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Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1806]

[1]
Großbrittanien.

Die öffentlichen Gerüchte und Blätter haben in den letzten Tagen die Abreise des Lord Holland nach Paris, und am 8. Jul. das nahe Absterben des Hrn. Fox verkündigt. Lord Holland befand sich indessen noch in London, und Hr. Fox ist, ob er sich gleich seit einigen Tagen zu Hause gehalten hat, wenigstens fähig, jeden, der ihm in Geschäften etwas zu sagen hat, zu sehen, und mit ihm zu conferiren. Die Geschäfte des auswärtigen Departements werden mit grosser Thätigkeit betrieben. Noch am 7. Jul. gieng ein Courier mit Depeschen von Deal nach Frankreich ab. Indessen sind am 8. die Stocks beträchtlich gefallen, und die Speculanten behaupten, daß einer der Präliminar-Puncte, welche durch eine Oppositionszeitung (the Courier) schon angegeben sind, vom Französischen Kaiser nicht zugestanden werde, nehmlich die Restitution Hannovers. Folgendes sind die Prälimiar-Artikel, welche die Zeitung the Courier enthält: "Malta bleibt mit völliger Souverainität im Besitz von England. -- Das Cap wird an Großbrittanien abgetreten. -- Das Churfürstenthum Hannover wird unserm König als Churf rsten restituirt. -- Die neuen Einrichtungen, welche Frankreich auf dem festen Lande gemacht hat, werden anerkannt. -- Die Brittischen Waaren und Manufacturen passiren überall frey auf dem festen Lande. -- Es werden von beyden Seiten keine neuen Linienschiffe ohne vorhergegangener Notiz gebaut, wobey es jedesmahl dem andern Theile frey steht, eine gleiche Anzahl zu bauen." Am 8. Jul. hieß es, die Friedensunterhandlungen wären so gut, wie abgebrochen, Frankreich habe eine Reduction unserer Marine verlangt xc. Im Cabinet haben, wie das obbenannte Blatt hinzufügt, folgende 6 Mitglieder für den Frieden gestimmt: Hr. Fox, Lord Petty, Lord Moira, Lord Howick, Lord Erskine und Lord Fitzwilliam; und gegen den Frieden: Lord Greenville, Lord Spencer, Lord Sidmouth, Hr. Windham und Lord Ellenborough.


[2]
Großbrittanien.

Am 23. Jul. wurde die Existenz von Unterhandlungen mit Frankreich zum erstenmahle von der Regierung öffentlich anerkannt. Der Lordkanzler hielt nehmlich bey der Prorogation des Parlaments an die versammelten beyden Häuser in der Eigenschaft als erster Königl. Commissair im Nahmen des Königs folgende Rede: „Milords und meine Herren! Se. Majestät hat mich beauftragt, Ihnen anzuzeigen, daß der gegenwärtige Zustand der öffentlichen Angelegenheiten Ihr erlaubt, diese Sitzung des Parlaments zu schliessen. Zugleich haben wir den Auftrag, Ihnen die grosse Zufriedenheit zu erklären, welche Se. Majestät der König über den unermüdlichen Eifer, die Beständigkeit und Aufmerksamkeit empfindet, welche Sie, nach Ausweis aller Ihrer Berathschlagungen, den kostbarsten Interessen seines Reichs gewidmet haben. Die zu allmähliger Verbesserung unsers Militairsystems, getroffenen Maßregeln, Ihre Sorgfaltt, diese Maßregeln mit dem grossen Plan wegen Beobachtung von Oeconomie bey Verwendung der Staatseinkünfte zu vereinbaren, endlich Ihre Anstalten, die Liquidation der öffentlichen Rechnungen zu beschleunigen, verdienen die Erkenntlichkeit Sr. Majestät. -- Meine Herren vom Unterhause! Se. Majestät hat uns befohlen, Ihnen für die Art zu danken, mit welcher Sie für die verschiedenen Bedürfnisse des öffentlichen Dienstes gesorgt haben, besonders auch für den Beschluß, im Laufe dieses Jahres selbst einen so grossen Theil der nöthigen Subsidien zu erheben. Diese, schon an und für sich sehr nützliche Maßregel muß auch, sowohl in unserm eigenen Lande, als in der Fremde, einen sehr günstigen Begriff von unsern Nationalhilfsmitteln und von der Bereitwilligkeit des Brittischen Volkes geben. Sie können versichert seyn, daß man mit größter Sorgfalt die öconomische Verwaltung der Subsidien, welche Sie si freygebig bewilligt haben, machen wird. Auch ist Se. Majestät der König insbesondere sehr erkenntlich für den neuen Beweis Ihrer Ergebenheit und Liebe für seine Person, welchen Sie dadurch geben, daß Sie die jüngern Zweige des Königl. Hauses in Stand setzten, die zu Aufrechthaltung Ihres Ranges nöthigen Ausgaben zu bestreiten. -- Milords und meine Herren! Se. Majestät, immer von dem Verlangen beseelt, den Frieden auf billige und ehrenhafte Bedingungen wieder herzustellen, sind zu Erreichung dieses wünschenwerthen Zweckes in Unterhandlung getreten. Der Ausgang dieser Unterhandlung wird von der Wechselseitigkeit gleicher Gesinnungen von Seite des Feindes abhängen. Mittlerweile verläßt sich Se. Majestät mit größter Zuversicht auf jene Vereinigung von Anstrengungen und Eifer für das Beßte des Vaterlandes, welche alle Classen seines Volks auszeichnet, und welche allein den Krieg wirksam, und den Frieden dauerhaft machen kann.

