Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Harz.[]

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Harz, ein hohes Waldgebirg in Niedersachsen, an der Obersächsischen Gränze, das nördlichste in Deutschland, welches sich aus dem Amte Langelsheim und der Gegend von Goslar, durch den östlichen Theil des Fürstenthums Grubenhagen, einen Theil der Grafschaft Wernigerode und das Fürstenthums Blankenburg bis in die Grafschaften Hohenstein und Stolberg, und bis an Harzgerode im Anhaltischen, ungefähr 12 Meilen in die Länge und 4 Meilen in die Breite erstreckt. Es besteht aus vielen Bergen und Thälern, die labyrinthisch unter einander wechseln, und von 36,000 Menschen bewohnt werden. Durch den Brocken oder Blocksberg, die höchste Spitze des Harzes, wird er in den Ober- und Unterharz getheilt. Jener ist im Westen des Brockens, und das eigentliche Hochgebirge, dieser im Osten desselben, und die größere Hälfte des Ganzen. Die vorzüglichsten Berge sind der Brocken, der Rammelsberg, Bruchberg, Andreasberg, Rehberg, Burberg, Heinrichshöhe, Brand, Sonnenberg, Iberg, Winterberg u. s. w. Hier entspringen die Bude, Sieber, Ecker, Holzemme und Radau. Berühmt ist die Baumanshöhle bei Blankenburg mit merkwürdige Tropfsteingestalten, und noch sehenswürdiger die nicht weit davon entfernte Bielshöhle (Bielsteinshöhle), welche erst in den neuern Zeiten entdeckt worden ist. Die Hauptprodukte des Harzgebirges sind Holz, das man auf 286,386 Morgen angibt, Eisen, wodurch jährlich 700,000 Thaler in Umlauf gesetzt werden, Silber, Kupfer, Blei, etwas Gold, Salz u. s. w. Beschreibungen des Harzes hat man von Schröder und Gatterer.


Von Reisende.[]

Dr. Johann Friedrich Droysen.

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[1801]

Sie erwarten nicht von mir, mein Bester, daß ich Ihnen meinen vergnügten Aufenthalt in Hannover und Göttingen, oder meine angenehme Fußreise auf dem Harz in seinen romantischen Gegenden beschreibe, Sie kennen diese Orte, und wissen wie angenehm man hier lebt, wenn man Bekannte hat, wie ich hier zu finden das Glück hatte; also nur wenige Worte von Göttingen.

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Versetzen Sie sich, lieber Freund, mit mir nun plötzlich auf die Spitze des Brockens, Sie werden diese Höhe kaum wieder erkennen, oben nicht weit vom Wolkenhäuschen, auf der so genannten Wilhelmshöhe, finden Sie jetzt ein Gebäude, wahrlich einen Pallast für diese Gegend. Graf Stollberg hat mit großen Kostenaufwand einen Fahrweg bis zur höchsten Höhe bilden und dieses große, aus Steinklumpen zusammen gesetzte Gebäude aufführen lassen; ein gefälliger Wirth gibt Ihnen für wenig Geld eine bessere Bedienung als Sie ehemahls nicht mit dem doppelten erkaufen konnten. Aber freylich müssen Sie nun erst auf den Thurm steigen, um einer freyen Aussicht zu genießen, müssen hinter das Haus treten, um die Sonne in ihrer Pracht untersinken zu sehen. Sie glauben nun nicht auf dem, noch vor wenig Tagen mit Schnee bedeckten, rauhen Berge zu seyn. Die Kunst hat hier, wie mir scheint, die Natur wenn nicht verdrängt, doch versteckt. Sonst mußte die große Aussicht den Reisenden für die Unbequemlichkeiten entschädigen, diese fallen weg, und die Brockenreise verliert von ihrem Piquanten; doch fühlt mancher dabey anders.


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Dr. Johann Friedrich Droysen's Bemerkungen gesammelt auf einer Reise durch Holland und einen Theil Frankreichs im Sommer 1801. Göttingen bey Heinrich Dieterich. 1802.
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