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Die kaiserliche Burg zu Wien in Oesterreich unter der Ens.Bearbeiten

Der von der k. k. Familie bewohnte Pallast oder die sogenannte Burg, liegt an dem südwestlichen Ende der Stadt, dicht an den Bastionen, und besteht jetzt aus mehreren Gebäuden, die in verschiedenen Zeiten erbaut worden sind, und folglich kein zusammenstimmendes Ganzes ausmachen.

Wenn man sich auf den Burgplatz stellt, so hat man vor sich ein einfaches, langes Gebäude, und links und rechts neben demselben, gegen Ost und West, liegen zwey vorstehende Seitengebäude; diese sind viereckig, haben jedes einen viereckigen Hof, schließen von einer Seite an das lange Burggebäude; von der andern an die der Burg gerade gegen über liegende Reichskanzelley an, und bilden auf diese Art den ganz umschlossenen Burgplatz, welcher 64 Klafter in der Länge, und 35 in der Breite hat.

Das Seitengebäude gegen Osten ist der älteste Theil der Burg, und wurde zu Anfang des dreyzehnten Jahrhunderts von Leopold III. Herzog von Oesterreich erbaut. Im Jahre 1275 wurde es durch eine große Feuersbrunst zerstört. Ottokar II., damahliger König von Böhmen und Herzog von Oesterreich, fing zugleich an, sie wieder aufzubauen; er kam aber schon im Jahre 1277 um, und das von ihm angefangene Gebäude wurde wahrscheinlich erst zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts von Kaiser Rudolphs Sohne, Albrecht I., vollendet. Kaiser Ferdinand I. hat von den Jahren 1536 bis 1552 diese Residenz hier und da vergrößert und verschönert. Selbst die Kaiserinn Königinn Maria Theresia hat, so viel als nach dem Lokale möglich war, noch hier und da Verschönerungen und Bequemlichkeiten durch Gänge, Treppen xc. daran vornehmen lassen, unter denen die sogenannte Bothschafterstiege und die fliegende Stiege wirklich von schöner und kühner Bauart sind. Der in Mitte dieses Gebäude liegende Hof heißt der Schweizerhof, weil ehedem die Schweizerwache hier ihren Posten hatte. Nach dem gemeinen Sprachgebrauch nennt man manchmahl dieses ganze Gebäude den Schweizerhof oder auch die alte Burg. In diesem Gebäude, im dritten Stockwerke, wohnt der jetzt regierende Kaiser Franz II.

Das gegen Süden liegende lange Mittelgebäude hat Kaiser Leopold I. im Jahre 1660 zu bauen angefangen. In diesem Theile sind die großen Sääle, als: der Rittersaal, Spiegelsaal xc. welche in den neueren Zeiten zu allen öffentlichen Hoffeyerlichkeiten, als da sind: Belehnungen, Ordensfeste, offene Tafel, großer Cercle, Hofgala xc. gebraucht werden. In dieser Abtheilung wohnten Maria Theresia und Kaiser Joseph II.

An diesem Flügel ist die Burgwache, welche aus einer Compagnie Grenadiers besteht, die täglich im eilf Uhr Morgens mit fliegendem Fahne, mit klingendem Spiele und Musik, von zwey Officiers geführt, hier aufzieht, und vor deren Wachstube zwey Kanonen stehen.

Auch geht durch dieses Gebäude ein Thor der Stadt, das Burgthor. Dieser Umstand macht zwar wegen der stets herein und hinausströmenden Volksmenge den Burgplatz sehr lebhaft, verursacht aber auch sehr viele Unbequemlichkeit, weil das Thor so schmal ist, daß nur Ein Wagen durchfahren kann, und also die Passage der Fuhrwerke und Fußgänger oft gehindert wird.

