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Nelson.Bearbeiten


-- -- Quem totis ambit victoria palmis. [1]

Horatio Nelson ist gebohren den 29 Sept. 1758, zu Burnham-Thorpe, in der Grafschaft Norfolk, wo sein Vater, Edmund Nelson, Rector war. Durch seine Mutter steht er mit den berühmten Familien Walpole und Townsend in Verwandschaft.

Zur Zeit des Zwistes mit Spanien wegen der FalklandsInseln (1770) gieng er als Midschipman an Bord des Raisonable, den seiner Mutter Bruder, der tapfere Kapitain Suckling kommandirte, der 1778 als PalamentsGlied für die Stadt Portsmouth starb.

Nachdem die Irrungen mit Spanien beigelegt worden waren, schikte ihn sein Oheim, der einen eben so vorzüglichen Seemann als aus ihm bilden wollte wie er selbst war, und nicht glaubte, daß ein WachtSchiff, wie der Raisonable damals war, eine gute Schule dazu wäre, nach WestIndien. Nach seiner Zurükkunft von da, segelte er mit dem verstorbenen Lord Mulgrave auf die Entdekung der NordWest-Passage; er war Midschipman am Bord des Carcase, den der Kapitain (izt Admiral) Lutwidge kommandirte.

Als er vom NordPol zurükkam, schikte ihn sein Oheim nach OstIndien. Noch ehe er von da wieder in England anlangte, war der Amerikanische Krieg ausgebrochen, und er ward nun sofort in den Meeren von Amerika angestellt.

Obgleich noch in so sehr jungen Jahren, zeigte er so grosen Muth, und solchen Eifer sich alle einem SeeManne nöthigen Kenntnisse zu erwerben, daß sein Oheim keine Mühe hatte, sobald er die erforderliche Zeit als Midschipman gedient hatte, eine LieutenantsStelle für ihn zu erhalten. Im Jahr 1779 ward er zum PostKapitain ernannt, und führte bald darauf als Commodore eine Unternehmung an, wobei er sich durch seinen Muth und Benehmen in hohem Grade auszeichnete, und diejenigen vollkommen rechtfertigte, die einen so jungen Mann ein so wichtiges Kommando übertragen hatten.

Von seiner ersten Seefahrt, im Winter 1770 - 1771, bis zu Ende des Amerikanischen Krieges, sah er den Boden, wo er gebohren war, nie wieder; überhaupt war er nur sehr selten auf einige Zeit am Lande; seine Freunde bemerkten, daß er, als er nach dem Kriege sich zu Hause aufhielt, (wie sie sich ausdrükten,) Landkrank war.

Im Laufe des jezigen Krieges war das MittelMeer seine Station.

An dem Siege, welchen Admiral Jervis, (izt Lord St. Vincent) am 14 Februar 1797 über eine noch einmal so starken spanische Flotte erfocht, hatte er so wesentlichen Antheil, daß er zum GegenAdmiral der blauen Flagge ernannt ward; ihm übergab der tödlich verwundete spanische EscadreChef Winthuysen seinen Degen. Im nemlichen Feldzuge kommandirte er das Bombardement von Cadiz, und die kühne, aber unglükliche Unternehmung gegen die Stadt Santa Cruz auf Teneriffa, die ihm den rechten Arm kostete.

Er gieng von da nach England, heilte in Bath seine Wunde aus, erhielt von dem Könige den militairischen BathOrden, und übernahm hierauf wieder sein Commando in der Flotte des Lord St. Vincent.

Im jezigen Feldzuge führte er, wie alle Welt weiß, das Geschwader, welches die Touloner Flotte verfolgte, und am 1 August auf der Rhede von Abukir beinahe gänzlich zerstörte.

