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Graf Bertrand.Bearbeiten


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Le C.te Bertrand.

Bertrand, Graf,[1] General-Lieutenant, Adjutant bei Napoleon, Großmarschall des Palastes xc., berühmt durch seine Anhänglichkeit an Napoleon, bei dem er freiwillig in St. Helena lebt. Von anständigen Aeltern geboren, widmete er sich dem Militär und trat in das Ingenieurcorps ein, wo er sich bald durch nicht gewöhnliche Fähigkeiten und ein ehrenvolles Betragen auszeichnete und bis zum Brigadegeneral stieg. Als er 1804 im boulogner Lager beschäftigt war, hatte Napoleon Gelegenheit, seinen Werth kennen und Schätzen zu lernen, und faßte von dieser Zeit an die Art von Vorneigung für ihn, die er stets behalten hat. Bertrand folgte ihm in allen Feldzügen, und that sich überall hervor, namentlich bei Austerlitz, wo er Adjutant des Kaisers ward; nahm 1806 Spandau nach einer Berennung von wenig Tagen, trug viel zur Entscheidung des Sieges bei Friedland über die Russen bei; was aber seinem Ruhm die Krone aufsetzte, und selbst die Bewunderung des Feindes erregte, war der meisterhafte Bau jener berühmten zwei Uebergangsbrücken über die Donau nach der Schlacht bei Aspern in dem österreichischen Kriege von 1809. Auch in den Feldzügen von 1812 und 1813 focht er mit gleicher Ehre, und that besonders bei Lützen und Bautzen Wunder der Tapferkeit. Im October 1813 vertheidigte er verschiedene wichtige Posten lange gegen eine beträchtliche Mehrzahl von Feinden, und nahm nach der Schlacht von Leipzig, wo er den wichtigsten Punkt von Lindenau siegreich gegen Giulay behauptete, seinen Rückzug mit Ordnung. Nach der Schlacht bei Hanau deckte er Cassel und Mainz, bis die Armee über den Rhein war. Nun machte ihn der Kaiser zum Großmarschall des Palastes. Den Feldzug von 1814 machte er eben so rühmlich an Napoleons Seite mit. Er verließ ihn auch im Unglück nicht, begleitete ihn nach Elba, kehrte mit ihm zurück, und theilte endlich auch den traurigen Aufenthalt auf St. Helena mit seinem Herrn. Wenig Männer seit der Revolution haben einen ehrenvolleren militärischen Charakter gezeigt, und seine aufopfernde Hingebung an einen so vielfach und allgemein geächteten Mann, der aber sein Gebieter war und seinen Schwur der Treue empfangen hatte, macht ihn interessanter, ja vielleicht persönlich achtenswerther, als wäre diese Anhänglichkeit an einen würdigern Gegenstand gerichtet. Und diese Treue ist rein; denn weder Furcht noch Eigennutz dürften ihn hindern, nach Frankreich zu kommen: es ist nichts in seinem Leben, das dem geringsten Vorwurfe ausgesetzt wäre.


Bertrand.Bearbeiten


Bertrand. [2] Er diente in den früheren Feldzügen als Ingenieur-Officier, und erregte zuerst Bonaparte's Aufmerksamkeit in dem Lager von St. Omer zur Zeit der Vorbereitung zu einer Landung in England. Dann zeichnete er sich in den Schlachten von Austerlitz und Friedland aus. Er wurde in Deutschland zuerst durch Errichtung der Brücken, die aus der Donauinsel Lobau nach dem linken Ufer dieses Flusses vor der Schlacht von Wagram geschlagen wurden, bekannt. Dann kommandirte er eine Weile in Illyrien. Späterhin wurde er ein besonderer Liebling Bonaparte's, welcher ihn nach Duroc's Tode zum Großmarschall seines Hofes ernannte. Er folgte dann Napoleon freiwillig nach Elba, uns ist jetzt auf St. Helena sein Gefährte.

Seine Frau folgte ihn nach diesen Verbannungsörtern. Ein Brief, welchen sie am 28. Sept. 1813 an ihren Mann schrieb, enthält Andeutungen ihrer innigen Anhänglichkeit an denselben. Sie schrieb ihn unter andern:

"Ich gehe noch immer mit dem Gedanken um, Dich in den Winterquartieren zu besuchen; aber würde der Friede geschlossen, und Du kämst zurück, dann gingen wir nach Chateauroux . . . ."

