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Friede zwischen Russland und der Pforte.Bearbeiten


Der 12. May 1812.[1]

Brittisch-schwedische Vermittlung brachte ungeachtet der Gegenbemühungen des französischen Hofes im May des Jahres 1812 den Frieden zwischen Russland und der Pforte zu Stande. Er wurde zu Bukarest geschlossen, und war für Russland, welches in selbem Bessarabien und die Hälfte der Moldau und den Pruth zur Gränze erhielt, um so vortheilhafter, da es eben in einen schweren Krieg gegen Napoleon verwickelt wurde.


Ratifikation des Friedens von Bukarest.Bearbeiten


Der drey und zwanzigste Junius 1812.[2]

Nicht zufrieden, mit viermalhunderttausend Mann gegen Rußland zu Felde zu ziehen, gab sich der Kaiser Napoleon alle Mühe, auch die Türken, die ohnehin mit jener Macht in einem Krieg begriffen waren, in sein Interesse zu ziehen. Am Schluß des Jahrs 1811. war die Pforte zum Frieden geneigt; aber bald veränderte sie ihre Sprache, ließ neue Truppen marschiren, und es schien nicht anders, als daß ein widerholter Kampf begonnen werden sollte; dennoch glückte es, daß der Friede am 28ten May 1812 geschlossen und am heutigen Tage zu Wilna ratificirt wurde. Der Pruth wurde in diesem Vertrage als Grenze für beyde Theile bestimmt und die Wallachey nebst dem auf dem rechten Ufer des Pruth gelegenen Theil der Moldau an die Türken zurückgegeben, so daß nur der übrige Theil der Moldau an Rußland fiel. Durch diesen Frieden erlangte Rußland den Vortheil, daß es seine Donauarmee nach Vollhynien und Lithauen ziehen und gegen den französischen Kaiser gebrauchen konnte.


Friedensbedingungen.Bearbeiten


Der russische General Tschitschagoff hat eine Ordre an den Divan der Moldau vom 18ten July erlassen, in welcher über die Friedensbedingungen folgende genauere Auskunft gegeben wird: [3]