Kaum jemals hat ein Sieg zur See in England solches Frohloken erregt, wie dieser. Selbst der finstre Pitt zerbrach, bei der ersten Nachricht davon, im Taumel der Freude seine Flaschen. Von nun an war Nelson der brittische MeerGott, der beinahe alles vergessen machte, was die Howe's, St. Vincent's, Duncan's xc. im Laufe dieses Krieges Groses gethan hatten. Der König erhob ihn zum Baron vom Nil und von Burnham-Torpe; und um diese Würde mit Glanz führen zu können, verwilligte ihm das Parlament eine jährliche Rente von 2000 Pf. Sterl. Das neue Wappen, welches der König ihm ertheilte, ist: ein Schild von Silber, mit MeeresWellen, aus denen ein Palmbaum aufstrebt zwischen einem entmasteten Schiffe auf der rechten, und einer zertrümmerten Batterie auf der linken Seite; oben eine SchiffsKrone und das Chelengk, (die ihm von dem GrosSultan geschenkte TriumphFeder,) mit dem WahlSpruch: Palmam qui meruit ferat. Zu SchildHaltern, rechts ein Matrose mit einem PalmZweige in der Hand, links ein Löwe, gleichfalls einen PalmZweig in der erhobenen Klaue, und eine Stange mit einer dreifarbigen Flagge im Maul.


Nelson..Bearbeiten


Großbrittanien ist itzt der Fels im Meere, der den Stürmen der Zeit-Epoche trotzet, der die Rolle des Unüberwindlichen noch immer so glorreich behauptet. Ueberall beherrschen die brittischen Flotten den Ozean, in allen Meeren wehet die siegreiche, englische Flagge. Noch kann uns die Geschichte kein See-Manöuvre aufweisen, das demjenigen gliche, wodurch die Engländer in diesem beispiellosen Kriege die drei vorzüglichsten Seemächte Europens bekämpften, und die Reste ihrer Flotten in Unthätigkeit erhalten. Brittaniens Admirale blokiren zu gleicher Zeit die Haupt-Häfen von Frankreich, Holland und Spanien; und während die Kanalflotte des Lords Bridport beständig vor Brest kreuzet, hält St. Vincent den Hafen von Cadix, und Duncan den Texel blokirt. Wer kennt nicht die im Verlaufe dieses Krieges erfochtenen grossen See-Siege vom 1. Juni 1794, vom 14. Februar und vom 11. Oktober 1797, durch welche drei Tage die Lords Howe, St. Vincent und Duncan sich in der Geschichte verewigt haben! England konnte beinahe nicht erwarten, daß ein noch glorreicherer erster August 1798 folgen werde. Admiral Nelson ist der Held unserer Tage -- wer sollte ihn nicht näher kennen wollen?


PortretNelsonsLeben240

Lord Viscount Nelson.

Horazio Nelson,[2] welcher den 29. September 1758 gebohren wurde, ist der jüngerer Sohn eines noch lebenden Predigers und Rektors zu Burnham Thorpe, in der Grafschaft Norfolk, und mit der Familie Walpole verwandt. Seine Mutter, Ladi Nelson war die Wittwe eines westindischen Plantagenbesitzers, und Niece des Herrn Herbert, ehemaligen Gouverneurs von Nevis, wo ihre Vermählung in Beiseyn des Herzogs von Clarence vollzogen wurde.

Zur Zeit des Zwistes mit Spanien wegen den Falklandsinseln -- im Jahre 1770 -- ging er als Midschipmann an Bord des Raisonable, den seiner Mutter Bruder, der tapfere Kapitain Suckling kommandirte, und welcher hernach im Jahre 1778 als Parlamentsglied für die Stadt Portsmouth starb.

Nachdem die Irrungen mit Spanien beigelegt worden waren, schickte ihn sein Oheim, -- der einen eben so vorzüglichen Seemann aus ihm bilden wollte, wie er selbst war, und nicht glaubte, daß ein Wachtschiff, wie der Raisonable damals war, eine gute Schule dazu wäre -- nach Westindien. Nach seiner Zurückkunft von da, segelte er mit dem verstorbenen Lord Mulgrave auf die Entdeckung der Nordwest-Passage; und ward Midschipmann am Bord des Carcase, den der Kapitain -- itzt Admiral -- Lutwidge kommandirte.

