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Mantua, italienisch Mantova, ein ehemaliges Herzogthum in der Lombardei, welches, mit einschluß der kleinen Fürstenthümer Castiglione und Solferino, auf einem Flächenraum von 46 Quadratmeilen über 200,000 Einwohner zählte.

Es hatte als ein kaiserliches Reichslehn seine eignen Herzoge aus dem Hause Gonzaga. Der letzte Herzog Carl IV. wurde, weil er in dem spanischen Successionskriege die französische Partei gehalten, 1708 von dem Kaiser in die Acht und Oberacht erklärt, und starb bald hernach zu Padua ohne Erben. Seit dieser Zeit blieb Oesterreich in dem Besitz des Landes, und vereinigte es zu Anfang des Jahrs 1785 ganz mit den mailändischen Landschaften, mit denen es die österreichische Lombardei bildete. Im J. 1797 wurde es von Bonaparte mit zur cisalpinischen Republik gezogen, und machte nachher den größten Theil vom Departement des Mincio im Königreich Italien aus, bis Oesterreich 1814 wieder Besitz davon nahm.


Die Hauptstadt Mantua liegt in einem großen See, welchen der Mincio bildet. Man gelangt nur vermittelst zweier Dämme oder Hauptbrücken in die Stadt, beide aber können von eben so viel Forts und andern aufgeworfnen Werken bestrichen werden. Die Stadt selbst umgibt eine starke Mauer, und überdies ist sie durch eine Citadelle gedeckt. So ist Mantua durch Natur und Kunst eine Festung vom ersten Rang.

Die Gassen sind meistens breit und gerade, und zum Theil mit schöngebauten Häusern besetzt.

Der Bischof stand ehemals unmittelbar unter dem Papst und wurde 1770 für sich und seine Nachfolger in den Reichsfürstenstand erhoben; nachher stand er unter dem Erzbischof von Ferrara.

Die ehemalige Kirche und Bibliothek der Franciscaner, die Kirche der vormaligen Jesuiten mit ihrem zum astronomischen Observatorio eingerichteten Thurme, der ehemalige herzogliche Palast und Palazzo della Giustizia, die Gebäude der 1625 gestifteten Universität, das Zeughaus, die Judensynagoge, die Mühle der zwölf Apostel, der in Gestalt eines T erbaute Palast Pitti mit seiner Gemähldegallerie, die Akademie der Wissenschaften und Künste, und die damit vereinigte Mahler- und Bauakademie gehörten und gehören zum Theil noch zu den Merkwürdigkeiten der Stadt.

Die blühende Stadt wurde äußerst verwüstet, als durch Verschulden Balduins del Monte die Kaiserlichen im J. 1630 in dem damaligen Erbfolgestreit sich mit stürmender Hand ihrer bemeisterten.

Nachher erholte sich Mantua wieder, seitdem aber kein Hof mehr daselbst war, hat es an Einwohnern und Fabriken sehr abgenommen.

Die Zahl der Einwohner, welche sich 1780 auf 30,000 belief, verminderte sich in dem letzten Jahrzehend des vorigen Jahrhunderts um ein ganzes Drittel, weil die wichtige Festung Mantua damals eine große Rolle in den Kriegen zwischen Frankreich und Oesterreich spielte. Im J. 1796 eroberten sie die Franzosen durch eine enge Blokade, indem sie Wurmser zwangen, sich wegen Mangels an Lebensmitteln zu ergeben. Im J. 1799 wurde sie den Franzosen von den Oesterreichern unter Kray durch eine förmliche Belagerung wieder entrissen, aber im Anfang des J. 1801 in Folge des nach der Schlacht von Marengo geschloßnen Waffenstillstandes wieder übergeben. Nach dem pariser Frieden räumten sie die Franzosen ohne Belagerung.


Quellen und Literatur.[]

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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