"Die hohen Kontrahirenden versichern vollkommene Amnestie und Verzeihung allen ihren Unterthanen, welche im Verlaufe des Krieges an militärischen Handlungen Theil genommen, oder auf irgend eine Art dem Interesse ihres Landesherrn oder ihres Landes entgegen gehandelt haben. Alle Traktaten und Uebereinkünfte, die bey mehreren vorigen Friedensnegociationen geschlossen und sowohl von dem kaiserl. russischen Hofe, als der ottomanischen Pforte anerkannt worden sind, werden bestätigt, mit Ausnahme derjenigen Artikel, welche in der Folge der Zeit einige Abänderung erlitten haben. Es versprechen daher beyde hohe kontrahirende Theile, sowohl den gegenwärtigen als die vorbesagten Traktaten wechselseitig aufs Heiligste zu halten. Mittelst des ersten Artikels der Präliminarien ist festgesetzt worden, daß der Pruthfluß von da, wo er in die Moldau eintritt, bis zu seiner Mündung in die Donau, von da aber das linke Ufer des letztgedachten Stroms bis Kilia und dessen Mündung ins schwarze Meer, die Gränze zwischen beyden Mächten bilden soll. Die kleinen und vor dem Ausbruche des Krieges unbewohnt gewesenen Donauinseln, die jenseits Ismail anfangen und bis Kilia anzutreffen sind, sollen zwar, in sofern sie dem linken Ufer näher liegen, unter russische Botmäßigkeit kommen, werden jedoch von keiner dieser Mächte beherrscht, auch darf auf ihnen von nun an keine Befestigung aufgeführt werden, sondern sie sollen öde bleiben; dich ist es beyderseitigen Unterthanen freygelassen, daselbst zu fische oder Holz zu fällen. Die ganz großen, Ismail und Kilia gegenüberstehenden Inseln bleiben ebenfalls, eine Stunde Weges vom nächsten linken Donauufer an gerechnet, öde. Die Etablissements, die vor dem Ausbruche des Krieges bestanden, so wie Alt-Kilia, sind in dieser Gränzlinie nicht eingeschlossen. Die ottomannische Pforte übergiebt dem russischen Hofe das Land am linken Pruthufer mit allen Festungen, Städten und Wohnungen, die sich in diesem Theile befinden, nebst der Hälfte des Pruthflusses, der die Gränze zwischen den beyden Monarchien bildet. Beyder Höfe Handelsschiffe können auf dem Arm bey Kilia ein- und auslaufen und den ganzen Donaustrom befahren, aber russische Kriegsschiffe nur bis zur Mündung des Pruthflusses auf der Donau hinauffahren. Se. Majestät, der Kaiser aller Reussen, giebt der hohen ottomannischen Pforte denjenigen Theil zurück, welcher auf dem rechten Ufer des Pruthflusses liegt, so wie die große und kleine Wallachey, nebst allen Festungen, Städten, Marktflecken, Dörfern xc. Die Kontrakte und Konventionen, welche unter die Privilegien der Moldau und Wallachey gezählt werden, und bis zum Ausbruche dieses Krieges beobachtet worden sind, werden bestätigt. Die besonderen Konventionen bleiben ebenfalls in ihrer vollen Wirkung, welche festsetzen, daß keine Entschädigung für die entgangenen Revenüen verlangt und keine Steuer für die Dauer der ganzen Kriegszeit begehrt werden soll, und daß die Einwohner dieser Provinzen in Zeit von zwey Jahren, von der Auswechselung des Traktats an gerechnet, von jeder Steuer frey bleiben; zu etwaniger Auswanderung ist ihnen eine viermonatliche Frist bewilligt, und wird die hohe Pforte die Steuern der Moldau nach Maß ihrer gegenwärtigen Größe auflegen. Ottomannische Unterthanen, die nach Beginnen des Krieges in dem nun an Rußland abgetretenen Theile geblieben, oder während des Krieges dahin gekommen sind, können in die Länder der Pforte sammt ihren Familien und ihrer Habe ziehen, ohne daß sie Jemand daran hindere. Diese Erlaubniß wird selbst auf die Eingebornen des abgetretenen Strichs Landes, die daselbst einiges Vermögen besitzen, sich aber gegenwärtig in den Staaten der Pforte aufhalten, ausgedehnt, und sowohl diesen, als den erstgedachten, zur Regulirung ihrer Angelegenheiten ein 18monatlicher Termin bewilligt. Imgleichen können die Tataren, die während dieses Krieges auf Bessarabien nach Rußland gewandert sind, wenn sie wollen, nach den ottomannischen Staaten zurückkehren, jedoch mit der Bedingniß, daß die Pforte verpflichtet sey, die mit der Uebersiedelung und Etablirung dieser Tataren gehabten Kosten dem russischen Hofe zu ersetzen. Nicht weniger können die Christen, die in dem an Rußland abgetretenen Lande Vermögen besitzen, daselbst gebürtig sind, nun aber sich in andern Theilen der ottomannischen Staaten aufhalten, wenn sie wollen, nach dem abgetretenen Lande mit ihren Familien und ihrer Habe zurückkehren. Auch ist ihnen erlaubt, ihr Vermögen in den Staaten der ottomannischen Pforte an die ottomannischen Unterthanen zu veräussern, und das gelöste Geld nach den russischen Staaten mitzunehmen. Auch diesen wird der 18monatliche Termin verstattet. Alle Rechtshändel der beyderseitigen Unterthanen, die wegen der Kriegsumstände nicht haben beendigt werden können, müssen erst nach erfolgtem Frieden im Wege Rechtens entschieden werden. Alle gegenseitige Forderungen der Unterthanen, so wie auch jene des Fiskus, sind beyzutreiben. Beyde Theile haben zur gänzlichen Räumung der europäischen und asiatischen Provinzen einen dreymonatlichen Termin vom Tage der Auswechselung des Traktats festgesetzt. Diejenigen ottomanischen Oerter und Festungen, in denen die russische Armee bis zum Ausgange dieses Termins verweilen wird, bleiben bis zur Räumung, wie bisher, unter der Administration des russischen Hofes.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1812]

