Namur, Namen, ehemalige Grafschaft und eine unter den 17 Provinzen der Niederlande, welche gegen Norden an Brabant, gegen Westen und anderswo an das Stift Lüttich gränzte. Sie ist gebirgig, aber sehr fruchtbar: man findet auch darinn Eisen, Bley, Steinkohlen und Marmor. Sie gehörte dem größten Theil nach, dem Hause Oesterreich; das übrige davon besaß die Krone Frankreich. Durch den Frieden von Luneville 1801 ist nun das Ganze im Besitz der Franzosen, welche ein westliches Stück von Luxemburg dazugezogen und aus beyden das Departem. der Sambre und Meuse gebildet haben. Das Land hat viele Berge und Wälder. Die Volksmenge im Oesterreichischen Antheil wurde auf 94,000 berechnet. Das Wappen ist ein schwarzer Löw, im goldenen Felde, mit einem über den Schild gezogenen rechten Querbalken.

Namur, die Hauptstadt in dieser Grafschaft; jezt im Französischen Departem. der Sambre und Meuse, ist groß und eine reiche Handelsstadt, an der Maas und Sambre. Sie liegt zwischen zwey Bergen, und wird durch die auf einem steilen Felsen erbaute Citadelle vertheidigt; und hat ein Bißthum, unter den Erzbischof zu Mecheln gehörig. Zur Diöcese desselben gehört das Departem. der Sambre und Maas. Seit 1715 war sie ein Barriereplatz; aber, auf Verlangen des Kaisers, haben die Holländischen Truppen 1782 dieselbe verlassen. Es werden hier viele Messer, Scheeren, Degen, Gewehre und andere Sachen von Eisen auch Kupfer- und Messingwaaren, nebst Schmelztiegeln, und vielem Leder verfertigt. Man rechnete die Einwohner auf 30,000, jezt aber auf 17 000 (im J. 1801) Seelen. Im J. 1692 ward Namur von K. Ludwig XIV und 1695 von K. Wilhelm von England, und 1746 wieder von Frankreich eingenommen, aber nach dem Aachner Frieden, 1749 geräumet.

Namur ist zugleich der Hauptort eines Bezirks, zu welchem die Cantons: Namur, Andennes, Fosses, Gembloues und Thuin gehören.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
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