"Ich habe mit Freuden erfahren, daß S. Maj. mit Dir zufrieden gewesen ist; Du hast Wunder der Tapferkeit gethan. Jetzt, denke ich, bist Du überzeugt, daß Du kommandiren kannst; Du hast Erfahrungen genug gemacht, und wirst Alles, was Du unternimmst, gut ausrichten. Allenthalben, mein Geliebter, höre ich mit Stolz Dein Lob. Jeder, der das Bulletin las, sagte: "Wäre er gehörig unterstützt worden, so hätte er auch diese Schlacht so gut gewonnen, wie die von Wurschen." Ich bin nicht bescheiden, aber ich muß Dir das sagen, was ich höre. Hin und wieder spricht man vom Frieden; ach Gott! ich mag mich nicht mehr der Hoffnung überlassen . . . . ."

Dieser Brief fiel mit mehrern andern zu jener Zeit in die Hände der Alliirten.


Henri Gratien, Comte Bertrand.Bearbeiten

Divisions-General, [3]

geboren zu Chateauroux den 28. März 1773.

Bertrand betrat die kriegerische Laufbahn im Ingenieurcorps. Am 10. Aug. 1792 diente er in einem Nationalbataillon, begab sich aber, während der König in den Tuillerien bedroht wurde, zu einem andern Bataillon, welches sich eben dahin begab, um die Rechte des unglücklichen Monarchen zu vertheidigen und zeigte an diesem denkwürdigen Tage den größten Muth für die gerechte Sache. In den ersten Jahren des Revolutionskriegs stieg er dann im Genie-Corps von Stufe zu Stufe und wohnte als Capitän dem Zuge nach Aegypten bei. Buonaparte gedachte seiner mit Lobsprüchen in dem Bericht über die Schlacht bei den Pyramiden, so wie General Bon bei Wegnahme des Dorfs Embabeh. Nach der Schlacht bei Abukir (25. Juli 1799), wo sich 5000 geschlagene Türken in das Fort dieses Namens eingeschlossen hatten, leitete er die Belagerung desselben mit so viel Geschicklichkeit, daß dadurch die Türken genöthigt wurden, dasselbe zu verlassen. Im Juni 1800 war Bertrand, der unterdeß Chef der Genie-Brigade geworden, einer der Mitglieder des Kriegsgerichts, welches zu Cairo über die Mörder des Obergeneral Kleber niedergesetzt worden war. Noch in demselben Jahre, (6. Sept.) wurde er Brigadegeneral und als solcher leitete er im Jahre 1801 die Vertheidigungsmaßregeln gegen die englisch-türkische Armee, obwohl er bei dem geschwächten Zustande der französischen Armee die Capitulation dieser Stadt (29. August) nicht verhindern konnte. Er kehrte hierauf mit den Trümmern der ägyptischen Armee nach Frankreich zurück und fand daselbst 1804 eine Anstellung im Lager zu St. Omer. Dort war es auch, wo Buonaparte, der schon in Aegypten die Talente dieses wackern Offiziers hatte kennen lernen, eine ganz besondere Zuneigung zu ihm faßte, so daß er ihn bei jeder Gelegenheit vorzog. Dem gemäß empfing Bertrand (14. Juni 1804) das Comthurkreuz der Ehrenlegion und fast zu derselben Zeit erhob ihn der erste Consul zu seinem Flügeladjutanten und zu einem der Generalinspectoren im Genie-Corps. Nachdem er hierauf gegen Oestreich und Preußen gefochten und bei der Belagerung von Spandau und den Schlachten von Austerlitz und Friedland sich ausgezeichnet hatte, wurde er (30. Mai 1807) Divisionsgeneral.

Im Kriege gegen Oestreich (1809) stellte er zu Ende Aprils die Brücke über die Salza bei Burghausen, welche die Oestreicher verbrannt hatten, in größter Schnelligkeit wieder her. Von hieraus marschirte er mit der französische Armee auf Wien los, welches die Oestreicher anfangs vertheidigen wollten, allein eine von ihm und dem Artilleriegeneral Navelet errichtete Batterie von 20 Mörsern änderte den Entschluß der Feinde und überlieferte die Stadt. Noch größeres Verdienst erwarb er sich durch die schnelle Wiederherstellung der Brücken über die Donau. Selbst gemeine Soldaten riefen, an dem Ufer des Flusses angelangt, der dort 400 Toisen breit ist, unwillkürlich aus: "Nun gibt es keine Donau mehr."