Konstantinopel, den 2ten July. [4]

Ueber den in Bukarest am 28sten May abgeschlossenen Frieden wird noch immer das strengste Stillschweigen beobachtet, und man sieht noch immer Verstärkungsmannschaft nach der Donau ziehen; doch versichert man, daß der Großherr den Frieden, unter gewissen Bedingungen, dennoch bestätigt hat, und man nur abwarte, ob der russische Hof sich diese Bedingungen, die sich besonders auf die Servier beziehen sollen, werde gefallen lassen.

Seither ist von Seiten Rußlands Herr von Bulgakoff nach Konstantinopel zurückgekommen, und es ist ihm von der Pforte eine eigene Wohnung angewiesen worden. Am 29sten Juny ist auch der russische Gesandte, Herr von Italinsky, mit allem Gesandtschaftspersonale eingetroffen, und hat gleich zu Bujukdere das Landhaus der russischen Gesandtschaft bezogen, obschon er von der Pforte, bis nicht die Ratifikationsbedingungen von dem russischen Hofe angenommen sind, als Gesandter nicht anerkannt, sondern bloß als ein bedeutender Fremder angesehen wird.


Konstantinopel, den 10ten July.

Wir leben hier noch stets in Ungewißheit über die Ratifikation des Friedens mit Rußland; und Herr von Italinsky ist noch in keinem diplomatischen Charakter aufgetreten.

Der von den Russen aus der Kriegsgefangenschaft entlassene Gelaleddin Pascha, Sohn des asiatischen mächtigen Ayans Tschapan Oglu, passirte mit seinem Gefolge hier durch in seine Heimath zurück, wohin auch ein großer Zug ausgewanderter tatarischer Familien aus Bessarabien, unter der Anführung eines ihrer Mirza's abgegangen ist, um in dem Gebiete des oben erwähnten Tschapan Oglu Aufnahme zu suchen.

Die russischen Gefangenen allhier, deren Zahl mit Inbegriff der Officiere beyläufig 750 Köpfe beträgt, sind noch immer im Bagno (Sklavenbehältnisse des Arsenals) eingeschlossen.


Von der Gränze der Moldau, vom 22sten July.

Der Divan des Fürstenthums Moldau hatte vor ungefähr 14 Tagen drey seiner Mitglieder nach Bukarest geschickt, um den russischen Kommandirenden en Chef, Admiral Tschitschagow, wegen des Friedens mit der Pforte zu komplimentiren. Sie brachten die Nachricht, daß die Kundmachung der erfolgten Ratifikation nächstens statt haben soll, jedoch der Tag dazu noch nicht bestimmt sey. Gleich darauf schickte der österreichische Agent von Raab einen Kourier nach Bukarest, um wegen der ihm ertheilten Weisung, die Moldau zu verlassen, eine bestimmtere Erklärung einzuholen. Dieser Kourier versicherte, daß am 14ten July (neuen Styls) die feyerliche Kundmachung der erfolgten Ratifikation des Friedens, jedoch ohne Bekanntmachung der Bedingnisse, zu Bukarest erfolgt sey. Man will noch immer behaupten, die ganze Ratifikation sey nur bedingungsweise und mit Beyfügung neuer Forderungen erfolgt. Die Russen verbreiten die unter diesen Umständen sehr unwahrscheinliche Sage, sie würden 12,000 Rekruten in der Wallachey, und eben so viel in der Moldau ausheben, wodurch ein panischer Schrecken erzeugt worden ist.

Der Stellvertreter des französischen Konsuls zu Jassy, Herr Fornetty, hat sich nach Lemberg begeben.

