Gironde.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Gironde, wird der Fluß Garonne in Frankreich genannt, nachdem er sich mit der Dordogne vereinigt hat, und durch die Fluth der See zu einem beträchtlichen Meerbusen sich verbreitet, welcher den größten Seeschiffe freye Fahrt erlaubt, aber wegen der Sandbänke einen gefährlichen Eingang hat. Ein Departement dessen Hauptstadt Bourdeaux ist, hat davon den Namen. Es begreift den nordwestlichen Theil des ehemaligen Guienne, hat einen Flächenraum von 193 geographischen Quadratmeilen und 519,685 Einwohner nach der Zählung im Jahr 1802. Es wird eingetheilt in die 6 Arrondissements Blaye, Libourne, la Reole, Bazas, Bourdeaux und Lesparre. Im J. 1803 zahlte dieses Departement an direkten Abgaben 5,853,053 Franken. Es hat auf der Westseite vielen Flugsand, welcher durch das Anpflanzen von Kork- und andern Bäumen an weiterer Ausbreitung verhindert wird, auf der Ost- und Nordseite aber äusserst fruchtbares Land, welches Getreid, Hanf, Obst, und vorzügliche Weine (vin de Medoc, vin de Grave &c.) in großer Menge hervorbringt. Der Fluß giebt Gelegenheit zu einem sehr ausgebreiteten Seehandel, welche vorzüglich von Bourdeaux aus getrieben wird.


Von Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Christian August Fischer.

Sechster Brief.

Am Bord.

Der Sturm hatte völlig nachgelassen und die See wurde ruhiger; aber der Tag war trübe und der Wind veränderlich. Wir sahen ein zerschelltes Boot treiben, und bald darauf einen Mast und etwas Segelwerk. Nach und nach wurden auch die übrigen Schiffe wieder sichtbar, und mehrere kamen uns näher. Ein andrer Holländer schrie uns durch das Sprachrohr zu, ob wir jenes Boot erkannt hätten. Allem Vermuthen nach war ein Schiff auf den Sandbänken an der französischen Küste verunglückt. Dieser Gedanke machte uns sehr traurig.

Nachmittag lief der Wind sehr günstig für uns nach Norden, aber der Nebel wurde so stark, daß wir keine Schiffslänge von uns sehen konnten. Es wurde daher von Zeit zu Zeit mit Hämmern auf die Anker geschlagen und durch Kuhhörner geblasen, um die übrigen Schiffe, besonders die Entgegenkommenden zu warnen. Unsere Gefährten thaten dasselbe, und nach der Entfernung des Schalles wurde gesteuert. Ohne diese Vorsicht wären wir aneinander gerathen, oder hätten die entgegenkommenden Schiffe übersegelt, da wir vor dem Winde lagen.

Diese sonderbare Musik dauerte die ganze Nacht und ließ uns wenig schlafen. Gegen Mitternacht rief der Steuermann in die Cajüte: "Der Thurm von Corduan, d. i. der Leuchtthurm an der Mündung der Gironde. Der Nebel war lichter geworden, und wir erblickten ihn in der Ferne gleich einer feurigen Kugel. Aber leider sprang mit Aufgang der Sonne der Wind wieder herum, und wir mußten zurücksegeln, da wir uns einer so gefährlichen Küste nicht ohne Lootsen nähern konnten. So lavirten wir vier und zwanzig Stunden langweilig hin und her.