[3]
Großbrittanien.

Die Hamburger neue Zeitung vom 5. Aug. enthält folgendes Schreiben aus London, vom 29. Jul. "Die Friedensunterhandlungen scheinen nun eine etwas ernstere Gestalt anzunehmen. Nachdem in den letzten Tagen mehrere Couriere sowohl zwischen unserer und der Französischen Regierung und dem Russischen Gesandten in Paris und London gewechselt worden waren, ward uns heut durch eine ministerielle und gewöhnliche vorsichtige Abendzeitung, the Statesman, als gewiß angekündigt: Daß der Graf von Lauderdale zur Leitung der Unterhandlungen wirklich ernannt sey, und heute Abend oder Morgen nach Paris abgehen werde, mit dem Auftrage, die Vorschläge der Französ. Regierung zu empfangen, und mit derselben darüber in Verhandlungen zu treten, doch vor jetzt, als bey dem ersten Anfange der Sache, ohne die gewöhnliche Vollmacht oder die Credentialen eines Gesandten oder Bevollmächtigten." (nach verschiedenen Berichten ist Lord Lauderdale wirklich in Paris angekommen.)

[4]
Frankreich.

Lord Lauderdale ist aus London den 5. Aug. Abends in Paris angekommen. Er landete den 3. Aug. auf einer Fregatte mit der Waffen Stillstands-Flagge zu Calais, zugleich mit dem Courier Basilico. Die Absendung desselben ist, wie Londner Zeitungen sagen, eine Folge der am 28. Jul. zu London angekommenen Briefschaften aus Frankreich, die man als das Französische Ultimatum in London ansah. Man hat am 6. Aug. viele Cabinets-Couriere in verschiedenen Richtungen von Paris abgehen sehen.

[5]
Großbrittanien.

Von dem Grafen Lauderdale ist bis den 8. noch keine Depesche aus Paris angelangt. Die Oppositionsblätter wollen das Gerücht verbreiten, er sey nicht so sehr mit der Aussicht der unverzüglichen Unterzeichnung der Friedenspräliminarien nach Paris gegangen, als vielmehr mit der Absicht, um über gewisse Puncte Erläuterungen zu geben, in Hinsicht welcher die Französische Regierung die Gesinnungen des Engl. Ministeriums mißverstanden hat. Dieses Gerücht scheint jedoch bloß verbreitet worden zu seyn, um die so sichern Friedenshoffnungen zu schwächen. Ein anderes dem Frieden ungünstiges Gerücht, ist daß die Regierung den Londner Kaufleuten den directen Handel nach St. Domingo erlaubt habe.