In der Wallachey haben die Russen bis jetzt ihre, Siebenbürgen bedrohende, Stellung behalten. Man ist neugierig zu sehen, welches Betragen sie weiter beobachten werden. Sollten sie da, wo sie sind, stehen bleiben wollen, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß österreichischer Seits Versuche gemacht werden dürften, sie aus der Wallachey zu verdrängen. Die Moldau ist noch immer ganz leer von Truppen; in der Chotyner Raja befinden sich nur so viele, als zum Festungsdienst unentbehrlich sind. Vor wenigen Tagen wurden einige und zwanzig Kanonen aus Ismail und Braila nach Chotyn gebracht, und auf den Wällen aufgestellt. Auch in dem nachbarlichen tarnopoler Distrikte befinden sich noch keine russischen Truppen, und man vermuthet dort, daß österreichische Truppen diesen Distrikt besetzen würden.

Die bis jetzt seit Oktober von Widdin nach Orschowa offen gewesene Passage ist, da das russisch-kaiserliche Truppenkorps unter dem General Graf von Orulk nun an den Timok vorgerückt ist, wieder unterbrochen.


Bucharest, den 8ten August.

Am 19ten v. M. wurde endlich der mit der Pforte geschlossene Friede, nach der am 14ten zwischen den hier anwesenden beyderseitigen Bevollmächtigten erfolgten Auswechselung der Ratifikationen, öffentlich kund gemacht. Die Wallachey und der Theil der Moldau, westlich vom Pruth, kehren unter die Botmäßigkeit der Pforte zurück. Der östliche Theil aber, mit der Festung Chotzyn, und Bessarabien, mit Bender, werden an Rußland abgetreten. Dieses darf auch den Donauarm von Kilia und die weiter oben sich an mehreren Stellen vereinigenden Arme der Donau mit bewaffneten Kriegsschiffen bis zur Pruthgränze befahren; zur Räumung der zurückzustellenden Theile sind 3 Monate (bis zum 14ten Oktober) bestimmt; die russische Armee bezieht während dieser 3 Monate alle Landesauflagen, die Pforte aber ist in den nächstfolgenden zwey Jahren keine Steuer irgend einer Art zu erheben berechtigt. Herrn von Italinsky's Ankunft zu Konstantinopel vor Auswechselung der Ratifikation erregte daselbst Verwunderung, und es wurde ihm vor der Hand nicht gestattet, in einem diplomatischen Charakter aufzutreten. Nach der geschehenen Auswechselung der Ratifikationen blieben andererseits die ottomannischen Friedensbevollmächtigten noch am Kongreßorte, als wenn die Negociation nicht beendigt wäre, und befinden sich noch in hiesiger Stadt. Zur größten Verwunderung des unter dem so langen Drucke fremder Armee fast erliegenden Volkes, sahen wir bisher keine Anstalten zur Räumung unserer Länder treffen. Die Truppenbewegungen waren vielmehr gegen die Donau und Servien gerichtet; die einzige nach dem Bannate für eine Armee zugängliche Straße über Tschernetz wurde wahrscheinlich aus Furcht vor einer österreichischen Operation völlig zerstört. Gleichzeitig erließ der die Armee en Chef kommandirende Admiral Tschitschagoff Aufforderung an die Divans zu Bucharest und zu Jassy zu Errichtung einer Nationalgarde, zu deren Organisation sehr detaillirte Befehle von ihm kund gemacht wurden. Diese letztere Maßregel, schon nach den Verhältnissen unserer Länder ganz unerklärbar, fiel jedoch besonders als im offensten Widerspruche mit dem Stande des Friedens allgemein auf, und machte nebst dem vorbemeldeten die wirkliche Lage der Dinge nur noch unerklärbarer. Auf einmal hat sich aber die Scene geändert. Seit mehreren Tagen fingen die leidigsten Gerüchte über den Gang der militärischen Ereignisse im Norden an, sich zu verbreiten; in der Nacht auf den 28sten July traf hier ein Kourier bey dem Admiral Tschitschagoff ein, welcher den Befehl zum schnellsten Rückzuge der wenigen in den hiesigen Provinzen befindlichen Truppen überbrachte. Alle gegen Servien im Marsch begriffene Mannschaft kehrt um, und die Armee scheint eiligst hinter den Dniester zurückgezogen werden zu sollen. Die Lager bey Pitescht, bey Markutza, Wakarescht, Buseo und Sintescht, sind entweder bereits geräumt, oder die darin befindlichen Truppen haben Befehl erhalten, den Rückmarsch schleunigst anzutreten. Die rückständige Kontribution, welche sich auf beynahe 2 Millionen Piaster beläuft, wird weit unter diesem Betrag unter der Hand ausgeboten, ohne jedoch eingetrieben werden zu können. Um das Besondere unserer Lage vollständig zu schildern, darf man nur noch des Umstandes erwähnen, daß der russische Senator Milaschiewitsch dessen ungeachtet in diesem Augenblicke mit der Feilbietung sämmtlicher Landesämter beschäftigt ist. So hat ein gewisser Alekaki Wilara, gewesener Rechnungsführer der Westierie, das Amt des Spatharen (Schatzmeisters) kürzlich als Meistbietender erstanden. In welcher Lage sich unsere unglücklichen Provinzen demnach, ohne eigentlich zu wissen, wem sie gehören, unter den obwaltenden Verhältnissen befinden, läßt sich leicht errathen!

