Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Hanau.[]

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Hanau, stark befestigte Hauptstadt der Grafschaft Hanau-Münzenberg, liegt in einer großen Ebene, am Flusse Kinzig, welcher nicht weit davon in den Mayn geht. Sie ist der Sitz der Landeskollegien, und wird in die alte und neue Stadt eingetheilt. In der alten Stadt ist das prächtige Schloß, das Gymnasium illustre, das Hospital und das Komedienhaus, nebst einer eignen Gasse und Synagoge der Juden zu bemerken. Es ist auch eine ansehnliche Vorstadt dabey. Die neue Stadt ist weit größer, enthält sehr r..gulaire Strassen und Häuser nach holländischer Bauart. Vor dem neuen ansehnlichen Rathhause liegt ein großer Markt, der in seinen vier Ecken mit schönen Fontainen geziert ist. Ein tiefer Kanal führt zur Bequemlichkeit der Handlung aus dem Mayn bis an den Wall der Stadt. Die Einwohner, welche 1781 zusammen 12,264 Seelen ausmachten, sind theils deutsch und französische Reformirte, theils Lutheraner, deren Zahl den Reformirten ohngefähr gleich kommt. Das bey Hanau liegende Wilhelmbad, so 1709 entdeckt wurde, ist von dem jetzigen Kurfürsten erneuert und verschönert. Die Hanauischen Manufakturen von wollenen Zeugen, Strümpfen, Kamelotten, Hüten, seidnen Zeugen, Handschuhen, Bijouterien xc. die ansehnliche Fayencefabrik, bringen, nebst dem Getreide- Eisen- und Holzhandel auf dem Mayn, ansehnlichen Vortheil. Die Tabakfabriken haben jezt weniger Absatz als in ältern Zeiten.


Hanau..[]

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Hanau, an der Kinzig und am Mayn die Hauptstadt der Kurrhessischen Grafschaft Hanau-Münzenberg, von 1809 bis Ende 1813 zum Großherzogthum Frankfurt gehörig, eine schöne volkreiche und wohlhabende Manufaktur- und Handelsstadt, mit einer regelmäßig gebauten Neustadt, einem schönen Residenzschlosse, einem Gymnasium u. s. w. Sie enthält 1200 Häuser und 12,000 Einwohner. Unter diesen sind viele Abkömmlinge von Wallonen und Niederländern, auch viele Juden. Die Hanauischen Manufakturen von wollenen Zeugen, Strümpfen, Kamelotten, Hüten, seidenen Zeugen, Handschuhen, Bijouterien u. s. w., die ansehnliche Fayencefabrik bringen, nebst dem Getraide-, Eisen- und Holzhandel auf dem Mayn, der Stadt ansehnlichen Vortheil. Die Tabaksfabriken haben jetzt weniger Absatz, als in den ältern Zeiten. Am 30. und 31. Okt. 1813 hatten in der Umgebung von Hanau heftige Kämpfe zwischen dem Kaiser Napoleon und der vereinigten Oesterreichisch-Baierischen Armee, unter dem General Wrede statt. Die Letztre erwies dabei große Tapferkeit, ohne jedoch den Rückzug des erstern an den Rhein hindern zu können. Die Stadt hat bei dieser Gelegenheit viel gelitten.


Von Reisende.[]

August Josef Ludwig von Wackerbarth.

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[1791]

Wir wollten Hanau sehen, das sich vor ein Paar Jahrhunderten durch seine Drukke der alten Klassiker so bekannt gemacht hat. Zufälliger Weise fuhr grade eine Post dahin und uns hätte nichts erwünschter seyn können, als dies. Wir fuhren diese zwei Meilen in einigen Stunden. Drei hundert Schritte vor der Stadt stiegen wir ab, und giengen in einer schönen Allee, um das Wilhelmsbaad zu sehen. Es ist ganz artige gebaut, jedoch wenn man Pyrmont besucht hat, so kommt es damit nicht in Vergleich. Es standen einige Gebäude, besonders ein sehr langes, da, wo Tafel und Musik gehalten wird, wenn der Landgraf von Hessenkassel sich daselbst einfindet. Jezt ward alles von den französischen Emigranten bewohnt, die ganz eifersüchtig umherschlichen. Die Bäder waren ziemlich dürftig eingerichtet, nur einige fand ich von Marmor. Das hier gesundmachende Wasser will eben nicht viel sagen und das meiste wird wahrscheinlich, wie überall, die freie Luft und Zerstreuung zur Kur beitragen müssen. Der anstossende Garten ist zum Durchlaufen ganz angenehm: ein Karussel und eine Eremitage, -- in welcher der Einsiedler ausgestopft natürlich dasizt und stets einen Mann auf fürstliche Kosten zum Wächter bei sich hat, -- sind dazu bestimmt, um ihm einige Reizze mehr zu verschaffen.

