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Guiana.[]


Guiana, Guyana,[1] Landschaft in Südamerika, zwischen dem Orinoco und Amazonenfluß, an welcher die Portugiesen, Franzosen, Holländer und Spanier Antheil haben. Der Portugiesische Theil, den Frankreich durch den Utrechter Frieden an Portugal abtrat, gieng von dem nördlichen und westlichen Ufer des Amazonenflusses bis an den Fluß Oyapok; seit 1802 aber nur bis zum Flusse Araouari. Dieser Theil ist nur in der Nähe des Amazonenflusses von Europäern bewohnt. Das Französische Guiana begreift die Kolonie Cayenne, und gieng vom Oyapok bis an den Fluß Marawini oder Maroni. Durch den Frieden von Amiens (1802) hat aber das Französische Guiana mehrere Ausdehnung gegen Süden bis zum Flusse Arivari oder Araouari erhalten; und von diesem Flusse zieht sich die Gränze weit gegen Westen durch unbekannte Länder bis zum Flusse Bianco fort. Das Land ist an den Küsten niedrig und sumpfig, auch den größten Theil des Jahrs dem Regenwetter ausgesetzt, folglich jezt noch ungesund; doch aber zur Kultur des Kaffe, Zuckers, Cacao, sehr fruchtbar. Die innern Gegenden sind mit Wäldern bedeckt und zeigen in der Ferne hohe Berge, welche von freyen fast gar nicht bekannten Völkerschaften bewohnt werden. Die ganze Kolonie steht noch in ihrer Kindheit, und die mehreremale zur grössern Blüthe angewendeten Kosten sind durch den schlechten Gebrauch vergeblich gewesen. Man zählte 1788 in der ganzen Kolonie 1307 weisse und 10,748 schwarze Einw. welche in 8 kleinen Kolonien, theils an der Küste, theils an den Flüssen, nicht weit von der Küste, zerstreut leben. Das Holländische erstreckt sich von dem Maroni bis an den Essequebo, und enthält die Kolonien Surinam, Essequebo und Demerary. S. Surinam. Das Spanische gehet vom Essequebo, bis an den Orinoco, und ist wenig angebaut. Das innere Land von Guiana ist mit vielen Gebirgen durchzogen und von Wäldern bedeckt; aber, so weit man es kennt, äusserst furchtbar. Es wird von Karaiben und andern einheimischen Völkerschaften besezt, welche zum Theil einst durch die Europäer von den Inseln und Küsten des festen Landes verdrängt worden sind. Zu ihnen haben sich viele aus den Kolonien entlaufene Negersclaven gezogen; und die Europäer, vorzüglich die Holländer, haben fast mit jedem Jahre beschwerliche Kriege gegen diese durch ihre unvermutheten Ueberfälle gefährlichen, und in ihren Schlupfwinkeln meist sicher liegenden, erbitterten Wilden zu führen.

Es finden sich in diesem Lande alle Westindischen Produkte: Baumwolle, Seide, Zucker, Kaffe, Cacao, Tabak, Aloe, Gummigut, Pomeranzen und Citronen.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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