Nachrichten aus Semlin vom 5ten August zufolge, fanden seit einigen Wochen mehrere russische Truppenzüge aus der Wallachey nach Servien statt, und die Sage vermehrte bedeutend die noch zu erwartenden Verstärkungen. Dieses Verhältniß liefert Stoff zu den abentheuerlichsten Gerüchten. Nach Einigen sollten diese Truppen als Unterstützung gegen die Pforte in dem Falle dienen, als der Großherr die Ratifikation eines Friedens, in welchem Serviens Unabhängigkeit eigens stipulirt wäre, nicht unterzeichnen wollte; nach Andern sollten die russischen Hülfstruppen, mit den Serviern vereint, weit aussehende Operationen unternehmen; nach Andern endlich sollten diese Truppen Servien bloß im Durchzuge (wohin?) berühren. Alle diese durch ihre ausserordentliche Seichtheit für den oberflächlichsten Beobachter bis zum Lächerlichen platte Vermuthungen haben nun der Nachricht des schnellen Rückzuges der russischen Truppen nach dem linken Donauufer Platz gemacht, wozu der Befehl aus dem Hauptquartier zu Bucharest eingetroffen ist. In dem servischen Senate herrscht eine große Bewegung, und die Bestürzung ist um so allgemeiner, als die Nachrichten von der Zusammenziehung einer bedeutenden türkischen Armee bey Sophia sich täglich mehr verbreitet, und Berichte aus der Gegend von Widdin ebenfalls von Richtungen des Molla Pascha sprechen.


Wien, den 22sten August.

Nach Berichten aus der Türkey werden nun daselbst die Kriegsrüstungen mit aller Thätigkeit fortgesetzt. Es sind schon bereits in dem Lager von Schumla einige Verstärkungstruppen eingetroffen, und werden derselben noch mehrere erwartet, und Magazine angelegt. Am 1sten August, Abends, ist der servische Obervorsteher, Georg Petrowitsch (Czerny), sammt seiner Familie in Belgrad angelangt. Man sieht nun bald der Aufhebung der, von dem servischen Rathe ergangenen, vom russischen Einflusse aber herrührenden, verschiedenen auffallenden Befehle entgegen, und vernimmt, daß sich die Russen in Belgrad zum förmlichen Abzuge anschicken, und alle ihr Kriegsgepäck auf das Schleunigst einpacken. Ihr Abzug dürfte sicher bald erfolgen.


