Fandom


Gera.Bearbeiten

AnsichtGera SLUB



Gera,[1] ansehnliche Stadt, an der Elster, im Vogtlande, den Grafen Reuß jüngerer Linie gehörig. Das gräfl. Schloß liegt ungefähr eine Viertelstunde vor der Stadt auf dem Hagäberge am Walde, und heißt Osterstein, und unter demselben das Pfarrdorf und Schloß Unterhaus. Man findet hier ein berühmtes gemeinschaftliches Gymnasium, eine Superintendentur, die gemeinschaftl. Landescollegia der Fürsten und Grafen Reuß jüngerer Linie, und ein Zucht- u. Waisenhaus. Die Hauptnahrung der Einwohner kömmt von den schönen Wollen- und Halbseiden- Zeugfabriken und Färbereyen her: überhaupt aber ward diese Stadt wegen ihrer beträchtlichen Handlung und schönen Häuser Kleinleipzig genennt. Im J. 1780 betraf sie das Unglück, durch einen schrecklichen Brand fast ganz eingeäschert zu werden. Sie ist aber wieder hergestellt, hat 800 Häuser, über 7000 Einwohner, eine Hut- und Tabakfabrik auch Specerey- und Speditionshandel. Da die Geraische Linie 1802 ausgestorben ist, so theilten sich Lobenstein und die gräflichen Zweige Schleitz und Ebersdorf in die Erbschaft.


Gera..Bearbeiten


Gera,[2] eine fürstlich Reußische Herrschaft und Stadt an der weißen Elster im Voigtlande. Die sehr angenehme Stadt enthält außer dem Schlosse Osterstein, das eine Viertelstunde vor demselben liegt, gegen 800 Häuser mit 7000 Einwohnern, und hat vortreffliche Wollenmanufakturen. Es befinden sich hier das gemeinschaftliche Gymnasium und die Landes-Collegien der Fürsten Reuß jüngerer Linie.


Feuersbrunst von Gera.Bearbeiten


Der achtzehnte September 1780. [3]

Eine der fürchterlichsten feuersbrünste hat die sonst schöne, nun so unglücklich gewordene Handelsstadt Gera erlitten. Um halb drey Uhr Nachmittags tönte die Sturmglocke, als in einem Hause vor dem Thor das Feuer -- man weiß nicht aus welcher Ursache -- ausbrach und in einer Stunde schon stund die ganze Stadt in Flammen, denn es brannte beynahe zu einerley Zeit an fünfzehn Orten zugleich. Das Feuer schien nicht eine Gasse nach der andern zu ergreifen, sondern es war, als ob ein verzehrender Feuerregen die ganze Stadt überströmt hätte. Ein fürchterlicher Südostwind vergrösserte die Gefahr mit jeder Sekunde; vor der entsetzlichen Glut konnte kein Mensch in den Strassen aushalten und wohin man seine Habseligkeiten retten wollte und gerettet hatte, brandte es. Siebenhundert Häuser, unter denen man manche hätte Palläste nennen können, drey Kirchen, die sämtlichen Predigerwohnungen und regierungsbegäude, das Gymnasium, das Zucht- und Arbeitshaus -- alles war ein Steinhaufen. Der Jammer der Unglücklichen tönte tausendstimmig zum Himmel und war unbeschreiblich, -- jeder ohne Brod, ohne Obdach, tausende auf den Aeckern draussen, Reiche und Arme unter einander, oder in nahen Bauernhäusern oft dreyßig Familien beysammen unter Heulen und Wehklagen. Viele Tausende würden ums Leben gekommen seyn, wenn das Unglück um die Mitternacht ausgebrochen wäre. Manche hofften, noch einiges von dem Ihrigen in feuerfesten Kellern zu finden, sie gruben nach, -- es war alles, und somit die letzten Hoffnung verloren. Durch ausserordentlich viele Beyträge von Nah und von ferne stieg die unglückliche Stadt wieder aus ihren Ruinen empor und auch an ihr hat sich die Menschenliebe und Wohlthätigkeit ihrer deutschen Brüder auf das herzlichste erprobt.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.