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Auguste Frederike Krüger, eine Heldinn unserer Zeit.Bearbeiten

Zu den schönen Beyspielen von hohem Muth und Selbstverläugnung, welche in allen Ständen und Verhältnissen sichtbar unsere thatenreiche Zeit verherrlichen, gehört auch die Geschichte einer deutschen Jungfrau, welche in dem Colbergischen Infanterie-Regimente an dem Befreyungs-Kampfe von 1813 bis 1815 thätigen Antheil genommen hat, und deren kurzes Kriegerleben um so mehr bekannt zu werden verdient, als sie frey von eitler Ehrsucht nur durch Thatendrang und reine Begeisterung für Vaterland und Freyheit zu ihrem Handeln getrieben wurde.

Sie heißt Auguste Frederike Krüger, und ist die Tochter eines Ackerbürgers zu Friedland im Großherzogthum Mecklenburg-Strelitz. In der öffentlichen Schule ihrer Vaterstadt lernte sie die Anfangsgründe der Schulkenntnisse, und ging als einzige Tochter, unter drey Geschwistern, ihrer Mutter in Führung der Wirthschaft zur Hand. Schon früh regte sich in dem kräftig fühlenden Mädchen ein kühner Thatengeist, und die Bedrückungen der Franzosen, unter denen sie ihr Vaterland leiden sah, reiften ihren Entschluß, Soldat zu werden, um zur Befreyung ihres Vaterlandes auch ihrer Seits thätig mitwirken zu können.

Sie bestimmte sich, mit Bewilligung ihres Vaters, dem sie jedoch ihre geheime Absicht verbarg, zur Erlernung des Schneiderhandwerks, welches in ihrer Heimath häufig von Frauenzimmern betrieben wird, indem sie sich in ihrem Kriegerleben davon Nutzen versprach.

Als sie einige Monate bei der Tochter des Kriegscommissairs Lemke in Anklam zugebracht hatte, erfuhr sie hier die begonnenen Aushebungen zum Kriege gegen Frankreich. Sogleich machte sie sich auf, besuchte ihren Vater in Friedland -- ihre Mutter war kurz zuvor gestorben -- um ihm, in ihrer Seele vielleicht ein ewiges Lebewohl zu sagen, und eilte in männlicher Kleidung, von ihr selbst verfertigt, unter dem angenommenen Namen Lübek, nach dem Amte Jasnitz, um als Freywilliger in den preußischen Kriegsdienst zu treten.

Mit der hier gesammelten Abtheilung junger Soldaten ward die nach Colberg geführt, von wo sie, kaum angekommen, nach Wollin abgeschickt und mit Schneider-Arbeit für ein neu errichtetes Reserve-Bataillon, welchem sie zugetheilt war, beschäftigt wurde, da man ihrem Verlangen, unter den schwarzen Husaren Dienste zu nehmen, nicht nachgab.

In Wollin lernte sie einen Monat hindurch exerzieren. Kaum vermöchte der schwache Arm des 19jährigen Mädchens das Gewehr zu halten. Aber ihr fester Wille und ihre begeisterte Vaterlandsliebe ließen ihren Muth nicht sinken, und stählten ihre Kräfte.

Nach sechs Wochen, welche sie hier mit dem Reserve-Bataillon gestanden hatte, entdeckte sich ihr Geschlecht, und sie wurde von dem Commandeur, dem Major v. Schmidt, welcher mir davon Anzeige machte, zu mir nach Colberg zurückgesandt. Ich deutete ihr an, daß ihr Verbleiben als Soldat im Bataillon unzulässig sey, und daß sie entweder ganz zurücktreten müsse, oder sich im Bataillon verheirathen könne, in welchem Falle es ihr gestattet seyn solle, als eine der Frauen, welche die Wäsche des Soldaten besorgen, mitzugehen. Da sie aber unbeweglich bey dem Entschlusse, selbst die Waffen zu führen, beharrte, so ward ich durch das Versprechen der untadelhaftesten, sittsamsten Aufführung, und durch ihr gesundes kräftiges Äußere bewogen, zuzugestehen, daß sie als Soldat ferner dienen dürfe. Das beste Zeugniß ihrer Vorgesetzten und Cameraden sprach für die Erfüllung ihres lebhaften Wunsches.