Konstantinopel, den 25sten July.

Die Ungewißheit zwischen Krieg und Frieden hat sich noch vermehrt. Den 22sten dieses frühe traf der russische Kollegienrath Pisani als Kourier aus dem russischen Hauptquartier, welches er am 5ten July verlassen hatte, über Bucharest in Bujukdere ein; er überbrachte am 13ten Juny dem russischen Kommandirenden in den Fürstenthümern die Friedensratifikation Sr. Russische-Kaiserlichen Majestät. Am 14ten fand mit großen Feyerlichkeiten die Auswechselung dieser Ratifikation in Bucharest statt. Am 15ten dieses setzte Herr Pisani seinen Weg nach dem Lager des Großvesirs fort, woselbst er 2 Tage verweilte. Diese Nachrichten ließen keinen Zweifel übrig, daß derselbe der Ueberbringer des definitiven Friedensabschlusses sey. Wirklich beschickte Herr von Italinsky alsbald den Reis-Effendi; man sah mit jeder Stunde der Bekanntmachung des Friedens entgegen. Sie ist aber bis auf diesen Augenblick nicht nur nicht erfolgt, sondern weder in den Verhältnissen des Herrn von Italinsky, dem es noch nicht erlaubt ist, von seinem Landhause nach der Stadt zu kommen, noch in jenen der kriegsgefangenen, im Bagno befindlichen, Russen hat bisher die geringste Veränderung statt gefunden. Viele behaupten, die Ratifikation des russischen Hofes sey nicht ganz unbedingt, und entspreche daher nicht den Forderungen des Divans; Andere suchen die Verspätung der Publikation in dem tiefen Kummer, in welchen der jähe Tod des Thronfolgers den Großherrn versetzte.


Von der türkischen Gränze, vom 10ten August.

Endlich ist in der Moldau etwas Officielles über den Frieden mit der Türken erschienen, nämlich der folgende Befehl des Admiral Tschitschagoff vom 17ten July, der in allen Städten publicirt wurde.

"Der mit in Folge höchsten Befehls anvertrauten Donauarmee, mache ich durch diese Ordre den, durch meinen Vorgänger und Oberbefehlshaber dieser Armee, General der Infanterie, Golenischtschew Kutusow, und den Großvezier, zwischen dem Kaiserthum Rußland und der ottomannischen Pforte abgeschlossenen Frieden, und die am 3/14 July dieses Jahres zu Bucharest zwischen beyderseitigen Bevollmächtigten erfolgte vollkommene Auswechselung der ratificirten Friedensverträge, kund. Rußlands Heere, welche stets des Vaterlandes Ruhm beförderten, ohne Berücksichtigung der Macht und List des entgegen stehenden Feindes und der ihre Tapferkeit während einer geraumen Zeit mit neidischen Augen ansehenden Höfe, krönte jeder Krieg mit einem ruhmvollen Frieden, und mit abermaliger Erweiterung ihrer Vaterlandsgränzen, gleichwie es jetzt mit Befestigung der Staatsherrschaft bis an die Donau geschehen ist. Nach einem so wichtigen Ereignisse befehle ich, dieses gleich nach Empfang gegenwärtiger Ordre bey allen Korps und Truppenabtheilungen in allen Festungen und Städten, die unter meinen Befehlen stehen, bekannt zu machen, diesfalls allgemeine Danksagungen zu veranstalten, in allen Festungen aber, und bey den Armeekorps, die Kanonen zu lösen."

Zweifler von Profession wollen auch trotz dieser officiellen Publikation noch nicht vollkommen an den Frieden glauben; auch hört man nicht, daß der Großvezier von Schiumla abgegangen wäre, und seine Truppen entlassen habe.


Jassy, den 22sten August.

Der zwischen der Pforte und Rußland abgeschlossene Friede wird nun, in sofern er die Moldau und Wallachey betrifft, vollzogen. Die Regierung befindet sich in den Händen des Divans und der Boiaren; die Militärregierung allein wird noch durch die Russen besorgt.

