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H. Kolontay.Bearbeiten

Kolontay, (H.) pohlnischer Patriot, stammt aus einer adelichen, nicht sehr reichen, indeß vermögenden Familie ab, die ihm dem geistlichen Stande gewidmet hatte. Er studirte in Rom, verfolgte die gelehrte Karriere und wurde Rector der Universität zu Krakau. Nachdem er sich 12 Jahre mit dem öffentlichen Unterrichte beschäftigt hatte berief ihn 1788 der Reichstag in seine Mitte und eröffnete seinem Ehrgeitze und seinen Talenten eine weiteres Feld. Er fing damals an, in verschiedenen Schriften die Volksmeinung zu Gunsten der Gesetze, welche diese Versammlung aufstellen wollte, vorzubereiten, und wurde sodann einer von den Hauptverfassern der Konstitution vom 3. May 1791, welche Pohlen, hauptsächlich durch die Erblichmachung der Königswürde, eine festere Verfassung zusichern sollte.

Zu dieser Epoche stieg er zur Würde eines Kronvicekanzlers, sah sich aber bald darauf genöthigt, sich in das Ausland zu flüchten, als jene Konstitution 1792 von den russischen Truppen umgestürzt wurde. Da er mit Ignaz Potocki nach Dresden gegangen war, gab ihnen Kosciuszko zu Ende 1793 von dem Aufstande Nachricht, welchen man in Pohlen im Plane hatte. Kolontay, der sich an ihm angeschlossen, wurde alsbald zum Mitglied dieses Raths ernannt und übernahm das Finanzfach. Wegen seines von Natur unternehmenden Charakters und unbiegsamen, harten, überspannten Kopfs verabscheute ihn die Königsparthey, warf ihm vor, als Kronvicekanzler für die Leibeigenen gesprochen zu haben, und klagte ihn an, auf die Vernichtung des Adels umzugehen, die Rolle Robespierres im Schilde zu führen, und nebst seinem Kollegen Potocki die Veranlassung zum Tode einiger Gefangenen gewesen zu seyn. Nach dem Verluste der Schlacht von Maciejowice und der Gefangennehmung Kosciuszkos, behauptet man, daß er sich mit seinem Freunde Ignaz Potocki, der zu finden anfing, daß er zu weit ginge, entzweyt habe. Dieses Mißverständniß wurde übrigens mehr geargwohnt, als wahrgenommen, und sie fuhren bis zur Einnahme von Warschau fort, mit einander in Uebereinstimmung zu handeln; allein es geschah zu Ende seiner politischen Laufbahn, daß Kolontay von seinen Feinden am heftigsten angegriffen wurde. Einige Zeit darauf wurde er in Galizien, wohin er sich hatte flüchten wollen, arretirt und nach Olmütz gesetzt, wo er bis zur Thronbesteigung Alexanders blieb; auf dessen Ansuchen erhielt er seine Freyheit wieder.


Vermischte Nachrichten.Bearbeiten

[1812]

Der in der politischen und gelehrten Welt berühmte ehemalige Kron-Unterkanzler von Polen, Graf Kollontay, ist am 28sten Februar zu Warschau verstorben, und, nach seinem Wunsche, in der Stille beerdigt worden.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 72. Sonnabend, den 23. März 1812.
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