[6]
Großbrittanien.

Der so ängstlich erwartete erste Courier vom Lord Lauderdale ist endlich am 13. Aug. angelangt. Es war Nachmittags 3 Uhr, als die Fregatte Vestale von Calais zu Deal ankam, und den Staatsbothen Basilico mit der Depesche des Lords Lauderdale ans Land setzte, welcher auch gleich darauf die Reise nach London antrat, und in der Nacht um 2 Uhr im Staatscomtoir des Hrn. Fox anlangte. Am folgenden Tage traten darauf die sämmtlichen Cabinetsminister, mit Ausnahme des Hrn. Fox, Mittags 1 Uhr zusammen, blieben bis 3 Uhr versammelt, und gleich darauf erhielt der Staatsbothe Basilico den Befehl, sich zu einer neuen Reise nach Paris fertig zu machen. Er wurde Abends halb 10 Uhr fortgeschickt. Seine Reise aus Paris hatte er in 48 Stunden gemacht, und war erst am 12. von Paris abgereiset.

[7]
Großbrittanien.

Unter die Mannigfaltigen unverbürgten Angaben über den Stand der Friedensunterhandlungen, gehören auch wohl die nachstehenden: "Dem Vernehmen nach hat England in den bisherigen Unterhandlungen mit Frankreich besonders auf den gegenwärtigen Besitzstand (uti possidetis), das heißt, auf die Bedingung angetragen, daß England sowohl als Frankreich jedes von seiner Seite das behalte, was es in dem Augenblicke der wirklichen Abschliessung des Friedens besessen hätte, mit der Ausnahme, daß die deutschen Staaten des Königs von England demselben restituirt würden, wogegen aber Französischer Seits Schwierigkeiten erhoben worden. Indessen hatten die Unterhandlungen eine günstige Aussicht gewonnen, sich aber mit der Zunahme der Krankheit des Hrn. Fox vermindert. In der Nacht vom 9. auf den 10. Aug. kam ein Courier aus England in Paris an; er brachte eine Wiederholung der uneingeschränkten Forderung des gegenwärtigen Besitzstandes xc. als Ultimatum, und zugleich den Befehl an Lord Lauderdale, im Fall der Verweigerung der Annahme, sogleich abzureisen, ja sogar nicht den geringsten weitern Gegenvorschlag anzuhören. Die Franzosen Bevollmächtigten unterhandelten jedoch noch in der Nacht vom 10. Aber am 11. den ganzen Tag über war Lord Lauderdale reisefertig; er verlangte seine Pässe zu wiederholtenmahlen. Erst am 11. Nachmittags schien wieder einige Hoffnung zur Wiederanknüpfung des Fadens vorhanden zu seyn. Man schmeichelte sich mit der fortdauernden Anwesenheit der Lords; und man glaubte fest an die Wiederherstellung eines Guts, was man bereits zu besitzen geglaubt hatte, und was man bey den so sehr gestiegenen Hoffnungen ungern verliert. Die Börse vom 11 fühlte bereits die Folgen des zweydeutigen Standes der Negociation. Die Renten fielen bis auf 66 Fr., und die Bankactien in einem ähnlichen Verhältnisse. Die Französischen Bevollmächtigten sind der Minister des Innern, Champagny, ehemahliger Ambassadeur des Kaisers am Wiener-Hofe, und der General Clarke. Lord Lauderdale war den 13. Morgens noch in Paris.

Von der andern Seite giebt es sogar Journale, welche die ganze Nachricht von den, durch Lord Lauderdale geforderten Pässen, für eine Handelsspeculation Holländischer Kaufleute, um die Preise der Colonialwaaren in die Höhe zu treiben, halten.

[8]
Großbrittanien.