Als er vom Nordpol zurückkam, schickte ihn sein Oheim nach Ostindien. Noch ehe er von da wieder in England anlangte, war der Amerikanische Krieg ausgebrochen, und er ward nun sofort in den Meeren von Amerika angestellt.

Obgleich noch sehr jung an Jahren, zeigte er so grossen Muth, und solchen Eifer, sich alle einem Seemanne nöthige Kenntnisse zu erwerben, daß sein Oheim keine Mühe hatte, sobald er die erforderliche Zeit als Midschipmann gedient hatte, eine Lieutenantsstelle für ihn zu erhalten. Im Jahre 1779 ward er zum Postkapitain ernannt, und führte bald darauf als Kommodore eine Unternehmung an, wobei er sich durch seinen Muth und sein Benehmen im hohen Grade auszeichnete, und diejenigen vollkommen rechtfertigte, die einem so jungen Manne ein so wichtiges Kommando übertragen hatte.

Von seiner ersten Seefahrt, im Winter 1771 bis zu Ende des amerikanischen Kriegs, sah er den Boden, wo er gebohren ward, nie wieder, überhaupt war er nur selten auf einige Zeit am Lande; seine Freunde bemerkten, daß er, als er nach dem Kriege sich zu Hause aufhielt -- wie sie sich ausdrückten -- Landkrank war.

SectieSchlachtStVincent

Plan der Schlacht auf der Höhe von St. Vincent am 14. Febr. 1797.

Im Laufe des itzigen Krieges war immer das Mittelmeer seine Stazion; er hatte an dem Siege, welchen Admiral St. Vincent am 14. Februar 1797 über eine nochmals so starke spanische Flotte erfocht, einen so wesentlichen Antheil, daß er zum Kontreadmiral der blauen Flagge ernannt ward. Auch kommandirte er im nämlichen Feldzuge das Bombardement von Cadix und die kühne Unternehmung auf Teneriffa, welche am 24. Juli 1797 unternommen wurde, und von welcher ich etwas ausführlicher sprechen will.

Während nemlich Lord St. Vincent den Hafen von Cadix blokirt hielt, detaschirte er am 15. July 1797, 3 Linienschiffe und 8 Fregatten unter den Befehlen des Admirals Nelson, um die spanische Insel Teneriffa, als der wichtigsten der zwölf Canarischen Inseln, zu erobern. Diese Schiffe hatten, ausser ihrer gehörigen Matrosenbesatzung, ungefähr 1000 Mann Landtruppen an Bord, welche sie zu Gibraltar einnahmen. Nelson setzte zwar in der Nacht zum 24. Juli auf Böten bei Santa Crux, 800 Mann ans Land, welche sich auch durch die heldenmüthigste Tapferkeit eines Forts bemächtigten, und, des fürchterlichsten Feuers von den spanischen Batterien ungeachtet, bis in die Stadt Santa Crux vordrangen. Aber die grosse Ueberlegenheit der Spanier, und die Unmöglichkeit die mit 8000 Spaniern besetzte Citadelle anzugreifen, hemmten alle weitern Fortschritte der Engländer, und nöthigten sie ihr Vorhaben aufzugeben. Es blieb ihnen nichts übrig, als dem spanischen Gouverneur, Don Juan Antonio Gutierrez, eine Kapitulazion anzubieten, nach welcher der Angriff aufgegeben werden, den gelandeten Engländern aber freyer Abzug und Einschiffung in ihre Böte, auch spanische Fahrzeuge statt der, durch Sturm an der Küste zertrümmerten Englischen Böte bewilliget werden sollten. Der spanische Gouverneur weigerte sich anfangs, diese Bedingnisse einzugehen, und forderte die Engländer auf, sich zu Kriegsgefangenen zu ergeben. Als aber der englische Anführer die Stadt Santa Crux in Brand zu schiessen drohte, so bewilligte ihnen der spanische Gouverneur den freyen Abzug, und ließ noch überdieß jedem englischen Soldaten einen Schoppen Wein und Zwieback reichen.

