Der große St. Bernhardsberg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]

Ansicht des Klosters auf den grossen St. Bernhard von Süd-Osten.

Bernhardsberg (der große St.), erhebt sich zwischen Valais und dem Thal Aosta in den Alpen und hat eine Höhe von 7732 pariser Fuß. Auf seiner höchsten Spitze ist die Gränze zwischen Wallis und Piemont. Ueber ihn geht die Straße vom Genfersee durch das walliser Land in das Thal von Aosta und das Piemontesische. Den Namen hat er von einem savoyischen Edelmann, Bernard von Menthon, der von 923 bis 1008 lebte und sich in den Jahrbüchern der Religion durch seinen apostolischen Eifer, in den Jahrbüchern der Menschheit aber durch zwei Anlagen verewigt hat, in welchen seit neun Jahrhunderten die Reisenden eine Zuflucht vor den Gefahren finden, denen sie bei dem Uebergange über die Alpen im Winter ausgesetzt sind. Gerührt von den Uebeln, welche die französischen und deutschen Pilgrimme zu dulden hatten, kam er auf den Gedanken, auf dem Gipfel der Alpen zwei Hospitien zu ihrer Aufnahme zu erbauen, das eine auf dem Mont Joux, wo ein Tempel des Jupiter stand, das andre auf dem über die griechischen Alpen führenden Wege, an der Stelle, welche Colonne Jou heißt, von einer damals dort befindlichen steinernen Säule, welche der Gegenstand einer abgöttischen Verehrung war. Der von heiligem Eifer beseelte Bernard brachte die Einwohner dieser wilden Gegenden von ihrem Aberglauben zurück, stürzte die Säule und den Tempel um, und erbaute auf ihren Trümmern die beiden Hospitien, die nach ihm der große und der kleine St. Bernhard genannt wurden. Er vertraute die Sorge für diese beiden Anlagen ordentlichen Mönchen des Augustinerordens, welche im Geiste des frommen Gründers und mit fast beispielloser Selbstaufopferung die edelmüthigste Gastfreiheit gegen die Reisenden bis auf die Zeiten Carl Emanuels III. von Sardinien übten. Dieser König gerieth über die Ernennung des Probstes mit den Schweizer-Cantonen in Streit, zog die Güter ein und übergab die Verwaltung der Hospitien Weltgeistlichen, die mit gleicher Menschenliebe, gleicher Treue und Ergebenheit ihren frommen Beruf üben. Furchtbar und grausenhaft ist der Aufenthalt auf dieser wüsten Höhe, die für den höchsten bewohnten Punkt in Europa gehalten wird. Es herrscht fast ein ewiger Winter hier; man sucht umsonst einen Baum oder Strauch, ja nur einen Grashalm; der Glanz des Schnees blendet das Auge des Wanderers. Wahrhaftig heldenmüthig ist daher der Eifer und die Aufopferung dieser Geistlichen, welche sich hier vereinigen, um denjenigen beizustehen, die ihrer Hülfe bedürfen können. Gerade an den Tagen, wo die schrecklichsten Wetter und die fürchterlichsten Schneegestöber wüthen, machen sie sich, von ihren treuen Hunden begleitet, auf den Weg, um Verunglückte aufzuspüren, zu deren Rettung sie alle Mittel versuchen. Ist keine Rettung möglich, so wird der Leichnam in das Todtengewölbe gebracht, wo er in ein leinen Tuch gehüllt, so lange auf einem Tische liegen bleibt, bis ein neuer Wanderer kommt. Dann wird er abgenommen, und an die Wände zu den andern Todten gestellt, deren Verwesung wegen des steten Frostes so langsam vor sich geht, daß oft Todte noch nach Jahren von ihren Freunden hier wieder erkannt worden sind. Neben dem Todtenhause ist eine Art Kirchhof, auf den die Gebeine gelegt werden, wenn sie sich zu sehr im Gewölbe anhäufen, und wo sie dann vollends aufgelös't werden. Rings um das Hospitium sind nichts wie nackte Felsen ohne eine Decke von Erde. Das Begraben der Todten ist also unmöglich. In der Kirche befindet sich das Denkmal Dessaix der in der Schlacht von Marengo fiel und todt nach dem Bernhard zurückgebracht wurde, über den er eben mit der Armee gekommen war. Der erste Consul hatte befohlen, ihn zu balsamiren und ihm eine Ruhestätte auf den hohen ewigen Alpen anzuweisen. Das Marmordenkmal stellt in halb erhabner Arbeit dar, wie Dessaix verwundet vom Pferde sinkt, seinem Adjutanten Le Brun in die Arme. Auf der Klostertreppe steht seine marmorne Bildsäule. Gegenüber ist eine schwarze marmorne Tafel, auf der die damalige Republik Wallis einer goldenen Inschrift den Uebergang des Imperators über den Bernhard geehrt hat.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1812]

Bern, den 19ten Februar.

Vom St. Bernhard wird gemeldet, daß in voriger Woche eine Lavine einen Transport von 50 bis 60 Pferden sammt der Mannschaft in den Abgrund mit sich fortgewälzt habe.


Paris, den 22sten April.

Ein Dekret vom 17ten März ordnet die Einrichtung des gastfreundlichen Klosters auf dem großen Bernhardsberge. Man bemerkt hauptsächlich folgende Verfügungen:

L'EMPEREUR ACCORDE DE NOUVEAUX bienfaits aux religieux de l'Hospice du Mont Saint Bernard.

"Den Reisenden, und überhaupt allen Passagiers, sollen jederzeit, ihrem Stande und ihren Bedürfnissen gemäß, Nahrung, Betten, Herberge, Feuer und Licht, so lange es nöthig ist, gegeben werden. Den einzeln passirenden Militärs sollen, zufolge ihrer Grade, die gewöhnliche Nahrung und Herberge zu Theil werden. Die Geistlichen sollen, mit Hülfe von Domestiken, und indem sie sich mit den nothwendigsten Bedürfnissen, wie Brot, Wein u. s. w. versehen haben, die Passagiers bey ihrer Abreise begleiten, und, auf die erste Benachrichtigung, denen entgegen gehen, welche sich durch Müdigkeit, Sturm oder Schneelavinen in Gefahr befinden. Sie sollen Kleidungsstücke von geringem Werthe, die aber gegen die Kälte schützen, mit sich führen, um sie den Armen zu geben, und andere, um sie den Umständen gemäß zu leihen. Die Kranken sollen in die benachbarten Spitäler gebracht werden. In jedem Spital sollen genaue Register über die Anzahl der Passagiers, Mahlzeiten und Nachquartiere geführt werden. Den Domestiken ist eben so sehr als den Geistlichen verboten, irgend eine Gebühr von den Passagiers für irgend einen vorgeschriebenen Dienst abzufordern. Giebt der Reisende freywillig etwas, so soll es entweder von dem Wohlthäter selbst, oder von der Person, die es empfängt, in den Block gethan werden, um zu den Ausgaben des Spitals zu dienen."


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 59. Freytag, den 8. März 1812. ff.
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