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Von Reisende.Bearbeiten

Jean-Philippe Graffenauer.

[1807]

Als ich Danzig wieder passirte, nahm ich das Fort Weichselmünde, das am Ausflusse der Weichsel liegt, in Augenschein. Man begiebt sich dahin auf einer Treckschuyte, d. h., auf einer Art Gondel, die regelmäßig alle Stunden durch den Kanal der Weichsel, den man Laake nennt, dahin abgeht. Unterweges begegnet man immer einer ähnlichen Gondel, die zu derselben Zeit von Weichselmünde abgeht. Diese Gondeln sind bedeckt und haben auf beiden Seiten Bänke zum Sitzen für die Ueberfahrenden.

Das Fort-Weichselmünde ist sehr klein. Es schließt einen runden und hohen Wachtthurm, Kasernen und einige Häuser ein. Nahe um das Fort sah man nichts als Trümmer von Häusern und gärten, die während der Belagerung verwüstet und verbrannt worden sind.

Eine Schiffbrücke führt auf das jenseitige Ufer der Weichsel nach Neufahrwasser, einem kleinen Flecken, der erst seit dem Jahre 1772 existirt. Man findet hier angenehme Wohnungen und beträchtliche Magazine, in welchen die Preußen jetzt ihre Hospitäler angelegt hatten.

Das Meer, das man hier zu seinen Füßen sieht, und dessen unermeßliche Fläche nur von dem Horizonte begränzt wird, gewährt einen majestätischen Anblick. Ebbe und Fluth wird in der Ostsee nicht verspürt. Das Wasser derselben, welches ich gekostet habe, ist nicht salzig. Der Boden am Ufer besteht aus Sand und bietet, etwas Seegras und gewöhnliche Muschelarten ausgenommen, dem Naturkundigen keine Ausbaute dar. (>>>)


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Meine Berufsreise durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenauer, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem Arzte bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. Chemnitz, bey Carl Maucke. 1811.
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