Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Göttingen.[]


Göttingen,[1] die erste der 4 großen Städte im Fürstenthum Calenberg, an der neuen Leine, in einem fruchtbaren und angenehmen Thale, das umliegende Land hat ehemals ein besonderes Fürstenthum ausgemacht, welches wegen seiner südlichen Lage gegen die Wälder Solling und Harz, das Fürstenthum Oberwald genennt wurde. Jezt macht Göttingen eins der 4 Quartiere des Fürstenthums Calenberg. Im J. 1734 stiftete Georg II König von Großbritannien, hier eine Universität, welche Georgia Augusta heißt, den 17. Sept. 1737 mit großen Feyerlichkeiten eingeweiht worden, und wegen vieler vortrefflichen Einrichtungen und Anstalten, wobey keine Kosten gesparet wurden, insonderheit wegen der herrlichen und überaus zahlreichen Bibliothek, welche gegen 200,000 Bände zählt, und mit jedem Jahre beträchtlich vermehrt wird, sich vorzüglich auszeichnet. Sie ist täglich für jeden Gelehrten und Studierenden geöfnet. Im J. 1751 ist allda auch eine königliche Societät der Wissenschaften errichtet worden, welche die Gelehrsamkeit durch wichtige Untersuchungen und Entdeckungen bereichert hat. Diese erhielt im J. 1770 nebst ihren Commentarien eine neue besondere Einrichtung. Sie besteht aus der mathematischen, physikalischen und historischen Klasse, hat ordentliche und ausserordentliche, einheimische und ausländische Mitglieder, hält monatlich eine Versammlung, in welcher die gelehrten Abhandlungen vorgelesen werden, und die einzelnen Klassen setzen abwechselnd mit jedem Jahre einen Preis von 50 Dukaten auf die Bearbeitung einer vorgelegten Frage. Im J. 1773 ward ein Museum angelegt, welches nebst einer beträchtlichen Münzsammlung, die Merkwürdigkeiten des Thier- Gewächs- und Mineralreichs, auch eine beträchtliche Sammlung von Modellen aller Art, in großer Vollständigkeit enthält. Seit 1784 wird jährlich von jeder der 4 Facultäten eine Preisfrage für die zu Göttingen Studierenden bekannt gemacht, welche dadurch Aufmunterung zum Fleis und Gelegenheit zur Bekanntmachung erworbener Kenntnisse erhalten. Der Preis besteht in einer goldenen Medaille, 25 Ducaten schwer. Unter denjenigen gelehrten Anstalten, welche nach und nach zu Stande kamen, verdienen auch noch besonders das Predigerseminarium, das theologische Repetentencollegium und das Pastoralinstitut, das Chirurgische, das Accouchir- und das Krankenhospital, der botanische und ökonomische Garten, das anatomische Theater, das Krankenhaus und klinische Institut, das chemische Laboratorium, der phisikalische Instrumenten-Apparat, das Observatorium, ingleichen das philologische Seminärium, dem die gesammte Gelehrsamkeit viele ausgezeichnete Männer und Schriften, und Deutschland die Erhaltung der alten Literatur großentheils zu danken hat, angeführt zu werden. Beständiger Rektor der Universität ist der König von Großbritannien, der Prorektor wird aus den Professoren mit jedem halben Jahre gewählt. Zwey Staatsminister führen das Curatorium. Die Zahl der Professoren ist nicht fest bestimmt; man zählte zu Ende des vorigen Jahrhunderts 36 ordentliche und 8 ausserordentliche Professoren; überdieß noch viele Privatlehrer und Repetenten in den vier Fakultäten. Die Mittelzahl der Studierenden berechnet man ehemals auf 800; während des Französischen Revolutionskriegs hat sie sich beträchtlich vermindert, hebt sich aber schon gegenwärtig wieder, selbst während der Französischen Besitznahme von Hannover, wobey die Universität äusserst geschont wurde. Im J. 1804 betrug die Anzahl der Studierenden 708, unter welchen sich 455 Fremden befanden. Zur Unterstützung der Studierenden sind 140 Freytische auch mehrere Stipendien vorhanden. In der Stadt ist eine Commenthuren des deutschen Ordens und eine Generalsuperintendentur, wie auch eine Specialsuperintendentur, die mit der Predigerstelle an der Johanniskirche verknüpft ist; und noch 4 andere Pfarrkirchen. Die Reformirten haben auch eine Kirche; und die Katholiken haben ihre Gottesdienst in einem Privathause. Göttingen gehörte ehemals zu den Hansestädte, und hatte einen bedeutenden Handel, welcher nach der Zertrümmerung des Bundes verfiel; aber noch hat die Stadt aus jenen Zeiten einen ziemlichen Umfang, innerhalb desselben jedoch viele Gärten, 4 Thore, und meist aus Fachwerk gebaute Häuser. Die Zahl der Einwohner beläuft sich gegen 10,000, ohne die Studierenden, und ohne die gewöhnliche Besatzung von 780 Mann, und die Zahl der Häuser auf 940. Seit der Errichtung der Universität hat die Stadt durch neue und schöne Gebäude ein sehr prächtiges Ansehen erhalten, so daß die mit unter die schönsten Städte Niedersachsens gehört. Ein ansehnlicher Nahrungszweig der Bürger besteht in Wollenmanufakturen von Tuch, Zeugen, Strümpfen, in der beträchtlichen Bierbrauerey, Leinenweberey, und in der stärken Ausfuhr der sogenannten Mettwürste. In den Jahren 1757, 1758, 1760 und 1761 ist diese Stadt von Französischen Truppen besezt gewesen; 1762 aber den 16. August von denselben geräumt worden. Damit sie in Kriegszeiten keinem Feind mehr zum Aufenthalt dienen kann, sind die Aussenwerke und Thore abgetragen, und der Wall in einen schönen mit Lindenbäumen besezten Spazierplatz verwandelt worden. Eine andere Promenade dient innerhalb der Stadt die Allee dar.


