Heilbronn, ehemalige freye Reichsstadt in Schwaben am rechten Ufer des Neckers, über welchen eine bedeckte hölzerne Brücke führt, in einer schönen, mit starkem Weinbau gesegneten, fruchtbaren Gegend.

Sie hat 3 Thore, gegen 1000 zum Theil sehr gut gebaute Häuser, krumme Strassen, ein schönes Rathhaus am geräumigen Marktplatz, drey lutherische und zwey katholische Pfarrkirchen, ein guteingerichtetes Archiv und Gymnasium, schönes Waisenhaus, eine Bibliothek von 12,000 Bänden und 5,869 Einwohner nach der Zählung im J. 1803 ohne das Militär und ohne die Katholiken. Denn es befindet sich hier ein ansehnliches Deutsches Haus und Landkommende des Deutschen Ordens, und ausserdem waren 2 jezt aufgehobene Klöster in der Stadt, und das Stift Kaisersheim, jezt Pfalzbayern, hat hier ein Haus zur Erhebung nahe liegender Gefälle.

Die Hauptnahrung hat die Stadt von dem Weinbau, und von einer bedeutenden, auf dem von hier an schiffbaren Necker vorzüglich betriebenen Handlung. Eigentliche Manufakturen giebt es nicht, doch ist eine sehr künstlich eingerichtete Mühle sehenswürdig, welche in der Gegend häufig gegrabenen und zum Theil versendeten Gips bearbeitet.

Die Verfassung der Reichsstadt Heilbronn (welche ihren Namen von der schönen und reichen nicht weit von der Hauptkirche hervorströmenden Quelle haben soll), war größtentheils demokratisch. Acht Senatoren mit drey Bürgermeistern an der Spitze und einem Syndikus, bildeten den Innern Rath, und besorgten die meisten Geschäfte; zu manchen wurde der Aeussere Rath von 12 Mitgliedern gezogen, welche aus der übrigen Bürgerschaft genommen waren. Adeliche Patricier gab es nicht. Die Regierung war gelind, die Auflagen sehr gemäsigt, und die Stadt hatte bis 1796 keine Schulden. Die Einkünfte berechnete man auf 50,000 Gulden.

Die Bürger der Stadt bekennen sich zur lutherischen Religion.

Das Gebiet der Stadt macht kaum 1 Quadratmeile, enthält aber 4 Pfarrdörfer und 3 Höfe mit 3,375 Seelen, folglich die ganze Bevölkerung 9,244 Seelen.

Das Wappen der Stadt ist ist ein schwarzer Adler in goldenem Felde.

Zu einem Römermonate gab sie 126 Gulden und zu einem Kammerziele 185 Thlr. 89 kr.

Nicht weit von der Stadt liegt auf einem Berge der Wartthurm ein schön angelegter Belustigungsort, und bey dem Jägerhause sind wichtige der Stadt gehörige Steinbrüche.

Im J. 1802 kam diese Reichsstadt als Entschädigung an Kurwürtemberg, und bildet nun mit ihrem Gebiete ein eignes Oberamt. Sie ist aber zugleich der Sitz einer der 3 Landvogteyen, in welche die neuen Besitzungen getheilt sind, und umfaßt die Oberämter Heilbronn, Rhonthal, Eßlingen, Reutlingen, und die Staabsämter weil und Oberstenfeld. Ausserdem ist die Stadt der Sitz des Oberkonsistoriums über alle neu erworbenen protestantischen Länder Würtembergs.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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