Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Das Herzogthum Sachsen-Weimar.[]


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I. Land.[]


1. Bestandtheile desselben sind die Fürstenthümer Weimar und Eisenach, und 3 Aemter von der Grafschaft Henneberg. Dazu kömmt noch die Landeshoheit über Untergleichen, Unterkranichfeld und Blankenhayn.
2. Größe und Gränzen. Nach der neuesten Ausmessung beträgt der Flächenraum aller zu diesem Herzogthume gehörigen, unmittelbaren Besitzungen 36 Quadratmeilen. Das Land gränzt gegen Osten an das Fürstenthum Altenburg, gegen Süden und Westen an Altenburg und Erfurt, gegen Norden an die königlich sächsischen Lande.
3. Boden, Gewässer, Klima, Producte. Das Land ist ziemlich bergig. Zwei mit dem Thüringer Walde zusammenhängende Bergrücken durchschneiden es: der eine zwischen der Ilm und Saale, der andere zwischen der Ilm und Gera. Von beiden laufen einige Aeste seitwärts aus. Durch den größten Theil von Eisenach zieht sich der eigentliche Thüringer Wald. Viel dieser Bergrücken sind in ihren Kuppen felsig, im mittlern Theile mit Wäldern, in ihrem untern Theile aber, wie die zwischen ihnen fortlaufenden Thäler, mit fruchtbarer Erde bedeckt. Bei Allstädt findet man auch sumpfige Boden. Der Hauptfluß ist die schiffbare Saale. Kleinere Flüsse sind die flößbare Ilm, die Unstrut, Helme, Nesse, Hörschel und Gera. Das Klima ist im Ganzen etwas rauh; aber doch im Sommer in den Thälern, und in den untern und mittlern Theilen der Berge sehr warm. Daher ist das Land an Producten verschiedener Art sehr gesegnet. Es liefert viel Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Gartengewächse, besonders Meerrettig in Menge, Rübesaat, Mohn, Flachs, Hanf, etwas Hopfen, viel Obst, etwas Wein, woraus meist Essig bereitet wird, und Holz in Menge. Aus dem Thierreiche hat man viel Hornvieh und Pferde, eine besonders große und starke Gattung in Eisenach, Schweine und Schaafe in großer Zahl, letztere zum Theile veredelt, Seidenhasen, Wildprät und wildes Geflügel, viel und gute Fische, besonders Lachs und andere, Forellen, zuweilen zu 6 - 8 Pfund, in der Nesse, aber nicht viele Bienen. Die Landesproducte aus dem Mineralreiche sind Töpfer- und Porzellanthon, Sandsteine, Kalk- und Gipsstein, Fraueneis, Alabaster, Kobalt, Braunkohlen und Kochsalz.


II. Bewohner.[]


1. Nach ihrer Anzahl, Bildung, Religion xc. Die Volkszahl in allen unmittelbaren Besitzungen beläuft sich auf ungefähr 110,000 Seelen, welche in 22 Städten, 6½ Flecken, und 318 Dörfern leben. Die Einwohner sind biedere, arbeitsame, und verständige Teutsche, wie sie in allen sächsischen Ländern sind, theils aus eigener Anlage, theils durch gute häusliche und öffentliche Bildung in den Volksschulen. Für den gelehrten Unterricht sorgen eine lateinische Schule zu Jena, Gymnasien zu Weimar und Eisenach, und die herzoglich-sächsische Gesammtuniversität zu Jena, wo sich auch eine lateinische Gesellschaft befindet. Die Hofbibliothek in Weimar, und die Bibliothek in Jena sind ansehnlich. Noch immer kann sich dieses Fürstenthum des Besitzes großer Schriftsteller und Gelehrten rühmen, eines Wieland, Göthe, Bertuch xc. Zum Besten der Künste besteht in Weimar eine öffentliche Zeichnungs- und Malerschule. Der größte heil der Einwohner bekennt sich zur evangelische lutherischen Religion; doch leben in diesem Fürstenthume auch Reformirte, Katholiken, und 4 jüdische Familien.
2. Nach ihrer Industrie xc. Garten-Flachs- Hanfbau und Obstbaumzucht überwiegen hier, der natürlichen Lage des Landes gemäß, beinahe den Getreidebau. Die Viehzucht macht gleichfalls einen sehr starken Artikel der ländlichen Industrie aus. Man hat beträchtliche Leinewebereien, Wollenmanufacturen, besonders wichtige Strumpfmanufacturen zu Apolda, Baumwollenspinnereien zu Jena, Bleiweißfabriken zu Jena und Eisenach. Zu Kreuzburg ist ein Salzwerk. Ein starker Handel wird mit Obst, Meerrettig, Holz, Wachholderbeeren, welche einst bis nach Batavia in Ostindien versandt wurden, ferner mit Essig, Branntwein und Töpferwaaren getrieben. Die Staatseinkünfte sind auf 1 Million Gulden rheinisch geschätzt.


III. Staatsverfassung.[]


Der Herzog ist zwar souverain; doch müssen alle Abgaben erst von den Landständen bewilligt, und alle wichtigern Landesgesetze ihnen zum unvorgreiflichen Gutachten vorgelegt werden. Die Stände sind: die Universität zu Jena, als Prälatenstand, die Grafen, die Ritterschaft, und die Städte. -- Als Mitglied der rheinischen Conföderation hat der Herzog seinen Sitz im fürstlichen Collegium, und als Bundescontingent stellt er 800 Mann Infanterie.


IV. Staatsverwaltung.[]


Der Mittelpunkt, wovon alle Staatsverwaltung ausgeht, ist das geheime Consilium zu Weimar unter der Direction des Herzoges, wozu die geheime Kanzlei, und das geheime Archiv gehören. Die übrigen Centralstellen sind die Landesregierung, das Kammercollegium mit den Bau- Berg- und Salinendepartements, die General-Polizeidirectorium, und das Oberconsistorium. Der Provinzialverwaltung wegen ist das Fürstenthum Weimar in 14, und das Fürstenthum Eisenach in 7 Aemter getheilt.


Quellen.[]

  1. Handbuch der Statistik der europäischen Staaten, zum Gebrauche bei Vorlesungen und zur Selbstbelehrung von D. Joseph Milbiller. Landshut, 1811. Bei Philipp Krüll, Universitäts-Buchhändler.
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