Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Von Reisende.[]

August von Kotzebue.

[1804]

[1]
Das Hotel Dieu wird von Sachverständigen nicht sehr gerühmt. Ich fand die meisten Betten leer, weis aber nicht, ob aus dem wünschenswerthen Mangel an Kranken, oder aus andern Ursachen. -- Eine Inschrift in Marmor, auf Befehl des ersten Konsuls eingegraben, sollte die Verdienste zweier Männer, Desault und Bichat, verewigen, derer Erster der Wiederhersteller der Wundarzneykunst genannt, und dem Letztern große Verdienste um die Arzneykunde zugeschrieben wurden. -- Ich kann dergleichen Ermunterungen zu Tugenden und Thaten nicht genug rühmen, und begreife nicht, wie es zugeht, daß man derer in Deutschland so wenige findet. Ja, ich muß leider bekennen, daß die Deutschen nicht einmal empfindlich für solche Denkmäler zu seyn scheinen. Wenn das ist -- freilich, dann ist auch die Errichtung derselben ganz überflüßig: denn der Todte, den sie ehren, ist dahin; und der Lebende, den sie zur Nacheiferung anfeuern sollen, bleibt kalt, wie der Marmor. -- Eine ältere Inschrift rühmt, daß ein vornehmer Mann aus der Familie Bellievre sterbend verordnete, all' sein prächtiges Hausgeräth zum Dienste der Kranken im Hotel Dieu umzuformen. Das ist nun wohl ganz gut; aber, da er selbst es doch nicht mehr brauchen konnte, so war das Opfer nicht groß, und verdient wohl kein Ehrendenkmaal. Wir würden ja vor lauter Denkmälern bald nicht mehr gehen können, wenn sie an solche Handlungen verschwendet werden dürften. -- Uebrigens ist das Hotel Dieu mit der Charité in Berlin gar nicht zu vergleichen; aber -- es giebt in Paris sehr viel dergleichen Hospitäler, in Berlin nur eins. Ob es besser sey, die wichtige Sorge für hilflose Kranke unter mehrere zu vertheilen, oder nur einem anzuvertrauen? Diese Frage verdient Erörterung, führt aber zu weit.


Quellen.[]

  1. Erinnerungen aus Paris im Jahre 1804. von August von Kotzebue. Berlin 1804 bei Heinrich Fröhlich.
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