Diese Expedition hatte den Engländern 44 Getödtete, 105 Verwundete und 97 Ertrunkene gekostet. Fünf Offiziere wurden getödtet, worunter ein verdienstvoller Kapitain Bowen, und dem braven Contreadmiral Nelson wurde der Arm weggeschossen. Und so scheiterte dieses Unternehmen, das zwar mit kühner Entschlossenheit unternommen wurde, aber ohne gehörige Kenntniß der spanischen Vertheidigungs-Anstalten auf dieser Insel entworfen war. Die Engländer hatten nicht die Uebermacht und die Stärke der Spanier in Anschlag gebracht, sie hatten nicht gedacht, daß Spanien schon während seines Kriegs gegen Frankreich die Canarischen Inseln und seine andere Besitzungen in guten Vertheidigungsstand gesetzt hatte, um allen feindlichen Angriffen zu widerstehen.

Diesem erkannten Diensteifer und Heldenmuthe hatte Nelson auch sein letztes wichtiges, mit so vielem Ruhme gekröntes Kommando zu danken, wozu er sonst als Invalide, der 12 Monathe vorher seinen rechten Arm verloren hatte, nicht berufen worden seyn würde. Als er daher vor seinem Abgange zu dem Kommando seines Geschwaders bey Hofe Abschied nahm, sagte ihm seiner Freunde: Ich fürchte, Sie werden zu spät kommen, um die Flotte von Toulon einzuholen. Sorgen Sie nichts, -- war seine Antwort -- ich bin entschlossen mich für den Verlust meines Arms zu rächen! -- Und Nelson hat Wort gehalten!

Der erste und zweyte August im Jahre 1798, sind die entscheidenden Tage des ganzen französischen Kriegs geworden. Sie veränderten alles. Sie zerstörten die französische Seemacht auf dem Mittelländischen Meere, gaben die Herrschaft desselben den Engländern in die Hände, hatten die Ottomannische Kriegserklärung, die Vereitlung des französischen Zugs nach Indien, die Umänderung des ganzen Kriegssystems, und viele Plane und Erscheinungen, die noch die Künftige Zeit sehen wird, zu Folgen.

SectieAboukir

Plan der Schlacht bey Aboukir, d. 1. Aug. 1798.

Meinen Lesern wird es daher unstreitig willkommen seyn, wenn ich ihnen hier eine genaue, und etwas umständliche Beschreibung dieser denkwürdigen Seeschlacht gebe. Nie sah man mit solcher Wuth zwey Tage lang, die zwey Flotten mit einander kämpfen, und die schwächere die stärkere endlich ganz zerstören.

An der Küste Aegyptens, an der Mündung des Nils und dessen Ausfluß ins Meer, an einer Bucht, 4 Stunden von Alexandrien, welche die Einwohner Abukir, die Franzosen Bequieres nennen; -- dort hatte sich die französische Kriegsflotte, welche den General Bonaparte mit seinen Trupren nach Aegypten begleitet hatte, auf der Rhede vor Anker gelegt. Der Hafen von Alexandrien hatte nicht Tiefe genug, um grosse Linienschiffe aufnehmen zu können.

Die Position der französischen Flotte war furchtbar für jeden Feind. Der Admiral Brueys erwartete einen Angriff der Engländer, und hatte sich darauf vorbereitet. Schon waren einige Englische Rekognoscier-Schiffe in den letzten Tagen des Julius, in der Nähe der Bay erschienen. Er befestigte eine kleine Insel, die den Eingang in die Bucht deckte, und besetzte sie mit vielen Kanonen und drey grosse Mörser-Batterien; warf Batterien auf der Landseite auf, und vor der Fronte stellte er eine Menge von Kanonenböten; der Sieg schien ihm gewiß.

