Anhalt. Das herzogliche Gesammthaus Anhalt leitet seinen Ursprung von dem Schlosse Anhalt am Harze ab, das jetzt in Trümmern liegt.

Vielleicht war Esico von Ballenstädt - wahrscheinlich eine der ältesten Besitzungen des anhaltischen Hauses - der Erbauer dieses Schlosses (940). Sein Enkel, Otto der Reiche, erscheint als Herr von Ballenstädt und Aschersleben, erweiterte das Schloß Anhalt, und nannte sich Graf von Askanien und Aschersleben. Ihm folgte 1123 sein Sohn, Albrecht der Bär, der seine Länder mit der Mittelmark vermehrt, und dadurch der Stifter dieser Mark und erster Markgraf von Brandenburg wurde. Er erwarb außerdem noch bedeutende Besitzungen.

Nach seinem Tode 1171 erhielt sein Sohn Bernhard die anhaltischen Lande, und außerdem 1180, nach der Achtserklärung Herzog Heinrichs des Löwen, das Herzogthum Sachsen. Er hinterließ 1211 zwei Söhne, Heinrich und Albrecht, von denen letzterer das Herzogthum Sachsen, nebst dem wittemberger Kreise und der Grafschaft Plötzkau, ersterer aber die übrigen anhaltischen Lande seines Vaters, nebst den thüringischen Gütern bekam. (Albrechts Nachkommen theilten sich in zwei Linien, und starben 1422 und 1689 aus. Von ihren Besitzungen fiel jedoch nur die Grafschaft Plötzkau an das Haus Anhalt zurück.)

Heinrich führte zuerst den Titel Fürst von Anhalt, und als er 1252 starb, bekam von seinen Söhnen Heinrich Aschersleben, den Harz und einen Theil der thüringischen Besitzungen, Bernhard Ballenstädt, Bernburg und den andern Theil der thüringischen Güter, und Siegfried Cöthen und Dessau, nebst Cosswigk und Roßlau.

Heinrichs Nachkommen, welche die ascherslebensche Linie genannt werden, starben schon 1316 aus, aber von ihren Besitzungen fielen nur der Harz und die thüringischen Güter an das Haus Anhalt, Aschersleben hingegen an das Bisthum Halberstadt.

Bernhards Nachkommen, welche die alte bernburgische Linie heißen, erloschen 1468 mit Bernhard VI.

So blieben nur Siegfrieds Nachkommen übrig, welche sich 1396 abermals in zwei Linien theilten. Diese waren die alte zerbster Linie, gestiftet von Albrecht III., welche 1524 und 1526 ausstarb, und die dessauische Linie, gestiftet von Siegmund I. (st. 1405), welche in den gegenwärtigen blühenden herzoglichen Häusern annoch vorhanden sind.

Siegmund's Sohn, Georg I., (st. 1474) erlebte den Anfall des bernburger Antheils und hinterließ fünf Söhne, von denen allen Fürst Ernst das Geschlecht fortpflanzte. Dieser hinterließ drei Söhne, Johann, Georg III. und Joachim. Johanns Sohn, Joachim Ernst, vereinigte sämmtliche anhaltische Länder, so viel das fürstliche Haus davon noch besaß, in ein Ganzes, und hinterließ bei seinem Tode 1586 sieben Söhne, von denen 1603 die fünf noch Lebenden die Länder dergestalt in vier Theile unter sich theilten, das Johann Georg Dessau, Christian Bernburg, Rudolph Zerbst, Ludwig Cöthen, August aber eine Geldsumme mit dem Vorbehalt erhielt, daß bei Abgang einer der vier Linien er oder seine Nachkommen in deren Antheil folgen sollten, welches auch 1665 in den damals erledigten cöthenschen Antheil geschah.

So bestanden in den Hause Anhalt vier fürstlichen Linien, bis 1793 die zerbster Linie mit Fürst Friedrich August ausstarb, worauf 1797 Dessau, Bernburg und Cöthen sich in dessen Antheil theilten. In diesen drei Linien herrscht das Recht der Erstgeburt, doch ist zu bemerken, daß die bernburger noch eine Nebenlinie hat, und daß Cöthen seit dem 6ten Mai 1812, wo Herzog August Friedrich starb, für dessen minderjährigen Neffen, Ludwig August, von dem Herzog von Dessau, als Vormund administrirt wird.

Gegenwärtig führen die anhaltischen Fürsten den Herzogtitel, und zwar haben ihn das regierende Haus Bernburg 1806 vom Kaiser Franz II., die Häuser Dessau und Cöthen aber bei ihrem Beitritt zum Rheinbunde 1807 erhalten.

Die sämmlichen Länder der drei anhaltischen Linien enthalten 48 Q. M., und 118000 Einwohner. (Das Fernere siehe unter Bernburg, Cöthen und Dessau.)


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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