Auch begleitete Bertrand den französischen Kaiser nach Rußland und wieder zurück, organisirte darauf in Verona, zu Anfange des Jahres 1813, ein Beobachtungscorps, ward zu Ende des März nach Deutschland berufen und übernahm daselbst das Commando über das 4. Armeecorps, welches durch geschickte Bewegungen zum Siege bei Lützen (2. Mai) und bei Bautzen (19. und 20.) beitrug. Am 2. Juni langte dasselbe in Jauer an, worauf es, nach abgeschlossenem Waffenstillstande, bei Sprottau die Cantonirungsquartiere bezog. Nach Aufkündigung desselben marschirte Bertrand mit seinem Corps unter Oudinot nach Berlin, wurde aber durch die Schlacht bei Gross-Beeren zum Rückzuge nach Wittenberg genöthigt, worauf Ney das Obercommando übernahm. Schon am 5. Sept. befand sich das 4. Armeecorps wieder auf dem Marsche gegen den Feind, der sich auf den Dennewitzer Anhöhen bei Jüterbogk aufgestellt hatte. Das Corps Oudinot's und Regnier's auf gleiche Weise dorthin bestimmt, waren indeß etwas zurückgeblieben und so wurde Bertrand den Angriffen des überlegenen Feindes allein blosgestellt; dennoch hielt er sich bis zur Ankunft der beiden andern Armeecorps und schon schien sich der Sieg auf die Seite der Franzosen zu neigen, als Unordnung in 2 Divisionen des 7. Armeecorps entstand, die der Feind sehr geschickt benutzte; denn er schob seine Massen zwischen das 4. und 12. Corps und nöthigte dadurch die Franzosen zum Rückzuge. Bertrand wandte sich in guter Ordnung nach Dahme, wo er sich dem Feinde auf das nachdrücklichste noch widersetzte und zog sich dann auf Torgau zurück. Am 26. Sept. griff er darauf den Brückenkopf bei Wartenburg an, vertrieb daraus die Preußen und zerstörte die Werke. Darauf (3. Oct.) in dieser Stellung angegriffen, trieb er die Preußen siebenmal zurück und zog sich dann nach Leipzig zu, wo er vom 14. bis 18. Octbr. neue Proben von Geschicklichkeit und Muth ablegte. Auf dem Rückzuge der Franzosen wohnte er noch (30.) der Schlacht bei Hanau bei und erzwang (31.) den Uebergang über den Kinzig. Am 7. Nov. besetzte er Cassel, Mainz gegenüber und schlug sein Hauptquartier zu Hochheim auf. Einige Tage darauf überließ er dem General Morand den Oberbefehl über das 4. Corps und begleitete den Kaiser nach Paris, der ihn (20.) an Duroc's Stelle zum Großmarschall des Pallastes und (8. Jan. 1814) zum Oberbefehlshaber der Pariser Nationalgarde ernannte. Mit Auszeichnung focht er darauf in den Schlachten bei Montmirail, Champ-Aubert, Craône und Brienne und zwar immer an der Spitze der Angriffscolonnen, den Seinen durch muthige Ertragung aller Beschwerden vorangehend. Nach Napoleons Entsagung begleitete er denselben nach Elba, kehrte mit ihm nach Frankreich zurück und folgte ihm auch nach St. Helena mit seiner Gattin und 3 Kindern. Durch die königliche Ordonanz vom 14. Juli 1815 wurde er abwesend vor ein Kriegsgericht gestellt und durch dasselbe (7. Mai 1816) zum Tode verdammt; doch nach Napoleons Tode kehrte er von St. Helena nach Frankreich zurück, erhielt Verzeihung und genießt noch jetzt die Achtung aller Rechtschaffenen.


Quellen.Bearbeiten

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Minerva Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Für das Jahr 1816. Leipzig in der Expedition der Minerva.
  3. Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.
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