Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Nassau, Fürstenthum in der Wetterau, dessen Lande theils zum Oberrheinischen, theils zum Westphälischen Kreise gehören. Ein wichtiger Theil der Nassauischen Besitzungen lag aber jenseit des Rheins. Die ganze Masse derselben berechnete man auf 82 Quadratmeilen, welche 218,000 Einwohner enthielten. Das fürstliche Haus theilet sich in 2 Hauptlinien, die von den Söhnen des in der Mitte des 13ten Jahrhunderts verstorbenen Grafen Heinrich, des Reichen, Walram und Otto, herkommen. Von der Walramischen Hauptlinie sind Nassau-Saarbrück, (welches sich in Usingen und Saarbrück theilte) und Nassau-Weilburg; und von der Ottonischen ist noch Nassau-Dietz oder Oranien übrig.


Nassau-Usingen.[]

Im J. 1797 starb Nassau-Saarbrück in männlicher Linie aus, und die Erbschaft erhielt Nassau-Usingen, welches zuvor das Fürstenthum Usingen in der Wetterau mit einigen dazu geschlagenen Herrschaften und Aemtern besaß, auf 15 Quadratmeilen 40,000 Unterthanen hatte und 230,000 fl. Einkünfte bezog. Durch die Erbschaft fiel ihm die Grafschaft Saarbrücken, ⅔ von Saarwerden, die Herrschaft Ottweiler und einzelne andere Aemter zu, welches alles auf 17 Quadratmeilen 42,000 Seelen faßte und 400,000 Gulden reiner Einkünfte brachte.

Aber alle diese Besitzungen jenseit des Rheins sind durch den Frieden zu Lüneville bey Frankreich geblieben. Auch die Herrschaft Lahr, in Schwaben, welche auf ¾ Quadratmeilen 4,000 Einwohner hat, und 25000 Gulden Einkünfte bringt, wurde an Kurbaden abgegeben.

Usingen erhielt deswegen im J. 1802 folgende Aemter Königstein, Höchst, Kronenburg, Rüdesheim, Oberlahnstein, Eltwill, Haarheim und Kassel, oder alle Maynzischen Länder, welche zwischen der Nidda, dem Mayn und Rhein liegen; 2) das Pfälzische Amt Kaub; 3) die Reste von Kurköln (mit Ausnahme von Altwied und Nurburg, welches an Wied Runkel kam; 4) den Darmstädtischen Antheil an Nieder-Katzenelnbogen, nebst Eppstein und Kleeberg 5) die Grafschaft Sayn-Altenkirchen. 6) Viele einzelne Dörfer und Klöster. Das Ganze enthält auf 38 Quadratmeilen ungefehr 83,000 Einwohn. und die Einkünfte berechnet man auf 700,000 Gulden, wozu das Rheingau wegen der reichen Besitzungen des Domkapitels und der Stiftungen, dann wegen der Weinzehnten, das meiste beytragen. Alle diese Ländereyen schließen sich an die alten Besitzungen zu einem schönen Ganzen, und man schäzt die sämmtlichen Einkünfte des Fürsten auf 1 Million Gulden.

Das Fürstenthum Usingen ist sehr gebirgig, und hat von den Produkten der Erde wenig zur Ausfuhr; dagegen aber viel Kupfer, Eisen, etwas Silber und mineralische Wasser; auch beträchtliche Manufakturen von Leder, Eisenwaaren, und Wollenzeugen. Die neuen Erwerbungen im Rheingau, nebst den übrigen Rhein und Mayngegenden haben großen Reichthum an allen Feldfrüchten, doch vorzüglich an äusserst gesuchten Weinen.

Der Fürst hat auch seit 1803 eine Virilstimme auf dem Reichstag. Der Matricularanschlag betrug für Usingen 165 fl. 19 kr.; ein Kammerziel 89 Thlr. 4kr.

Die Residenz des Fürsten ist zu Biberich am Rhein. Der neue Titel des Fürsten ist: Fürst zu Nassau, Pfalzgraf bey Rhein, Graf zu Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und Diez, Burggraf zu Hammerstein, Herr zu Mahlberg, Wiesbaden, Idstein, Mehrenberg, Limburg und Eppstein xc.

Nassau-Weilburg.[]

Nassau-Weilburg besaß diesseit der Rheins die Grafschaft Weilburg, das Amt Atzbach und einen Theil vom Amte Mühlen, oder auf 8½ Quadratmeilen 20,268 Einwohner, und die 1799 ererbte Grafschaft Hachenburg, welche 190,000 fl. Einkünfte bringen. Jenseit des Rheins, die Herrschaft Kirchheim und Stauf, ⅓ der Grafschaft Saarwerden und das Amt Alsenz, auf 6½ Quadratmeilen etwas über 15,000 Einwohner, deren Einkünfte man auf 160,000 Gulden angab.

