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Scanagati (Franzeska) Lieutenant in kaiserlichen österreichischen Diensten, aus Mailand gebürtig. Seit ihrem 10. Jahre genoß sie die Erziehung in einem Nonnenkloster, bis sich 1794 ihr Vater entschloß, sie nach Wien in Pension bey einer Wittwe zu senden, damit sie sich in der deutschen Sprache vervollkommnen und mit der Haushaltung bekannt machen möchte. Man ließ sie unterwegs die Kleidung eines Knaben tragen, theils weil sie bequemer war, theils auch, weil dadurch galante Zudringlichkeiten vermieden wurden. Sie ward von einem ihrer Brüder begleitet, der sich nach Neustadt begab, um auf der dasigen Akademie, die eine der besten Pflanzschulen für die österreichische Armee ist, einen Cursus der militärischen Wissenschaften zurückzulegen. Während der Reise ward der Bruder krank, und er vertraute seiner Schwester, daß er nicht den Muth gehabt hatte, seinem Vater zu gestehen, daß er keine Neigung für die militärische Laufbahn habe. Franzeska drang in ihn, daß er in Begleitung des Bedienten zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach dem väterlichen Hause zurückkehren möge; und nachdem sie von ihm seinen Empfehlungsbrief an den Herrn von Haller, Chirurgus der Akademie, bey welchem er Pensionär seyn sollte, erhalten, hatte sie die Kühnheit, sich diesem als der empfohlene junge Mensch vorzustellen. Sie erhielt die beste Aufnahme und erhielt bald die Freundschaft der Hallerschen Familie. Sie verfolgte den Studienkursus dieser Akademie mit so vieler Auszeichnung, daß sie in dem Jahre 1795 und 1796 die den größten Fortschritten und Talenten bestimmten Preise davon trug. Gestützt auf diese Zeugnisse hielt sie im Februar 1797 bey dem Hofkriegsrathe in Wien um eine Offiziersstelle an, und ward wirklich als Fähndrich angestellt. Als solcher mußte sie ein Korps Rekruten nach dem Oberrhein führen, wo sich damals das Bataillon befand, zu dem sie gehörte. Nach dem Frieden von Campoformio kam sie in Garnison nach Sendomir in Pohlen, und vor Eröffnung des neuen Feldzugs ward sie zum Lieutenant befördert. In dem Feldzuge selbst stand sie bey einem Reserve-Bataillon, welches gemeiniglich zur Unthätigkeit bestimmt ist. Allein sie verlangte zu einem andern Bataillon desselben Regiments, welches volle Beschäftigung mit dem Feinde hatte, sah ihren Wunsch erfüllt und kampirte auf den Gebirgen an Genuas östlicher Seite. Hier hatte sie den Triumph, die Erste zu seyn, welche in die Verschanzungen der Franzosen eindrang. Die Angelegenheiten des Regiments führten Franzeska ins Mailändische, und sie kam bey dieser Gelegenheit durch Cremona, von welcher Stadt ihr Vater Intendant war. Ihre Familie wendete alle Mittel der Ueberredung an, um sie zur Aufgebung der militärischen Laufbahn zu bestimmen, allein vergebens. Aufgefordert von dem Vater, welcher dem General Melas das ganze Abenteuer seiner Tochter entdeckte, ertheilte dieser dem Regimente den Befehl, dem Lieutenant Scanagati Urlaub zur Rückkehr nach seiner Familie zu geben. Diese nicht begehrte Erlaubniß gab der Heldinn die Ueberzeugung, daß ihre Aeltern das Geheimniß enthüllt hätten; sie mußte gehorchen. Indeß erhielt ihr jüngerer Brüder, der Cadet beym Regiment Belgiojoso war, im Betracht der von ihr geleisteten Dienste, die Lieutenantsstelle der Schwester. Mademoiselle Franzeska Scanagati ist gegenwärtig im Schooße ihrer Familie ein Muster der sanften Tugenden ihres Geschlechts, so wie sie in der Uniform ein Vorbild des Eifers und Muths gewesen war.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
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