Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Gouda.[]

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Gouda (ter Gouw) eine Stadt in Südholland mit 4000 Häusern und 13,500 Einwohnern, am Rheinkanale Guewe gelegen, ist ihrer Schleußen wegen berühmt, wodurch die umliegende Gegend in wenige Stunden unter Wasser gesetzt werden kann. Auch für den Handel sind diese Schleußen sehr wichtig, und gewähren der Stadt beträchtlichen Vortheil.


Von Reisende.[]

J. G. A. Kirchhof.

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[1790]

Ich muste nach Gorcum, und hätte von hier aus am folgenden Tage mit einem Segelschiffe dorthin gehen können. Weil ich aber meinem Plane nach keinen ganzen Tag in Rotterdam bleiben konnte, und mich dies auch wieder der Willkühr des Windes ausgesetzt haben würde, so fuhr ich des Morgens um 8 Uhr mit dem zu sechs Personen eingerichteten Postwagen nach Ter Gou oder Gouda. Ich bekam ein Loodje auf der Post, und zahlte 5½ Stüber, und außerdem noch etwas Passagegeld und Fracht. Von Rotterdam nach Ter Gou hat man einen angenehmen Weg. Er ist ganz mit gebrannten Holländischen Klinkern gepflastert, welches nun freylich, da der Wagen sehr schnell fährt, die gesellschaftliche Unterhaltung erschwert. In Overschie und sonst noch einmal hielt der Postwagen an.

Ter Gou oder Gouda. Gemahlte Fensterscheiben.

In Ter Gou ging ich sogleich in die Kirche, worin die so berühmten gemahlten Fensterscheiben sind. Man war gerade damit beschäfftigt, einige Fenster, welche durch einen Sturm sehr gelitten hatten, auszubessern. Ich sah überall die schönsten Farben. Die Mahlerey ist, wie man weiß, großentheils von den beyden Gebrüdern Cradet, und stellt meist biblische Geschichten vor.

Pfeifenfabrik.

Die Pfeifenfabrik, welche ich hierauf besuchte, ist sehenswürdig. Es sitzt ein Kerl da, der erst aus grauem Thone ungefähr die Form macht. Dann wird die schon einigermaßen geformte Pfeife einem andern hingegeben, der einen eisernen Stift hineintreibt, um die Oeffnung zu bekommen. Der nämliche Mann legt die Pfeife in eine hölzerne Form, die inwendig, so weit sie die Pfeife umschließt, von Messing ist, und immer vorher mit Oel ausgeglättet wird. Die ganze Pfeife schraubt man darin fest. Was von der Masse außer der Form bleibt, wird weggenommen, und nun kann man, wenn man etwas vorsichtig ist, die Pfeife noch herum schleudern. Dann werden von Weibern die Zierrathen und der Stempel daran gemacht, und man legt sie in hölzerne Formen, damit sie sich nicht ziehen. In einer andern Stube polirt man sie noch, und bestreicht sie mit einem Milchwasser, mit Venetianischer Seife, welches auch Weiber verrichten. Nun kommen die Pfeifen noch grau in den Ofen, und bleiben wenigstens zwey Tage darin. Sie werden nämlich in Körben zusammen gesetzt, indem das Feuer von unten zu um die Körbe her angelegt wird. Der Deutsche Patriot bedauert, daß wir unsere Pfeifenerde lange nach Ter Gou schickten, um sie mit schweren Kosten als Pfeifen wieder zu erhalten.

Von Ter Gou, wo das Rathhaus von außen recht artig ist, fuhr ich mit der Schuit nach Utrecht. Es sind 10 Stunden. Wir passirten erstlich Bodegraven, wo wir die Schuit wechselten und etwa eine Stunde blieben, dann Woerden, wo ich viele Ziegel sah. Von Ter Gou aus wurde die Schuit anfangs durch Menschen gezogen. Von Bodegraven bis Utrecht zahlte ich 13 Stüber.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Reise nach Holland im Jahre 1790. J. G. A. Kirchhof. Oldenburg, gedruckt und verlegt von Gerhard Stalling. 1792.
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