Bald nach ihrer Zurückkunft zum Bataillon marschirte sie mit demselben vor Stettin, und wohnte der Einschließung dieses Platzes auf der Seite von Alt-Damm bey. Sie legte hier die ersten Beweise ihres Muthes ab, indem sie bey einem überlegenen Ausfall der Franzosen auf das Dorf Finkenwalde unter den Ersten war, die sich dem Feinde entgegenstellten, und zu seiner spätern Zurücktreibung beytrugen.

Noch im Sommer des Jahres 1813 marschirte das Bataillon nach Berlin, und wurde dem Colberg'schen Infanterie-Regimente, von welchem das erste Bataillon zum zweyten Garde-Infanterie-Regiment versetzt wurde, einverleibt. Das Regiment stieß hierauf zum dritten preußischen Armee-Corps, und zwar zur Brigade des Generals v. Krafft. Es nahm nach der erneuerten Eröffnung der Feindseligkeiten einen ehrenvollen Antheil an der Schlacht von Groß-Beeren am 23sten August desselben Jahres, wo die 7te Compagnie des 2ten Bataillons, in welcher sie stand, über zwanzig Mann verlor.

Bey Dennewitz, am 6ten September dess. J., gerieth das Regiment gleich Anfangs in ein heftiges Kartätschenfeuer. Nach einem anderthalbstündigen Gefechte, welches das Regiment, bey der Mühle des Dorfes Gehlsdorf zu bestehen hatte, und wodurch auch der Muth der Bravsten wankend werden konnte, rief der Hauptmann v. Mallotki von seiner Compagnie Freywillige auf, um eine nahe feindliche Kanone mit stürmender Hand zu nehmen. Auguste Krüger war die erste, welche hervortrat; sieben Mann ihrer sehr zusammengeschmolzenen Compagnie schlossen sich ihr an, und mehrere andere folgten.

Nach kurzem Vorgehen traf ein Stück von dem Gewehr ihres Nebenmannes, durch eine feindliche Kugel zerschmettert, heftig ihr linkes Auge. Bald darauf ward sie von einem Stück einer zersprengten Granate an der linken Schulter bis auf den Knochen verwundet und der Arm gelähmt, und das Gewehr unter den rechten Arm nehmend, schloß sie sich, nachdem der unternommene Angriffsmarsch abgeschlagen worden, ihrem Bataillon wieder an. Nach Verlauf einer halben Stunde ward sie bey dem erneuerten Vorgehen durch einen Prellschuß am rechten Fuß getroffen, wie im Kreise herumgedreht, und niedergestreckt. Kaum war indeß durch den Verband des Wundarztes der Geschwulst Einhalt gethan, so raffte sie sich nochmals auf, und setzte mit ihrem Regiment bis zum Schluß des glorreichen Tages die Verfolgung des Feindes fort.

Von ihrer Compagnie, bey welcher sämmtliche Officiere getödtet oder verwundet waren, führte zuletzt ein Unterofficier den schwachen Rest der Braven.

So ward dieser Tag, der Weihetag hoher Tapferkeit für so viele Scharen junger preußischer Krieger, denen ihr Heerführer, der General Graf Bülow v. Dennewitz, mit dem würdigsten Beyspiele der muthvollsten Besonnenheit vorleuchtete, zugleich auch der Zeuge des seltenen Muths und Vaterlandessinnes eines Deutschen Mädchens.

Nach der Schlacht ward sie mit andern Verwundeten nach Berlin gebracht, wo der hohe Sonn der preußischen Frauenvereine, unter Leitung der edlen Prinzessinn Wilhelmine von Preußen, für ihre Heilung und Pflege herzlich Sorge trug. Sie verlor einen Knochensplitter aus der Schulter, und an der Schiene des rechten Fußes öffnete sich eine Wunde, welche eine neue Heilung nothwendig machte.

Als Lohn ihrer Tapferkeit erhielt sie in der Folge das eiserne Kreutz zweyter Classe, auch ward sie wegen ihres Wohlverhaltens und pünctlichen Diensteifers zum Unterofficier befördert.

