stadt von dem Feinde, der in derselben seine Hospitäler und eine ziemliche Menge Kriegsgeräth zurückgelassen hat. Alle Augenblicke werden Gefangene in ziemlicher Menge eingebracht.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Wien, den 1sten März. [4]

Der Feldmarschalllieutenant Winzingerode ist aus Gallizien nach Ungarn versetzt.


Wien, den 16ten May.

Der kaiserlich-österreichische Feldmarschalllieutenant, Graf von Winzingerode, hat seine Entlassung verlangt und erhalten.

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Rheinischer Bund. [5]

In öffentlichen Blättern liest man, der russische Generaladjutant Graf Winzingerode (der bekanntlich in französische Kriegsgefangenschaft gerathen war), sei durch Frankfurt passirt. Diese Nachricht (von der übrigens in Frankfurter Blättern nichts zu finden ist) scheint auf einem Irrthume zu beruhen, da dem Vernehmen nach General Winzingerode von einer Abtheilung der Tschitschagow'schen Armee in der Gegend von Minsk aus der Gefangenschaft befreit wurde.


Quellen.Bearbeiten

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Geist der Zeit. Dritter Theil. 1813.
  3. Rigasche Zeitung. Nr. 87. Freitag, den 25sten Oktober, 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 64. Donnerstag, den 14. März 1812.
  5. Oesterreichischer Beobachter. Nro. 353. Freitag, den 18. December 1812.
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