Jetzt kamen die Engländer angesegelt. Nelson -- dieser kühne See-Held, der voll ächten Genies ist -- erschien am 31. Julius mit seiner Flotte vor der oben beschriebenen Rhede, und sah den Feind. -- Morgen, sagte er, bin ich Lord oder Engel! *)

*) Es ist in England gewöhnlich, daß die Admirale, welche grosse Schlachten gewinnen, zu Lords oder Pairs von Großbrittannien erhoben werden, wodurch sie zugleich Sitz und Stimme im Ober-Parlament erhalten. Also entweder als Sieger -- Lord, oder todt -- ein Geist höherer Sphären! -- war Nelsons grosses Loosungswort. --

Er sah die Posizion der französischen Flotte; sah, daß blosse stürmische Tapferkeit hier nicht hinreichend war. Er entwarf also, durch sein taktisches Genie, eine der kühnsten Plane, dessen Gelingung die Vernichtung der französischen Flotte seyn mußte.

Vor der Fronte, die, wie ich vorher sagte, mit Kanonenböten bedeckt, und durch eine verschanzte Insel geschützt war, konnte nur eine unbesonnene Tollkühnheit angreifen; aber auf der Seite östlich gegen Rosette zu, bemerkte er, daß zwischen den Landbatterien, und der französischen Flotte, noch Raum und vielleicht Tiefe des Wassers genug seyn würde, um einzudringen, indem auf der andern Seite der französischen Flotte ein Theil der englischen Schiffe andränge, und so der Feind zwischen zwei Feuer käme, er sich nicht zum Manövriren bewegen, und die voran postirten Kanonenböte nicht brauchen könnte.

Den ersten Augusts Abends um 6 Uhr begann der Angriff. Mir derjenigen kaltblütigen Energie, die den Engländern eigen ist, segelten ihre Schiffe heran. Ein Theil griff von der rechten, der andere stärkere vor der linken Seite die Franzosen an. Voran war das Linienschiff Culloden von 74 Kanonen. Dieses Schiff kam auf eine Sandbank und blieb da sitzen. Es blieb da, ohne wegkommen zu können, die ganze Schlacht durch, und konnte keinen Antheil daran nehmen. Aber die Signale, die es gab, waren den andern Schiffen zum Vortheile. Sie hielten sich mehr gegen die Landbatterien, fanden da Wasser genug, und segelten nun zwischen den Landbatterien, und der französischen Flotte, bis in die Mitte, an das Hauptschiff l'Orient hin.

Die Franzosen, welche nicht geglaubt hatten, daß die Kühnheit möglich wäre, zwischen ihrer Flotte und den Landbatterien sich stellen zu wollen, wurden durch dieß Manövre bestürzt; und dieß um so mehr, da sie die Kanonen ihrer Schiffe auf dieser Seite nicht einmal geladen hatten. Die Engländer feuerten nun mit der einen Seite ihrer Schiffe auf die französischen Schiffe, und mit der andern auf die Landbatterien, welche letztere sie bald zum Schweigen brachten.

Nun begann der schreckliche Kampf. Die englischen Schiffe kamen, unter dem heftigsten Feuer, immer näher an die französischen heran. Das Hauptaugenmerk war das Admiralschiff l'Orient. Von beiden Seiten wetteiferte die Wuth der Tapferkeit. Der französische Admiral Brueys ermunterte auf dem Verdecke sein Volk, und war mitten unter ihnen. Er wurde am Schenkel verwundet, blieb aber auf dem Verdecke, und kommandirte: eine zweite Kugel verwundete ihn nochmals, und eine dritte strecke ihn todt zu Boden. Bald darauf fiel auch der Kapitain des Admiralschiffs l'Orient. Die Wuth verbitterte sich noch mehr. Die Schiffe kamen so nahe an einander -- da sie in der Enge nicht manövriren konnten, -- daß sich die Kanoniere einander mit den Ladstöcken und Setzkolben schlugen. Gegen 9 Uhr Abends gerieth das französische Admiralschiff l'Orient in Brand, und um 10 Uhr flog es in die Luft. Der Schlag des Auffliegens und der Zertrümmerung war so entsetzlich, daß ein Stillstand der beiden Kämpfenden, und eine grausende Pause von 10 Minuten eintrat.

