Finnen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Finnen und Finnland. Dieser Hauptstamm der nordeuropäischen Völker, die Finnen, ist vom scandinavischen bis tief in den asiatischen Norden, von da bis an die Wolga und das caspische Meer ausgebreitet und von besonderer Merkwürdigkeit. Schon Tacitus kennt diese Nation unter dem Namen Finnen, deren liebster Aufenthalt von jeher nördliche Wälder und Moräste waren, daher sie sich immer selbst auch Morastbewohner nannten, und Jagd und Fischerei zu ihren vorzüglichsten Gewerben erwählten. Uebrigens ist in der That bemerkenswerth, wie ähnlich die zerstreuten finnischen Völkerschaften in Körperbildung, Nationalcharakter, Sprache und Sitten sich geblieben sind, so daß man sie nirgends verkennen kann. Eine eigene Geschichte haben sie nicht; im einfachen nomadischen Leben wurden sie die sichere Beute der Norweger, Schweden und Russen. Die Norweger unterwarfen zuerst sich Finnmark, und ihre Züge zu den Permiern, einer finnischen Völkerschaft am weißen Meere, hörten dann erst auf, als die Fürsten von Nowgorod sich Permiens und des dortigen Handels bemächtigt hatten, und die Norweger durch die Einfälle der Mongolen beschäftigt wurden. Die Russen begannen nun, sich in den Landen der Finnen auszubreiten; Karelien und ganz Permien kamen in ihre Gewalt, und im 14. Jahrhundert sah man am Gestade des weißen Meeres durch Bischof Stephan das Kreuz errichtet, und den weitstrahlenden Tempel des großen Gottes Jomala zerstört. Ganz Lappmark, und bald auch alle Finnen in Osten, an der Wolga und in Sibirien wurden nun von den Russen unterjocht, welche selbst die Norweger zurücktrieben, als diese ihr früher usurpirtes Tributrecht in Lappmark geltend machen wollten. Endlich fielen noch die Schweden über die übrigen an sie angränzenden Finnen her; Erich der Heilige bekehrte in der Mitte des 12. Jahrhunderts die Bewohner des heutigen Finnlandes, und hundert Jahre darnach eroberten die Schweden Tawastland und bezwangen die Karelier und Lappen, so weit beide nicht schon Rußland angehörten. Hiermit war die Unterjochung der finnischen Nation im Norden vollendet, von welcher zwölf Völkerschaften ganz oder zum Theil zu den Bewohnern des russischen Reichs gehören, nämlich die Lappen, Finnen, Esthen, Liven, Tscheremissen, Tschuwaschen, Mordwinen, Wotjäken, Parmjäken, Surjänen, Wogulen und condischen Ostjäken. Nur eine hat aus diesem Untergange sich gerettet, die Madscharen, der Hauptstamm der Ungarn. Die heutiges Tages unter dem besondern Namen Finnen und bekannten Bewohner Finnlands nennen ihr Land in ihrer ihnen noch eigenthümlichen Sprache Suomen-Sari (Sumpf- und Inselland) und sich selbst Suoma-Lainen; die Russen nennen sie Finü, Tschuchonzü, Maimistü (schmutzige Leute), die Ingern heißen bei ihnen Ischorzi, von der Ischora oder dem Ingerfluß, nach welchem Ingermannland benannt ist. Der größte Theil Finnlands gehörte sonst Schweden, welches 4550 Quadratmeilen mit 835,000 Einwohnern davon besaß, dagegen der Rest von 781 Quadratmeilen mit 205,100 Einwohnern zu Rußland gehörte (nach Hassel.) Allein der unglückliche Krieg, den Schweden in den Jahren 1808 und 1809 mit Rußland führte, hatte die Folge, daß Rußland ganz Finnland eroberte und mit sich vereinigte, wodurch dasselbe nicht zu berechnende Vortheile erlangt hat. Finnland erzeugt vieles Korn, hat herrliche Waldungen, Eisen, Blei xc., vielen Handel und wichtige Schifffahrt. Von Süden nach Norden laufen mehrere Gebirgsketten, auf denen bedeutende Flüsse entspringen. Diese und beträchtliche Landseen versorgen das Innere des Landes reichlich mit Fischen. Die Einwohner bekennen sich zur lutherischen Religion, und zeichnen sich durch körperliche Kräfte, Muth und Tapferkeit aus. Ob sie gleich eine eigene Nationalsprache reden, so wird von den meisten doch auch schwedisch und russische gesprochen.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1812]

London, den 1sten Oktober. [2]

Nach Berichten aus Stockholm, soll die Wiedererstattung von Finnland bis zur Wiederherstellung des Friedens ausgesetzt seyn. Bey den Fortschritten Napoleons (wir haben hier schon das achtzehnte Bülletin über die Schlacht bey Moshaisk) kann der Friede nicht lange ausbleiben.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 254. Dienstag, den 22. Oktober/3. November 1812.
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