Hanau ist ein recht hübsches Städtchen: es ist so schön und regelmässig aufgebaut, als wenn es mit der Feder und dem Zirkel auf dem Papiere angelegt und errichtet wäre. Seine Einwohner sind fast zu höflich, welches aber immer von dem garstigen Despotismus zeugt, der hier herrschen muss. Das Schloss ist unstreitig das ansehnlichste Gebäude, ob es gleich schon etwas alt zu seyn scheint. Die anmuthigen Spaziergänge gefielen mir zugleich wohl. -- Fabriken und Manufakturen sind in gutem Flor. Ich hatte viel von der hiesigen Porzellänfabrik gehört und glaubte sie daher besehen zu müssen. Ich fand mich aber ziemlich betrogen, denn es war beinahe weiter nichts, als eine gute Töpferfabrik.

Die Stadt Hanau liegt am Main, und wir giengen an seinen schönen grünen Ufern wieder zurük. Hier hatten wir eine treffliche Ansicht auf Frankfurt, und wahrscheinlich ist dies die beste.

Doch ehe wir noch ganz bis Frankfurt kamen, liessen wir uns auf einem Boote deren es hier immer eine grosse Menge in Bereitschaft giebt über den Main sezzen. (>>>)


Von Reisende..[]

Jean-Philippe Graffenauer.

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[1806]

Lüneburg im November 1806. Ich sage Ihnen nichts von dem berühmten Spessardtwalde, dessen Länge sechs Meilen beträgt, und den man auf der Reise von Würzburg nach Frankfurt passirt; auch nichts von Aschaffenburg, welches eine sehr angenehme Lage und ein wohlgebautes Schloß hat. Hanau ist eine kleine befestigte Stadt, die anderthalb Meilen von Frankfurt in der Wetterau liegt; auch sie zeichnet sich durch gute Bauart und durch ein großes Schloß aus. -- Seit einigen Jahren hat ein geschickter Mineralog, Namens Leonhard, hier ein Komptoir für den Tausch von Mineralien angelegt, wodurch er den Freunden dieses interessanten Zweiges der Natur-Geschichte sehr nützlich wird. Auch als Schriftsteller hat er sich durch mehrere Werke, vorzüglich durch eine mineralogische Topographie, bekannt gemacht. (>>>)


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

Frankreich. [5]

Das nehmliche Journal giebt folgende Neuigkeiten, jedoch als noch der Bestätigung bedürfend: Die Grafschaft Hanau werde dem Fürsten Primas, zur Entschädigung für seinen Antheil an dem Rheinoktroi, zufallen; Erfurt erhalte der Herzog von Sachsen-Weimar; die in Deutschland zurückbleibenden Französis. Truppen würden den Namen "Rheinarmee" annehmen, und in den Hansestädten, Pommern xc. vertheilt werden.


[1812]

Vermischte Nachrichten. [6]

Die fürstliche Familiengruft in Hanau ist Nachts erbrochen, die Todten ihrer Kleinodien beraubt, 11 zinnerne Särge sind in der Gruft geschmolzen und das Zinn weggebracht worden. Anonyme Briefe an den Pfarrer entdeckten die Räuber, zwey Bürger von Hanau, die nun im Gefängnisse ihre Strafe erwarten.


Quellen und Literatur.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Rheinreise herausgegeben vom Freiherrn v. Wakkerbart. Halberstadt in der Buchhandlung der Grossschen Erben, 1794.
  4. Meine Berufsreise durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenauer, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem Arzte bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. Chemnitz, bey Carl Maucke. 1811.
  5. Wiener-Zeitung. Nro 89. Sonnabend, den 5. November 1808.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 223. Montag, den 16/28. September 1812.
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