Das Seitengebäude gegen Westen ist gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts angelegt worden. Es führt den Nahmen Amalienhof, weil die Kaiserinn Amalia, Wittwe Kaiser Josephs I. vermuthlich zuerst darin gewohnt hat. Kaiser Leopold II. bewohnte während seiner kurzen Regierung diesen Flügel; sonst steht er gewöhnlich ganz leer, und wird nur manchmahl hohen Gästen zur Wohnung angewiesen.

Kaiser Karl V. wollte einen ansehnlichen Pallast zur Wohnung für die österreichischen Monarchen herstellen, und die Burg ganz neu bauen. Fischer von Erlach machte den Riß dazu, und der Bau wurde wirklich angefangen, aber auch bald wieder aufgegeben; bloß die Reitschule wurde aufgeführt, und aus der Anlage derselben sieht man, daß dieses Gebäude prächtig würde geworden seyn, wenn man den Plan hätte ausführen können.

Die Burg ist von aussen allerdings nicht sehr ansehnlich, und in diesem Betracht sind die Palläste der meisten übrigen europäischen Fürsten sehenswürdiger. Die innere Einrichtung ist jedoch prächtig, und verdient gesehen zu werden; es sind kostbare Tische von lapis lazuli, schöne kristallene Leuchter, ungeheuer große Spiegel, und herrliche Tapeten xc. vorhanden.

Es befinden sich in der Burg zwey Kapellen. Die größere davon in der alten Burg oder dem Schweizerhof ist die Hofsparre, und wird zum gewöhnlichen öffentlichen Gottesdienst gebraucht. Sie wurde im Jahre 1448 von Kaiser Friedrich III. erbaut; am Hochaltar ist ein aus Metall gegossenes Kreuzbild von Donner, und die Blätter an den beyden Seitenaltären sind von Titian. Vom Allerheiligentage an bis zum Ostersonntag ist in dieser Kapelle alle Sonn- und Feyertage öffentlicher Hofkirchendienst; die kaiserliche Familie geht auf eine feyerliche Art, unter Begleitung der Leibwachen, um eilf Uhr Morgens dahin, und ein großer Theil des Adels, der inländischen und fremden Minister xc. findet sich dabey ein.

Die kleinere oder sogenannte Kammerkapelle wird nur bey besonderen Anläßen gebraucht. Das Hochaltarblatt, den sterbenden heiligen Joseph vorstellend, ist von Karl Marati, die Blätter der beyden Seitenaltäre sind von Strudl. und die übrige Verzierung ist von Fischer und Maulbertsch.

Die k. k. Schatzkammer ist in der Burg im Schweizerhof, im ersten Stockwerke. Unter Kaiser Joseph II. waren darinn die ungerische Krone, die böhmische Krone, und der österreichische Herzoghut; weil aber die Stände dieser Provinzen die Landesinsignien wieder an den gewöhnlichen Aufbewahrungsorten wünschten, so ist die ungerische Krone wieder nach Preßburg, die böhmische nach Prag, und der österreichische Herzoghut nach Klosterneuburg gebracht worden.

Gegenwärtig ist das kostbare Stück in dieser Schatzkammer der große Diamant, genannt der Florentinische; er war einst das Eigenthum Karl des Kühnen, Herzogs von Burgund, welcher ihn durch die Schlacht bey Granson verlor, nach welcher ihn ein schweizerischer Landsknecht im burgundischen Lager erbeutet, und an einen Bürger zu Bern um fünf Gulden verkauft; von dort kam er durch mehrere Hände, und stets im Preise steigend, in die herzoglich Schatzkammer zu Florenz, und von dort durch Kaiser Franz I., als Großherzog von Toskana, nach Wien.

Noch ist ein anderer Brillant von ungewöhnlicher Größe hier, welcher in Form eines Hutknopfes gearbeitet ist, und welchen Kaiser Franz I. 1764 zu Frankfurt gekauft hat. Von eben diesem Kaiser ist ein ganze Garnitur von Knöpfen auf eine Mannskleidung vorhanden, wobey jedes Knopf ein einziger großer Brillant ist.