Zum Gouverneur der an Rußland abgetretenen Provinzen zwischen dem Dniester, dem Pruth und der Donau ist der russische General Skarlat Stursa, ein Schwager des Fürsten Murusi, ernannt. Er befindet sich gegenwärtig hier, um die auf sein neues Gouvernement Bezug habenden Papiere und Archive in Empfang zu nehmen.

Nach einer ausserordentlichen Dürre ist seit einigen Wochen unaufhörliches Regenwetter eingetreten, welches die diesjährige Aerndte sehr bedroht. Die erste unter den Befehlen des Generals Woinoff aufgebrochene Division, beyläufig 7 bis 8000 Mann stark, steht noch immer in der Gegend von Batuschany. Ihre Artillerie wurde in Baschkany durch die gänzliche Unfahrbarkeit der überschwemmten Wege aufgehalten; die Isprawniczie (Kreishauptmannschaft) hat 150 Landfuhren zum Bedarf des Batuschanyer Lagers gestellt. Zum Sitze des Guberniums und der Metropolis in den neuen russischen Provinzen soll Kischnow bestimmt seyn.

Man spricht von Verlegung der Residenz des künftigen Fürsten der Moldau nach Roman oder nach Barlad, da Jassy dicht an der Gränze liegt.

Alle aus ihren Klöstern verwiesenen Mönche haben Befehl erhalten, sich in denselben wieder zu sammeln.

Vor einigen Tagen ist in Choczim ein Pascha mit 100 Kriegsgefangenen Türken eingetroffen; er wurde ganz unvermuthet wieder nach Rußland zurückgeführt.


Die St. Petersburger Zeitung vom 16ten (28sten) August enthält Folgendes: [5]

"Nach der glücklichen Beendigung des fünf Jahre gedauerten Krieges zwischen dem russischen Reiche und der ottomannischen Pforte haben wir unsern Lesern bereits die Abschließung des Friedens verkündigt. Jetzt halten wir es für eine angenehme Pflicht, unsern Lesern mitzutheilen, daß am 5ten (17ten) des Augustmonats das allerhöchste Manifest Sr. Kaiserl. Majestät darüber erschienen ist, und bey demselben der Traktat über diesen Frieden dem dirigirenden Senat übermacht worden. Dieser Traktat ist in Bucharest am 16ten (28sten) May von dem Herrn General von der Infanterie, Fürsten M. L. Golonitschew Kutusow, und dem türkischen Großvezier Achmet Pascha, unterzeichnet, und sodann sind auch, wie bekannt, die feyerlichen Ratifikationen von Sr. Majestät, dem Kaiser, und von dem türkischen Sultan, Machmut dem Zweyten, über diesen Traktat gegenseitig ausgewechselt worden. ""Dieser Uns von Gott verliehene Friede, heißt es im Manifeste, hat dem russischen Reiche ansehnliche Vortheile gebracht, indem er in die Gränzen desselben einen volkreichen fruchtbaren Erdstrich eingeschlossen hat, dessen Umfang von Akerman bis zur Mündung des Pruths, welcher 9 Werste von Jassy vorbeyfließt, und von dieser Mündung bis zur österreichischen Gränze, und von dort dem Dniester abwärts, sich fast auf 1000 Werste erstreckt, und die angesehenen Festungen Chotym, Bender, Kilia, Ismail, Akerman und mehrere andere Handelsstädte in sich begreift."" Dies Manifest schließt folgendermaßen: ""Laßt und, Unsere lieben getreuen Unterthanen, unsern Dank zu dem allmächtigen Gott empor schicken, und aus der Tiefe unsers Herzens heiße Gebete ausschütten, Er wolle stets Seine gottesfürchtige Tochter, Russia, segnen, und sie durch Seine Güte beschützen und erheben."" Bey Gelegenheit des mit der ottomanischen Pforte abgeschlossenen Friedens sind folgende, welche mit an den Friedensunterhandlungen gearbeitet haben, allergnädigst belohnt worden: der in der Eigenschaft als erster Bevollmächtigter gestandene Geheimerath Italinskji mit dem St. Alexander-Newskjiorden; der gewesene zweyte Bevollmächtigte, Generallieutenant Sabanejew mit einer Pension von 4000 Rubel; der gewesene dritte Bevollmächtigte, wirkliche Etat~rath Fonton mit dem St. Annenorden erster Klasse; die Kollegienräthe Bulgakow, Bodrow und Kiriko, und der Hofrath Fonton, sind zum folgenden Rang erhoben; der Hofrath Matwei Pisani ist zum Ritter vom St. Annenorden 2ter Klasse ernannt, und der Titularrath Spieß zum Ritter vom St. Wladimirorden 4ter Klasse. Ueberdies sind beym Departement der auswärtigen Angelegenheiten allergnädigst ernannt: der wirkliche Etatsrath Judin zum Ritter vom St. Wladimirorden 3ter Klassen, der Kollegienassessor Graf Santi und der Translateur des Kollegiums der auswärtigen Angelegenheiten, Langel, zu Rittern vom St. Wladimirorden 4ter Klasse."