Voll Verzweiflung und Wuth begann der Kampf von neuem auf der französischen Flotte, aber voller Verwirrung. Doch wollte noch kein Schiff die Segel streichen. Die Engländer hatten sich nur bis in die Mitte der französischen Schlachtlinie angelegt; aber die hintersten französischen Schiffe konnten sich nicht regen und rühren, ohne den vorliegenden Schiffen Schaden zu thun.

Endlich machte die finstere Nacht für heute dem entsetzlichen Kampfe ein Ende, und alles lag itzt in der gräßlichsten Dunkelheit. Während dieser Schlacht wurde Nelson von einem durch einen Kanonenschuß abgesprungenen Stück Holze an der Stirne stark verwundet, daß er von dem Verdecke hatte weggebracht werden müssen. Allein der Kapitain des englischen Admiralschiffes, Berri, übernahm die Anführung und Leitung der Schlacht, und führte Nelsons Plane mit einer solchen Fähigkeit, solchem Muthe, und solcher Beharrlichkeit aus, daß ihm ein grosser Antheil an dem Ruhme dieses beispiellosen Sieges gebührt.

Gegen 5 Uhr Morgens, am 2. August, begann der schreckliche Kampf von neuem. Das Feuern der Kanonen wurde mit der größten Lebhaftigkeit fortgesetzt. Um 9 Uhr des Morgens sank das französische Linienschiff Timoleon von 74 Kanonen. Demungeachtet dauerte die Schlacht immer fort; die Franzosen wehrten sich wie Verzweifelte, und wollten ihr Leben theuer verkaufen. Schon hatten die meisten Schiffe weder Segel noch Tauwerk mehr, und waren jämmerlich zerschossen. Aber die wüthende Schlacht hörte nicht auf.

Um zwei Uhr nachmittags entflohen 2 zuförderst gestellte, französische Linienschiffe, und 2 Fregatten. Es war den im Kampfe begriffenen englischen Schiffen nicht möglich, ihnen so schnell nachzusegeln, um sie einzuholen. Sie hatten noch 9 Linienschiffen vor sich; und hatten selbst an Tau und Masten, und an verschiedenen Schiffen im Körper gelitten. Sie setzten den zurückgebliebenen französischen Schiffen mit doppelter Heftigkeit zu. Endlich nach 3 Uhr Nachmittags strichen die französischen Kriegsschiffe die Flaggen, und ergaben sich den unüberwindlichen Siegern.

An Getödteten, Ertrunkenen und Verbrannten verlor die französische Flotte, nach dem Verzeichnisse des französischen Kommissärs, 5226 Mann. Und der Menschenverlust auf englischer Seite war, nach dem offiziellen Verzeichnisse, an Todten 218 Mann, worunter 16 Offiziere; an Verwundeten 677, worunter 37 Offiziere. --

Und so endigte sich die ewig denkwürdige Schlacht Nelsons am Nile! Dieß war das endliche Schicksal der Touloner Flotte, welche schon so lange die allgemeine Aufmerksamkeit von Europa beschäftigte! Dadurch wurde Frankreichs Seemacht im mittelländischen Meere vernichtet, und der brittische Neptun hat nun auch auf diesem Meere seine Herrschaft gegründet. --

Von nun an war Nelson der brittische Meergott! Die englische Regierung eilte, demselben einen Beweis ihrer Dankbarkeit zu geben, da sie ihn, nebst einer jährlichen Pension von 2000 Pfund, unter dem Titel Baron Nelson vom Nil, in den Großbrittanischen Pairstand erhob, wodurch sein Sieg in seiner Familie eben so verewigt werden wird, wie es die Siege der beiden Admirale Jervis und Duncan durch die Titel: Vincent und Camperdovn geworden sind! --


PortretNelson580


Quellen.Bearbeiten

  1. Europäische Annalen Jahrgang 1798 von D Ernst Ludwig Posselt. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1798.
  2. Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Zweiter Band. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.
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