Diesen Morgen endlich sahen wir ein Fahrzeug auf uns zukommen, welches an dem rothen Segel und der darauf befindlichen Nummer sogleich für ein Lootsenboot erkannt wurde. Wir hatten uns nicht geirrt, und bekamen eine Stunde nachher den Piloten wirklich an Bord. Er sagte uns, auf die Nachricht einiger Fischer sey er schon gestern in See gegangen um uns aufzusuchen, und habe die Nacht an der Küste geankert. Unsere Freude war sehr groß; der Wind diente vortrefflich, und in kurzem sahen wir zu unserer Rechten den niedrigen Felsen von Corduan mit dem hohen Leuchtthurme. Fürchterlich brachen sich die Wellen an der zackichten halbentblößten Klippenmasse, aber mit Hülfe unserer Lootsen steuerten wir glücklich vorbey. Er sagte mir, der Thurm sey 160 Fuß, die große Laterne 15 Fuß hoch, und jede Nacht würden 200 - 350 Pfund Steinkohlen verbrannt. Der Wächter wird eigentlich alle vierzehn Tage abgelöst, muß sich aber immer auf einen Monat mit Lebensmitteln versehen, da man sich diesen Klippen nur bey völlig stillem Meere in Kähnen nähern kann.

So wie wir den Leuchtthurm im Rücken hatten, bemerkten wir den Unterschied des Wassers und die reizenden Ufer der Gironde schienen sich zu öffnen. Eine Menge großer und kleiner Fahrzeuge, die wir in der Ferne erblickten, eilten jetzt bey und vorüber, und das grünende Royan am linken *) Ufer zog unsern ersten Blick auf sich.

*) Für uns Hereinkommende am linken, eigentlich am rechten.

Wir kamen jetzt an das Wachschiff und mußten beylegen. In kurzem erschienen zwey Zollbeamten, ein Offizier und vier Soldaten bey uns am Bord. Capitains- und Schiffsname u. s. w. wurden aufgezeichnet, das "signalement"im Passe sorgfältig mit meiner Person verglichen, meine Handschrift mehr als einmal probirt. Alles fand sich "en règle" und die ernsthaften Gesichter wurden freundlich. Der Offizier theilte uns die Nachricht der Präliminarien von Leoben mit, die vor einigen Tagen erst eingetroffen war, und wir schieden mit Glückwünschen von einander.

Die gelblichte schnellrauschende Gironde ist hier in der nähe des Ausflusses über drey Stunden breit, und die schönbebauten Ufer gewähren einen so herrlichen Anblick, daß wir alles ausgestandene Ungemach in einem Augenblick vergassen. Eine reizende Mischung von Feldern, Dörfern und Wiesen, von Weinbergen, Landhäusern und Gehölzen, im Reichthum der frischesten lebendigsten Vegetation, schien im magischen Sonnenschimmer auf beiden Seiten bey und vorüber zu schweben. Es war wie ein neu entdecktes Land für mich. Die blühenden Bäume, die beschatteten Meiereyen, die bebuschten Anhöhen, die Wiesen voll weidenden Viehes, die dunkelgrünen Weinberge, die Schlösser und Landhäuser zwischen Alleen durchblickend -- alles hatte ein neues schönes Ansehen.

Es ist sieben Uhr. Die Sonne neigt sich zum Untergange, und der Schatten der zauberischen Ufer schwebt auf dem Flusse. Das milde Abendlicht schwimmt über die Landschaft, und ein süßer Wohlgeruch weht mit der Luft herüber. Wir haben von einigen Kähnen frische Lebensmittel, besonders Wein gekauft, und werden der Ebbe halber bey Blaye vor Anker gehen.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[3]

Frankreich.

Man erinnert sich, daß die Engländer vor einigen Monaten die in der Mündung der Gironde stationirte Französ. Fregatte überfielen, und wegführten. In der Nacht vom 15. Jul. wiederholten sie dieses Manövre gegen das provisorisch angestellte Wachtschiff, welches von eilf mit Mannschaft angefüllten Böten angegriffen ward. Ob es ihnen gleich nicht gelang, dasselbe unversehens zu überfallen, so enterten und eroberten sie es doch nach einem hartnäckigen Widerstande, wobey sie aber nach Französischen Berichten durch das Sinken zweyer in Grund geschossener Böte 90 Mann verloren haben sollen.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Reise von Amsterdam über Madrid und Cadiz nach Genua in den Jahren 1797 und 1798. Von Christian August Fischer. Nebst einem Anhange über das Reisen in Spanien. Berlin, bey Johann Friedrich Unger. 1799.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 64. Sonnabend, den 9. August 1806.
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