Noch nicht völlig genesen, kehrte sie zum Regimente nach Holland zurück, wo das Regiment Colberg in den Gefechten und Erstürmung von Arnheim, Bommel, Antwerpen und Herzogenbusch den alten Ruhm seiner unauslöschlich begründeten hohen Tapferkeit, unter der obern Leitung seines Brigade-Chefs, des Generalmajors v. Krafft, und der speciellen Führung seines Commandeurs, des Obersten v. Zastrow, bewährte. Auguste Krüger gab bey allen diesen Gelegenheiten gleiche Beweise von Muth und Ausdauer. Nirgends scheuete sie die Gefahr; sie suchte sie vielmehr auf. Als bey Bommel von dem Regimente eine Schleich-Patrouille über die Maas geschickt wurde, um Schifferkähne zu hohlen, womit bey der Nähe des Feindes eine augenblickliche Lebensgefahr verknüpft war, ward sie von dem Oberst von Zastrow aus dem schon von ihr betretenen Fahrzeuge zurück gewiesen. Sie wußte aber die Schiffer bis zu dem Augenblicke zurück zu halten, wo der Oberst v. Zastrow sich wieder entfernt hatte, und sie ungehindert den Kahl besteigen und zur Recognoscirung des Feindes mit vorgehen konnte. Der würdige Vorgesetzte verzieh ihr gern diesen ersten und einzigen gebliebenen Verstoß gegen seine Gebothe.

Das Colberg'sche Regiment bestand späterhin die Schlacht bey Laon, und das blutige Gefecht bey Compiegne. Es marschirte bald nach der Eroberung von Paris erst nach Gent, und bald darauf nach Crefeld, wo es bis zur Eröffnung des dießjährigen Feldzuges blieb. Auch während dieser Zeit beobachtete sie in ihrem Betragen dieselbe Festigkeit, Pünctlichkeit und Dienstbeflissenheit, wodurch sie sich zu jeder Zeit ausgezeichnet hat; sie gehörte zu den strengsten und geachtetsten Unterofficieren des Regiments. Auch wurde sie von ihrem Regiment für würdig erkannt, zum Officier in Vorschlag gebracht zu werden, welches jedoch, anderer Rücksichten wegen, unterblieb.

Bey Erneuerung des |Krieges im Frühjahr d. J. rückte das Regiment gegen Ende des März nach den Niederlanden. Mit Ungeduld erwartete sie den Ausbruch der Feindseligkeiten, hatte aber den Schmerz, am 16. Juny zum Empfang von Lebensmitteln für das Regiment in den Cantonnirungen desselben zurück bleiben zu müssen, folglich an den großen Schlachttagen nicht Theil nehmen zu können, welche ihrem Muthe Festtage gewesen seyn würden.

Späterhin wohnte sie dem Gefechte vor Namur bey, welches der preußischen Armee viele brave Krieger, und unter diesen dem Regimente Colberg sein hohes Vorbild, den Obersten v. Zastrow raubte; er fand hier, von seinen Untergebenen innigst hochgeschätzt und betrauert, den Heldentod. Das Regiment Colberg, und mit ihm der Unterofficier Krüger, nahm im Laufe des Feldzuges thätigen Antheil an den Belagerungen und Eroberungen der französischen Festungen Landrecy, Philippeville, Givet und Rocroy. Überall war dieses Mädchen ihren Kriegesgefährten ein Muster jeder Soldatentugend; sie endet jetzt ruhmvoll ihre kriegerische Laufbahn.

Der Krieg ist beendigt, die Waffen ruhen! -- Der Prinz August von Preußen, Befehlshaber des 2ten Armee-Corps, wozu das Regiment Colberg in diesem Kriege gehörte, hat dem Unterofficier Auguste Krüger den nachgesuchten Regiments-Abschied unterm 23. October d. J. ertheilen lassen. Die höchste Achtung ihrer Dienstgefährten, jeden Standes, begleitet dieses seltene, bewundernswerthe und doch zugleich so anspruchlose Mädchen in die Heimath.

Sie ist nicht abgeneigt, sich ihrem zarteren Berufe zurückzugeben, möge ihr die glücklichste Zukunft im Kreise einer stillen Häuslichkeit bereitet seyn!

Der Staat hat ihr bereits eine, für ihr bisheriges Dienstverhältniß allerdings bedeutende, lebenslängliche Pension zugesichert; eine größere Freygebigkeit läßt aber die heiligere Verpflichtung, "für die große Zahl der ehrwürdigen Invaliden zu sorgen, womit der dreyjährige vaterländische Krieg den König und sein Volk bereichert hat," nicht zu. Ich wende mich demnach an meine Mitbürger jeden Standes; wer bemittelt ist, wolle durch einen kleinen Geldbeytrag bemühet seyn, diesem hochsinnigen Mädchen eine Brautschatz oder eine äußerlich ganz sorgenfreye Zukunft zu sichern. Ich fühle mich verpflichtet, Menschen- und Vaterlandsfreunde dazu aufzufordern.