Der Staatsbothe, Pegler, ist am 19. Aug, Morgens mit Depeschen von Lord Lauderdale eingetroffen. Die Erwartungen über den Ausgang der Unterhandlungen mit Frankreich sind aufs höchste gespannt. Nach der Ankunft Peglers, der vor der Rückkunft des Basilicos von Paris abgefertigt worden war, wurde ein Cabinetsrath gehalten.

Laut Pariser-Briefen hat Lord Lauderdale zwar Privatconferenzen mit den Französischen Bevollmächtigten, die aber nicht sehr wichtig seyn müssen, da die Antwort, welche Lord Yarmouth von London zurückbringen wird, über die Hauptpunkte der Unterhandlung entscheidend seyn muß. Yarmouth hat nehmlich das Französische Ultimatum, als Antwort auf das Englische nach London überbracht, und soll ausserdem den Auftrag haben, dem Minister Fox einige mündliche Aeusserungen des Kaisers in Ansehung der vorgeschlagenen Modificationen zu überbringen. Man erwartete ihn vor Ende Augusts in Paris zurück, und glaubt demnach, daß bis dahin auch die wichtige Frage über Krieg oder Frieden zur See entschieden seyn wird.

[9]
Großbrittanien.

Lord Yarmouth kam am 23. August Abends um 11 Uhr in London an, nachdem ihm ein Courier am 22. vorangegangen war, dessen Depeschen am 23. Morgens ein grosses Cabinetsconseil veranlaßten, zu welchem unter andern Lord Sidmouth vom Lande herbeygeholt wurde. Am Ab nd des 23. gieng ein Courier mit dem Resultat der Berathschlagungen nach Paris ab. Am nehmlichen Tage stiegen die Fonds etwas: Cousol. 3 Procent 62 34, Omnium 7 14.

[10]
Großbrittanien.

Der Staatsbothe, Hr. Basillco, ist wieder mit Depeschen von Paris abgekommen. Er verließ Paris am 1. Sept. um 3 Uhr Nachmittags, war am 3. Morgens zu Calais, segelte in der Canonenbrigg Faney ab, und landete des Nachmittags zu Deal. Gleich nach seiner Ankunft wurde ein Cabinets-Conseil gehalten, und am 4. ist schon die Antwort wieder nach Paris abgefertigt worden. Seit der Nachricht von der Nichtratification des Tractats mit Rußland, welche Nachricht hier durch Basilico aus Paris, und auch vom festen Lande angekommen, glaubt man hier an keinen Frieden. Doch sind die Stocks nicht gefallen, sondern stehen noch immer zwischen 7 und 8 Omnium, weil die Unterhandlungen noch fortdauern. Es war der Chevalier Grochowsky, welcher, nach Londnerblättern, die erste Nachricht von der Nichtratificirung des von dem Hrn. v. Oubril unterzeichneten Tractats nach Paris brachte. Nach der Ankunft des Chevalier hatte Lord Lauderdale noch eine Conferenz mit dem Staatsminister, Hrn. v. Talleyrand, Herzog von Benevent. Nach dem Cabinets-Conseil vom 3. Sept. ward ein Expresser an den Russischen Ambassadeur, Grafen v. Stroganoff, gesandt, der sich in der Nähe von Southampton befand.


Quellen.Bearbeiten

  1. Wiener Zeitung. Nro. 61. Mittewoche, den 30. Julius 1806.
  2. Wiener Zeitung. Nro. 66. Sonnabend, den 16. August 1806.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 67. Mittewoche, den 20. August 1806.
  4. Wiener Zeitung. Nro. 68. Sonnabend, den 23. August 1806.
  5. Wiener Zeitung. Nro. 70. Sonnabend, den 30. August 1806.
  6. Wiener Zeitung. Nro 72. Sonnabend, den 6. September 1806.
  7. Wiener Zeitung. Nro 73. Mittewoche, den 10. September 1806.
  8. Wiener Zeitung. Nro 74. Sonnabend, den 13. September 1806.
  9. Wiener Zeitung. Nro 76. Sonnabend, den 20. September 1806.
  10. Wiener Zeitung. Nro 78. Sonnabend, den 27. September 1806.
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