Für den Verlust dieser leztern Besitzungen erhielt es im J. 1802, was von dem Kurfürstenthum Trier an der Ostseite des Rheins liegt, welches aus 9 Aemtern, 15 Quadratmeilen mit 35,000 Einwohn. besteht, und wegen des Selzerwassers 250,000 fl. Einkünfte trägt, ob es gleich ein rauhes nicht genug kultivirtes Land ist. Weitere Vergütungen gaben die Abteyen Arnstein, Schönau und Marienstadt. Die ganze Entschädigung rechnet man auf 325,000 Gulden reiner Einkünfte.

Der Fürst von Nassau-Weilburg erhielt auch 1803 eine Virilstimme im Reichsfürstenrath. Seine Residenz und der Sitz der Landeskollegien ist zu Weilburg an der Lahn; für die neuen Erwerbungen ist aber eine eigne Regierung zu Ehrenbreitstein niedergesezt.

Das Land hat viele Berge und Holz, aber auch guten Getreide- und Flachsbau, Viehzucht, und Silber-Kupfer-Eisenbergwerke.


Nassau-Oranien-Diez.[]

Nassau-Oranien-Diez, oder nach der durch die neuesten Ereignisse eingefürsteten Benennung Nassau-Dillenburg begreift die Fürstenthümer Dillenburg, Siegen, Diez, Nassau-Hadamar, die Grafschaft Spiegelberg und die Herrschaft Beilstein. Sie umfassen auf 40 Quadratmeilen 86,000 Einwohner, und liegen alle im Westphälischen Kreis diesseit des Rheins.

Das Land hat viele Berge und Holz, auch Flachs, eine beträchtliche Viehzucht, viele Eisen- und Kupferwerke und Manufakturen von Leder, Wollenwaaren xc. Die Einkünfte schäzt man auf 463,000 Gulden. Der Matricularanschlag betrug 300 fl. ein Kammerziel 130 Thl. 20 kr.

Diese Linie war im Besitz der erblichen Statthalterschaft in den Vereinigten Niederlanden und sehr beträchtlicher Domänen. Da diese in dem Revolutionskrieg verloren gegangen sind, so erhielt der Fürst im Jahr 1802 zur Entschädigung in Deutschland: die Bißthümer Fulda und Corvey, die Reichsstadt Dortmund, die Abtey Weingarten nebst mehrern kleinern Stiftern und Gütern; so daß man die ganze Entschädigung auf 57 Quadratmeil., 120,000 Menschen und 760,000 fl. Einkünfte berechnet.

Der Fürst von Nassau-Oranien-Dietz begnügte sich aber mit der Regierung seiner ältern Erblande wählte Oranienstein an der Lahn zur Residenz, und übergab die sämmtlichen neuen Erwerbungen seinem Erbprinzen Wilhelm Friedrich, welcher Fulda zur Residenz bestimmt hat.

Auch England trug zu den Entschädigungen dieses Hauses bey, indem es 1803 die Summe von 60,000 Pf. Sterling an den Fürsten zahlte, und ihm 16,000 Pf. Sterling Renten zutheilte.

Im Fürstenrathe hat Nassau-Oranien zwey Stimmen, für Dillenburg und Fulda.

1804 trat Oranien-Fulda von seinen neuen Schwäbischen Besitzungen gegen anderweitige Vergütung an mittelbar. Besitzungen: die Herrschaft Blumenegg, St. Gerold u. Bendern in Voralberg; die Herrschaft Liebenau zwischen der Landvogtey und der Grafschaft Tettnang, nebst mehrern zerstreuten Gütern in der Gegend des Bodensees an Oesterreich ab.

Seit 1803 haben sämmtliche Nassauische Länder das jus de non appellando.

Karl Heinrich von Nassau-Siegen.[]

Ein noch lebender Prinz von Nassau-Siegen, der auch zu dieser jüngern Hauptlinie gehören soll, und der sich durch seine Seereisen mit Hrn. von Bougainville von 1766 - 69, durch den mißlungenen Angriff auf Jersey, 1779, durch seine Tapferkeit bey dem Angriff von Gibraltar mit schwimmenden Batterien, 1782, und durch das Treffen 1789, in welchem er die Russische Galeerenflotte gegen die Schweden anführte, berühmt gemacht hat, wird von den übrigen Nassauischen Fürsten nicht als Anverwandter erkannt, indem sie die eheliche Geburt seines Vaters und die fürstl. Geburt seines Großvaters bestreiten. Aber auf Französischem Betrieb wurde 1803 durch den Hauptdeputationsschluß festgesetzt, daß Nassau-Oranien diesen Prinzen von Nassau-Siegen wegen seiner Ansprüche befriedigen sollte. Er erhielt daher eine Abfindungssumme (130,000 fl.) und eine jährliche Pension von 10,000 Gulden.



Das Nassauische Hauptwappen ist ein goldner Löwe im blauen, mit goldnen schräglinks liegenden Schindeln bestreueten Felde.


Quellen und Literatur.[]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
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