Göttingen..[]


Göttingen,[2] eine in einem fruchtbaren und angenehmen Thale in dem zum Königreich Hannover gehörigen Fürstenthum Calenberg, an der Leine, gelegene Stadt, die gegenwärtig über 10,000 Einwohner zählt und zu den schönsten Städten von Niedersachsen gehört. Hier stiftete im Jahr 1734 König Georg II. die berühmte Universität, Georgia Augusta, welche am 17. Sept. 1737 feierlich eingeweiht wurde, und sich bald zu einem der vorzüglichsten gelehrten Institute Europa's erhob. Mit einem ungemessenen Kostenaufwand vereinigte die Regierung die ersten vaterlandischen Gelehrten hier, und gründete, neben vielen andern zweckmäßigen Anstalten, eine Bibliothek, welche für die neuere Literatur die reichste in Deutschland ist, und gegen 200,000 Bände zählt. Im Jahr 1751 wurde die königliche Societät der Wissenschaften errichtet, und erhielt im Jahr 1770 eine neue und zweckmäßigere Einrichtung. Sie besteht aus der mathematischen, physikalischen und historischen Klasse, hat ordentliche und außerordentliche, einheimische und auswärtige Mitglieder, und hält monatlich eine Sitzung. Die einzelnen Klassen setzten abwechselnd einen Preis von 50 Ducaten auf die Beantwortung einer vorgelegten Frage aus. Im Jahr 1773 ward ein Museum angelegt, welches nebst einer beträchtlichen Münzsammlung die Merkwürdigkeiten des Thier-, Gewächs- und Mineralreichs, auch eine beträchtliche Sammlung von Modellen aller Art, in großer Vollständigkeit enthält. Seit 1784 wird jährlich von jeder der 4 Fakultäten eine Preisaufgabe für die zu Göttingen Studirenden bekannt gemacht; der Preis besteht in einer 25 Dukaten schweren goldenen Medaille. Außerdem befindet sich hier ein Predigerseminarium, ein theologisches Repetentencollegium und ein Pastoralinstitut, ein chirurgisches, ein Accouchir- und ein Krankenhospital, ein botanischer und ökonomischer Garten, ein anatomisches Laboratorium, ein physikalischer Instrumentenapparat, ein Observatorium, ferner ein philologisches Seminarium u. s. w. Sonst war die Mittelzahl der Studirenden 800, die sich aber unter der Westphälischen Regierung sehr vermindert hatte. Göttingen hat auch bedeutende Tuch- und Strumpfmanufakturen und Leinwebereien; ferner sind die Mettwürste ein bedeutender Ausfuhrartikel.


Von Reisende.[]

Dr. Johann Friedrich Droysen.

[3]

[1801]

Sie erwarten nicht von mir, mein Bester, daß ich Ihnen meinen vergnügten Aufenthalt in Hannover und Göttingen, oder meine angenehme Fußreise auf dem Harz in seinen romantischen Gegenden beschreibe, Sie kennen diese Orte, und wissen wie angenehm man hier lebt, wenn man Bekannte hat, wie ich hier zu finden das Glück hatte; also nur wenige Worte von Göttingen.