Nebst diesen ist noch der sehr reine Familienschmuck des österreichischen Hauses hier, wie auch viele goldene Gefäße, theils der neueren Zeit, worunter besonders eine runde Schüssel aus einem einzigen Achat, von zwey Schuh und zwey Zoll im Durchmesser, wie auch ein anderes Gefäß aus weißem und braunen Achat, welches drey Wienermaß hält, merkwürdig sind; ferner eine sehr kostbare und künstliche Stockuhr, welche im Jahre 1750 der damahligen Landgraf von Hessen der Kaiserinn Maria Theresia zum Geschenk gemacht hat, auf welcher nach jeden Stundenschlag die wohl getroffenen Porträtsfiguren des Kaisers und der Kaiserinn, des erwähnten Landgrafens, nebst mehr anderen erscheinen. Sehr groß ist der Vorrath von anderen kostbaren Uhren, Basreliefs, kleinen Statuen, Büsten, Vasen, Kameen, Dosen, Tafelsevice, brillantnen Ordenskreuzen vom goldenen Vließ, vom St. Stephans- und Marien-Theresienorden xc. Die Krönungskleidung eines römischen Kaisers, sammt Krone, Zepter und Schwert, nach der in Nürnberg aufbewahrten Originalkleidung genau nachgearbeitet, sieht man auch hier.

Der ganze Schatz ist in einer Gallerie und vier Zimmern vertheilt, und über alle darinn vorfindlichen Stücke ist ein sehr genaues Verzeichniß vorhanden.

Den großen goldenen Tafelservice, ebenfalls vom Kaiser Franz I. angeschafft, hat Kaiser Franz II. vor wenigen Jahren den Bedürfnissen des Staats zum Opfer gebracht, und ihn während des schweren und langwierigen französischen Revolutionskrieges, zur Erleichterung der Unkosten, in der Münze einschmelzen lassen.

Wer die Schatzkammer besehen will, hat sich einige Tage vorher bey dem k. k. Rath und Schatzmeister Herrn von Wolfskron zu melden.

Die k. k. Reitschule.

Sie steht an der alten Burg angebaut, gegen die Stadt zu, und die Hauptseite davon ist gegen den Michaelsplatz. Sie wurde im Jahre 1729 von Kaiser Karl VI. nach dem Plan des berühmten Hofbaumeisters, Fischer von Erlach, hergestellt. Der Eingang ist auf dem Josephplatz. Man hält sie für die schönste Reitschule in ganz Europa; es ist ein großes, mit Säulen und Statuen verziertes Gebäude, welches ein länglichtes Viereck ausmacht, an dessen innerer Wandfläche eine große steinerne Gallerie mit einem steinernen Geländer ringsherum läuft, welches auf 46 steinernen Säulen ruht. An dem einen Ende ist ein für den kaiserlichen Hof bestimmte Loge, und daselbst ist auch Kaiser Karl VI., einen Schimmel reitend, abgebildet. Bey großen feyerlichen Vorfällen sind auch schon öffentliche Bälle darinn gehalten worden. Neben ihr ist die Sommerreitschule, ein offenes, geräumiges Viereck. An jedem Tage der Woche pflegen theils die kaiserlichen Prinzen, theils Kavaliers, Vormittags zwischen 10 und 1 Uhr, hier zu reiten, wobey es jedermann erlaubt ist, als Zuseher gegenwärtig zu seyn.

Von der Burg führt ein langer bedeckter Gang in die Hofkirche zu den Augustinern; auf diesem sogenannten Augustinergange ist das k. k. Cabinett der Antiken und Medaillen, wie auch das k. k. Naturaliencabinett.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Länder- und Völker-Merkwürdigkeiten des österreichischen Kaiserthumes. Von Dr. Franz Sartori. Wien, 1809. Im Verlage bey Anton Doll.
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