Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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7. Das Gouvernement Smolensk. [1]

Diese Statthalterschaft welche einen Theil von Großrußland begreift, liegt im mittleren Landstriche des russischen Reichs, zwischen den Statthalterschaften Pskow, Twer, Moskwa, Kaluga, Orel, Tschernigow, Mohilew und Witebsk, und hat einen Flächenraum von 1008 Q. Meilen, auf welchen (nach der letzten Zählung) 953,735 Menschen leben. Das Klima ist ziemlich gemäßigt. Das Land ist meist flach, und hat nur wenig Erhöhungen, doch streckt sich ein schon verflächter Zweig des alaunischen Gebirges durch dasselbe hin. Es hat aber mehrere Sümpfe und Moräste, aus welchen die meisten Flüsse dieses Landes entspringen, von welchen die vorzüglichsten sind: Der Dnepr, der hier entsteht, mit den Nebenflüssen Soschi, Desna, Sol, Wopek, Beresna u. s. w. Die Obscha, Mescha, Kasplin u. a., welche in die Düna fließen; die Oka mit der Ukra, Popelta und Wiasma; ferner der Gschat und die Wäsuga, welche in die Wolga fallen, nebst mehreren kleineren Flüßchen und Bächen. Die Zahl der kleinen Seen, Sümpfe und Moräste ist beträchtlich. -- Der Boden ist lehmig, mit Sand und Schwarzerde vermischt, im Ganzen ziemlich fruchtbar und ergiebig, mitunter vortreffliches Ackerland. Die Wälder sind wichtig. Der Ackerbau wird stark betrieben, liefert viel Getraide, vorzüglich aber Flachs und Hanf. Der Obstbau ist nicht sehr stark. Der Wieswachs ist gut und die Viehzucht beträchtlich. Wild und Fische sind in Menge vorhanden. Außer Eisen giebt es wenig Mineralien von Bedeutung. Die Einwohner sind größten Theils Russen, auch wohnen hier viele Polen; auch Teutsche und Juden, doch nicht in beträchtlicher Zahl. Landwirthschaft und Handel sind die Hauptgewerbe; außerdem wird Landfuhrwerk, Schiffahrt, Fischerei und ländliche Industrie mit Spinnen, Weben, Holzarbeiten u. s. w. getrieben. Die Fabriken sind jedoch nicht zahlreich, und nicht von großer Bedeutung; wichtiger ist der Kram-, Produkten- und Speditionshandel. Die Ausfuhr ist beträchtlich.

Dieses Gouvernement war vormals in 12 Kreise abgetheilt, die jetzt auf folgende 9 herabgesetzt sind: Smolensk, Beloe, Poretsch, Sytschewsk, Gschatsk, Dorogobusch, Wiäsma, Juchow, und Jelna.

Die bemerkenswerthesten Ortschaften sind:

1) Smolensk, die alte, große und befestigte Hauptstadt des Gouvernements, am linken Ufer des Dnepr, über welchen hier eine hölzerne Brücke führt, über 112 Meilen von St. Petersburg, mit etwas über 1500 meist hölzernen Häusern, 16 Kirchen, 3 Klöstern, 1 lutherischen und 1 katholischen Bethaus und 12,000 Einwohnern. Sie ist ansehnlich, reich und der Sitz eines griechischen Bischofs, hat eine Leinwandmanufaktur mit 118 Stühlen, Gärbereien, eine Seidenfabrik, Hutfabriken u. s. w., und treibt einen sehr wichtigen Handel, besonders nach Riga. Der Dnepr ist hier nicht schiffbar.
2) Beloe oder Beloj, Kreisstadt an der Obscha, mit 2274 Einwohnern, welche vorzüglich Handel nach Riga treiben. In diesem Kreise ist auch eine Eisen- und eine Glashütte.
3) Poretsch oder Poretscha, neue Kreisstadt an der Kasplia und Gobsa, mit mehr als 500 Häusern, 3 Kirchen und ungefähr 2500 Einwohnern, welche starken Speditionshandel treiben; denn hier ist ein Haven (Pristan) am Flusse und ein Stapelplatz für den Handel nach Riga.
4) Duhowtschina, kleine, vormalige Kreisstadt an der Chwostwa und Zarowitscha, treibt Produktenhandel.
5) Sytschewsk, neue Kreisstadt an der Wäsuga, treibt Handel nach St. Petersburg.
6) Gschat oder Gschatsk, Kreisstadt am Gschat, mit 1243 Einwohnern, hat einen Flußhaven, und treibt daher starke Schiffahrt und Speditionshandel.
7) Dorogobusch, befestigte hübsch gelegene Kreisstadt am linken Ufer des Dnepr, mit 1907 Einwohnern, welche Produktenhandel treiben. In der nähe ist eine Glashütte.
8) Wjäsma, alte Kreisstadt an der Wiäsma, mit 3321 bürgerlichen Einwohnern, welche beträchtlichen Produktenhandel treiben.
9) Juchow, Kreisstadt an der Ugna.
10) Krasnoj, vormalige Kreisstadt ab den Flüßchen Swinaja und Maraika, in einer sehr fruchtbaren, wohlangebauten und gut bevölkerten Gegend.
11) Jelna, neue Kreisstadt an der Desna, vormals ein Dorf, auch treiben die Einwohner meist Landwirthschaft, dabei aber auch Produktenhandel. Es werden hier jährlich zwei Jahrmärkte gehalten.
12) Roslawl, vormalige Kreisstadt an der Ostra, mit 1998 bürgerlichen Einwohnern, welche vorzüglich Produktenhandel treiben.


Quellen.[]

  1. Neueste Länder- und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Dritter Band. Europäisches und Asiatisches Rußland. 1808.
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