Das ehemahlige Lichtenbergische physikalische Cabinett, welches jetzt der Akademie zugehöret, die es schon bey seinen Lebzeiten an sich kaufte, steht nun unter der Aufsicht des berühmten Tob. Mayer, und wahrlich man muß den Reichthum an brauchbaren nützlichen Instrumenten bewundern, welche Lichtenberg hier so nach und nach zusammengetragen hat. Ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich behaupte, daß man nicht leicht hier vergebens irgend etwas suchen würde, das zur Belehrung, ja oft nur zur Belustigung dienen könnte. Die Modelle für die Mechanik sind von Metall, mit der großen Genauigkeit gearbeitet, die nothwendig wird, wenn man in der Ausübung mit der Theorie auskommen soll. Eine gute Central-Maschine, schöne Luftpumpe, eine Elektrisir-Maschine mit Cylinder aus England, Metall-Thermometer, Inclinatorium, Declinatorium; schöne Präparate von den Gehörwerkzeugen von Loder, und vergrößert nachgebildet, Waagen, Elektrometer, pneumatischer Apparat, wo die von Mayer angegebene, in einer Dissertation beschriebene, Vorrichtung, den kostbaren Gazometer ersetzt; kurz alles, was man zu den Vorlesungen bedarf, hat Hr. Mayer neben dem Auditorium rechter Hand in mehreren Zimmern aufgestellt, und links sein Laboratorium eingerichtet.

Hr. Seyffert war so gefällig mir die schönen Instrumente des schlechten Observatoriums zu zeigen. Die neue, schon beliebte Sternwarte, die am südlichen Wall der Stadt gebauet werden soll, deren Anschlag sich auf 12000 Thaler belaufen soll, wird dem wichtigen Mangel abhelfen. Ein Mauerquadrant von sechs Fuß Radius, ein zehn füßiger Herschel, ein schöner Dollond, ein cassegrainsches Telescop als Kometensucher brauchbar, eine Uhr von Shelton sind die vorzüglichsten Instrumente. Hr. Seyffert hat den Quadranten den Lichtenberg mit einer Speckschwarte befestigte, und womit er einige Ortsbestimmungen angab, so wie mehrere andere Instrumente durch Klindworth verbessern lassen. Der alte Quadrant, mit dem Tob. Mayer seine vielen Beobachtungen anstellte, ist als Seltenheit aufbewahret; mit einem so unvollkommenen Instrumente konnte nur ein solcher Fleiß so viel leisten. Die von Segner und andern angegebenen alten Instrumente beengen nur den Raum.


Von Reisende..[]

Jean-Philippe Graffenauer.

[4]

[1807]

Göttingen empfiehlt sich gar nicht durch sein Aeußeres; es ist schmutzig und schlecht gepflastert. Es verdankt seinen Ruhm der berühmten Universität, die hier im Jahr 1734 von dem Könige von Groß-Brittanien Georg dem Zweyten angelegt wurde. Noch jetzt zählt sie unter ihren Professoren viele berühmte Gelehrte, als Blumenbach, Richter, Ostander u. s. w. Die Universitäts-Bibliothek ist eine der zahlreichsten und vollständigsten in ganz Europa. Der botanische Garten ist sehr reichhaltig; man zieht hier viele merkwürdige und seltene Pflanzen. (>>>)


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

[5]

Kriegsnachrichten.

Zu Göttingen befindet sich eine starke Anzahl blessirter Preussischer Soldaten, und die Landstrasse zwischen Göttingen und Hannover ist mit retirirenden, und zum Theil verwundeten Preussischen Truppen bedeckt. Von Moringen wird ein starkes Preussisches Lazareth hier erwartet. Verschiedene blessirte Officiers vom Regiment Larisch xc. sind seit etlichen Tagen hier angekommen, um sich ordentliche Hilfe leisten zu lassen. Zwischen Heiligenstadt und Duderstadt war es zuletzt noch zu einem heftigen Gefechte gekommen.

Die Erbprinzessin von Weimar, Kaiserliche Hoheit, hat sich dieser Tage zu Göttingen befunden; ihre sämmtlichen kostbaren Effecten sind von Weimar abgeführt, und auf mehreren Wagen über Göttingen weiter fortgebracht worden; wenige Stunden vor dem starken Brande im Flecken Salzderhelden, am 14. Oct. waren diese Wagen daselbst durchpassirt. Göthe und Wieland haben, auf Befehl des Kaisers und Königs Napoleon, sogleich Sauvegarden erhalten.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Dr. Johann Friedrich Droysen's Bemerkungen gesammelt auf einer Reise durch Holland und einen Theil Frankreichs im Sommer 1801. Göttingen bey Heinrich Dieterich. 1802.
  4. Meine Berufsreise durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenauer, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem Arzte bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. Chemnitz, bey Carl Maucke. 1811.
  5. Wiener Zeitung Nro 90. Sonnabend, den 8. November 1806.
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