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Hof.Bearbeiten


Hof,[1] Bayreuthisches Schloß, und Kreisstadt im Vogtlande, an der Saale. Die Stadt hat 4 Kirchen, eine Superintendentur, ein Gymnasium, 3 Vorstädte, eine ansehnliche Baumwollenspinnerey, Leinenweberey, Gerbereyen, Wollenzeug- und Zitzmanufakturen. Auch wird daselbst feines Papier verfertigt. Man zählte im Jahr 1792 in dieser Stadt 620 Häuser und 4,809 Einwohner. Bey Nacht wird sie durch 102 Laternen erleuchtet. In der Gegend wird schöner Marmor gebrochen.

Der Kreis enthält 17 Quadratmeilen, hat viel Gebirg und Waldung und ist nicht sehr fruchtbar, aber doch gut bewohnt. Man zählte im Jahr 1789. 41,213 Menschen; man hat aber bey der Preussischen Anordnung mehrere Bezirke zu demselben gezogen. Die Vorrechte der sehr zahlreichen unmittelbaren Ritterschaft in diesem Kreise sind großentheils von der Preussischen Regierung nicht anerkannt worden.


Hof..Bearbeiten


Hof,[2] eine Stadt im Mainkreise des Königreichs Baiern, im ehemaligen Fürstenthum Baireuth, an der Saale gelegen. Sie hat gegen 5000 Einwohner und ansehnliche Baumwollenspinnereien, Leinwandwebereien, Gerbereien, Wollenzeug- und Zitzmanufakturen. In der Nähe der Stadt wird schöner Marmor gebrochen.


Von Reisende.Bearbeiten

Johann Christian Fick. [3]

[1806]

Den 28. September Nacht acht Uhr erreichten wir die Hauptstadt des Bayreuthischen Voigtlandes. Wir wollten im brandenburgischen Hause absteigen; als aber Monsieur Kellner mit einem Licht in den Wagen leuchtete und kleine Kinder erblickte, so kündigte er in einem selbst gefälligen Tone uns an, daß blos im dritten Stocke noch Zimmer unbesetzt wären. Weil wir nun nicht Willens waren, in Hof selbst den Hals zu brechen, oder ihn wenigstens von einem Kinde brechen zu lassen, so fuhren wir nach dem grünen Baum, wo wir in dessen Hintergebäude unterkamen, das aus einem großen Tanzsaale mit einem daran stoßenden Zimmer und über dem letztern aus einem Musikantenstübchen besteht. Das erste erhielt Freund Körner mit Familie, das zweite ich zur Wohnung angewiesen. Hof bot damals ein interessantes Schauspiel dar. Es befand sich nemlich das Hauptquartier des Generallieutenants Grafen von Tauenzien daselbst, wodurch der Ort wegen des vielen einquartirten und auf den Hin- und Herzügen durchmarschirenden Militärs äusserst lebhaft war, so daß der in Hof Geborne und Erzogene sich kaum überzeugen konnte, er befinde sich in seiner Vaterstadt. Doch ist selbst in ruhigen Zeiten diese Stadt, bei einer Bevölkerung von 5000 Einwohnern, nicht ganz todt, sondern hat ausser ihrem ziemlich beträchtlichen Handel einige ansehnliche Manufakturen in Wollenzeug und Zitz, wozu in der Stadt selbst, besonders aber in der so äusserst sterilen Gegend und Lande herum das Garn gesponnen und den armen Einwohnern bei ihrer Kartoffel- und Haferbrod-Kost einiger, freilich aber sehr zugeschnittener Verdienst gegeben wird. Durch diese genaue Verbindung mit der Stadt, und durch den Kreutzererwerb in derselben, hat sich in den neuesten Zeiten der Gebrauch des Kaffees in den Dörfern und Weilern ausserordentlich verbreitet, und man kann wohl ohne Uebertreibung annehmen, daß die Hälfte des Spinnverdienstes in die Hände des Specereihändlers für Kaffee und Zucker wandert. Der Gebrauch dieser besonders für den Landbewohner äusserst schädlichen Waare, würde in unsern Tagen noch mehr zugenommen haben, wenn nicht durch den Seekrieg der Preiß so hoch gestiegen wäre. . . . .

Die Honoratioren von Hof bestehen größtentheils aus dem Kaufmanns- und Fabrikanten-Stande, und aus dem in der Nachbarschaft begüterten zahlreichen Landadel, wozu man die Offiziere des vor dem Ausbruche des Krieges daselbst befindlichen dritten Bataillons vom Infanterieregiment von Zweifel rechnen kann. Unter diese verliehren sich die wenigen Civilbeamten und Herren von der Feder. Es befinden sich hier zwei geschlossene Gesellschaften, die beide vor den Thoren zusammen kommen. Die eine hat ein neu erbautes, eigenes, schön gelegenes Haus, und besteht meistens aus der reichern Bürgerklasse. Ich bedaure, daß ich durch das Verschieben von einem Tag auf den andern um die Ehre gekommen bin, ihre Bekanntschaft zu machen und ihr gesellschaftliches Leben zu beobachten; ich kann daher nichts für noch gegen sie sprechen. Die andre sich vornehmer dünkende Gesellschaft versammelt sich in einem Hause, das im Stadtgraben steht, und die Löwengrube heißt. Zu dieser sonderbaren Benennung ist es auf folgende Weise gekommen: Es bewohnte dieses Gebäude ein Mann, Namens Löw, der eine kleine Wirthschaft trieb; ihn besuchte öfters ein Bürger mit Namen Daniel, der sonst der tägliche Gast einer andern Gesellschaft war; fehlte er nun in dieser, so hieß es: Daniel ist gewiß wieder in der Löwengrube. Unter den Mitgliedern dieser Gesellschaft befinden sich mehrere Männer, die durch wissenschaftliche Bildung und durch Reisen den kleinstädtischen Rost angefeilt haben, den Fremden mit freien Zuvorkommen aufnehmen, und ihn so unterhalten, wie man es von Menschen von gutem Tone nur immer erwarten kann. Ich fand unter ihnen mehrere meiner ehemaligen Universitätsfreunde und Bekannte, die sich noch mit Vergnügen ihrer frohen akademischen Jahre erinnerten. Nur eines muß ich von dieser sonst so achtenswerten Gesellschaft tadeln, das sie, wenigstens damals, das Pharaospielen gestattete. Schon Abends zwischen 7 und 8 Uhr arrangirten einige Herren die Tische, und brachten ein Kästchen, das circa 400 Gulden und die Karten enthielt, herbei. Das Geld wurde als Lockspeise für die herumflatternden Vögel aufgelegt, und nach und nach fingen sich allezeit eine beträchtliche Zahl derselben. Damals, es war eben im Herbste zur Strichzeit der Vögel, schien der Fang besonders günstig zu seyn, indem jeden Abend eine Menge von Kriegern sich einstellten, um ihre Taschen für den bevorstehenden Feldzug zu erleichtern. Vielleicht wurde hier der so edle Grundsatz befolgt: Inter arma silent leges. (Wenn die Waffen klirren, schweigen die Gesetze!)


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  3. Meine neueste Reise zu Wasser und Land oder ein Bruchstück aus der Geschichte meines Lebens. Von D. Johann Christian Fick. Erlangen auf Kosten des Verfassers und in Kommission in der Gredy und Breuningschen Buchhandlung. 1807.
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