Konstantinopel, den 5ten September. [6]

Am 17ten d. M. setzte sich die erste Kolonne der russischen Kriegsgefangenen, und einige Tage später noch die zweyte, zu Lande nach Basardschick in Marsch, um allda gegen die aus Rußland erwarteten türkischen Gefangenen ausgewechselt zu werden. Die Zahl der hier im Bagno aufbewahrt gewesenen russischen Gefangenen ist theils durch den Abfall von 140 derselben zur mahomedanischen Glaubenslehre, theils durch den Tod von 59 andern durch Krankheiten hinweggerafften Individuen, bis auf ungefähr 500 Köpfe geschmolzen.


Bucharest, den 9ten Oktober. [7]

In dem nun vollständig erschienenen Friedenstraktat, zwischen Rußland und der Pforte ist auch ausgemacht, daß in Asien die alte Gränze bleibt, und Rußland alle dort befestigte Festungen und Ortschaften zurückgiebt, daß die Gefangenen unentgeldlich ausgewechselt werden, wofern sie nicht die Religion verändert haben, und die Pforte bietet ihre Vermittlung an, zwischen Rußland und Persien Frieden zu stiften.


Triest, den 13ten November. [8]

Man hatte geglaubt, daß die türkische Armee nach Adrianopel zurückkehren würde; allein es scheint jetzt ausgemacht, daß sie noch ferner bey Schumla campiren wird; auch hat sie 20,000 Mann Verstärkung erhalten. Diese Umstände lassen vermuthen, daß die Türken den Krieg mit den Russen bald wieder anfangen werden. (Wiener Briefe haben das Gegentheil berichtet.)


Triest, den 13ten November. [9]

Drey Transporte russischer Gefangener, die von Konstantinopel abgegangen waren, um nach ihrem Vaterlande zurück zu kehren, sind auf ihrem Marsch angehalten und nach den Kasernen zu Silistri, Nikopoli und Rudschuk gebracht worden.

Die Hospodaren der Moldau und Wallachey sind noch nicht ernannt. Die Armee des Großveziers wird sehr verstärkt. Diese beyden Umstände, so wie die Fortdauer des Lagers bey Schumla, lassen vermuthen, daß die Türken den Krieg mit den Russen bald wieder anfangen werden.


Quellen. Bearbeiten

  1. Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  2. Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 221. Freytag, den 13/25. September 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 190. Donnerstag, den 8/20. August 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 267 Mittewoch, den 6. /18. November 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 267 Mittewoch, den 6. /18. November 1812.
  7. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 268 Donnerstag, den 7. /19. November 1812.
  8. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 292 Donnerstag, den 5/17. December 1812.
  9. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 294 Sonnabend, den 7/19. December 1812.
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