Unsere Landesvorsteher, die Herren Präsidenten der Landes-Regierungen, und die Herren Brigade-Chefs und andere Civil- und Militär-Vorgesetzte, welche in den beendigten denkwürdigen Kriegen so viele Beyspiele der thätigsten Bemühungen für edle und vaterländische Zwecke gegeben haben, werden gewiß gern die kleine Mühe, "Beyträge sammeln und mit zusenden zu wollen," übernehmen. Zur großen Freunde wird es mir gereichen, bald in den Stand gesetzt zu seyn, dem vaterländischen Publicum Bericht über den Fortgang dieses mir werth gewordenen Geschäfts erstatten zu können.

Magdeburg, im December 1815.
v. Borstell, Kön. Preuß. General-Lieutenant.


Auguste Friederike Krüger.Bearbeiten

Neben diesen beyden erwähnten Heldinnen, zeichnete sich besonders auch durch Muth und Tapferkeit aus, Auguste Friederike Krüger, die Tochter eines Landmanns zu Friedland im Großherzogthum Mecklenburg-Strelitz.

Sobald sie im Jahr 1813 den Aufruf des Königs von Preussen erfuhr, so eilte sie (damals 19 Jahre alt) in männlicher Kleidung, die sie sich selbst verfertigt hatte, unter dem angenommenen Namen: Lübeck, nach dem Amte Jasnitz, um unter die Vertheidiger des Vaterlandes zu treten. Mit einer Abtheilung Rekruten wurde sie hierauf nach Kolberg und von da nach Wollin geschickt. Schon nach einigen Wochen wurde zwar das Geheimniß ihres Geschlechts entdeckt, und der Befehlshaber des Battaillons wollte sie daher des Kriegsdienstes entlassen, allein sie beharrte fest auf dem Entschluße, für das Vaterland zu fechten, und blieb von nun an unter dem Regiment Kolberg.

Nachdem sie zuerst vor der Festung Stettin die damals von den Preussen belagert wurde, einige Zeit gestanden war, so zog sie von da mit der Armee des Kronprinzen von Schweden in das offene Feld, und wohnte den 23. August dem siegreichen Treffen von Großbeeren, und den 6. September der ruhmvollen Schlacht von Dennewitz bey. An diesem Tag zeichnete sie sich besonders durch ihre Tapferkeit aus, und wurde deswegen zum Unteroffizier und zum Ritter des eisernen Kreuzes ernannt.

Eine Wunde, die sie in der Schlacht bey Dennewitz empfangen hatte, hielt sie einige Zeit ab, an den bald darauf folgenden Kriegsthaten Theil zu nehmen. Aber noch nicht völlig genesen, suchte sie nach einigen Wochen ihr Regiment in Holland auf, welches mit Bülows Armeecorps unterdessen dahin vorgerückt war. Den 30. November 1813, half sie die Wälle von Arnheim erstürmen. Den 9. Merz 1814 stand sie in der Schlacht von Laon. Hier und außerdem noch in mehreren Gefechten gab sie stets Beweise ihrer Tapferkeit.

Noch im Jahr 1815 befand sie sich bey ihrem Regiment, als Napoleon von Elba wieder nach Frankreich zurückkehrte, und zog daher von neuem in das Feld, um gegen den Feind des deutschen Volkes zu kämpfen. Ihr Regiment gehörte zum zweyten preussischen Armeecorps, welches so wohl bey Ligny als auch Belle-Alliance sich auf dem Kampfplatz befand. Nach diesen furchtbaren Schlachten hatte sie noch mit ihrem Regiment, rühmlichen Antheil an den Eroberungen der Festungen Landrecy, Philippeville, Rocroy und Givet, welche unter der Anführung des Prinzen von August von Preussen eingenommen wurden.

Nach Beendigung dieses Krieges ward ihr unter dem 23. Oktober 1815 ein ehrenvoller Abschied ertheilt. Der König verwilligte ihr eine Pension, und auf Aufforderung des Generals von Borstell wurden freywillige Beyträge zu einem Brautschatze für sie gesammelt.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Magazin für Zeitungsleser. 1816.
  • Züge teutschen Muthes und Hochsinns nebst einigen Gedichten verschiedenen Inhalts. Gesammelt und zur Ausführung eines wohlthätigen Zweckes herausgegeben von C. V. Sommerlatt. Zweiter Theil. Basel, 1821. gedruckt in der Schweighauserschen Buchdruckerey.
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