G. A. Potemkin.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]

Wien Museum

Potemkin, (G. A.). geboren 1736 zu Smolensko, aus einer ursprünglich pohlnischen Familie, war Fahnjunker der Garde zu Pferd, als Katharina II., um sich als Kaiserinn anerkennen zu lassen, die Glieder der Garden, welche sie für sich gewinnen wollte, durchzog. Sie war selbst zu Pferde und in Uniform, als Potemkin bemerkte, daß sie keine Quaste (Porte-epée) an ihrem Degen hatte, die seinige losknüpfte und hervortrat, um ihr dieselbe anzubieten. Diese Aufmerksamkeit machte ihn auszeichnen, und seine Kraft, seine Gelenkigkeit lenkten bald das Herz seiner Herrscherinn zu seiner Gunst. Sein Hochmuth zog ihm den Haß der Orlows zu, und in einem Streite mit Alexis Orlow verlor er durch einen Schuß ein Auge. Die Kaiserinn tröstete ihn dieses Unfalls wegen mit der Ernennung zum Kriegsminister. Er war es, der seiner Herrscherinn die Idee gab, sich in Besitz der Krimm zu setzen und daselbst den Grund der Stadt Cherson zu legen. Es wurde diese Stadt 1778 an den Ufern des Nieper, 10 Stunden von Oczakow, begründet; und bald enthielt sie über 40000 Einwohner und einen prächtigen Stapel für die Marine. Potemkin führte in die Krimm mehrere Fruchtbäume ein und bey Soudac die Brandweinbrennerey. Ihm verdankt man die große Glas- und Spiegel-Manufaktur zu Petersburg, die für die Größe und Schönheit ihrer Produkte der zu Venedig und Paris gleich kommt. Potemkin schätzte die Künste, war leidenschaftlich eingenommen für die Musik und führte allenthalben 80 Musiker in seinem Gefolge. Schon im Besitz von unermeßlichen Ländereyen, von mehreren Kästen, mit Steinen von Werth und Bankbillets von allen handelnden Nationen Europas angefüllt, vereinigte er noch damit die reichen Verlassenschaften der Fürsten Lubomirski und Sapieha, in Podolien und Lithauen, die er an sich kaufte, ohne sie zu bezahlen, das Gouvernement von Tauris und die Würde eines Großadmirals vom schwarzen Meer. Seinem Hochmuthe fehlte noch der St. Georgen-Orden; um ihn zu erhalten, mußte er das Oberkommando einer Armee geführt und einen Sieg davon getragen haben. Potemkin ließ 1787 den Krieg gegen die Türkey erneuern. Jetzt stand er an der Spitze einer Armee von 150000 Mann, hatte mehrere, von ausgezeichneten Generalen kommandirte, Korps unter seinen Befehlen, war mit einer unumschränkten Gewalt bekleidet, und leitete das Departement des Kriegs. Bald überschwemmten zahlreiche Gefechte die Ebenen von Oczakow, Kuban und der kleinen Tartarey mit Blut. Hungersnoth und Pest vereinigten sich mit dem Blutbad, um die Verwüstung vollkommen zu machen, und es mußte aus entfernten Gegenden alles, was zur Ernährung eines solchen Menschenhaufens erforderlich war, herbey geschafft werden. Potemkin belagerte Oczakow in der Mitte der strengsten Kälte, die Einwohner, um sich vor der Kälte zu retten, waren gezwungen gewesen, sich unterirdische Hütten auszugraben; der russische General ließ Sturm laufen, übergab die Stadt einer dreytägigen Plünderung und ließ sie Einwohner und die Besatzung über die Klinge springen. Diese schreckliche Exekution kostete 25,000 Türken das Leben; Potemkin aber brachte sie eine Geschenk von 100,000 Rubel, den Titel eines Hetmann oder Chefs der Kosaken und einen Kommandostab, mit Diamanten besetzt und einen Lorbeerzweig umwunden, zu Wege. Und darauf beschränkten sich die Gunstbezeigungen der Kaiserinn noch nicht; im Monat März 1791 kehrte Potemkin nach Petersburg zurück, um seinen Ruhm zu geniessen. Katharina gab ihm Feste in Menge, machte ihm ein Geschenk mit dem Taurischen Pallast und einem mit Diamanten besetzten Kleide, das man auf 20,000 Rubel schätzte: Der Günstling trat nunmehr in der äußersten Pracht auf. Bald darauf begab er sich zu dem Kongreß in Yassy, der den Frieden zwischen Rußland und der Türkey sicher begründen sollte; allein er wurde beynahe sogleich von der daselbst herrschenden Krankheit angefallen und konnte sich daher nicht lange mit den Unterhandlungen beschäftigen. Er hatte die zwey berühmtesten Aerzte von Petersburg, Tiemann und Menat, bey sich, achtete aber ihren Rath nicht und wollte seine gränzenlose Unmäßigkeit nicht beschränken. Acht Tage vor seinem Tode sandte der Großvezier einen seiner Vertrauten zu ihm und ließ ihn ersuchen, etwas von einigen Friedensbedingungen nachzulassen, weil, wenn er genöthigt wäre, sie zu unterschreiben, er zu gleicher Zeit damit sein Todesurtheil zu unterschreiben fürchtete. Trotz dieser Bitte gab Potemkin eine abschlägige Antwort. Da ihm die Luft von Yassy seiner Gesundheit nachtheilig schien, wollte er nach Nicolaeff gehen; kaum hatte er aber 3 Stunden Wegs zurück gelegt, so wurde ihm übel; er stieg aus dem Wagen und gab unter einem Baume den 15. Oktober seinen Geist auf. Sein Leichnam wurde alsobald nach Cherson gebracht, wo die Kaiserinn 100,000 Rubel zur Errichtung eines Mausoläums für ihn bestimmte.


Prince Potemkin.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.

Porträts.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prince Gregorey Alexandrovitch Potemkin
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA, sofern nicht anders angegeben.